Wortspiel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Wortwitz)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die rhetorische Figur. Für das Literaturfestival siehe Wortspiele.

Ein Wortspiel ist eine rhetorische Figur, die hauptsächlich auf der Mehrdeutigkeit, Verdrehung, Umdrehung (dem Sinne nach) oder sonstiger Wortveränderungen beruht und dem Verfasser humorvoll und/oder geistreich erscheint. Zum Beispiel ist Copyleft ein Wortspiel mit Copyright.

Arten[Bearbeiten]

Es gibt mehrere Kategorien von Wortspielen. Die häufigsten sind:

  • Homonymie: Unterschiedliche Wörter, die zufällig gleich klingen, jedoch unterschiedlichen Ursprungs sind und oft auch unterschiedlich geschrieben werden
Wenn es Häute (heute) regnet, wird das Leder billig.
  • Polysemie: die Mehrdeutigkeit von Wörtern wird genutzt
„Bist du per Anhalter gekommen?“ – „Wieso?“ – „Du siehst so mitgenommen aus.“
Zu viele Stoppschilder bringen den Fahrer zum Rasen.
  • Paronomasie: die klangliche Ähnlichkeit von Wörtern ist die Grundlage
Eile mit WeileWer rastet, rostetUrbi et orbi
  • Paragramm: ein Wort oder eine feste Wendung wird durch den Austausch einzelner Buchstaben oder Laute abgewandelt, so dass das Vorbild gut erkennbar bleibt
Volk der Dichter und DenkerVolk der Richter und Henker
  • Ein Spezialfall davon sind SpoonerismenAnagramme (auch Buchstabendreher genannt): es werden Buchstaben oder Laute vertauscht
Kentucky Fried Chicken[1]Kentucky schreit ficken
auch nicht schlechtSchlauch nicht echt
Als eine Spielsprache entstand in Frankreich Verlan aus Buchstaben- oder Silbendrehern.
  • Ein Spezialfall davon sind wiederum Schüttelreime (etwa: „Auf den diesjährigen Bachfesten sangen leider nicht die Fachbesten“.)
  • Silbentrennung: Die Silben mehrerer Wörter werden so getrennt, dass diese Wörter schriftlich einen neuen Sinn ergeben. Der neue Sinn ergibt sich schon vom Kontext, obwohl man die Silbentrennung nicht hört.
„Ich kauf dir Ohrringe von Christian Dior… was passiert denn dann mit denen, Schatz?… du Christian Dior“ (→ du kriegst die an die Ohren).
„Gleich bist du deinen Kopf los. Dann bist du kopflos? Und ich kauf dir ein Kopflos.“
„Ich höre gerne Musik in meinem Mercedes, dafür brauch’ ich mehr CDs.“ (→ Mer-ce-des)
  • Es wird mit dem Klang fremdsprachlicher Wörter gespielt, die in einen Satz der eigenen Sprache eingebaut werden
Hu Wäng, lang Jäng (ist Kölsch und bedeutet: Hohe Wände, lange Gänge; klingt aber chinesisch).
Los Wochos (hier wurde das deutsche Wort „Woche“ wie ein spanisches Wort verwendet, eigentlich müsste es „Las Semanas“ heißen).
Tschann, schien d’ Sonn’ schon? – D’ Sonn’ schien schon scheen. (Ein Wortspiel mit dem chinesischen Klang der Worte: „Jean, schien die Sonne schon? – Die Sonne schien schon schön.“)[2]

Konstruktion[Bearbeiten]

Das Wortspiel ist ein Begriff aus der Allgemeinsprache und steht für einen speziellen Umgang mit der Sprache. Diese Verwendung kann geistreich, witzig, sarkastisch, aber auch kalauernd sein. Das Wortspiel bedient sich dabei homographer oder homonymer Wörter und Ausdrücke.

Zum Einsatz kommen im Wortspiel zudem mannigfaltige Techniken, wie etwa die Auflösung von Zusammensetzungen, die Ableitung, das „Wörtlichnehmen“, der Vergleich, die Buchstabenumstellung, die Umstellung von Wörtern (s. u.), Akzentverlagerung, leichte Veränderung der graphischen oder lautlichen Gestalt oder das Kofferwort.

Vorkommen[Bearbeiten]

Papierkorb mit Wortspiel zu Corpus Delicti

Wortspiele werden häufig in Anagrammen und Paragrammen, Aphorismen, Echogedichten, Kalauern (Witzen, die oft auf Wortspielen basieren), Kofferwörtern, Merksprüchen und Zeugmata verwendet.

Bei Kindern kommen Wortspiele häufig vor, da die Normen der Erwachsenensprache noch nicht internalisiert sind. Auch ungewollte Wortspiele gibt es fast täglich (siehe Literatur: zum Beispiel „30 Kilo Fieber“).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. mit deutschem Akzent wie Kentucky freit schicken ausgesprochen
  2. Eine vorgebliche Anekdote aus dem Boxeraufstand aus: Hans Ostwald (Hrsg.): Der Urberliner. Edition arani, Berlin 1991, ISBN 3-7605-8631-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Wortspiel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen