Wullenwever-Antenne

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VHF-Peilantenne der Deutschen Flugsicherung auf dem Deister bei Hannover

Bei der Wullenwever-Antenne handelt es sich um ein Antennen-Array, also eine Anordnung von Antennen, welches vornehmlich dazu verwendet wird, Funksignale anzupeilen und per Triangulation zu orten.

Geschichte[Bearbeiten]

In den 1950er Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurden mindestens 30 Krug-Antennen-Arrays (russisch круг = Kreis) in der ganzen Sowjetunion inkl. alliierter Länder errichtet. Das war noch bevor das US-Militär sich für diese Technik interessierte und seine eigenen Wullenwever-Antennen entwickelte. Die Sowjets errichteten einige Krug-Antennen in Paaren mit einem Abstand von weniger als 10 Kilometern zueinander, was offenbar Navigationszwecken diente. Mindestens 4 Krugs wurden in der Nähe von Moskau errichtet. Genau im Norden, Osten und Süden der Stadt. (Krug Anlage südlich von Moskau55.4640837.3698) Sie dienten der Verfolgung der frühen Sputnik-Satelliten mit deren 10- und 20-MHz-Funksignalen und wurden benutzt, um den Wiedereintrittsort zu bestimmen.[1]

Technik[Bearbeiten]

Durch eine unterschiedliche Phasenlage und Amplitude des Signals für jeden Einzelstrahler der Antenne wird ähnlich wie bei einer Phased-Array-Antenne eine lenkbare Richtwirkung erzielt. Dabei lassen sich sowohl der Azimut als auch die Elevation eines Signals bestimmen. Ebenso lassen sich Signalgemische trennen. Dazu kann man zum Beispiel den MUSIC-Algorithmus verwenden.

Anwendungsgebiete[Bearbeiten]

Standorte[Bearbeiten]

Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM, Google oder Bing
Funkbeobachtungsstelle II der Bundespolizei bei Swisttal-Heimerzheim
Luftaufnahme der Abhöranlage Gablingen
Silver Strand Training Complex in der Nähe der Stadt Imperial Beach in Kalifornien

Deutschland[Bearbeiten]

Anlagen dieser Art sind beispielsweise die Abhöranlage Gablingen (48° 27′ 4,2″ N, 10° 51′ 45,5″ O48.45117910.862646), die Funkbeobachtungsstelle II der Bundespolizei (50° 41′ 54″ N, 6° 53′ 7,7″ O50.6983336.885476) bei Swisttal-Heimerzheim am Ausgang des Ortsteils "Straßfeld" sowie die Fernpeilanlage „Kastagnette“ (54° 51′ 25,7″ N, 9° 4′ 1,7″ O54.8571529.067143) in Bramstedtlund.

Die Bundesnetzagentur unterhält eine Antenne (47° 41′ 16,7″ N, 9° 11′ 59,5″ O47.6879729.199848) bei Konstanz.

Italien[Bearbeiten]

In Süditalien befand sich auf dem ehemaligen Militärflugplatz San Vito dei Normanni ebenfalls eine solche Antenne (40° 38′ 51,1″ N, 17° 50′ 24,7″ O40.64752317.840206)

China[Bearbeiten]

Eine weitere Peilantenne (23° 19′ 32,1″ N, 113° 5′ 5,9″ O23.32559113.084968) steht bei Huadu, Guangzhou in China.

Diego Garcia[Bearbeiten]

Auf dem britisch-amerikanischen Militärstützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean befindet sich eine Wullenwever-Antenne (7° 16′ 45,4″ S, 72° 22′ 9″ O-7.27928372.369159) mit ca. 300 Metern Durchmesser.

Japan[Bearbeiten]

Kommunikationsstelle Sobe, 2002

In Japan befindet sich eine derartige Antenne (42° 51′ 2,3″ N, 141° 43′ 51,8″ O42.850642141.731057) auf dem Bodenselbstverteidigungsstreitkräfte-Stützpunkt Higashi-Chitose bei Chitose und eine andere (35° 30′ 40,3″ N, 133° 13′ 22,3″ O35.511184133.222849) der Kommunikationsstelle Miho (美保通信所) nahe dem Luftselbstverteidigungsstreitkräfte-Stützpunkt Miho in Sakaiminato.

Bis 2007 befand sich im Dorf Yomitan die Kommunikationsstelle Sobe (楚辺通信所, engl. Sobe Communication Site) der US Navy mit einer weiteren Wullenwever-Antenne (26° 24′ 2″ N, 127° 43′ 48,2″ O26.400567127.730049).[2]

Kanada[Bearbeiten]

Etwa 1,5 Kilometer östlich vom Flughafen Gander ist eine solche Antenne (48° 57′ 4,3″ N, 54° 31′ 30,3″ W48.951201-54.525087) installiert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Frank Adcock: Britisches Patent GB 130490, 1919. (PDF)
  •  Hans Rindfleisch: Die Großbasis-Peilanlage ‚Wullenwever‘. In: Nachrichtentechnische Zeitung. Nr. 9, 1956, S. 119–123.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ehemalige Wullenweber-Antennen-Arrays der US Navy, Army und Airforce (Archiv)
  2. 象のオリ. In: 愛媛新聞社ONLINE. Ehime Shimbun-sha, 8. Oktober 2012, abgerufen am 3. November 2012 (japanisch).