Welt-Anti-Doping-Agentur

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Die Welt-Anti-Doping-Agentur[1] (WADA, englisch World Anti-Doping Agency) ist eine internationale Organisation, die weltweit die Maßnahmen gegen das Doping im Leistungssport organisiert.

Organisation[Bearbeiten]

Die WADA wurde 1999 als Ergebnis einer vom IOC initiierten Welt-Anti-Doping-Konferenz mit dem Ziel gegründet, die Anti-Doping-Programme auf internationaler und nationaler Ebene in Hinsicht auf die Entdeckung, Abschreckung und Verhinderung von Doping zu harmonisieren und koordinieren. Die nationalen und internationalen Sportfachverbände wollten die finanzielle Verantwortung für falsch-positive Dopingfälle abgeben, da sie durch die British Athletics Federation,[2] gewarnt waren. Dieser Britische Leichtathletikverband hatte Konkurs anmelden müssen, da er die sechs Jahre Prozesskosten im Fall Diane Modahl nicht aufbringen konnte. Zwar gründete sich der Verband als UK Athletics am nächsten Tag neu, so dass nur der Sportlerin mehr als 500.000 EUR Verlust blieb, aber dies war eine Warnung für alle Verbände das finanzielle Risiko auszugliedern. [3][4]

Im April 2002 wurde das Hauptquartier der WADA von Lausanne nach Montreal, Kanada, verlegt, da IOC-Vizepräsident Richard Pound der Vorsitzende wurde. Seit dem 1. Januar 2014 ist der ehemalige Vorsitzende der British Olympic Association (BOA), Craig Reedie, der Präsident der WADA.[5] Die WADA sorgt für die Kontrolle der Sportler während der Trainingsphasen und während der Wettkämpfe. Dazu dienen angemeldete ebenso wie überraschend angesetzte Besuche an den Trainingsorten oder zu Hause bei den Athleten.

Untersuchungsmethoden sind Urintests, Bluttests und andere medizinisch angezeigte Maßnahmen. In insgesamt 34 autorisierten WADA-Labors werden die doppelt erhobenen Proben (A- und B-Probe) auf verbotene Substanzen (beispielsweise EPO) oder Methoden (zum Beispiel Blutdoping) untersucht. Grundlage dieser Bestrebungen ist der WADA-Code und die jährlich aktualisierte Verbotsliste (Prohibited List).

Anti-Doping-Regeln[Bearbeiten]

Die WADA verfolgt eine rigorose Null-Toleranz-Haltung gegenüber Doping. Die derzeitige Anti-Doping-Regeln sehen vor, dass Athleten sieben Tage die Woche eine Stunde lang für unangemeldete Kontrollen verfügbar sein müssen. Ferner müssen sie verbindlich drei Monate im Voraus festlegen, wo sie wann auffindbar sind. Die Kontrolleure sind angehalten, im Zweifelsfalle (d. h. auch bei kleinen Formalfehlern) gegen den Athleten zu entscheiden. Drei Verstöße binnen 18 Monaten gelten als positive Dopingprobe und ziehen eine automatische Sperre nach sich.[6]

Die WADA wertet darüber hinaus (Artikel 2.3) eine nicht sofortige Dopingkontrolle bzw. „Unterbrechung des visuellen Kontaktes mit dem betreffenden Sportler“ automatisch als „absichtliche Verhinderung des Tests“. Dies wird ebenfalls als positiver Test gewertet und führt zu einer nicht verhandelbaren Sperre von 12 Monaten. Ebenfalls wird immer davon ausgegangen, dass für eine verspätete Dopingprobe immer der Sportler in der Bringschuld steht und nicht der Kontrolleur.[7]

Aktuell gilt der Anti-Doping Code 2009 und mit Jahresbeginn 2015 tritt ein neuer Code der WADA in Kraft.[8][9] Die Änderungen beinhalten im Wesentlichen:

  • Die Standard-Sperre wird bei schweren Vergehen von zwei auf vier Jahre erhöht.
  • Die Zusammenarbeit zwischen den Anti-Doping-Organisationen und den strafrechtlichen Ermittlungsorganen wird geändert, sodass Zeugen in einem Anti-Doping-Verfahren bei Nichterscheinen künftig von einem ordentlichen Gericht vorgeladen werden können.
  • Athleten ist es künftig untersagt, mit verurteilten Trainern, Betreuern oder Funktionären zusammen zu arbeiten.

Bis Januar 2015 sollen diese Änderungen weltweit eingeführt werden und in Kraft treten.[10]

Meldesystem ADAMS[Bearbeiten]

Seit Anfang 2009 benutzt die WADA ein Online-Meldesystem namens ADAMS, mit der Athleten ihrer Meldepflicht (s.o.) nachzukommen haben. Dieses System wurde wegen technischer und ethischer Unzulänglichkeiten von verschiedenen Seiten kritisiert. Hockeyspielerin und Athletensprecherin Marion Rodewald kritisierte ADAMS als „nicht selbsterklärend und in der praktischen Handhabung sehr umständlich“.[11] Die schärfste Kritik kam aber vom Bundesbeauftragten für den Datenschutz, Peter Schaar. Er sieht die Einhaltung der Menschenwürde der Athleten nicht gewahrt, kritisiert die „lückenlose Aufenthaltskontrolle, unzureichenden Datenschutz und den Generalverdacht gegen Athleten“ und nannte ADAMS äquivalent mit einer elektronischen Fußfessel. Besonders der Mangel an Datensicherheit und die fehlende Anonymisierung wurde kritisiert.[12]

Kritik an ADAMS wies WADA-Generaldirektor David Howman als „Berührungsängste“ mit einer neuen Technologie zurück.[13] Diese Ansicht wurde von DOSB-Präsident Thomas Bach verteidigt, der zwar zugibt, dass das System „Athleten einiges zumutet“ und nicht perfekt sei. Er führt an, dass das Meldesystem „freiwillig“ und nur für Leistungssportler sei: Vorwürfe einer lückenlosen Überwachung seien somit unzutreffend. Außerdem sei seiner Ansicht nach die schweigende Mehrheit der Athleten für dieses System.[14]

Motivation[Bearbeiten]

John Fahey, der Chef der WADA, begründet das harte Vorgehen mit dem Abschreckungseffekt und sieht rigoroses, flächendeckendes Testen als bestes Mittel gegen Doping.[15] Der österreichische Dopingexperte Hans Holthaus führte an: „Ich bin überzeugt, dass eine neue Generation von Sportlern heranwächst, und dass die Generation, die systematisch gedopt hat, ausstirbt.“[15]

Auf Klagen, dass die bestehenden Anti-Dopingregeln in die Privatsphäre eindringen, zeigt Fahey wenig Verständnis und führt an: „Es ist doch viel leichter anzugeben, wo du dich gerade aufhältst, als Flugtickets umzutauschen.“[16]

Evi Simeoni von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verteidigte die WADA-Regeln mit dem Argument, dass dopende Sportler nur mit strengen Regeln zu stoppen seien.[17] IOC-Präsident Jacques Rogge gibt zu, dass die Regeln Sportler unter Generalverdacht stellen, aber stellt sich hinter die WADA: „Der Sport muss [für Glaubwürdigkeit] einen gewissen Preis zahlen.“[18] Unter Sportlern befürworten Tennisspieler Roger Federer[16] sowie Eisschnellläuferin Anni Friesinger diese Regelungen. Friesinger führte an, dass Privatpersonen schon jetzt freiwillig (u. a. für Online-Einkäufe) persönliche Daten herausgeben würden.[19]

Praktische Umsetzung[Bearbeiten]

Die harte WADA-Line führte dazu, dass die italienischen Fußball-Profis Daniele Mannini und Davide Possanzini (beide damals Brescia Calcio) im Januar 2009 wegen einer „um wenige Minuten verspäteten“ Dopingkontrolle jeweils ein Jahr gesperrt wurden. Nachdem beide Spieler ursprünglich vom italienischen Verband FIGC für zwei Wochen gesperrt worden waren, klagte die WADA vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) und forderte jeweils zwei Jahre Sperre. Die CAS halbierte die Strafen, gab der WADA aber in der Sache Recht. Die FIGC reagierte mit „Entsetzen“ auf dieses „lächerliche Urteil“ und mutmasste, dass die CAS und die WADA ein Exempel statuieren wollten.[20] Aus Solidarität mit den gesperrten Spielern fingen alle Spiele der Serie A am ersten Februarwochenende mit 15 Minuten Verspätung an.[21] Pikant war, dass in einem vergleichbaren Fall Francesco Totti, Kapitän von AS Rom, wegen einer Fußblessur ebenfalls verspätet zu einer Dopingkontrolle kam, aber in seinem Fall die WADA keinen Anlass zum Protest sah.[7]

TUE[Bearbeiten]

Bei Therapeutic Use Exemptions (TUE) handelt es sich um die Verwendung von Medikamenten der Dopingliste aus therapeutischen Gründen. Diese müssen bei nationalen Wettbewerben von nationalen, bei internationalen von internationalen Ärzten auf Antrag von Athlet und Hausarzt beantragt werden. Der Antrag muss 21 Tage vor dem Wettkampf beim Verband vorliegen.[22] Die dann legale Verwendung von Anabolika nach einer Muskelverletzung (oder Testosteron nach Hodenkrebs wie bei Lance Armstrong) sind die häufigsten Varianten. Im Jahr 2009 wurden allein für Deutschland 4086 TUEs ausgestellt.[23] Auch wenn solche TUEs erforderlich sind um z. B. im Seniorensport, in dem häufig rezeptpflichtige Medikamente im Interesse der Lebensqualität eingesetzt werden (müssen), nicht zu viele Sportler auszuschließen, so liegt doch ein erhebliches Missbrauchspotenzial in den TUEs.[24]

Kritik[Bearbeiten]

Die Reaktionen seitens der Athleten auf die harte WADA-Linie sind sehr verschieden. Insbesondere vom Fußball wird die WADA hart kritisiert.

Unisono beschreiben die Fußballorganisationen FIFA (Weltfußballverband), UEFA (europäischer Fußballverband) und der DFB die WADA-Methoden als übertrieben. FIFA-Präsident Sepp Blatter bezeichnete die Überwachung als „Hexenjagd“ und halten die Dopingtestpflicht während eines Urlaubes als „inakzeptabel“. Dieses Urteil wurde auch im Namen der UEFA gefällt, und auch DFB-Präsident Theo Zwanziger nannte die WADA-Maßnahmen „übertrieben“. Wada-Sportdirektor David Howman reagierte auf diese Äußerungen „entsetzt“ und drohte mit einem Olympiaausschluss für die Sportart Fußball.[25]

Tennisspieler Rafael Nadal, Fußballer Michael Ballack und Stabhochspringer Danny Ecker kritisierten diese Regelungen scharf. „Wir fühlen uns durch die Meldepflicht wie Kriminelle. Das ist Verfolgungswahn und nicht fair … Ich bin der Erste, der einen fairen und vollkommen sauberen Wettbewerb will … [Aber] Es ist besonders im Tennis oft sehr schwierig zu sagen, wo man sich am nächsten Tag aufhält“, schimpfte Nadal im Januar 2009.[26] Ballack und Ecker beschwerten sich unisono über „unannehmbare Einschränkungen der persönlichen Freiheit“.[26] Die britische Ruderin Annie Vernon (Olympia-Silber 2008 in Peking) nannte die WADA-Regelungen „unrealisierbar“. Die Regelungen drängen so weit in ihre Intimsphäre ein, dass sie mitten aus einem Urlaub in Miami herausgerissen und in die Dopingkontrolle gebracht worden sei.[27]

Weitere Negativmeinungen kamen von Sir Alex Ferguson, dem Trainer und Manager von Manchester United, der die WADA-Regeln als „logistischen Alptraum“ bezeichnete, und den Tennisspielern Andy Roddick („ein normales Alltagsleben wird unmöglich“) und Serena Williams („die Regeln dringen in die Intimsphäre ein“).[28] [29] Stabhochsprung-Olympiasiegerin Jelena Issinbajewa kritisierte, dass die Regelungen „unschuldige Sportler benachteiligen, während die Schuldigen trotzdem davonkämen.“[18]

Der belgische Anwalt Kristof de Saedeleer klagte 2009 im Namen von 65 belgischen Athleten gegen diese Regelung. Er nannte sie „paranoid, entwürdigend und drakonisch“ und prangerte Einschnitte in die Privatsphäre sowie das Außerkraftsetzen der Unschuldsvermutung an.[6] Auch die internationale Fußballspieler-Gewerkschaft FIFPro, die 42 Länder vertritt, kündigte Klagen an. Sie argumentieren, dass eine 365-Tage-Kontrolle nicht mit dem Recht auf Urlaub (in Europa Minimum 20 Tage) vereinbar sei.[6] Dopingexperten sehen auch einen Konflikt mit Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens): „Jede Person hat das Recht auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens, ihrer Wohnung und ihrer Korrespondenz … Eine Behörde darf in die Ausübung dieses Rechts nur eingreifen, soweit der Eingriff gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig ist.“[26]

Auch von der Fachpresse gab es besorgte Stimmen. Die Times kritisierte die Entwicklungen als „unverhältnismäßig“ und führt an, dass unschuldige Spieler bei kleinen formaljuristischen Verstößen genau so hart bestraft werden wie Schuldige.[7]

Die WADA hat detaillierte Informationen über das Meldesystem auf ihrer Website.[30]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutschsprachige Bezeichnung in Veröffentlichungen der WADA, z.B. Welt-Anti-Doping-Code 2009
  2. About UK Athletics. UK Athletics. 2013. Abgerufen am 7. Februar 2013.
  3. Barrie Houlihan: Dying to win: doping in sport and the development of anti-doping policy. Council of Europe, 2002, ISBN 978-92-871-4685-4, S. 190– (Zugriff am 16 March 2012).
  4. An introduction to drugs in sport: addicted to winning?. Routledge, 29 January 2009, ISBN 978-0-415-43125-5, S. 230– (Zugriff am 16 March 2012).
  5. https://www.wada-ama.org/en/who-we-are/governance/wada-management/sir-craig-reedies-biography
  6. a b c Legal threat to anti-doping code, bbc.co.uk
  7. a b c Wada’s cause tainted by punishment that does not fit crime, The Times
  8. Klug: Anti-Doping-Gesetz wird verschärft (12. September 2014)
  9. WADA Anti-Doping Code 2009 (PDF, 1,3 MB)
  10. Neue Waffen für die Doping-Jagd (12. September 2014)
  11. Athleten wollen besseres ADAMS, sport.ard.de
  12. Schaar äußert Bedenken gegen Online-Meldesystem (Memento vom 11. Februar 2013 im Webarchiv Archive.today), ftd.de
  13. WADA hält am neuen Meldesystem fest, sport.ard.de
  14. Bach weist Kritik an Meldesystem zurück, sueddeutsche.de
  15. a b Drugs chief warns Olympic cheats, bbc.co.uk
  16. a b WADA-Chef Fahey zu Nadals Kritik: «Überrascht» (Memento vom 11. Februar 2013 im Webarchiv Archive.today), ftd.de
  17. Nicht bloß Pipifax, faz.net
  18. a b Drug test rules upset Isinbayeva, bbc.co.uk
  19. Ich bringe keine Opfer, faz.net
  20. Doping ban shocks Italian soccer, italymag.co.uk
  21. Gladbach legt Protest gegen die Spielwertung ein, faz.net
  22. http://www.nada-bonn.de/fileadmin/user_upload/nada/Downloads/Texte/TUE1_mit_Schema.pdf
  23. NADA (Hrsg.): NADA-Jahrbuch 2009. Aachen: Meyer & Meyer 2010, S. 58, Abb. 9. http://www.nada.de/fileadmin/user_upload/nada/Downloads/Jahresberichte/NADA_Jahrbuch_2009.pdf
  24. vgl. Arnd Krüger:Olympische Spiele als Mittel der Politik (S. 35 -54, bes. S. S. 46f.), in: Eike Emrich, Martin-Peter Büch, Werner Pitsch (Herausg.): Olympische Spiele - noch zeitgemäß? Werte, Ziele, Wirklichkeit in multidisziplinärer Betrachtung. Saarbrücken: Universitätsverlag des Saarlandes 2013, ISBN 978-3-86223-108-9; http://universaar.uni-saarland.de/monographien/volltexte/2014/112/pdf/Olympische_Spiele.pdf
  25. Wada entsetzt über Blatter-Angriff, spiegel.de
  26. a b c Angst vor dem „gläsernen“ Athleten, sport.ard.de
  27. Athletes air issues over testing, bbc.co.uk
  28. Andy Murray criticises new anti-doping rules, The Times
  29. Serena joins chorus of anti-WADA voices, downtheline.com
  30. Information on Whereabouts, WADA Website

Weblinks[Bearbeiten]