Wommen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Wommen (Begriffsklärung) aufgeführt.

51.01440833333310.120613888889216Koordinaten: 51° 0′ 52″ N, 10° 7′ 14″ O

Wommen
Gemeinde Herleshausen
Höhe: 216 m
Fläche: 3,61 km²
Einwohner: 278
Eingemeindung: 1. Dezember 1970
Postleitzahl: 37293
Vorwahl: 05654

Wommen ist ein Ortsteil der Gemeinde Herleshausen im Werra-Meißner-Kreis, Hessen.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Wommen liegt zwischen Ringgau im Norden, Thüringer Wald im Südosten und Richelsdorfer Gebirge im Westen an der durch die Werra gebildete hessisch-thüringische Landesgrenze. Es befindet sich am linken Ufer dieses Flusses, in den dort die durch das Dorf fließende Nesse mündet. Der Kernort von Herleshausen liegt rund 3 km ostsüdöstlich und jener der Stadt Eisenach etwa 15 km in dieser Richtung.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahre 1021 bestätigte Kaiser Heinrich II. seiner Gemahlin Kunigunde die Schenkung einiger Güter zu Herleshausen und Wommen an das Stift Kaufungen. Der Ort Wommen gehörte später zum Burgbezirk der Brandenburg, diese mächtige Doppelburganlage befindet sich vier Kilometer entfernt über dem thüringischen Nachbarort Lauchröden. In einer 1268 ausgefertigten Urkunde des Kaufunger Stiftes trat Burggraf Burghard von der Brandenburg weitere Besitztümer an dieses Kloster ab, dabei wurde Wommen erstmals urkundlich als Wumena erwähnt.[1]

Die noch im Besitz der Grafenfamilie befindlichen Güter und Rechte in Wommen gelangten 1364 an die bereits in Stedtfeld bei Eisenach ansässig gewordenen Herren von Kolmatsch. 1401 veräußerte Reinhard von Brandenburg auch seinen letzten Besitz in Wommen. Die wahrscheinlich um diesen Zeitpunkt erbaute Wasserburg soll von den Kolmatsch angelegt worden sein, sie wurde 1535 durch den hessischen Statthalter an der Lahn in Marburg, Georg von Kolmatsch, modernisiert. 1562 starb dieser Familienzweig aus. Mit der Säkularisation der hessischen Klöster seit der Mitte des 16. Jahrhunderts gelangten die ehemals Kaufunger Stiftsgüter über die Landgrafen von Hessen an die Adelsfamilie Treusch von Buttlar, welche sich bereits im Nachbarort Nesselröden ein Renaissanceschloss erbaut hatte. Wommen gehörte ab 1585 zum Amt Sontra,[2] ab 1818 zum Justizamt Netra und seit 1821 zum Kreis Eschwege. Der Ort hatte noch viele rasch wechselnde Besitzer:

  • 1364–1562: Familie von Kolmatsch
  • 1562–1596: Landgrafen von Hessen
  • 1596–1621: Treusch von Buttlar zu Nesselröden
  • 1621–1641: Landgrafen von Hessen
  • 1641–1665: Familie von Geyso
  • 1665–1765: Familie von dem Brinck
  • 1765–1806: Familie von Lindau
  • ab 1806: Familie von Kutzleben

Aus Wommen stammt der Orgelbaumeister Johann Adam Gundermann, er war ein Meisterschüler des Stader Orgelbaumeisters Arp Schnitger und schuf das für seinen Wohlklang berühmte Instrument in der Sontraer Stadtkirche St. Georg.[3]

Am 1. Dezember 1970 wurde der bis dahin selbständige Ort in die Gemeinde Herleshausen eingegliedert.[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Schloss Wommen

Das heutige Schloss Wommen wurde 1911 auf den Grundmauern der ehemaligen Wasserburg und unter Einbeziehung ihres Hauptbaues (dem heutigen Südflügel) errichtet. Diese und das zugehörige Gut waren 1908 in den Besitz des vermögenden Kammerherren Rudolf von Schutzbar-Milchling übergegangen. Mit dem Umbau war der renommierte Burgenforscher und Architekt Bodo Ebhardt betraut worden, welcher zeitgleich auch im nahen Eisenach und auf der Burg Creuzburg tätig war. Die letzte Besitzerin, Baronin Margot von Schutzbar-Milchling, übergab in einem Stiftungsvertrag vom 24. Juni 1946 ihr Eigentum an den Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverband in Marburg. Das Schloss Wommen dient heute stiftungsgemäß als Altersheim der diakonischen Anstalten Hephata.

Die Kirche in Wommen, Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet, wurde wegen Baufälligkeit 1739 bis 1744 durch den damaligen Besitzer des Gutes, Albrecht Eberhard von dem Brink, neu erbaut als barocker Predigtsaalbau.[5] Die Kirche in Wommen ist eine Kirchenfiliale von Nesselröden.

Das Ortsbild wird geprägt von der Talbrücke Wommen, welche den nördlichen Ortsrand mit der Bundesautobahn 4 überspannt. Der Bau der Talbrücke wurde 1940 begonnen und in der Folge der deutschen Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg erst 1994 fertiggestellt.

Verkehr[Bearbeiten]

Talbrücke Wommen

Wommen liegt direkt an der Bundesautobahn 4 mit einer nach dem Ort benannten, nur nach Westen führenden Anschlussstelle. Infolge der deutschen Teilung konnte der Verkehr auf der A4 im die innerdeutsche Grenze mehrfach querenden Abschnitt Gerstunger Zipfel zwischen den Anschlussstellen Obersuhl und Wommen erst Anfang der 1990er Jahre aufgenommen werden, zuvor wurde ab Wommen auf hessischer Seite die B 400 als Umgehungsstraße genutzt.

Durch das Dorf führt die Landesstraße 3251 von Herleshausen kommend zur Anschlussstelle Wommen der nördlich am Ort vorbeiführenden BAB 4. An der Anschlussstelle beginnt die Bundesstraße 400. Von der L 3251 zweigt im Ort eine Landesstraße nach Gerstungen ab.

Am 25. September 1849 eröffnete die Thüringer Bahn das letzte Teilstück ihrer „Stammbahn“ von Eisenach über Herleshausen und Wommen nach Gerstungen. Die Trasse führt zwar unmittelbar südlich am Ort vorbei, Wommen besitzt aber keinen eigenen Haltepunkt.

Sonstiges[Bearbeiten]

Wasserkraftanlage Steinmühle

Literatur[Bearbeiten]

  •  Rufolf Knappe: Wommen. In: Mittelalterliche Burgen in Hessen. Gudensberg 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 72.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wommen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Danach wechselte der Ortsname in die Schreibformen Wummen, Wumna und Wompna. Seit 1497 gilt Wommen.
  2.  Flemming, Kollmann, Seib, Stöhr: Die Landeshoheit um den Brandenfels. Das Lehen Gericht Brandenfels.. In: Der Brandenfels im Ringgau. Ein Gang durch seine Geschichte. 1998, ISBN 3-9801957-5-9, S. 151–172.
  3.  Dieter Großmann: Die Stadtkirche St. Georg in Sontra. In: Werratalverein Eschwege e.V. (Hrsg.): Das Werraland. Heft 2, Eschwege 1957, S. 22–24.
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 388.
  5.  Alfred Schulze: Grenzlandfahrt des WTV. In: Werratalverein Eschwege e.V. (Hrsg.): Das Werraland. Heft 3, Eschwege 1967, S. 45.