Wunder von Bern

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Dieser Artikel behandelt das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1954. Für den Kinofilm von Sönke Wortmann siehe Das Wunder von Bern.

Als das Wunder von Bern wird der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz durch die bundesdeutsche Fußballnationalmannschaft gegen die hoch favorisierte Nationalmannschaft Ungarns bezeichnet. Das Endspiel, das mit einem 3:2-Sieg für die Bundesrepublik Deutschland endete, fand am 4. Juli 1954 im Berner Wankdorf-Stadion vor 60.000 Zuschauern statt. Die Spieler um Kapitän Fritz Walter und Bundestrainer Sepp Herberger gingen daraufhin als die „Helden von Bern“ in die deutsche Sportgeschichte ein.

Der Titelgewinn löste in Deutschland einen großen Freudentaumel aus. Neun Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs schien der Erfolg ein ganzes Volk aus den Entbehrungen und Depressionen der Nachkriegszeit zu reißen. Am Anfang des deutschen Wirtschaftswunders stehend, wird er deshalb gelegentlich als „die eigentliche Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland“ bezeichnet.

Deutschland Ungarn

Der Weg ins Finale[Bearbeiten]

Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten]

Die deutsche Mannschaft bekam es in der Vorrunde mit der Türkei und Ungarn zu tun. Im ersten Spiel gegen die türkische Mannschaft gewann die Herberger-Elf sicher mit 4:1. Für das zweite Spiel gegen Ungarn, die damals weltbeste Mannschaft, dachte sich Sepp Herberger eine ausgeklügelte Taktik aus. Demnach ließ er im Spiel gegen Ungarn nur seine zweitbeste Mannschaft spielen, um seine besten Elf für ein Entscheidungsspiel gegen die Türkei – die Tordifferenz oder das Spiel gegeneinander war damals noch ohne Bedeutung – zu schonen. Die Begegnung gegen Ungarn endete dementsprechend hoch mit 8:3 für Ungarn. Es gab nun scharfe Kritik aus der heimischen Öffentlichkeit, die sich vor allem auf Trainer Herberger konzentrierte und bis hin zu gefordertem Selbstmord reichten. Doch die Taktik des erfahrenen Trainers war erfolgreich, denn im Entscheidungsspiel gegen die Türken siegte die westdeutsche Auswahl mit 7:2. Im Viertelfinale hieß der Gegner Jugoslawien. Auch hier gelang der deutschen Mannschaft ein Sieg, wobei das 2:0 am Ende wohl etwas unverdient war. Jetzt musste man in der Runde der letzten Vier gegen Österreich antreten. Die Spieler aus der Alpenrepublik waren noch geschädigt vom schweren Viertelfinalspiel gegen die Schweiz in Lausanne, wo bei 40 Grad im Schatten mit 7:5 gewonnen wurde und erwiesen sich beim 6:1 für die deutsche Mannschaft nicht wirklich als Prüfstein für das Team um Kapitän Fritz Walter. Deutschland aber stand im Finale, zur Überraschung der allgemeinen Fachwelt, die der Bundesrepublik Deutschland vor dem Turnier wenig zugetraut hatte.[1][2]

Ungarn[Bearbeiten]

Die Ungarn hatten es in der Vorrunde leichter als die deutsche Mannschaft. Im ersten Spiel gegen WM-Außenseiter Südkorea gelang der Mannschaft von Trainer Sebes ein 9:0. Auch Deutschland konnte im zweiten Spiel den ungarischen Spielfluss nicht wirklich stoppen und ging beim 3:8 unter. Im Viertelfinale wartete dann die erste schwere Aufgabe für Ungarn. Gegen Brasilien gewannen sie aber am Ende dennoch mit 4:2. Das Viertelfinale gegen die Brasilianer ist heute allgemein als Schlacht von Bern bekannt, da es zunächst drei Platzverweise während des Spiels (zwei für Brasilien, einer für Ungarn) gab und die Spieler sich nach dem Spiel in den Umkleidekabinen weiter angingen. Das gleiche Ergebnis wie im Viertelfinale gelang den Magyaren im Semifinale gegen Uruguay, den amtierenden Weltmeister. Jedoch kam hier das 4:2 erst nach Verlängerung zustande. Damit stand Ungarn im Finale. Gegner dort war die deutsche Mannschaft, das in der Vorrunde ja bereits mit 8:3 besiegt wurde.[3]

Die Endspielgegner[Bearbeiten]

Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten]

Die fünf Kaiserslauterer WM-Helden von Bern. In Bronze vor dem Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern. Von links: Liebrich, F. Walter, Kohlmeyer, Eckel, O. Walter

Der deutsche Fußball litt auch sehr an den Folgen des Zweiten Weltkrieges. Der Deutsche Fußballbund wurde aufgelöst und die Nationalmannschaft wurde von anderen Nationen boykottiert. 1950 leistete die Schweiz nachbarschaftliche Hilfe und kam zu einem Länderspiel ins Neckarstadion von Stuttgart. Zuvor war die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien ohne eine deutsche Auswahl zu Ende gegangen, da das Team von Bundestrainer Sepp Herberger noch nicht spielberechtigt war. Vor 100.000 Zuschauern im überfüllten Stuttgarter Stadion gewann die deutsche Elf mit 1:0 durch ein Elfmetertor von Herbert Burdenski. Ein halbes Jahr später war wiederum die Schweiz in Zürich der Gegner, wo man 3:2 gewann. Am 9. November 1952 bestritt die deutsche Elf ein Länderspiel gegen die Schweiz in Augsburg, das man mit 5:1 gewann. Dieses Spiel wird als Geburtsstunde der Weltmeistermannschaft von 1954 angesehen, da hier bereits acht Spieler der späteren Helden von Bern dabei waren („Augsburger Elf“). Wenige Wochen vorher war die Mannschaft zu einem Länderwettstreit gegen Frankreich nach Paris gefahren. Nach einer 1:3-Niederlage mit ungenügender Leistung gab es viel Kritik von der deutschen Presse.[4] Daraufhin erklärte Fritz Walter seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Walter wurde unterstellt, er wäre mit seinen 31 Jahren zu alt, zu langsam und hätte keine Lust mehr. Doch Herberger gelang es noch zum nächsten Spiel, jenem besagten Spiel in Augsburg, seinen gekränkten Kapitän zurückzuholen. Bald darauf ging es in die Qualifikation zum Weltchampionat 1954, die man souverän absolvierte. Das letzte Länderspiel vor der Weltmeisterschaft spielte die deutsche Auswahl am 25. April 1954 gegen die Schweiz. Im Prinzip bevorzugte es die deutsche Mannschaft, ein 3-2-5-System zu spielen, das dem der Ungarn ähnelte.

Ungarn[Bearbeiten]

Der Endspielgegner der Deutschen, Ungarn, galt damals als weltbeste Mannschaft. Vor dem Endspiel von Bern war die ungarische Mannschaft um Stars wie Ferenc Puskás, Sándor Kocsis und Nándor Hidegkuti in 32 aufeinanderfolgenden Spielen unbesiegt geblieben. Die Serie begann am 4. Juni 1950, als man in Warschau Polen mit 5:2 besiegte. Das nächste Spiel gewannen die Magischen Magyaren, wie sie damals genannt wurden, mit 12:0 gegen Albanien. Das erste große Turnier der großen ungarischen Mannschaft waren die Olympischen Sommerspiele in Helsinki 1952. Dort besiegte man Rumänien (2:1), den zweimaligen Weltmeister Italien (3:0), die Türkei (7:1), Schweden (6:0) und Jugoslawien (2:0) und wurde Olympiasieger im Fußball. Den nächsten Erfolg verbuchten die Ungarn 1953, als sie den seit 1948 ausgetragenen Europapokal der Fußball-Nationalmannschaften gewannen; einen Vorläufer der Fußball-Europameisterschaft, an dem neben Ungarn, Italien, Österreich, die Schweiz und die Tschechoslowakei teilnahmen. Das entscheidende letzte Spiel wurde am 17. Mai 1953 in Rom vor 80.000 Zuschauern mit 3:0 gegen Italien gewonnen. Puskás war mit zehn Toren Torschützenkönig des Wettbewerbs.

Am 25. November 1953 folgte das vielleicht spektakulärste Spiel der „Goldenen Elf“, wie Ungarns damalige Mannschaft heute bezeichnet wird. Auf dem „Heiligen Rasen“ von Wembley, London, spielte die Mannschaft um Kapitän Puskás vor 100.000 Menschen gegen England, das Mutterland des Fußballs. Die Engländer hatten bis zu diesem Tag noch kein Spiel vor heimischer Kulisse gegen eine Mannschaft vom europäischen Festland verloren. Doch was nun folgte, war eine Demonstration der ungarischen Fußballkunst. Die Magyaren bezwangen die Engländer mit 6:3.[5] Auf der Tribüne im Wembley-Stadion war ein Deutscher zu Gast, der begriffen hatte, wie man die Ungarn besiegen konnte. Sepp Herberger hatte in seinem berühmten Notizbuch vermerkt, dass die Ungarn eine grandiose Offensive hatten, aber auch drei Tore gegen völlig unterlegene Engländer zugelassen hatten. Das bedeutete, dass sie in der Defensive Schwächen haben mussten. Nach dem Sieg in Wembley brannten die Engländer auf Revanche. Sie wollten die Demütigung nicht auf sich sitzen lassen und reisten im Mai 1954 nach Budapest, um sich eine 1:7-Klatsche einzufangen. Dieses Spiel war das letzte Spiel vor der Fußball-Weltmeisterschaft in der Schweiz. Die Ungarn spielten meist mit einem 3-2-5-System, also mit fünf nominellen Stürmern und bereiteten dadurch jeder Abwehrreihe größte Probleme. Sie konnten aber auch auf 4-2-4, also mit vier Stürmern umstellen, was sie beim 6:3 in England zeigten.[6]

Spielverlauf[Bearbeiten]

Ungarn Bundesrepublik Deutschland Aufstellung
UngarnUngarn
Finale
4. Juli 1954, 17:00 Uhr in Bern (Wankdorfstadion)
Ergebnis: 2:3 (2:2)
Zuschauer: 60.000
Schiedsrichter: William Ling (EnglandEngland England)
Spielbericht
Bundesrepublik DeutschlandBundesrepublik Deutschland
Aufstellung Ungarn gegen Bundesrepublik Deutschland
Gyula GrosicsJenő Buzánszky, Gyula Lóránt, Mihály Lantos - József Bozsik, József ZakariásSándor Kocsis, Nándor Hidegkuti, Ferenc Puskás (C)Kapitän der Mannschaft, Zoltán Czibor, Mihály Tóth
Trainer: Gusztáv Sebes
Toni TurekWerner Kohlmeyer, Horst Eckel, Josef Posipal - Karl Mai, Werner LiebrichHelmut Rahn, Max Morlock, Ottmar Walter, Fritz Walter (C)Kapitän der Mannschaft, Hans Schäfer
Trainer: Sepp Herberger
Tor 1:0 Puskás (6.)
Tor 2:0 Czibor (8.)


Tor 2:1 Morlock (10.)
Tor 2:2 Rahn (18.)
Tor 2:3 Rahn (84.)

Erste Hälfte[Bearbeiten]

Das Wankdorfstadion kurz vor dem Abriss 2001

Nachdem sich die beiden Kapitäne Fritz Walter (Bundesrepublik Deutschland) und Ferenc Puskás (Ungarn) begrüßt hatten und die Wimpel der beiden Fußballverbände ausgetauscht hatten, begann um 17 Uhr das Spiel. „Deutschland im Endspiel der Fußballweltmeisterschaft – das ist eine Riesen- Sensation – das ist ein echtes Fußballwunder“, so eröffnete NWDR-Radioreporter Herbert Zimmermann seine Radioreportage, der Tausende Fußballfans in Deutschland interessiert folgten. Bereits nach sechs Spielminuten fiel jedoch das erste Tor für Ungarn durch Ferenc Puskás, der von der Attacke Werner Liebrichs im Vorrundenspiel wieder genesen war. Nur zwei Minuten später erzielte Zoltán Czibor nach einem Fehlpass von Werner Kohlmeyer zu Torwart Toni Turek das 2:0. Zimmermann reagierte mit dem Satz „Was wir befürchtet haben, ist eingetreten.“[7]

Max Morlock (hier auf einer deutschen Briefmarke aus dem Jahre 2004) schoss das 1:2

Die deutsche Mannschaft ermutigte sich gegenseitig[8] und fand tatsächlich zurück ins Spiel. In der elften Spielminute grätschte Max Morlock einen eigentlich leicht zu haltenden Schuss von Helmut Rahn zum 1:2 ins ungarische Tor. „Gott sei Dank! Es steht nur noch 2:1. Und das sollte uns Mut geben“, meinte Zimmermann. Wenig später erfolgte wieder ein Angriff der Ungarn, allerdings verschoss Czibor beide ungarischen Torchancen. In der 18. Minute verwandelte dann Helmut Rahn eine Ecke von Fritz Walter mit einem Volleyschuss zum 2:2. Die Ungarn erholten sich schnell und brachten die deutsche Mannschaft zunehmend in die Defensive. In der 36. Minute fiel Kocsis im Strafraum zu Boden, nachdem er von Liebrich bedrängt wurde, aber Schiedsrichter Ling gab keinen Elfmeter. Sechs Minuten danach konnte Grosics einen Schuss von Hans Schäfer gerade noch aus dem ungarischen Tor lenken, Rahns Nachschuss wurde durch Buzánszky abgewehrt. Kurz vor der Halbzeit hatte sich das Moment umgekehrt - die ungarische Abwehr wurde durch viele Flanken von Schäfer, Rahn und Walter überfordert. Schließlich pfiff Schiedsrichter William Ling zur Pause. In der Halbzeitpause sagte Sepp Herberger den Spielern:

Männer, es ist großartig, was ihr bisher geleistet habt. Gebt auch in der 2. Halbzeit keinen Millimeter Boden preis.[9]

Zweite Hälfte[Bearbeiten]

Die Spieluhr des „Wunders von Bern“ wurde restauriert und als Denkmal im neuen Stade de Suisse aufgestellt.

In der 46. Minute wurde ein Schuss von Czibor durch Liebrich abgefälscht, ehe ihn Turek hielt. Eine Minute später kam Puskás acht Meter vor Turek zum Schuss, doch dieser wehrte den Ball ab. In der 51. Minute, nach einer Flanke von Kocsis, klärte Liebrich vor Puskás; eine weitere Flanke von Czibor konnte Kohlmeyer aus dem Strafraum schießen. Nur vier Minuten danach mussten erst Posipal und dann Kohlmeyer an der deutschen Torlinie retten. In der 59. Minute traf dann Kocsis mit einem seiner vielen Kopfbälle, für deren Stärke er bekannt war, die Latte.

Die Ungarn kamen weiter zu Möglichkeiten, z.B. musste in der 67. Minute ein Schuss von Puskás von Turek mit dem Fuß pariert werden, bevor Kohlmeyer das Spielgerät wegschoss. In der Folgezeit fing sich die deutsche Auswahl endgültig und kam in der 74. Minute wieder zu einer Torchance durch Rahn. Das Tor verhinderte Grosics mit einer tollen Parade. Im Gegenzug musste Turek gegen Czibor klären. Dazu meinte Herbert Zimmermann: „Toni, Toni, du bist Gold wert. Du bist mindestens so schwer in Gold aufzuwiegen wie der Coupe Rimet.“

In der Schlussphase gewann die deutsche Mannschaft immer mehr an Sicherheit und erarbeitete sich mehr Chancen. Als die 84. Minute angebrochen war, verlor der ungarische Läufer József Bozsik den Ball an den deutschen Linksaußen Hans Schäfer. Dieser flankte den Ball in den ungarischen Strafraum. Die ungarische Abwehr klärte nur schwach, sodass der Ball zu Helmut Rahn kam. Der täuschte ein Zuspiel zu Ottmar Walter im Strafraum vor, trickste damit zwei Ungarn aus und schoss den Ball zum 3:2 in die linke untere Ecke.

Zunächst folgte noch ein Schuss der Deutschen auf das ungarische Tor, den Grosics hielt. Die deutsche Mannschaft kam aber wieder in Schwierigkeiten. Ungarn drang in den deutschen Strafraum ein, Puskás kam zum Schuss und der Ball lag im Tornetz (86. Minute) – aber Linienrichter Griffiths hatte Abseits gegeben. So erfuhren die Hörer in Deutschland von den Geschehnissen:

Drei zu zwei führt Deutschland fünf Minuten vor dem Spielende. Halten Sie mich für verrückt, halten Sie mich für übergeschnappt. Ich glaube, auch Fußball-Laien sollten ein Herz haben und sollten sich an der Begeisterung unserer Mannschaft und an unserer eigenen Begeisterung mitfreuen und sollten jetzt Daumen halten. Viereinhalb Minuten Daumen halten in Wankdorf. Drei zu zwei führt Deutschland nach dem Linksschuß von Rahn, der flach im linken Eck einschlug […] Drei zu zwei für Ungarn – für Deutschland – ich bin auch schon verrückt, Entschuldigung! […] Und die Ungarn, wie von der Tarantel gestochen, lauern die Puszta-Söhne, drehen jetzt den siebten oder zwölften Gang auf, Und Kocsis flankt – Puskas abseits – Schuß – aber nein, kein Tor! Kein Tor! Kein Tor! Puskas abseits.

Als die reguläre Spielzeit schon fast vorbei war, erschien Czibor plötzlich frei fünf Meter vor Turek, doch der parierte.

Dann klärte Fritz Walter an der Mittellinie zum Einwurf. Dieser wurde schnell ausgeführt und landete bei Bozsik, doch Schiedsrichter Ling pfiff schon zum Spielende – Deutschland war Weltmeister. Kurze Zeit später nahm Fritz Walter den WM-Pokal aus den Händen von Jules Rimet entgegen. Er war damit der letzte Weltmeisterschaftskapitän, der den WM-Pokal vom Erfinder der Fußball-Weltmeisterschaften überreicht bekam, denn Rimet verstarb zwei Jahre später im Alter von 82 Jahren.[10][11][12][13][14]

Dopingverdacht und Hepatitis-Erkrankungen[Bearbeiten]

Bereits wenige Tage nach dem Spiel hatte Ungarns Kapitän Ferenc Puskás den Finalgegner des Dopings beschuldigt. Gerüchte diesbezüglich hielten sich in den folgenden Jahrzehnten hartnäckig, wurden jedoch von den Beteiligten stets bestritten.

Ein Indiz für Injektionen war eine Gelbsuchterkrankung diverser Spieler der Weltmeistermannschaft von 1954. Eine Untersuchung der gesamten Mannschaft im Oktober 1954 ergab, dass praktisch alle Spieler Leberschädigungen in unterschiedlicher Schwere davongetragen hatten. Richard Herrmann starb 1962 an Leberzirrhose, einer Folge der Hepatitis C-Erkrankung, die er sich nach dem Sieg von Bern zuzog. Auch das Ableben von Werner Liebrich kann als Folgeerscheinung einer nicht behandelten Gelbsucht gedeutet werden.[15] Ein Gutachten des DFB im November 1954 führte die Infektion auf das „enge Zusammenleben der Mannschaft“ zurück und hielt es für „unwahrscheinlich“, dass die Übertragung durch Injektionen erfolgt sei. Dies gilt heute allgemein als Fehldiagnose. Wahrscheinlicher ist, dass sich die Spieler durch eine Gruppeninjektion infizierten. Da es damals noch keine Einwegspritzen gab, wurde den Spielern die Injektionen vermutlich durch ein- und dieselbe Spritze verabreicht.

2004 wurde bekannt, dass der Platzwart des ehemaligen Wankdorf-Stadions nach dem WM-Finale leere Glasampullen in einem Abflussgitter des Mannschaftsraumes fand. Diese leeren Ampullen ließen darauf schließen, dass der damalige deutsche Mannschaftsarzt Franz Loogen den Spielern unmittelbar vor dem Finale eine Flüssigkeit verabreichte. In der Folge räumten Ottmar Walter und Horst Eckel, zwei der zu diesem Zeitpunkt noch lebenden Spieler der Weltmeister-Elf, dies schließlich ein.[16]

Den Sportlern und DFB-Offiziellen zufolge soll es sich bei den Injektionen um eine Vitamin-C-Lösung gehandelt haben. Eine Studie von Wissenschaftlern aus Berlin unter dem Titel Doping in Deutschland von 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation kam 2010 jedoch zu einem anderen Schluss. Der Sporthistoriker Erik Eggers von der Humboldt-Universität erklärte: „Die Indizien sprechen dafür, dass in ihren Spritzen kein Vitamin C war. Es könnte Pervitin gewesen sein.“ Pervitin gehört zu den Stimulanzien und wurde vor allem während des Zweiten Weltkriegs bekannt, als es massenweise produziert und an die Soldaten verteilt wurde. Viele Menschen nahmen das Mittel jedoch auch nach dem Krieg noch weiter. Anti-Doping-Bestimmungen gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Auch beim Finalgegner Ungarn sollen Mittel verabreicht worden sein. Torhüter Gyula Grosics sprach ebenfalls von Vitamin C und auch Traubenzucker. Im Unterschied zu den Deutschen sollen die Mittel bei den Ungarn in Tablettenform verabreicht worden sein.

Rückkehr der Weltmeister[Bearbeiten]

Für die Heimfahrt der siegreichen Mannschaft stellte die Deutsche Bundesbahn einen Sonderzug (BR VT 08) zur Verfügung. Dieser startete mit den Weltmeistern im schweizerischen Spiez, wo sich das Mannschaftsquartier der Herberger-Truppe befand. Von dort aus ging es nach München, wo auf dem Marienplatz eine riesige Menge jubelnder Menschen wartete. Nachdem bereits auf der Durchreise viele Menschen den Weltmeistern zugejubelt hatten, bildeten die über 100.000 Begeisterten in Bayerns Landeshauptstadt den Höhepunkt des Finale Grande, wie es der Buchautor Alfred Georg Frei in seiner Dokumentation über die Rückreise der deutschen Mannschaft bemerkte. Von München aus setzten die Helden von Bern ihren Triumphzug durch andere große Städte Westdeutschlands fort. Überall kamen die Menschen auf die Straßen und überreichten der Mannschaft um Fritz Walter Glückwünsche und Geschenke.

Frenetischer Jubel, durchbrochene Polizeisperren, Geschenke an die Spieler als Vorgeschmack des Wirtschaftswunders, Blasmusik, vorbereitete Reden von Oberbürgermeistern und Landräten, denen niemand zuhören wollte.[17]

Alfred Georg Frei: in seinem Buch „Finale Grande“

Historische Auswirkungen[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Der „Weltmeisterzug“ von 1954

Im Jahre 1949 wurde die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Die Menschen im Lande waren jedoch immer noch deprimiert und enttäuscht wegen den Auswirkungen des vergangenen Weltkrieges und der Herrschaft der Alliierten in Deutschland. Doch zu Beginn der Fünfzigerjahre schien sich die Situation zu verbessern. Deutschland war gerade dabei, wieder von anderen Nationen akzeptiert zu werden, und auch bei der Weltmeisterschaft im Fußball durfte wieder mitgespielt werden.

Nachdem die Weltmeisterschaft mit dem unerwarteten Titelgewinn endete, entstand ein kollektives „Wir-Gefühl“. Im Gegensatz zu den anderen Weltmeistertiteln hieß es 1954 „Wir sind Weltmeister“ und nicht „Deutschland ist Weltmeister“. Auch oft zu finden war in der damaligen Zeit die Formulierung: „Wir sind wieder wer“. Dies war bezogen auf die scheinbare Bedeutungslosigkeit Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Da man nun die Weltmeisterschaft gewonnen hatte, konnte man darauf stolz sein, ein Deutscher zu sein. Der Politologe Arthur Heinrich und der Historiker Joachim Fest sprechen im Zusammenhang mit dem Wunder von Bern auch von der eigentlichen Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland.[18]

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass das Wunder von Bern einen großen Anteil an der Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem starken Staat hatte. Es hatte eine große Aufbruchstimmung zur Folge, die sicher auch mit ausschlaggebend war für das nun folgende Wirtschaftswunder in der Bundesrepublik Deutschland. Die Leitmotive der Herberger-Elf galten auch als Vorbild für die Menschen in der damaligen Zeit. Man ging nach den Prinzipien Fleiß, Mannschaftsgeist, Disziplin und Einordnung in ein Kollektiv vor. Auch diese Motive waren wichtig für das Wirtschaftswunder.[19]

Man hatte das Gefühl, wieder in die Völkervereinigung aufgenommen zu werden. Man hatte das Gefühl, dass man einem wieder Respekt entgegenbringt, das hat uns gut getan.[20]

Gerhard Mayer-Vorfelder

Zu Kritik im Ausland und Befürchtungen einer Rückkehr nationalistischer Überheblichkeit führte die Tatsache, dass die deutschen Zuschauer im Wankdorf-Stadion nach dem Schlusspfiff beim Abspielen der Nationalhymne die erste Strophe des Deutschlandlieds sangen. Inwieweit dies einen nationalistischen Hintergrund hatte oder schlicht auf Unkenntnis der dritten Strophe zurückzuführen war, ist umstritten.[21][22][23]

Ungarn[Bearbeiten]

In Ungarn, deren Mannschaft zum ersten Mal nach 4½ Jahren wieder ein Spiel verloren hatte, kam es bereits kurz nach dem Spiel zu Ausschreitungen. Spieler wurden verhört und vom kommunistischen Regime drangsaliert. Einigen Spielern, die mit deutschen Mercedes-PKW aus der Schweiz heimkehrten, wurde Folter angedroht und unterstellt, sie hätten sich kaufen lassen, um absichtlich zu verlieren.

Gyula Grosics hat man das Siegtor der Deutschen niemals ganz verziehen. Er wurde ein Jahr nach dem verlorenen Finale in Budapest verhaftet und in die Provinz verbannt. Dennoch bestritt er zwei weitere Endrunden für Ungarn. Ebenfalls verloren Verwandte von Spielern ihre Arbeitsplätze. Auch für andere Spieler hatte die Niederlage Folgen. So konnte der lukrative Schmuggel über die Grenze, den die Behörden vor dem 4. Juli noch gern übersahen, bei Auswärtsspielen nicht mehr betrieben werden. Ferenc Puskas sagte später, die Menschen in Budapest hätten ihn bei seiner Ankunft nach dem verlorenen Endspiel angeschaut, als hätte er eine Krankheit. Puskas, Kocsis, Hidegkuti & Co. waren jetzt nicht mehr die uneingeschränkten Lieblinge der Ungarn.

Wenige Kilometer vor Budapest mussten wir gegen Mittag plötzlich aussteigen, wurden in ein Trainingslager gebracht und durften es den ganzen Tag nicht verlassen. Abends kamen die höchsten Politiker – Rakosi, der Generalsekretär der Kommunistischen Partei, auch der Innenminister und der Militärminister sowie Leute der ungarischen Stasi. Rakosi hielt eine Rede, auch der zweite Platz sei ein schönes Ergebnis, und dann sagte er noch: Niemand von euch soll Angst haben, bestraft zu werden für dieses Spiel. Ich habe den Klang seiner Stimme noch im Ohr. Als dieser Satz fiel, wusste ich, dass er genau das Gegenteil bedeutet. Ich wusste, dass etwas Schlimmes passieren würde. Ich war oft mit der Staatssicherheit AVH aneinandergeraten, jetzt hatte ich das Gefühl, in Gefahr zu sein. Ich wusste, sie hatten es auf mich abgesehen. Ich behielt Recht.[24]

Gyula Grosics

Für den ungarischen Fußball bedeutete die Niederlage von Bern das Ende aller Hoffnungen auf einen WM-Titel oder einen ähnlich großen Pokal. Die Goldene Elf blieb noch weitere zwei Jahre zusammen und setzte ihre Siegesserie fort. Doch als im Jahr 1956 der Ungarische Volksaufstand von den Kommunisten brutal niedergeschlagen wurde und die Mannschaft von Honvéd Budapest mit Stars wie Puskás, Czibor und Kocsis gerade im österreichischen Wien weilte, endete die Ära der großen ungarischen Fußballnationalmannschaft. Als die Spieler des Clubs aus dem Budapester Stadtteil Kispest von der Niederschlagung des Ungarnaufstandes hörten, entschlossen sich die meisten von ihnen, in Spanien zu bleiben. Kocsis und Czibor spielten in Barcelona, übrigens zusammen mit ihrem Landsmann László Kubala, der Ungarn schon früher den Rücken gekehrt hatte, Puskas in Madrid. Damit war die Zeit der „goldenen“ ungarischen Fußballgeneration beendet.

Die Helden von Bern[Bearbeiten]

Die siegreiche Mannschaft von Bern wurde in der Heimat seit dem 4. Juli 1954 verehrt. Allen voran Kapitän Fritz Walter, Siegtorschütze Helmut Rahn und Trainer Sepp Herberger erlangten den Status von Volkshelden.

Autogrammkarte der Weltmeister

Walter setzte seine Nationalmannschaftskarriere bis 1958 fort und machte später Werbung für Unternehmen, schrieb Sportbücher und besaß in Kaiserslautern zeitweise ein Kino.[25] Herberger war noch zwei weitere Weltmeisterschaften Trainer der Nationalmannschaft, ehe er sich aus der Öffentlichkeit zurückzog. Helmut Rahn hingegen verkraftete den Heldenstatus nicht so gut. Er verfiel dem Alkohol und landete schließlich im Gefängnis wegen Trunkenheit am Steuer. Dort holte ihn Herberger wieder heraus, weil er Rahn für die Mission Titelverteidigung 1958 in Schweden benötigte.[26] Auch andere Spieler der Weltmeistermannschaft von 1954 kamen mit dem Ruhm nicht gut zurecht. Werner Kohlmeyer ist dafür das schlimmste Beispiel. Er verfiel wie Rahn dem Alkohol, nur noch viel schlimmer als der „Boss“ und verprasste sein ganzes Geld durch seine Sucht. Er landete auf der Straße und musste sogar seine WM-Medaille verkaufen. Kohlmeyer starb 1974 mit nicht einmal 50 Jahren an den Folgen seines langjährigen übermäßigen Alkoholkonsums.[27] Diesem Schicksal gerade noch von der Schippe gesprungen ist Ottmar Walter, der sogar fast Selbstmord beging. Doch der Versuch, sich das Leben zu nehmen, scheiterte und er bekam von der Stadt Kaiserslautern eine Stelle in der Verwaltung angeboten, nachdem er lange arbeitslos war. Hans Schäfer und Horst Eckel, der Jüngste in der Weltmeistermannschaft, sind die einzigen Helden von Bern, die noch am Leben sind. Auch Toni Turek traf es hart. Nachdem er von der Hüfte abwärts gelähmt war, folgten Herzinfarkt und Schlaganfall, sodass der ehemalige „Fußballgott“ 1984 mit 65 Jahren verstarb.[28] Richard Herrmann, der aber nur in der Vorrunde gegen Ungarn eingesetzt worden war, starb an den Folgen von Gelbsucht.

Mythos Wunder von Bern[Bearbeiten]

Der Geist von Spiez[Bearbeiten]

Die deutsche Nationalmannschaft ist heute bekannt für eine gute Auswahl des Mannschaftshotels bei Fußball-Weltmeisterschaften. Ihren Ursprung fand diese Tatsache 1954. Damals schlug die Herberger-Elf ihr Quartier in Spiez am Thunersee auf. Dort entwickelte sich der vielbesagte „Geist von Spiez“, der großen Anteil am WM-Erfolg haben soll. Deutscher Co-Trainer war damals Albert Sing. Sing war damals Trainer bei Young Boys Bern und kannte sich in der Schweiz aus. Er hatte Verwandte in Spiez, die dort ein Hotel besaßen. Sing fragte seine Verwandten, ob die deutsche Nationalmannschaft im Hotel Belvedere übernachten könne. Nach langem Zögern willigte die Hotelführung schließlich ein. Die deutsche Mannschaft reiste Ende Mai 1954 nach Spiez an. Der Plan Herbergers sah vor, dass die Mannschaft von der Außenwelt abgeschirmt zueinanderfinden sollte. Presse und Ehefrauen beziehungsweise Freundinnen im Mannschaftsquartier waren nicht gestattet. Das Leitbild des Trainers war, dass die Mannschaft nur als Gemeinschaft weit kommen könne. Diese Gemeinschaft wurde im Mannschaftshotel in Spiez geboren. Das Programm sah nicht nur Training vor, sondern auch die Förderung der Gemeinschaft. Gemeinsame Ausflüge in der Umgebung und Skatrunden förderten das soziale Gefüge. Auch führte Herberger mit jedem Spieler Einzelgespräche, um sie psychologisch auf die kommenden Aufgaben einzustellen. Dass Herberger nun tatsächlich eine Gemeinschaft im Sinne „alle für einen – einer für alle“, also Mannschaft im urtümlichsten Sinne formte, darf als mitausschlaggebend für das Erringen des Endspielsieges gelten.[29][30]

Fritz-Walter-Wetter[Bearbeiten]

Fritz Walter war in den 1950er Jahren der beste Fußballer Deutschlands. Er war beim Titelgewinn 1954 Kapitän der Nationalmannschaft und absolvierte insgesamt 61 Länderspiele für Deutschland, in denen ihm 33 Tore gelangen. Aufgrund seiner Malariaerkrankung (siehe unten) konnte er jedoch nur bei Regenwetter seine volle Leistung abrufen, das deshalb als „Fritz-Walter-Wetter“ bezeichnet wurde.

Wie viele andere Männer des Jahrgangs 1920 war auch Fritz Walter im Zweiten Weltkrieg im Einsatz. Obwohl Herberger für seine Spieler Privilegien durchsetzen konnte, blieben auch die Nationalspieler nicht vom Kriegseinsatz verschont und so musste Walter zunächst in Frankreich als Infanterist dienen. Nach Kriegsende fiel er in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Dort erkrankte Walter an Malaria, einer Krankheit, die sich durch hohes Fieber kennzeichnet und in den Tagen nach dem gerade beendeten Krieg häufig in Kriegsgefangenenlagern auftrat. Als Folge dieser Malariaerkrankung konnte er nur bei dem regnerischen Wetter seine beste Leistung zeigen. In der Kriegsgefangenschaft bestritt Walter auch das „Spiel seines Lebens“, wie er es später nannte. Geschwächt von einem Malaria-Anfall spielte er mit den ungarischen und slowakischen Wachsoldaten Fußball. Sie erkannten den deutschen Nationalspieler und stellten ihn dem sowjetischen Lagerkommandanten Major Schukow vor. Ebenfalls ein großer Fußballfan, bewahrte Schukow Walter und dessen jüngeren Bruder Ludwig vor dem Abtransport in ein sibirisches Gulag. Bereits am 28. Oktober 1945 kehrten die Brüder nach Kaiserslautern zurück. Am Abend vorm Endspiel in Bern besuchte ein ungarischer Reporter das Lager der deutschen Mannschaft in Spiez. Dort fragte er Sepp Herberger, ob er wirklich glaube, dass seine Mannschaft im Endspiel eine Chance hat gegen die Ungarn. Herberger sagte, dass Deutschland Ungarn zwar spielerisch unterlegen war, aber die Dinge anders laufen könnten, wenn es denn am 4. Juli regnen würde. Am Morgen des Endspieltages schauten die Spieler gen Himmel, doch es kam kein Regen. Erst bei der Abfahrt aus Spiez zur Mittagsstunde fielen die ersten Regentropfen. Es war dem Fritz sei Wetter, wie es in Lauterer Dialekt hieß. Auf dem Weg zum Endspiel sagte Sepp Herberger zu seinem Kapitän: „Fritz, Ihr Wetter.“ Walter erwiderte: „Chef, ich hab nix dagegen.“[31][32]

Radioreportage[Bearbeiten]

Das bekannte Bild des Uhrturms, um den sich die Menge drängt, schmückt heute die Rückseite der restaurierten Matchuhr vor dem Stade de Suisse.

1954 gab es in Deutschland nur etwa 20.000 Fernsehgeräte.[33] Die Tonspur der TV-Reportage von Bernhard Ernst ist verloren gegangen, auch vom Filmmaterial sind nur noch 18 Minuten vorhanden. Die Filmbilder der entscheidenden Szenen werden fast immer mit dem Radiokommentar von Herbert Zimmermann unterlegt. Im Folgenden die berühmtesten Ausschnitte:

Sechs Minuten noch im Wankdorf-Stadion in Bern. Keiner wankt. Der Regen prasselt unaufhörlich hernieder. Es ist schwer, aber die Zuschauer, sie harren nicht [sic!] aus, wie könnten sie auch! Eine Fußballweltmeisterschaft ist alle vier Jahre, und wann sieht man ein solches Endspiel, so ausgeglichen, so packend – jetzt Deutschland am linken Flügel durch Schäfer, Schäfers Zuspiel zu Morlock wird […] abgewehrt, und Bozsik […], der rechte Läufer der Ungarn, am Ball. Er hat den Ball – verloren diesmal, gegen Schäfer, Schäfer nach innen geflankt – Kopfball – abgewehrt – aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen – Rahn schießt! – Tooooor! Tooooor! Tooooor! Tooooor! […] Halten Sie mich für verrückt, […] ich glaube, auch Fußballlaien sollten ein Herz haben, sollten sich […] mitfreuen und sollten jetzt Daumen halten.

Das Ende des Spiels:

es kann nur noch ein Nachspiel von einer Minute sein. Deutschland führt […], aber es droht Gefahr, die Ungarn auf dem rechten Flügel – jetzt hat Fritz Walter den Ball […] ins Aus geschlagen. Wer will ihm das verdenken? Die Ungarn erhalten einen Einwurf zugesprochen, der ist ausgeführt, kommt zu Bozsik – Aus! Aus! Aus! – Aus! – Das Spiel ist aus! – Deutschland ist Weltmeister, schlägt Ungarn mit drei zu zwo Toren im Finale in Bern! … Nach diesen 30 Sekunden, die Sie dem Reporter verzeihen müssen […], wollen wir versuchen, in normaler Lautstärke und einigermaßen ruhig Ihnen das weitere Geschehen hier zu schildern. Hundert, zweihundert Fotografen auf dem Spielfeld, Angehörige der Schweizer Armee bilden mit einem Seil ein Karree. Die deutsche Mannschaft - Weltmeister 1954! - ist vollkommen im Mittelpunkt der Ovationen, daneben stehen die Ungarn, die Ungarn, ruhig, gesammelt, ein Kompliment für diese Jungens, die großartig verlieren können.

Zuvor schon war Zimmermann ob der Reflexe von Torhüter Toni Turek bei der Verteidigung des 2:2 so außer sich geraten, dass er die Worte „Turek, du bist ein Teufelskerl – Turek, du bist ein Fußballgott“ aussprach. Dafür handelte er sich ernste Tadel von Kirchenvertretern ein und hatte vor dem Intendanten zu erscheinen.

Andreas Obering spielt in Sönke Wortmanns Film Das Wunder von Bern Herbert Zimmermann und spricht dessen Kommentar.

Genau 50 Jahre nach dem Endspiel wiederholte am 4. Juli 2004 der Deutschlandfunk zur selben Tageszeit in Erinnerung an das Finale die Rundfunkreportage von Herbert Zimmermann. Sie wurde vom NDR auch auf zwei CDs veröffentlicht. Robert Lembke als Ansager eröffnete jeweils die Übertragungen der Halbzeiten, und schloss auch mit einem Hinweis, der die damalige politische Situation in Deutschland mit drei Staaten (Bundesrepublik, DDR, das teilunabhängige Saarland) und dem geteilten Berlin verdeutlicht:

Hier sind alle Sender in der Bundesrepublik Deutschland und Westberlin, angeschlossen Radio Saarbrücken. Wir übertragen aus dem Wankdorf-Stadion in Bern das Endspiel um die Fußballweltmeisterschaft zwischen Deutschland und Ungarn. Reporter ist Herbert Zimmermann.

Hier sind alle Sender in der Bundesrepublik Deutschland und Westberlin, angeschlossen Radio Saarbrücken. […] Die Sendung ist beendet, wir schalten zurück nach Deutschland.

Stollenschuhe[Bearbeiten]

Adolf „Adi“ Dassler war der Zeugwart der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1954. Zudem war Dassler Gründer des Sportartikelherstellers Adidas. Er rüstete die deutsche Mannschaft im Gegensatz zu den anderen Mannschaften mit damals neuartigen Schuhen mit Schraubstollen aus. Dieser Vorteil zeigte sich im Finale von Bern, wo es während des gesamten Spiels in Strömen regnete. In der Halbzeitpause wurden die Stollen ausgetauscht und damit die Schuhe den sich verändernden Gegebenheiten angepasst.[34]

Der linke Schuh von Torschütze Helmut Rahn wurde dem Deutschen Fußballmuseum in Dortmund überlassen und wird Bestandteil der neuen Dauerausstellung sein (Eröffnung 2015).[35]

Verfilmungen[Bearbeiten]

Das Wunder von Bern bot schon in einigen Fällen die Grundlage für Filme. Der erste Film, der sich mit dem deutschen Titelgewinn 1954 auseinandersetzte, war der Fernsehfilm Das Wunder von Bern: Deutschland und die Fußball-WM 1954 von Ulrich Lenze. Neun Jahre später, 2003, produzierten drei Studenten der Fachhochschule Offenburg einen 11-minütigen Animationsfilm, der die Höhepunkte des Endspiels von Bern mit Legofiguren zeigt. Unterlegt wurde dieser Trickfilm mit den Kommentaren von Herbert Zimmermann. Um die alte Tradition des Kurzfilms wieder aufleben zulassen, führten die Verantwortlichen einen nicht-kommerziellen Kinostart im Jahr 2003 durch. Dank einiger Sponsoren konnte eine Ausbelichtung auf 35-mm-Film realisiert werden. Davon wurden eine Vielzahl an Kopien gezogen, die bundesweit in ausgewählten Kinos gezeigt wurden.

Ein Jahr später, 2004, sendete das ZDF den 90-minütigen Dokumentarfilm Das Wunder von Bern – die wahre Geschichte. Der Film von Guido Knopp beschreibt die Geschehnisse vor, während und nach dem Titelgewinn der deutschen Mannschaft. Darin kommen zahlreiche beteiligte Personen, zum Beispiel Ottmar Walter, Co-Trainer Albert Sing und Ersatz-Torwart Heinrich Kwiatkowski, aber auch noch lebende Spieler der Ungarn wie Jenő Buzánszky und Gyula Grosics zu Wort. Im gleichen Jahr wurde der Dokumentarfilm Das Wunder von Bern – Das Spiel – Eine Rekonstruktion vom ZDF gezeigt. Hierfür wurde das verfügbare original Filmmaterial zusammengetragen, zusammengeschnitten und mit dem Radiokommentar unterlegt. Insgesamt konnten so 38 Minuten des Spiels rekonstruiert werden.

Auch Spielfilme verwiesen schon auf das Wunder von Bern. So verwendete Rainer Werner Fassbinder die Radioreportage des Endspiels von Bern in seinem Film Die Ehe der Maria Braun, um während der gesamten mehrminütigen Schlussszene des Films den Zeitbezug zum Jahr 1954 herzustellen. Am wohl bekanntesten ist Sönke Wortmanns Film Das Wunder von Bern aus dem Jahr 2003. Der Film beschreibt die Geschichte vom unerwarteten Sieg bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in Bern. Darüber hinaus beschreibt der Film die Schwierigkeiten eines heimgekehrten Kriegsgefangenen, der sich in seinem alten Leben nicht mehr zurechtfindet, parallel zum deutschen Erfolg aber seinem Sohn und seiner Familie wieder näherkommt.[36][37][38]

Musical[Bearbeiten]

2014 entstand in Hamburg ein Musical mit dem Titel Das Wunder von Bern, welches am 23. November 2014 uraufgeführt wird.[39] Die Handlung ist an Sönke Wortmanns Spielfilm angelehnt. Produzent ist die Firma Stage Entertainment Germany.[40]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Commons: Das Wunder von Bern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

Tonträger[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Chronik des deutschen Fußballs, S. 82–85
  2. Fußball-Weltmeisterschaften 1930-heute S. 50–56
  3. Fußball-Weltmeisterschaften 1930-heute S. 51–57
  4. Deutschland gegen Frankreich 1952
  5. England gegen Ungarn 1953
  6. Magische Magyaren
  7. Kommentar von Zimmermann
  8. Aussage von Fritz Walter
  9. Zitat von Sepp Herberger
  10. Highlights des Finales
  11. Text zum Endspiel
  12. Bericht auf fifa.com
  13. Spielbericht des Endspiels
  14. Fußball-Weltmeisterschaften 1930-heute, S. 57–61
  15. Dopingvorwürfe
  16. http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=76451
  17. Alfred Georg Frei: Finale Grande
  18. „Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland“
  19. Bedeutung für Deutschland
  20. Zitat von Mayer-Vorfelder
  21. Jürgen Leinemann: Das Wunder von Bern, Spiegel Special 1/2006, 21. Februar 2006, abgerufen am 17. Juli 2014
  22. Stefan Reinecke: Dieses Wir meinte die Bundesrepublik, Interview mit Arthur Heinrich, taz, 3. Juli 2004, abgerufen am 17. Juli 2014
  23. Michael Marek: Ein Land spielt sich frei, Deutsche Welle, 23. Juni 2009, abgerufen am 17. Juli 2014
  24. Zitat von Grosics
  25. Fritz Walter
  26. Helmut Rahn
  27. Werner Kohlmeyer
  28. Toni Turek
  29. Geist von Spiez
  30. Infos zum Geist von Spiez
  31. Fritz-Walter-Wetter
  32. Biographie von Fritz Walter
  33. Informationen
  34. Dasslers Schuhe
  35. dfb-fussballmuseum.de: Rahns WM-Schuh erinnert an „Das Wunder von Bern“, 4. Juli 2014
  36. Film „Das Wunder von Bern“
  37. Infos zum Film
  38. Christof Siemes: Das Wunder von Bern
  39. http://www.stage-entertainment.de/musicals-shows/das-wunder-von-bern-hamburg.html
  40. Theater an der Elbe