Woolworth Deutschland

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WOOLWORTH GmbH
Logo von Woolworth
Rechtsform GmbH
Gründung 2. November 1926
Sitz Unna, Deutschland

Leitung

  • Hans-Dieter Schindel[1] (Vorsitzender der Geschäftsführung)
  • Thomas Leege (geschäftsführender Gesellschafter)
Mitarbeiter 5.325 (2011)[2]
Umsatz 257 Mio. Euro (2011)[2]
Produkte Einzelhandel
Website www.woolworth.de
Historisches Logo. Im Gegensatz zum neuen Logo verwendete das alte Logo ein helleres Rot und ein anders gestaltetes R.

Die Woolworth GmbH [ˈwʊlwɝːθ] ist eine Einzelhandelskette mit 204 Filialen in Deutschland. Haupteigentümer sind seit dem 1. Juli 2010 zu 58,5 Prozent die HH Holding und zu 30 Prozent die Tengelmann-Gruppe. Mit seinem Angebot, das vor allem den Non-Food- und Drogeriebereich abdeckt, hauptsächlich Textilien, Haushaltsartikel, Schreibwaren, Spielwaren, Schuhe, Lederwaren sowie Süßwaren, möchte das Unternehmen vor allem preissensible Käufer ansprechen.[3]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte [Bearbeiten]

Anzeige zur Eröffnung in Bremen am 28. Juli 1927
Woolworth-Gebäude in Sonneberg, 1929
Neueröffnung der Woolworth-Filiale am 6. Dezember 1990 in Halle (Saale). Das Gebäude war bereits 1933 im Besitz der Woolworth-Kette und wurde 1990 erneut bezogen.
Woolworth-Filiale in Berlin

Am 2. November 1926[4] wurde die deutsche Tochtergesellschaft der US-amerikanischen F. W. Woolworth Company im Hotel Adlon in Berlin gegründet. Am 30. Juli 1927 wurde in Bremen das erste Kaufhaus von Woolworth in Deutschland eröffnet, auch hier wieder mit festen Preisen von 25 und 50 Pfennig und einer öffentlichen Warenpräsentation.

Im März 1932 wurde bekannt, dass der Woolworth-Konzern die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) mit mehreren Geldspenden unterstützt hatte.[5]

Lange Zeit betrieb Woolworth in Deutschland verschiedene Tochterunternehmen. Darüber hinaus gab es noch Schmuckfachgeschäfte, die unter dem Namen Rubin auftraten. Heute agieren die noch existierenden Tochterunternehmen teils selbstständig, teils als Teil der ehemaligen amerikanischen Muttergesellschaft, zum Beispiel Foot Locker.

Im Jahr 1998 trennte sich die deutsche Tochtergesellschaft von der amerikanischen Muttergesellschaft, die mittlerweile nicht mehr existiert. In einem Management-Buy-out gründete man die „DWW Deutsche Woolworth GmbH & Co. OHG“ mit Hauptsitz in Frankfurt am Main. Getragen wurde diese von der Investorengruppe Electra Private Equity (heute Cognetas). Von Januar bis Oktober 2004 stellte man das Kassensystem und die IT-Infrastruktur um. Dadurch sollte eine effizientere und verbesserte Warenbestellung und besserer Service möglich sein. So werden zum Beispiel an den Kassen Touchscreen-Lösungen auf Linux-Basis eingesetzt.

Im Jahr 2005 besaß Woolworth 330 Läden in Deutschland und neun in Österreich. Diese gliederten sich in 202 Kaufhäuser und 128 „Minis“ mit geringerer Verkaufsfläche. Die Gesamtverkaufsfläche betrug etwa 400.000 Quadratmeter.

Von März 2006 an testete das Unternehmen ein neues, modernisiertes Konzept. In Koblenz und in Frankfurt am Main eröffnete man sogenannte Concept-Stores, die sich durch eine komplett neue Einrichtung auszeichneten. Zentrales Element dieses Konzeptes waren die „Marktplätze“, Sonderflächen die sich durch eine gesonderte Decken- und Fußbodengestaltung optisch vom Rest des Ladens abhoben und auf denen spezielle Angebote und Werbeposten angeboten wurden. Ausgewählte Filialen baute man zu „Marktplatz-Filialen“ um. Als konsequente Weiterentwicklung des Konzeptes wurden dann Ende Oktober 2006 in Berlin zehn zu Marktplatz-Filialen umgebaute Läden wiedereröffnet. Um einen einheitlichen Werbeauftritt in allen Berliner Filialen zu gewährleisten wies man auch in den restlichen Filialen Sonderflächen als „Marktplätze“ aus.

Im Oktober 2007 hat Cerberus Capital Management gemeinsam mit Argyll Partners das Geschäft der Woolworth Deutschland übernommen. Cerberus übernahm dabei etwa 100 in Eigenbesitz befindliche Woolworth-Immobilien, welche von Cerberus zurückvermietet werden sollten;[6] das operative Geschäft wurde von Argyll übernommen.

Ab März 2008 passte man die Filialen erneut an, um eine positive Umsatzentwicklung zu erwirken. Neben der Anpassung des Sortiments (drastische Reduzierung) und der Verbreiterung der Laufwege bestückte man alle Filialen mit Checkout-Kassen (Kassenstände mit automatischem Laufband).

Am 11. April 2009 reichte das Unternehmen einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Frankfurt am Main ein.[7] 23 ehemalige Woolworth-Filialen wurden daraufhin von dem Textildiscounter NKD übernommen.[8] Die Drogeriemarktkette Schlecker plante ebenfalls die Übernahme mehrerer Filialen. Das Bundeskartellamt genehmigte Ende August 2009 allerdings die Übernahme von maximal 71 Woolworth-Filialen.

Im September 2009 erklärte der Pressesprecher des Insolvenzverwalters, dass 160 von ursprünglich 310 Filialen in einer neu gegründeten Deutsche Woolworth GmbH weitergeführt werden sollen.[9]

Im Mai 2010 hat die HH-Holding als Dachgesellschaft der Unternehmensgruppe Tengelmann, zu der auch die Bekleidungskette KIK gehört, Woolworth übernommen. Die bisherigen Mitarbeiter wurden zu denselben Konditionen übernommen und erhielten einen auf ein Jahr befristeten Vertrag. Das Bundeskartellamt stimmte der Übernahme im Juni 2010 zu.[10] Der Firmensitz wurde zum 1. Juli 2010 von Frankfurt nach Unna verlegt.[11]

Die österreichischen Filialen wurden im Zuge der Insolvenz von der Deutschen Woolworth GmbH (DWW) abgetrennt und an den Finanzinvestor bluO verkauft.[12] Die Läden wurden geschlossen und als Adler-Modewelt neu eröffnet. Auch die Adler Modemärkte GmbH gehört zu bluO.[13]

Filialen [Bearbeiten]

158 Filialen hat die Woolworth GmbH von der alten Gesellschaft übernommen. 40 Millionen Euro will das Handels-Unternehmen für die Renovierung ausgeben.[14] An allen alten Filialen wird das veränderte Logo angebracht und die Bestandsflächen sowie der Ladenbau werden modernisiert.[15] Mittelfristig soll das Filialnetz auf 250 Warenhäuser verdichtet werden. Auf lange Sicht kann sich die Geschäftsführung sogar 500 Filialen vorstellen. Zielstandorte sind Städte mit mehr als 30.000 Einwohnern. Dort will Woolworth mit seinem breiten Sortiment der Nahversorger sein.[16] Die Verkaufsfläche einer Woolworth-Filiale soll künftig einheitlich zwischen 1.000 und 2.000 Quadratmeter betragen, die sich maximal über zwei Stockwerke erstrecken.[17] Eine Expansion ins Ausland ist aktuell nicht vorgesehen. Das Handels-Unternehmen hat sich jedoch die Rechte für die gesamte Europäische Union – mit Ausnahme Großbritanniens – gesichert.[18]

Sortiment [Bearbeiten]

Woolworth bietet rund 6.000 Artikel im unteren und mittleren Preissegment an. Vor der Insolvenz im Frühjahr 2009 bezeichnete die Presse das Sortiment als "Sammelsurium von mehr als 25.000 Artikeln".[19] 65 Prozent des neuen Warenangebots machen Hartwaren aus wie Dekorationsartikel, Accessoires, Spiel-, Schreib- und Haushaltswaren sowie Tierzubehör. Zu 35 Prozent besteht die Produktpalette aus Textilien. Entsprechend der Preisstrategie bietet Woolworth Produkte von bekannten und weniger bekannten Marken an. Bei den bekannten Marken setzt Woolworth beispielsweise auf Ravensburger, Lego, Panasonic, Coca-Cola und Haribo. Darüber hinaus bietet das Unternehmen wechselnde Lizenzwaren, so zum Beispiel Hello Kitty, und zehn Eigenmarken an. Abgerundet wird das Angebot durch Artikel zum Einstiegspreis. Bei den Eigenmarken decken Infinity Man, Woman, Kids und Sports den Bereich Oberbekleidung für alle Altersklassen ab. Duft der Rose steht für Strumpfwaren, Marvital für Kosmetik, Belday Home für Dekorationsartikel, Basic Concept für Hartwaren und Smily für Baby-Bekleidung.[20]

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Schindel hatte vorher beim Textil-Discounter Takko gearbeitet und danach bei der Firma KiK Vertrieb und Expansion verantwortet, siehe: Stefan Weber: Ohne Schnickschnack : Woolworth besinnt sich auf Tugenden, die den deutschen Ableger der US-Kaufhauskette einst stark gemacht haben - Billigangebote und ein klares Konzept, in: Süddeutsche Zeitung 15. November 2011, Seite 22
  2. a b Jahres- und Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 18.05.2010 bis zum 30.04.2011. Abgerufen am 8. September 2012.
  3. "Woolworth will wieder wachsen", Die Welt, 26. November 2010
  4. http://www.woolworth.de/unternehmen/ueberuns/
  5. Artikel: „Woolworth-Spende für Hitler“. In: Vossische Zeitung, Nr. 144-145 des 25. März 1932
  6. http://afp.google.com/article/ALeqM5j7IxBbNmhqA8KrGB5f89ChoR4ZTg
  7. spiegel.de, Woolworth meldet Insolvenz an
  8. http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/1283684/details_8.htm
  9. http://www.rp-online.de/public/article/radevormwald/753463/Neues-Konzept-fuer-Woolworth.html
  10. RP-Online - Kartellamt genehmigt Woolworth-Übernahme, 3. Juni 2010
  11. Woolworth gehört jetzt zu Tengelmann Focus online, 1. Juli 2010
  12. Verkauf Woolworth Österreich. Abgerufen am 26. November 2010.
  13. Woolworth Österreich wird zur Adler-Modewelt. Abgerufen am 26. November 2010.
  14. "Jede Woche eine neue Filiale", TextilWirtschaft, 2. Dezember 2010
  15. "Woolworth will der Gegen-Karstadt werden", Der Handel, 25. November 2010
  16. "Warenhauskette Woolworth demonstriert neue Stärke", Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. November 2010
  17. "Woolworth zieht es in jede Stadt", Süddeutsche Zeitung, 26. November 2010
  18. "Woolworth erfindet sich neu", Immobilien Zeitung, 3. März 2010
  19. Stefan Weber: Ohne Schnickschnack : Woolworth besinnt sich auf Tugenden, die den deutschen Ableger der US-Kaufhauskette einst stark gemacht haben - Billigangebote und ein klares Konzept, in: Süddeutsche Zeitung 15. November 2011, Seite 22
  20. "Jede Woche eine neue Filiale", TextilWirtschaft, 2. Dezember 2010