Wulf Herzogenrath

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Wulf Herzogenrath (* 23. März 1944 in Rathenow, Mark Brandenburg), ist ein deutscher Kunsthistoriker und Kurator. Er gilt als führender Fachmann für Videokunst und Videoinstallationen.

Biografie[Bearbeiten]

Herzogenrath studierte Kunstgeschichte, Archäologie und Volkskunde in Kiel, Berlin und Bonn. 1967 und 1968 bearbeitete er für den Württembergischen Kunstverein den grundlegenden Ausstellungskatalog „50 Jahre Bauhaus“. 1970 wurde er an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn bei Herbert von Einem über die Wandbilder von Oskar Schlemmer promoviert. Anschließend fand er eine Anstellung am Museum Folkwang in Essen und leitete den Kunstring.

1973 wurde Herzogenrath mit 28 Jahren zum bis dato jüngsten Direktor eines Kunstvereins ernannt. Den Kölnischen Kunstverein leitete er 16 Jahre lang bis 1989. In dieser Zeit war er auch Lehrbeauftragter für Kunstvermittlung an den Kölner Werkschulen (FH für Kunst und Design).

1980 gründete Herzogenrath mit einigen Kollegen die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV), deren erster Vorsitzender er für zehn Jahre wurde.[1] 1983 bis 1997 war Herzogenrath stellvertretender Sprecher der Internationalen Kunst-Ausstellungsleiter-Tagung (IKT).

1989 wurde er zum Hauptkustos an die Nationalgalerie Berlin berufen, um das neue Museum für Gegenwart im Hamburger Bahnhof in Berlin zu betreuen. 1994 schied Herzogenrath nach Differenzen mit dem Sammler und Hauptleihgeber des Museums Erich Marx und dessen Kunstberater Heiner Bastian aus.

Im September 1994 wurde Herzogenrath Direktor der Kunsthalle Bremen. Seit 1995 ist er außerdem Honorar-Professor an der Hochschule für Künste Bremen. 2006 wurde Herzogenrath zum Mitglied in die Sektion Bildende Kunst der Berliner Akademie der Künste gewählt. 2007 wurde er Vorsitzender der Jury des Kaiserrings der Stadt Goslar. Als Mitglied des Hochschulrates der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig seit 2003 wurde Herzogenrath 2008 dessen Vorsitzender. Im selben Jahr wurde er außerdem Mitglied des Kuratoriums für das neue Bauhaus-Museum in Weimar. Zum 31. Oktober 2011 beendete Herzogenrath seine hauptberufliche Tätigkeit, nachdem er die Modernisierung und Erweiterung der Kunsthalle Bremen zum 20. August 2011 erfolgreich abschließen konnte.

Er war mit Stephanie Herzogenrath († 2012) verheiratet, das Paar hatte sechs Kinder. Herzogenrath lebt seit 2012 als Pensionär und freier Kurator in Berlin.

Kuratorische Arbeit[Bearbeiten]

Als Direktor des Kölnischen Kunstvereins konzipierte Herzogenrath im Jahr 1976 die erste europäische Einzelausstellung des Videokunst-Pioniers Nam June Paik. An der Gestaltung der Documenta 6 (1977), wo er für den Bereich Videokunst zuständig war, und der Documenta 8 (1987) war er wesentlich beteiligt.

Als Hauptkustos der Nationalgalerie Berlin konnte Herzogenrath zahlreiche Arbeiten und Frühwerke von Marie Jo Lafontaine, Bill Viola, Wolf Vostell, Nam June Paik und Frühwerke der Medienkunst für die Museumssammlung erwerben.[2]

Auf seine Veranlassung und mit Hilfe der Bundeskulturstiftung fand 2006 das Projekt 40jahrevideokunst.de statt, bei dem 59 historische und aktuelle Videobänder von 1963 bis heute, zeitgleich in fünf Museen, unter anderen in der Kunsthalle Bremen, der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München und dem Museum der bildenden Künste in Leipzig gezeigt wurden. Die Arbeiten sind inzwischen im Archiv verschiedener Sammlungen und Institutionen temporär zugänglich.

Als Direktor der Kunsthalle Bremen organisierte Herzogenrath zahlreiche Sonderausstellungen zur Medienkunst und zum Bremer Sammlungsschwerpunkt „Kunst um 1900“, darunter 1999 die Retrospektive des Videokunst-Pioniers Nam June Paik, 2000 Der Blaue Reiter, 2002/03 Van Gogh: Felder, 2005/06 Monet und Camille – Frauenportraits im Impressionismus oder 2007/08 Paula in Paris.[3]

Schriften[Bearbeiten]

  • 50 jahre bauhaus. Württembergischer Kunstverein, 1968.
  • mit Johann-Karl Schmidt (Hrsg.): Dix. Zum 100. Geburtstag 1891–1991. Cantz, Stuttgart 1992, ISBN 978-3-7757-0335-2.
  • mit Andreas Kreul: Nam June Paik. There is no rewind button for life. Dumont, 2007, ISBN 978-3-8321-7780-5.
  • mit Andreas Kreul: Sounds of the Inner Eye: John Cage, Mark Tobey and Morris Graves. University of Washington Press, Seattle 2002, ISBN 978-0-295-98274-8.
  • mit Andreas Kreul, Uwe Goldstein, Katerina Vatsella: Tomma Wember. 3 Worte nur oder vier. Katalog, Hauschild, Bremen 2002, ISBN 3-89757-159-5.
  • mit Edith Decker: Video-Skulptur retrospektiv und aktuell 1963–1989. DuMont, Ostfildern 1989, ISBN 978-3-7701-2313-1.
  • Die 60er Jahre Kölns Weg zur Kunstmetropole, Vom Happening zum Kunstmarkt. (Hrsg.): Wulf Herzogenrath und Gabriele Lueg, Kölnischer Kunstverein, Köln,1986 (ohne ISBN).
  • Videokunst der 60er Jahre in Deutschland, Kunsthalle Bremen, 2006 (ohne ISBN).

Ehrungen[Bearbeiten]

  • Bremer Medaille für Kunst und Wissenschaft (2011)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biografie beim Goethe-Institut
  2. Biografische Informationen Wulf Herzogenrath, Goetheinstitut, abgerufen 1. April 2014
  3. Vita von Wulf Herzogenrath