Woronesch

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Dieser Artikel behandelt die russische Stadt; eine Beschreibung des gleichnamigen Flusses findet sich unter Woronesch (Fluss).
Stadt
Woronesch
Воронеж
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Vorlage:Infobox Ort in Russland/Wartung/AltFöderationskreis Zentralrussland
Oblast Woronesch
Bürgermeister Sergei Koliuch
Gegründet 1586
Stadt seit 1779
Fläche 601 km²
Höhe des Zentrums 140 m
Bevölkerung 889.989 Einw. (Stand: 2010)
Bevölkerungsdichte 1.481 Ew./km²
Zeitzone UTC+4
Telefonvorwahl (+7)4732
Postleitzahl 3940xx
Kfz-Kennzeichen 36
OKATO 20 401
Website http://www.voronezh-city.ru/
Geographische Lage
Koordinaten 51° 39′ N, 39° 12′ O51.6539.2140Koordinaten: 51° 39′ 0″ N, 39° 12′ 0″ O
Woronesch (Russland)
Red pog.svg
Woronesch (Oblast Woronesch)
Red pog.svg
Oblast Woronesch
Liste der Städte in Russland

Woronesch (russisch Воронеж ( Aussprache?/i), wiss. Transliteration Voronež) ist eine russische Stadt mit knapp 890.000 Einwohnern (2010) und Hauptstadt der Oblast Woronesch.

Woronesch
Klimadiagramm (Erklärung)
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Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: Roshydromet
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Woronesch
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −5,6 −4,4 1,2 12,9 20,9 24,0 25,4 24,5 18,5 10,2 2,4 −2,4 Ø 10,6
Min. Temperatur (°C) −12,1 −11,6 −5,6 3,2 9,1 12,5 14,3 13,0 8,0 2,4 −2,7 −8,0 Ø 1,9
Niederschlag (mm) 41 32 31 40 46 66 73 57 54 39 50 50 Σ 579
Regentage (d) 9 7 7 8 7 9 10 7 8 7 10 11 Σ 100
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Quelle: Roshydromet

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geographie

Woronesch liegt rund 490 km (Luftlinie) süd-südöstlich von Moskau und nur etwas östlich der Mittelrussischen Platte am Woronesch kurz vor dessen Mündung in den Don.

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Etymologie

Der Name Woronesch wurde erstmals in der Hypatiuschronik für das Jahr 1177 erwähnt, aber menschliche Siedlungen auf dem heutigen Stadtgebiet sind durch archäologische Funde seit der Steinzeit bezeugt. Es gibt mehrere Versionen zur Herkunft des Namens. Eine Hypothese ist die Herleitung der Bezeichnung vom slawischen Personennamen Woroneg, eine andere vom russischen (slawischen) Namen des Vogels Rabe (woron, russisch ворон). Woronesch ist ebenso ein Hydronym, für den durch die Stadt fließenden Fluss.

Eine vergleichende Analyse der Bezeichnung Woronesch wurde 2009 durchgeführt. Sie beinhaltete die Suche nach etymologischen Quellen nicht nur in der russischen und den slawischen, sondern auch in anderen indogermanische Sprachen, gemäß der nominalistischen Methode Max Müllers. Demnach könne der Ursprung des Namens Woroneg und des Vogels woron zu indoeuropäischen Eponymen wie Uranos, Varuna, Phoroneus oder Bran in Bezug gesetzt werden. Die vergleichende Analyse legt die Herkunft der indoeuropäischen Toponyme und Hydronyme wie Woronesch, Varanasi, Warna, Warnow oder Verona von Namen alter Wassergottheiten nahe.[1]

[Bearbeiten] Gründung

Im Jahre 1586 wurde auf dem heutigen Stadtgebiet von Woronesch eine hölzerne Grenzfestung zum Schutz gegen häufigen Einfälle der Krimtataren errichtet. Als Ort wurde der höchste Hügel am rechten Ufer des Flusses Woronesch gewählt. Von hier aus war die Ebene des linken Flussufers gut und weithin überschaubar, von wo mit dem Erscheinen der Nomaden gerechnet wurde. Nachdem die Festung 1590 niedergebrannt wurde, errichtete man 1594 eine neue, umfangreichere Festungsanlage, die auch im folgenden Jahrhundert noch bestand. Die erste schriftliche Erwähnung der Festung findet sich in "Dosornaja kniga" (Wachtbuch) von 1615.

Im 17. Jh. galt die Stadt als größtes Handelszentrum im russischen Schwarzerdegebiet. Zar Peter der Große gründete 1696 eine Schiffswerft zum Aufbau der ersten russischen Flotte, die zur Einnahme des osmanischen Asow verwendet werden sollte. Die Flotte sollte über den Fluss Woronesch und den Don ins Asowsche bzw. Schwarze Meer gelangen. Dadurch erhielt die kleine Siedlung Woronesch plötzlich politische Bedeutung, da Zar Peter häufig in der Stadt weilte, um beim Flottenbau mitzuwirken. Einige diplomatische Vertreter europäischer Staaten ließen sich in V. nieder und wie in Moskau gab es auch in V. eine deutsche Vorstadt. Diese Phase dauerte aber nur bis 1705 an, als der Umzug des Schiffbaus ins südlichere Tavrov vollzogen wurde. Damit endete die "Marine-Geschichte" von Woronesch und die Stadt verlor sukzessive an Bedeutung und fungierte ab 1711 vor allem als Gouvernementzentrum (bis 1825 des Gouvernements Asow, seit 1825 des Gouvernements Woronesch). In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Woronesch zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum des südwestlichen Russlands. Insbesondere die Agroindustrie und der Handel von Nahrungsmitteln, wie Brotwaren, Vieh, Salz und Wolle hatte große Bedeutung. Mit der Fertigstellung der Eisenbahnverbindung nach Moskau 1868 und Rostow am Don 1871 beschleunigte sich das Wachstum der Stadt erneut. 1897 hatte Woronesch 81.000 Einwohner und zählte zu den zehn größten Städten Russlands

[Bearbeiten] Zweiter Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt 1942 bis 1943 nach der Woronesch-Woroschilowgrader Operation 212 Tage lang von der Wehrmacht besetzt und erlitt große Schäden. Etwa 30.000 der 350.000 Einwohner der Stadt kamen in dieser Zeit ums Leben oder wurden zur Zwangsarbeit nach Deutschland gebracht.

In Woronesch bestand das Kriegsgefangenenlager 82 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[2]

Als Mahnmal für den Frieden wurde etwa 40 km südwestlich von Woronesh an der P 194 in Jemantscha eine Kriegsgräberstätte für 1.143 deutsche Soldaten aus den Jahren 1941-1945 angelegt. Die Namen sind auf drei Stelen aus Granit verzeichnet.[3]

[Bearbeiten] Wiederaufbau

Nach dem Krieg wurde Woronesch wieder aufgebaut, auch die Nikolski-Kirche und der Potemkin-Palast aus dem 18. Jahrhundert.

2006 erklärten Journalisten Woronesch zur „Hauptstadt des russischen Fremdenhasses“.[4] Es gab bereits mehrere rassistisch motivierte Morde in der Stadt. Nach Schätzungen des Anti-Rassismus-Aktivisten Alexei Koslow gibt es in Woronesch pro Jahr „50 bis 60 Angriffe“ auf Ausländer. Koslow beobachtet die Entwicklung seit zehn Jahren, lehnt jedoch die Etikettierung „Hauptstadt des Fremdenhasses“ ab, da die Probleme in anderen Städten ähnlich seien.

[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten

Mariä-Verkündigungs-Kathedrale (erbaut 2009)

Die Stadt ist noch ein Geheimtipp für Russlandtouristen. Woronesch ist eine Schatzkiste der Architektur. In ihrem Stadtbild vereinigt die Stadt den Stil des Barock mit dem prächtigen Governeurspalais im Zentrum mit dem Stil des Klassizismus, der von einem weiteren Palais des Gouverneurs und einem Gebäude von Giacomo Quarenghi im Stadtbild vertreten wird. Letzteres wurde zwar nach dem Zweiten Weltkrieg erweitert, aber stilistisch nicht verändert. Überall in der Stadt gibt es Vertreter der verschiedensten Bauepochen, so auch den stalinistischen Zuckerbäckerstil bei den Theatern und dem Verwaltungsgebäude der Süd-Ost-Eisenbahn oder den Historismus und Jugendstil beim Bristol-Hotel aus dem frühen 20. Jahrhundert. In den 1980er Jahren wurde das Puppentheater von litauischen Malern geplant und geschaffen. Die Architektur ist eine magische Komposition und schafft eine herausragende Verbindung von Architektur und Malerei. Es gibt eine Reihe sehenswerter orthodoxer Kirchen im klassisch-russischen Stil, wie die Mariä-Entschlafens-Kirche sowie zwei bekannte orthodoxe Klöster, darunter ein Höhlenkloster. In einem großen Freilandmuseum ist außerdem eine ausgegrabene altertümliche Siedlung der Alanen zu sehen.

Rings um Woronesch herum gibt es daneben viele Relikte der Kurgankultur und andere interessante archäologische Objekte.

[Bearbeiten] Stadtgliederung

Stadtrajon
(Gorodskoi Rajon)
Russischer Name Einwohner
1. Januar 2006
Bemerkung
Kominternowski Коминтерновский 248.489  
Leninski Ленинский 107.614  
Lewobereschny Левобережный 170.308  
Schelesnodoroschny Железнодорожный 100.369 außerdem sind dem Rajon die selbständigen Siedlungen städtischen Typs Krasnolesny (Краснолесный; 5.270 Einwohner) und Somowo (Сомово; 13.661 Einwohner) unterstellt
Sowetski Советский 143.143 außerdem sind dem Rajon die selbständigen Siedlungen städtischen Typs Pridonskoi (Придонской; 17.006 Einwohner) und Schilowo (Шилово; 6.952 Einwohner) unterstellt
Zentralny Центральный 76.426  

Quelle: Staatliches Statistikamt der Russischen Föderation.[5]

[Bearbeiten] Wirtschaft und Verkehr

Der Bahnhof in Woronesch

Heute ist Woronesch die größte Stadt der südwestrussischen Schwarzerderegion, einer der Kornkammern des Landes. Hier sind Betriebe der Maschinenbau-, Chemie- und Nahrungsmittelindustrie angesiedelt. Aus Woronesch stammen unter anderem die in Osteuropa noch weit verbreiteten Verkehrsflugzeugtypen Iljuschin Il-86 und Il-96. Auch Raketenantriebe, Fahrzeugreifen und landwirtschaftliche Geräte werden hier im großen Stil produziert. Um den Fabriken genug Wasser zur Verfügung stellen zu können, wurde 1972 ein künstlicher Stausee angelegt, der die Stadt seit dem in den eher industriell geprägten Teil auf dem linken Ufer und den älteren Teil am rechten Ufer teilt. Es wurde mit dem Bau eines Heizkernkraftwerks mit zwei Reaktoren des Typs AST-500 begonnen. Inzwischen wurde dieser aber eingestellt (siehe Hauptartikel Kernheizwerk Woronesch). In der nahegelegenen Stadt Nowoworonesch (Neu-Woronesch) gibt es das Kernkraftwerk Nowoworonesch sowie das seit 2007 in Bau befindliche Kernkraftwerk Nowoworonesch II.

Woronesch ist ein Eisenbahnknotenpunkt und besitzt einen Flughafen sowie einen Binnenhafen am Don. Ferner liegt es an der russischen Fernstraße M 4 von Moskau nach Noworossijsk. Der öffentliche Personennahverkehr basiert russlandtypisch auf einem System aus Stadtbussen, Trolleybussen und Marschroutentaxis. Das 1926 in Betrieb genommene Straßenbahnnetz der Stadt wurde im April 2009 stillgelegt.

Die Stadt Woronesch wird aufgrund industriebedingter Verschmutzung im Volksmund auch Sektor Gasa (Gazastreifen; kann aber auch als Sektor des Gases übersetzt werden) genannt. Die dort beheimatete, gleichnamige Punkband sang einst, dass man dort nicht älter als 40 Jahre werde. Das ist vielleicht etwas übertrieben, aber das Stadtbild ist in der Tat in weiten Teilen, außerhalb des Stadtkerns, industriell geprägt und entsprechend stark verschmutzt.

[Bearbeiten] Bildung und Kultur

Blick auf Woronesch vom Stausee

Die Entwicklung der Wissenschaft in Woronesch begann mit dem Erscheinen der ersten wissenschaftlichen Zeitschrift Filologitscheskije Sapiski im Jahr 1860, deren Herausgeber Alexei Chowanski seit 1845 Lehrer der russischen Sprache im Woronescher Sankt-Michael-Kadettenkorps war.

In Woronesch gibt es eine klassische staatliche Universität, die ihren Sitz in Tartu hatte und 1918 nach der Unabhängigkeit Estlands hierher verlegt wurde. Die Universität hat einen hohen Bekanntheitsgrad und Studenten aus Asien, Afrika und Lateinamerika geben ihr ein internationales Flair. Zusätzlich gibt es zahlreiche weitere Hochschulen und Bildungsinstitutionen. Museen und Theater vervollständigen das Bild.

Weiterführende Bildungseinrichtungen am Ort:

  • Staatliche Hoch- und Fachhochschulen mit Sitz in Woronesch
    • Staatliche Universität Woronesch
    • Staatliche Universität für Architektur und Bauwesen Woronesch
    • Staatliche Pädagogische Universität Woronesch
    • Staatliche Technische Universität Woronesch
    • Staatliche Technologische Akademie Woronesch
    • Staatliche Forsttechnische Akademie Woronesch
    • Staatliche K.-D.-Glinka-Agraruniversität Woronesch
    • Staatliche Kunstakademie Woronesch
    • Staatliche N.-N.-Burdenko-Medizinakademie Woronesch
    • Medizinische Hochschule Woronesch/ Medizinische Akademie Woronesch
    • Staatliche Ballettschule Woronesch
  • Filialen anderer Hochschulen
    • Filiale der Universität Belgorod für Verbraucherkooperation
    • Filiale der Akademie für Ökonomie und Recht Moskau
    • Filiale des Geisteswissenschaftlich-Ökonomischen Instituts Moskau
    • Filiale der Staatlichen Akademie für Sport Moskau
    • Filiale der Russischen Akademie für Staatsdienst Woronesch
    • Filiale der Russischen Staatlichen Öffentlichen Technischen Universität für Verkehrsverbindung
    • Filiale der Staatlichen Jüdischen Akademie
    • Filiale des Allrussischen Ferninstituts für Finanzen und Ökonomie
    • Filiale der Staatlichen Handelsuniversität Moskau
  • Sonstige Hochschulen und Institute
    • Geisteswissenschaftliches Institut Woronesch
    • Hochschule des Innenministeriums Russlands Woronesch
    • Institut für Management, Marketing und Finanzen
    • Institut für Mikroelektronik und Angewandte Physik
    • Institut für Ökonomie und Recht
    • Institut für Ökonomie und Sozialverwaltung Woronesch
    • Internationale Universität für Computertechnologien
    • Internationale Universität für hohe Technologien
    • Militärinstitut für Nachrichtenelektronik
    • Technische Militärinstitut für Luftfahrt Woronesch
    • Unternehmerhochschule Woronesch
    • Wirtschaftsrechtliches Institut Woronesch
    • Zentrum für wirtschaftsrechtliche Ausbildung bei der Staatlichen Pädagogischen Universität Woronesch

[Bearbeiten] Sport

Im Fußball ist die Stadt durch den Verein FK Fakel Woronesch vertreten.

[Bearbeiten] Partnerstädte und Partnerlandkreise

Seit 1989 unterhält die Stadt Woronesch eine Partnerschaft zum Landkreis Wesermarsch. Die Partnerschaft wird durch regelmäßige Besuche von Vertretern der Politik und Verwaltung aufrecht gehalten. Ein weiterer Bestandteil der Partnerschaft sind jährliche Fahrten von Jugendlichen in die Partnerstadt bzw. den Partnerlandkreis.[6]

[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt

Woronesch ist die Heimatstadt des russischen Schriftstellers Iwan Bunin, der mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Von 1934–38 lebte der Dichter Ossip Mandelstam hier in Verbannung.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. A. Lazarev: Tajna imeni Voronež. Woronesch, 2009
  2. Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977.
  3. Kriegsgräberstätte Jemantscha bei Woronesh
  4. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,523457,00.html No-Go-Areas in russischen Städten
  5. Staatliches Statistikamt der Russischen Föderation
  6. Partnerschaft zwischen der Wesermarsch und Woronesch.

[Bearbeiten] Weblinks

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