Wulfsen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wulfsen
Wulfsen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wulfsen hervorgehoben
53.310.1522Koordinaten: 53° 18′ N, 10° 9′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Harburg
Samtgemeinde: Salzhausen
Höhe: 22 m ü. NHN
Fläche: 8,42 km²
Einwohner: 1605 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 191 Einwohner je km²
Postleitzahl: 21445
Vorwahl: 04173
Kfz-Kennzeichen: WL
Gemeindeschlüssel: 03 3 53 042
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schulstraße 43
21445 Wulfsen
Bürgermeister: Gerd Müller (CDU)
Lage der Gemeinde Wulfsen im Landkreis Harburg
Königsmoor Otter Welle Tostedt Wistedt Tostedt Handeloh Undeloh Dohren Heidenau Dohren Kakenstorf Drestedt Wenzendorf Halvesbostel Regesbostel Moisburg Hollenstedt Appel Neu Wulmstorf Rosengarten Buchholz in der Nordheide Egestorf Hanstedt Jesteburg Asendorf Marxen Harmstorf Bendestorf Brackel Seevetal Landkreis Harburg Niedersachsen Landkreis Rotenburg (Wümme) Landkreis Heidekreis Landkreis Lüneburg Landkreis Stade Freie und Hansestadt Hamburg Schleswig-Holstein Gödenstorf Eyendorf Vierhöfen Garlstorf Salzhausen Toppenstedt Wulfsen Garstedt Stelle Tespe Marschacht Drage WinsenKarte
Über dieses Bild

Wulfsen ist eine Gemeinde im Landkreis Harburg in Niedersachsen. Sie liegt etwa 30 km südlich von Hamburg.

Geschichte[Bearbeiten]

Von der Bronzezeit legen sechs Hügelgräber am Langenberg Zeugnis ab. Ein Urnenfriedhof hinter der alten Schule und eine Herdstelle in der Kiesgrube am Rüschweg weisen auf die Besiedlung in der Eisenzeit hin. Das Tal des Aubaches war offenbar sehr siedlungsfreundlich für die sesshaften Ackerbauern und Viehzüchter.

Die Ausgrabung von 642 spätsächsischen Gräbern mit der Pferdebestattung von Wulfsen aus der Zeit von 700 bis 900 n. Chr. nordöstlich des Dorfes machte schließlich deutlich, dass dieser Raum möglicherweise durchgehend besiedelt war. Es war die Zeit der Christianisierung durch die Franken. Die Heiden wurden in nord-südlicher Richtung, die Christen in ost-westlicher Richtung beigesetzt. Gerade die Pferdegräber lassen vermuten, dass das heutige Dorf Wulfsen im Bereich der früheren Siedlung angelegt wurde.

Im ehrwürdigen Kloster Corvey, 822 von den Sachsen als Gegenkloster zum fränkischen Fulda angelegt, findet sich die erste urkundliche Erwähnung: Uuulfheristorpe, Nianthorpe und Pathihusen nennen die Corveyer Annalen, womit außer Wulfsen auch Nindorf am Walde und Pattensen gemeint sein dürften. Nach dem Abzug der Langobarden um 350 konnte dieser Ort im ersten sächsischen Siedlungszug seinen Namen bekommen haben. Ob ein Lokator wie der legendäre "Ritter Wulf“ der Namensgeber war, muss ungeklärt bleiben. Der Name des Dorfes wandelte sich im Laufe der Jahre von Wulfheristorpe zu Wulferslo und taucht im Landbederegister von 1450 als Wulfersen auf.

Ab 19. April 1945 war Wulfsen englisch besetzt. Durch die Integration der Flüchtlinge veränderte sich die bis dahin rein landwirtschaftlich geprägte Struktur des Ortes völlig. Am 8. August 1946 wurde ein Gemeinderat eingesetzt, der am 28. November 1947 frei und demokratisch gewählt wurde. Am 1. Juli 1972 wurde Wulfsen Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Salzhausen.

Überblick

Bis 1180 Herzogtum Sachsen
bis 1705 Fürstentum Braunschweig-Lüneburg
1714–1837 Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover von Georg I. bis Wilhelm IV.
1803–1813 Commune Wulfsen im Canton Pattensen des Distrikts Lüneburg im Kaiserreich Frankreich (kurzzeitig auch Königreich Westphalen (Jérôme))
1814–1866 Königreich Hannover
1866–1918 Königreich Preußen (ab 1871 im Deutsches Kaiserreich)
1918–1933 Weimarer Republik
1933–1945 Drittes Reich
1945–1947 Zweizonenverwaltung (englische Besatzung)
ab 1947 Niedersachsen
ab 1949 Bundesrepublik Deutschland

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Lange Zeit dürfte Wulfsen 14 alte Stätten, die Mühle und einige Hirtenwohnungen gehabt haben. Zu den ursprünglich sieben Hufen (Höfen), deren Ackerflächen mühsam aus Wald und bereits damals vorhandener Heide gerodet werden mussten, kamen um 950 die frühen Kötner (Hausnummern 8–14) als Dorfhandwerker und Nebenerwerbslandwirte hinzu. Außerhalb des eigentlichen Bauerndorfes lag die Auemühle (Nr. 19), die möglicherweise mit drei späteren Garstedter Höfen ein eigenes Dorf bildete.

Seit der Christianisierung um 800 durch die erobernden Franken mussten die aus der Freiheit in die Hörigkeit (Erbpächter) gezwungenen Ackerbauern und Viehzüchter, die aber nie Leibeigene waren, den zehnten Teil aller pflanzlichen und tierischen Produkte an die Kirche abgeben.

Die Kirchen wurden nach der Missionierung durch Mönche des Klosters Amorbach im Odenwald von 784–804 vom Hauptort Bardowick im Abstand von etwa 18 km (Glockenklangweite und Tagesfahrt) an altbekannten Plätzen errichtet – mit Fachwerk und Strohdach.

Die meisten Höfe unterstanden seit 849 dem Bistum Verden, das den Zehnt zwischen 1167 und 1180 der im Neubruch der Elbe gegründeten Kirche zu Kirchwerder schenkte. Erst 1892 wurde diese lästige Pflicht durch eine hohe Barzahlung der Dorfschaft abgelöst. Die sagenhafte Überlieferung, wonach die Wulfsener dem Pastor von Kirchwerder aus Dankbarkeit den Zehnten gaben, weil er als einziger bereit war, die Pesttoten auszusegnen, lässt sich nicht belegen.

Vollständige und hinreichend genau lokalisierbare Einwohnerverzeichnisse liegen aus den Jahren 1594, 1616 und besonders 1681 und 1725 (Amtslagerbücher) vor.

Das ganze Dorf wurde während des Dreißigjährigen Krieges durch plündernde dänische Soldateska am 21. Juni 1627 zerstört.

Die heute nur noch wenig gebrauchten und in ihrer Entstehung meist unbekannten Hofnamen wurden den Stätten um 1600 gegeben.

1946 lebten in 165 Wohnungen 965 Einwohner, davon mehr als ein Drittel Flüchtlinge und Evakuierte.

1995 hatte Wulfsen 427 bebaute Grundstücke und 1368 Einwohner.

Am 31. Dezember 2005 hatte Wulfsen 1668 Einwohner.

Schule[Bearbeiten]

Wulfsen und Bahlburg hatten lange Zeit zusammen einen Lehrer, der oft "in der Reihe rumgespeist" wurde. Erst seit 1799 gibt es eine Dorfschule.

Das Anwachsen der Bevölkerung zwang zu Schulneubauten. 1876 wurde das alte Gebäude in der Dorfstraße 18 ersetzt. 1938 errichtete man einen Neubau in der Schulstraße. 1964 wurde auf Garstedter Gebiet die Mittelpunktschule eingerichtet, diese wurde 1967 erweitert und erhielt 1986 eine Sporthalle.

Wassermühle[Bearbeiten]

Bevor technikkundige Mönche die Mühlenbaukunst in Deutschland bekannt machten, gab es nur Quernen (Handmühlen). An der schnellfließenden Luhe und ihren Nebenflüssen entstanden Wassermühlen mit meist unterschlächtigem Wasserrad. Auch die Wassermühle in Wulfsen am Aubauch hat ein unterschlächtiges Wasserrad.

1305 wird ein Henricus Molendinus (Heinrich Müller) aus Wulfsen-Mühle Bürger der Hansestadt Lüneburg. Wahrscheinlich gab es schon vorher einen Müller in Wulfsen, aber die Nachnamen entstanden erst um diese Zeit.

Weil die erstarkende Territorialmacht Steuern forderte, sind ab 1450 die Müller der Wulfsener Mühle im Landbederegister namentlich aufgeführt.

Im Jahre 1542, als der Fürst von Lüneburg als Obergutsherr die Mühle an einen Lüneburger Salzjunker verlehnt hatte, war Lüdeke Tamken der Pachtmüller. Während er auf seiner zweiten Mühle in Bendestorf weilte, erwürgte Dietrich Schröder aus Groß-Klecken die „Müllersche und ihre Deern“. Da er die erhoffte Beute nicht auf der Hohen Kante fand, durchwühlte er Kisten und Kasten (Schränke und Truhen) und steckte schließlich die Mühle und den dazugehörenden Brinksitz in Brand.

Den strengen Gesetzen der Zeit gemäß, wurde er dafür auf dem Landgericht zu Pattensen „gütlich befragt und peinlich verhört“ und auf einstimmigen Beschluss des Umstandes „durch den Strang vom Leben zum Tode befördert“. Zur Abschreckung mussten alle erwachsenen Bewohner des Gerichtsbereichs der Vollstreckung durch den Winsener Scharfrichter auf dem Pattensener Galgenberg beiwohnen. Die Leiche blieb am Galgen hängen, damit auch die Reisenden auf der dicht dabei verlaufenden Heerstraße gemahnt wurden.[2]

Im frühen 17. Jahrhundert waren die Müller Möller dort tätig und nutzten auch die Rechte der Bahlburger Mühle, die im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war.

Um 1690 war Heinrich Vick Mühlenpächter zu Wulfsen, Bahlburg und Winsen/Luhe.

Ab 1698 saß die Winsener Müllerfamilie Junge über vier Generationen als Mühlenpächter auf der Auemühle. 1815 wurden die jahrhundertealten Abgaben (Prästanda) von dem aus der Luhmühle stammenden Schwiegersohn Maack abgelöst, und er wurde Erbenzinsmüller. Sein frühester Vorfahr, der 1321 als Müller auf die Ashäuser Mühle kam, hatte seinen Namen vom Herkunftsort Marclevessen (Marxen). Maacks direkte Erben waren dann über weitere vier Generationen bis 1959 Eigentümer der Mühle.

Zunächst wurde auf dem einzigen Mühlenwerk Mehl und Schrot gemahlen, dann Graupen und Grütze geschält, Öl geschlagen, Lohe gestampft und Foilz gebokt. Später wurde ein zweiter Gang eingebaut und schließlich 1895 ein Sägewerk angegliedert. Ab 1909 wurde mit einem Generator für das Dorf Strom erzeugt. 1939 wurde Wulfsen an das Netz der Überlandwerke Nord-Hannover (heute EWE) angeschlossen.

Die Elektrizität förderte die Anlage von privaten Schrotmühlen auf den größeren Höfen. Mit der Gewerbefreiheit fiel auch der Mühlenzwang. Dadurch entstanden rundum viele Windmühlen: Ohlendorf, Brackel, Tangendorf, Garlstorf, Eyendorf. In den 60er Jahren kam es dann zum „Mühlensterben“ und auch die Wulfsener Mühle wurde arbeitslos.

Flussperlenfischerei[Bearbeiten]

Interessant ist die Tatsache, dass Wulfsen neben Toppenstedt und Bodenteich bei Uelzen zu den drei Orten in der Lüneburger Heide gehörte, in denen eine bedeutende Flussperlenfischerei betrieben wurde. In der Naturkundlichen Chronik Nordwestdeutschlands[3] wird berichtet, dass es schon 1671 eine erste Erwähnung gab, und 1706 aus diesen drei Orten 292 "unreife" und 295 "reife" Perlen von den vereidigten Perlenfischern abgeliefert wurden. Die Bestände wurden offenbar kurz danach vernichtet, aber in den Jahren 1840 bis 1870 hatten sie sich wieder erholt, und es gab ein regelrechtes "Perlfieber". Eine Perle aus Wulfsen soll die englische Krone schmücken.

Eisenbahn[Bearbeiten]

Ein bedeutendes Ereignis für Wulfsen war die Eröffnung der Bahnstrecke Wittenberge–Buchholz am 31. Dezember 1874. Sie verband Berlin über Wittenberge, Dömitz, Dannenberg (Ost), Lüneburg mit Buchholz und ließ neben dem alten Dorf und der Mühle einen neuen Dorfteil entstehen. Am 20. Juli 1906 kam die Bahnstrecke Winsen–Hützel (zunächst bis Evendorf, ab 1910 bis Hützel) hinzu.

Ein schreckliches Eisenbahnunglück am Bahnübergang in Wulfsen ereignete sich am 4. Juni 1939. Beim Zusammenstoß eines Reisebusses mit einem Zug starben viele Garstedter Bürger.

Im Krieg wurde die Bahnbrücke zerstört und am 7. Juli 1947 durch eine Behelfsbrücke ersetzt.

Am 26. Mai 1974 endete der Personenverkehr auf der Kleinbahn. Die Bahnstrecke wird noch von der Osthannoversche Eisenbahnen AG (OHE) für Gütertransporte genutzt.

Am 26. September 1981 fuhr der letzte fahrplanmäßige Personenzug auf dem Abschnitt Lüneburg–Buchholz. Am 1. Mai 1989 wurde die Strecke völlig stillgelegt und 1999/2000 vollständig ab Abzweigstelle Jesteburg bis Lüneburg demontiert. Die Strecke ist entwidmet und aus dem Verkehrswegeplan entfernt.

Politik[Bearbeiten]

Sitzverteilung im Gemeinderat
  
Von 11 Sitzen entfallen auf:

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Wulfsen setzt sich aus 11 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

CDU SPD Gesamt
2011 6 5 11 Sitze

Stand: Kommunalwahl am 11. September 2011

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

  • Kulturtreff für Kinder & Jugend Wulfsen e.V.

Musik[Bearbeiten]

  • Singkreis Auetal (Frauenchor)
  • MGV Liederkranz (1880 gegründeter Männergesangverein)

Bauwerke[Bearbeiten]

Das Sägewerk der Wassermühle ist eine Außenstelle des Freilichtmuseums Kiekeberg und kann besichtigt werden.

Sport[Bearbeiten]

  • TSV Auetal
  • Angelgemeinschaft

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Faslam (letztes Wochenende im Januar)
  • Osterfeuer (Karsamstag)
  • Eichhoffest (2. Samstag im August)

Quellenhinweis[Bearbeiten]

Dieser Beitrag entstand aus einer Kurzfassung der Ortsgeschichte von Herbert Timm, Wulfsen, nach Aufzeichnungen von Dr. Friedrich W. Reineke, Salzhausen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Claus Ahrens: Das Pferdegrab von Wulfsen. Band 38 von Informationsblatt, Helms-Museum, Hamburgisches Museum für Vor- und Frühgeschichte, 1977
  • Friedrich Laux: Die Äxte und Beile in Niedersachsen I (Flach-, Randleisten- und Absatzbeile). Stuttgart 2000, S. 113

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wulfsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. Vgl. Blazek, Matthias, „Die peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karl V.“, in ders.: Hexenprozesse – Galgenberge – Hinrichtungen – Kriminaljustiz im Fürstentum Lüneburg und im Königreich Hannover, Stuttgart 2006, S. 12, ISBN 3-89821-587-3.
  3. Hamm, Fritz, Naturkundliche Chronik Nordwestdeutschlands, Landbuch-Verlag GmbH, Hannover 1976.