Wu-Stil

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Wu-Stil (Begriffsklärung) aufgeführt.

Der Wu-Stil des Taijiquan (chinesisch 吳氏Pinyin wúshì oder 吳家wújiā, auch: neuer Wu-Stil) ist einer der fünf "Familienstile" der chinesischen Kampfkunst Taijiquan. Der Stil wurde von Wu Quanyou (W.-G. Wu Ch'uan-yü) begründet und ist nicht zu verwechseln mit dem Wu/Hao-Stil (auch: alter Wu-Stil), der auf Wu Yuxiang (W.-G. Wu Yu-Hsiang) zurückgeht.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Wu-Stil nimmt seinen Anfang bei Yang Luchan (1799–1872), der als erster Außenstehender den in der Familie Chen über Generationen als Familientradition weitergegebenen Chen-Stil des Taijiquan erlernen durfte. Als Yang Luchan im Jahre 1850 als Ausbilder der Leibgarde zum kaiserlichen Hof berufen wurde, wurde der Mandschuren-Hauptmann Quanyou (1834–1902) einer seiner Schüler. Später wurde Quanyou zum offiziellen Schüler von Yang Luchans Sohn Yang Banhou (1837–1890).

Das von Quanyou (1834–1902) begründete Taijiquan erhielt erst eine Generation später den Namen Wu, als Quanyous Sohn Wu Jianquan (1870–1942) den Familiennamen der chinesischen Aussprache ihres Mandschu-Namens anpasste.

Wu Jianquan lebte in den Tagen der frühen chinesischen Republik (nach 1912) in Peking und unterrichtete dort neben Yang Chengfu, Yang Shaohao und Sun Lutang am "Institute for Athletic Investigation". In dieser Zeit wurde die Strategie der "verschlossenen Tür" von vielen Mitgliedern der Taijiquan-Familien aufgegeben. Im Zuge dieser Öffnung entwickelte Wu Jianquan (ebenso wie Vertreter der anderen Familien) eine auf den traditionellen schnellen Formen des Taijiquan basierende langsame Handform, die es auch älteren und nicht von Kindheit an trainierten Menschen möglich machte, Taijiquan zu erlernen.

Im Jahr 1928 verließen Wu Jianquan und Yang Chengfu Peking. Wu Jianquan ging nach Shanghai und gründete dort 1935 die Jianquan Taijiquan Association (siehe Weblinks), die bis heute den Wu-Stil weltweit vertritt.

Während seine Söhne Wu Gongyi (1900–1970) und Wu Gongzhao (1903–1983) und deren Nachfolger das Taijiquan der Familie Wu in Kanton, Hongkong und Nordamerika verbreiteten, brachten Jianquans Tochter Wu Yinghua (1907–1996) und deren Ehemann Ma Yueliang (1901–1998) die Familientradition nach Europa. Hier unterrichtet seit 1986 Ma Jiangbao (* 1941) als Vertreter der dritten Generation der Familie Wu.

Im Wu-Stil Taijiquan wird bis heute eine umfangreiche Sammlung an Formen (Handformen, Säbel-, Lanzen-, Schwertformen) und Partnerübungen praktiziert, die allesamt direkt auf die Familie Wu zurückgehen.

Charakter des Stils[Bearbeiten]

Die langsame Form des Wu-Stils ist von den Grundstellungen her kompakt, natürlich und locker, langsam und ununterbrochen, lebendig, fließend, weich und ausgeglichen. Die Waffenformen unterstützen diese Qualitäten, werden aber in der Regel schneller ausgeführt.

Die Ausführung des Wu-Stil Push-Hands ist sehr weich und sanft, es gilt, ein Gefühl für den Partner zu entwickeln und zu lernen, Kräfte zu neutralisieren. Sind diese Eigenschaften ausgebildet, kann eine Vielzahl von Techniken angewendet werden, um den Partner aus dem Gleichgewicht zu bringen. Das Push-Hands führt langsam an die Kampfkunst heran und kann durch viel Übung bis zum freien Kampf weiterentwickelt werden.

Weblinks[Bearbeiten]