Wunstorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Wunstorf
Wunstorf
Deutschlandkarte, Position der Stadt Wunstorf hervorgehoben
52.42759.429444444444443Koordinaten: 52° 26′ N, 9° 26′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Region Hannover
Höhe: 43 m ü. NHN
Fläche: 126,6 km²
Einwohner: 40.636 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 321 Einwohner je km²
Postleitzahl: 31515
Vorwahlen: 05031 (Stadt), 05033 (Steinhude und Großenheidorn), 05723 (Idensen-Niengraben)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: H
Gemeindeschlüssel: 03 2 41 021
Stadtgliederung: 14 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Südstraße 1
31515 Wunstorf
Webpräsenz: www.wunstorf.de
Bürgermeister: Rolf-Axel Eberhardt (CDU)
Lage der Stadt Wunstorf in der Region Hannover
Region Hannover Niedersachsen Wedemark Burgwedel Neustadt am Rübenberge Burgdorf Uetze Lehrte Isernhagen Langenhagen Garbsen Wunstorf Seelze Barsinghausen Sehnde Hannover Gehrden Laatzen Wennigsen Ronnenberg Hemmingen Pattensen Springe Landkreis Hameln-Pyrmont Landkreis Schaumburg Landkreis Nienburg/Weser Landkreis Heidekreis Landkreis Celle Landkreis Peine Landkreis Gifhorn Landkreis HildesheimKarte
Über dieses Bild
Wunstorfer Innenstadt, Fußgängerzone mit Marktplatz und Stadtkirche St. Bartholomaeus
Wunstorf in einem Merian-Stich um 1654

Wunstorf ist eine Stadt in der Region Hannover in Niedersachsen, unweit des Steinhuder Meeres, die im Calenberger Land liegt. In Wunstorf befindet sich mit der KRH Psychiatrie Wunstorf des Klinikums Region Hannover eine große psychiatrische Klinik. Der Fliegerhorst Wunstorf mit dem Lufttransportgeschwader 62 als größtem fliegenden Verband der Luftwaffe liegt in der Gemarkung des Ortsteils Klein Heidorn.

Geografie[Bearbeiten]

Neustadt am Rübenberge
Rehburg-Loccum (Landkreis Nienburg/Weser) Nachbargemeinden Garbsen
Hagenburg (Landkreis Schaumburg) Barsinghausen Seelze

Die Westaue, die wenige Kilometer nordöstlich bei Bordenau in die Leine mündet, durchfließt die Stadt von West nach Ost. Im Westen liegt der Naturpark Steinhuder Meer.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zum Stadtgebiet von Wunstorf gehören die Ortschaften Blumenau (mit Liethe), Bokeloh, Großenheidorn, Klein Heidorn, Idensen (mit Idensermoor und Niengraben), Kolenfeld, Luthe, Mesmerode, Steinhude und Wunstorf.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name der Stadt leitet sich von der frühen Dorfsiedlung „Wonherestorpe“ (um 700) ab. Das Kloster „Vuonherestorp“ stellt Ludwig der Deutsche am 14. Oktober 871 unter Königschutz, indem der König das von Bischof Theoderich von Minden mit seiner Zustimmung gegründete Kanonissenstift in Wunstorf die Immunitätsrechten verleiht.[2] Die Stiftskirche wird im Jahr 1010 durch Blitzschlag zerstört. 1181 wird „Wunstorf“ als „civitas“ erwähnt; ein Graf von Wunstorf wird erstmals 1235 in einer Urkunde erwähnt.

1261 erhalten die Einwohner vom Mindener Bischof „für Treue und Gehorsam“ das Recht der Stadt Minden. Im Mittelalter besaßen die Grafen von Roden in Wunstorf die Vogteirechte.[3]

1446 verkaufen die Grafen von Wunstorf ihre Grafschaft an den Bischof von Hildesheim. 1570 stecken Ortjes Dove und seine Helfer ihre Stadt an zahlreichen Stellen gleichzeitig an. Von 700 Gebäuden bleiben nur 208 verschont. 1624 plündert Tilly die Stadt. Eine Dragoner-Regiments des Prinzen von Wales macht die Stadt 1788 zur Garnisonsstadt. Vom Sommer 1803 bis Oktober 1805 nehmen französische Truppen in der Stadt Quartier. Danach marschieren Preußen, Schweden, Engländer und Franzosen nacheinander ein. Bis 1813 erfolgt die kommunale Verwaltung durch einen Maire. Danach rücken für zwei Jahre russische Truppen ein. Für die Jahre 1816 bis 1874 wird Wunstorf Standort für die reitende Artillerie der neuen hannoverschen Armee.

1847 wird Wunstorf mit einem Inselbahnhof zum Bahnknotenpunkt der Bahnstrecken Hannover–Minden und Wunstorf–Bremen. Am 31. Januar 1874 wird im Gebäude des heutigen Hölty-Gymnasiums ein Lehrerseminar gegründet.

Im Jahr 1880 richtet die Hannoversche Provinzialverwaltung in den freigewordenen Garnisonsgebäuden an der Südstrasse eine "Korrektionsanstalt" ein und gliedert 1883 eine Landarmenanstalt an. Ab 1885 baut die Provinz für die wachsende Provinzial Heil- und Pflegeanstalt zahlreiche, bis heute im Stadtbild prägende Gebäude. Die Anstalt wird 1940 bis 1941 Schauplatz der Deportation psychisch Kranker im Rahmen der Aktion T4. Auch Patienten jüdischen Glaubens werden aus Nordwestdeutschland zusammengezogen und von hier aus deportiert. 1952 wird sie Landeskrankenhaus. Unter dem Direktoriat von Asmus Finzen wird sie 1976 ein Ausgangspunkt der Psychiatriereform. Andreas Spengler baut von hier aus in den Jahren 1988 bis 2008 das Versorgungsangebot der Institutsambulanz auf. Das Krankenhaus geht 2007 in den Besitz der Region Hannover über.

Der hannoversche Bankier Sigmund Meyer gründete die „Wunstorfer Portland-Cementfabrik A.G.“.[4] (1889) 1896 Aufbau der großen Genossenschaftsmolkerei in der Hindenburgstraße. 1898 Baubeginn eines städtischen Elektrizitätswerkes.

Am 3. März 1935 wird Wunstorf Wehrmachtsgarnison. Da 1936 das Jagdgeschwader 2 „Boelcke“ auf dem neuen Fliegerhorst Wunstorf stationiert ist, wird Wunstorf zu einer der Ausgangsbasen der Legion Condor.

Am 4. Januar 1943 übersah der Lokomotivführer des SFR 2304 vor Wunstorf bei starkem Schneegestöber ein „Halt“ zeigendes Signal und fuhr auf den D 8 auf. 25 Menschen starben, 169 weitere wurden verletzt.[5]

Am 7. April 1945 marschieren die Alliierten ein. Die Royal Air Force übernimmt den Fliegerhorst.

Im Juni 1946 treffen große Transporte mit Vertriebenen von Uelzen her ein. 1948/49 Einbindung des Fliegerhorstes in die Berliner Luftbrücke. 1950 Anschluss an die Ruhrgasfernleitung. 1954 Einweihung der kath. St.-Bonifatius-Kirche. 1956 wird der Bau der Kanalisation begonnen. Im März 1958 wird Wunstorf Garnison der Bundeswehr, die eine Flugzeugführerschule (später Transportgeschwader LTG 62) einrichtet. 1967 Bau der ev. Corvinuskirche, 1970/71 Bau und 2013 Abriss der kath. Filialkirche Heilig Kreuz in Luthe. 1971 Beginn der Aueregulierung, dabei Neubau der Brücken im Verlauf der Straßen In den Ellern und Am Stadtgraben.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Blumenau, Bokeloh, Großenheidorn, Idensen, Idensermoor-Niengraben, Klein Heidorn, Kolenfeld, Luthe, Mesmerode und Steinhude (Flecken) eingegliedert.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1830: ca. 01.910 Einwohner
  • 1840: ca. 02.300 Einwohner
  • 1871: ca. 02.455 Einwohner
  • 1885: ca. 02.963 Einwohner
  • 1905: ca. 04.523 Einwohner
  • 1949: ca. 11.610 Einwohner (davon 3490 Flüchtlinge und Vertriebene)[7]
  • 1961: ca. 13.843 Einwohner [6]
  • 1970: ca. 17.178 Einwohner [6]
  • 1961: ca. 30.864 Einwohner (mit den im Jahr 1974 eingegliederten Orten)[6]
  • 1970: ca. 35.843 Einwohner (mit den im Jahr 1974 eingegliederten Orten)[6]
  • 1998: ca. 40.848 Einwohner
  • 2000: ca. 41.474 Einwohner
  • 2005: ca. 42.215 Einwohner
  • 2010: ca. 41.244 Einwohner

Politik[Bearbeiten]

Bis zum 31. Dezember 2004 gehörte Wunstorf zum ehemaligen Regierungsbezirk Hannover, der wie alle niedersächsischen Regierungsbezirke aufgelöst wurde.

Stadtrat[Bearbeiten]

Gemeindewahl 2011[8][9]
 %
50
40
30
20
10
0
44,3 %
36,7 %
10,9 %
6,6 %
1,5 %
keine
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
-0,7 %p
-3,0 %p
+6,2 %p
-1,1 %p
+1,5 %p
-2,9 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
f 2006: Summe der Ergebnisse von U.W.G. (1,8 %) und BürgerForum (1,1 %)

Am 13. September 1946 wurde der erste Nachkriegs-Stadtrat gewählt: Die 19 Sitze verteilten sich auf SPD, NLP (später DP), CDU, KPD, FDP und Unabhängige.

Die Kommunalwahl am 11. September 2011 führte zu folgender Sitzverteilung:

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Auf blauem Grund eine silberne Burg mit geöffneten goldenen Tortüren und zwei spitzbedachten Türmen, der rechte viereckig und mit einem Vierpaß geschmückt, der linke rund und von zwei Fenstern durchbrochen. Zwischen den Türmen schreitet von rechts nach links ein gekrönter, rotbezungter, goldener Löwe, der nur mit den Hinterpranken die Zinnen berührt.“

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften von Wunstorf bestehen mit:

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kuhbrunnen in der Wunstorfer Fußgängerzone
Die Abtei, Ausstellungshaus und Sitz der Stadtbibliothek
Mühle Paula im Ortsteil Steinhude

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Rathaus, Südstraße 1. Das alte, ursprünglich neben dem ehemaligen Ratskeller gelegene Rathaus wurde 1870 abgebrochen. 1904 entstand der noch heute bestehende Neubau an der Ecke Südstraße in romanisierenden Formen. Die Giebel und die Ecktürmchen zeigen gotisierende Formen.
  • Ratskeller, Lange Straße 12. Um 1520/21 wurde der ehemalige Ratskeller in seiner jetzigen Form errichtet. Die ältesten Gebäudeteile des zweigeschossigen Fachwerkbaus mit Satteldach stammen jedoch bereits von 1501. Im Kellerbereich blieb ein tonnengewölbter Raum erhalten, der bereits im 14. Jahrhundert entstanden sein dürfte. 1735 wurde ein Anbau für den Wunstorfer Stadtvogt erstellt, der hier eine Amtswohnung erhielt. Dieser wurde im Zuge der ab 1987 durchgeführten Sanierung zugunsten eines verputzten Neubaus abgebrochen. Die massiven Stützpfeiler an der Längsseite wurden im 19. Jahrhundert eingebaut, um dem Bau zusätzliche Stabilität zu verleihen.
  • Ehemalige Abtei (Stadtbibliothek), Wasserzucht 1. Der zweigeschossige Fachwerkbau wurde dendrochronologisch auf das Jahr 1518 datiert. 1710 wurde das Dach verändert und der First um 90 Grad gedreht. Aus dieser Zeit stammt auch der seitliche Anbau. Bei der 1985–1987 durchgeführten Sanierung erhielt das Dach wieder seine frühere Ausrichtung, außerdem wurden die ursprünglichen Steilgiebel rekonstruiert.
  • Die nähere Umgebung der Stiftskirche wird noch heute von den Bauten des ehemaligen Stiftes geprägt:
    • Stiftsstraße 5 (Pastorenhaus). Zweigeschossiges Fachwerkhaus mit übergiebeltem Mittelteil, Ende des 18. Jahrhunderts
    • Stiftsstraße 5a (Pfarrwitwenhaus). Fachwerk-Dielenhaus, bezeichnet 1584. Die Utlucht wurde erst nachträglich angefügt. Um 1800 wurde der Bau um drei Gefache verlängert.
    • Stiftsstraße 7 (Pfarrhaus). Zweigeschossiger Fachwerkbau mit Walmdach, datiert 1664.
    • Stiftsstraße 10. Das eingeschossige Wandständerhaus wurde in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtet. Im 19. Jahrhundert diente es nach einem Umbau als Gärtnerhaus.
    • Stiftsstraße 11, 1628 dendrochronologisch datiert.
    • Stiftsstraße 14–16 (Alte Dechanei). Traufständiger Fachwerkbau mit Ziegelziersetzung, im Kern 17. Jahrhundert
  • Bürgerhäuser. Die Lange Straße wurde einstmals von giebelständigen Fachwerkbauten gesäumt, von denen nach Abbrüchen und Sanierungsmaßnahmen nur wenige überliefert sind. Vielfach wurden die Erdgeschosse durch Ladeneinbauten verändert. In jüngster Zeit kam es zu erheblichen Eingriffen in die historische Bausubstanz: 2009 wurde das ehemalige Möbelhaus Kruse (Lange Straße 52), ein stattliches Fachwerkhaus mit mehrfach vorkragendem Giebel von 1687 abgebrochen und durch einen Geschäftsneubau (C & A) ersetzt. Im Herbst des darauf folgenden Jahres verschwand mit dem Haus Herborth (Lange Straße 36, „Altstadtgrill“) eines der ältesten Häuser der Stadt (Kern 16. Jh.). Mittlerweile ist es dem historisch interessierten Besucher der Stadt kaum noch möglich, die ursprüngliche bauliche Situation dieses bedeutenden Straßenzuges nachzuvollziehen, zumal weitere Fachwerkhäuser verfallen und vom Abbruch bedroht sind.
    • Lange Straße 13. Das Fachwerk-Giebelhaus ist in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden. Das Hinterhaus zeigt Reste eines unterkellerten Saales.
    • Lange Straße 15, bezeichnet 1604.
    • Lange Straße 17. Fachwerk-Giebelhaus, bezeichnet 1534. Das Erdgeschoss wurde durch Ladeneinbauten verändert.
    • Stiftsstraße 2. Der zweigeschossige Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach wurde im 18. Jahrhundert unter der Verwendung älterer, aus dem 16. Jahrhundert stammender Bauhölzer errichtet. Der ebenfalls wiederverwendete Dachstuhl wurde 15265/26 dendrodatiert.
  • Adelshöfe. Der Bereich südlich und nördlich der Langen Straße war ursprünglich den Adelshöfen vorbehalten. In jüngster Zeit wurden dieser nur locker bebaute und von größeren Freiflächen geprägte Bereich stark überformt. Von den Höfen blieben nur mehr drei erhalten:
    • An der Wassermühle 2 (Adelshof von Hauss). Schlichter zweigeschossiger Fachwerkbau mit hohem Walmdach, vermutlich noch vor 1800 entstanden.
    • Mittelstraße 3 (Lenthescher Burgmannenhof, heute „Hotel am Burgmannshof“). Das im Kern aus dem 16. Jahrhundert stammende Fachwerk-Dielenhaus wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts traufseitig erweitert und 1911 zum Teil massiv erneuert. Bis 2009 wurde der Bau umfassend saniert und in ein Hotel umgewandelt. Im Zuge der Baumaßnahmen wurde das Mauerwerk weitgehend ausgetauscht und der seitliche Anbau erhöht.
    • Stiftsstraße 12, das Hollesches Haus (auch Röbbigsturm genannt) wurde für den herzoglichen Obristen Johann von Holle nach einem Brand 1569 errichtet. Es ist als dreigeschossiger Wohnturm der älteste profane Steinbau Wunstorfs und diente im 19. Jahrhundert als Kornspeicher des Stifts und von 1883 bis 1907 als Wunstorfer Rathaus.

Kirchen[Bearbeiten]

Stiftskirche
Sigwardskirche in Idensen

Die drei evangelisch-lutherischen Kirchen in Wunstorf gehören zum Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf:

Die Stiftskirche St. Cosmas und Damian ist eine kreuzförmige, dreischiffige Gewölbebasilika mit Westturm, deren älteste Teile aus dem 11. Jahrhundert stammen. 1853–1859 wurde der Bau umfassend erneuert.

Die Stadtkirche (auch Marktkirche genannt) St. Bartholomaei, Stiftstraße 1. Von einem Bau aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts blieben bis heute der Turm und der Chorraum bestehen. Das Langhaus wurde um 1700 als schlichte Saalkirche erneuert. Das 1989 restaurierte Innere weist noch einige ältere Ausstattungsstücke auf, darunter eine spätgotische Triumphkreuzgruppe vom Ende des 15. Jahrhunderts und eine 1520 entstandene Madonnenstatue. Die polygonale Kanzel ist 1640 und 1642 datiert.

Die Corvinuskirche von 1967 befindet sich an der Arnswalder Straße, zu ihrer Gemeinde gehört auch der benachbarte Kindergarten.

Das Gemeindezentrum St. Johannes von 1974/75 befand sich in der Albrecht-Dürer-Straße 1, es wurde im März 2012 entwidmet um für den voraussichtich 2015 fertig gestellten Neubau des diakonisch-kirchlichen Zentrums Platz zu machen. 1976 eröffnete daneben eine noch heute bestehende evangelische Kindertagesstätte.

Weitere evangelisch-lutherische Kirchen befinden sich in zu Wunstorf eingemeindeten Ortschaften, so die Sigwardskirche im Ortsteil Idensen. Die um 1130 erbaute romanische Kirche besitzt noch die romanische Ausmalung aus der Bauzeit und die älteste Glocke Niedersachsens.

In der Gebäudezeile der KRH Psychiatrie Wunstorf an der Südstrasse steht die 1885 errichtete Krankenhauskirche.

Die katholische Pfarrkirche St. Bonifatius wurde 1954 als Nachfolgebau einer im gleichen Jahr abgerissenen Missionskapelle von 1903 nach Plänen von Josef Fehlig erbaut. Die Filialkirche Heilig Kreuz im Ortsteil Luthe wurde 2010 profaniert und 2012 abgerissen. Weitere katholische Kirchen befinden sich in den Ortschaften Bokeloh und Steinhude.

Die Evangelisch-freikirchliche Gemeinde (Baptisten) wurde 1996 gegründet, 2010 übernahm sie die ehemalige neuapostolische Kirche am Amtshausweg. 2009 wurde an der Hagenburger Straße eine neue Neuapostolische Kirche erbaut, ihre Gemeinde gehört zum Kirchenbezirk Hannover-Südwest.

Die „Freie Christengemeinde Wunstorf“ gehört zum Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden, ferner sind die evangelisch-methodistische Kirche und die Zeugen Jehovas in Wunstorf vertreten.

Vereine[Bearbeiten]

In der Kernstadt Wunstorf gibt es mehrere Vereine. Der Turn und Sport Verein von 1862 Wunstorf e.V. ist mit etwa 3000 Mitgliedern der mitgliederstärkste. Der zweitgrößte Verein ist der 1. FC Wunstorf v. 1919 e.V. Ein weiterer größerer Verein mit etwa 800 Mitgliedern ist der Kneipp-Verein Wunstorf.

Die Stadt Wunstorf gehört seit dem 21. Juli 2009 dem Verein Deutsche Sprache an. Grund dafür ist der Wohnsitz und Einfluss von Walter Krämer.

Jugendeinrichtungen[Bearbeiten]

Wunstorf hat außerdem eine Vielzahl von Einrichtungen im Bereich der Jugendarbeit. Der Stadtjugendring Wunstorf ist ein Ring aus mehreren gemeinnützigen Einrichtungen und Vereinen. Auch das Projekt kurze Wege von St. Johannes, das Kinder- und Jugendzentrum „Der Bau-Hof“ und die Stadtjugendpflege der Stadt Wunstorf, sowie das Jugendparlament, die Volkshochschule Hannover Land, die Wohnwelt Wunstorf (gegründet von dem Verein Lebenstraum e.V.) und das Team Jugendarbeit Region Hannover gehören zu Wunstorfs Jugendeinrichtungen.

Jugendparlament[Bearbeiten]

Das Jugendparlament der Stadt Wunstorf besteht aus 17 Mitgliedern, die in unabhängiger Wahl von Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren gewählt werden. Die Amtszeit beträgt 2 Jahre. Die letzte Wahl war im Februar 2013. Ein besonderer Erfolg des Gremiums war die Einrichtung einer legalen Graffiti-Fläche. Ebenfalls beteiligt und organisiert das Jugendparlament Präventions- sowie Informationsveranstaltungen. Den Vorsitz des Jugendparlamentes hat seit Februar 2013 der Jugendbürgermeister Leon Troschke. Das Jugendparlament wurde 2001 gegründet und wird von der Verwaltung der Stadt Wunstorf unterstützt.

Lokale Agenda 21[Bearbeiten]

Die Stadt Wunstorf beteiligt sich lokal an der Umsetzung der Agenda 21, indem das vom Männerkreis der Stiftskirche initiierte und von Wunstorfer Bürgerinnen und Bürgern getragene „Zukunftsforum Wunstorf e.V.“ gelegentlich unterstützt wird. Ein gemeinsames Projekt stellt unter anderem die vorhandene Erdgas-Tankstelle dar.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Briefbogen der Wunstorfer Margarine Werke;
1897 von A. Harbers & Brager produziert

Bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts hinaus war Wunstorf geprägt durch Großbetriebe wie die Zementfabrik (Portlandzement, mit Mergelgrube an der A 2) oder der Molkerei in der Hindenburgstraße.

Auch die ehemaligen Wunstorfer Margarine-Werke, später Margarinewerke Union, dann SOLO (und später IGLO – Feinfrost) GmbH, zuletzt VION Convenience GmbH (Schließung des Standortes zum 31. März 2014 [11]) gehörte dazu,[12] oder der asbestverarbeitende Betrieb Fulgurit-Werk Luthe[13] und die Marley. Wesentliche weitere Arbeitgeber waren die Bundeswehr und die Deutsche Bundesbahn. Seit den 1930er Jahren besteht die kleine „Stipsfabrik“ an der Hagenburger Straße, die „Reinhold`s Rübensaft“ produziert.

Neben dem Fliegerhorst ist die KRH Psychiatrie Wunstorf einer der großen Betriebe und Arbeitgeber. Ihre stationären Abteilungen und die Institutsambulanz sind für die psychiatrische Versorgung von rund 700.000 Einwohnern zuständig (Teile der Landeshauptstadt und der Region Hannover sowie Landkreise Nienburg und Schaumburg).

Bildung[Bearbeiten]

Hölty-Gymnasium

Das Hölty-Gymnasium ist nach Ludwig Hölty benannt. Es ist eines der größten Gymnasien der Region. Daneben gibt es ein Gymnasium in Steinhude, ein Wirtschaftsgymnasium samt Berufs- und Handelsschule (zugehörig zum BBZ Neustadt), sowie drei Realschulen, eine Integrierte Gesamtschule im Aufbau (seit August 2010), neun Grundschulen und zwei Förderschulen.

Verkehr[Bearbeiten]

Wunstorf liegt an den Bundesstraßen 441 und 442. Die Bundesautobahn A2 befindet sich in unmittelbarer Nähe mit den Anschlussstellen Wunstorf-Luthe und Wunstorf-Kolenfeld.

In Wunstorf halten Regional-Express-Züge und S-Bahnen der Bahnstrecke Hannover–Minden und der Bahnstrecke nach Bremen. Von der Steinhuder Meer-Bahn (StMB), deren Strecke früher durch die Stadt führte, besteht noch die Anbindung nach Bokeloh für den Güterverkehr zum Kaliwerk Sigmundshall der K+S AG.

Mehrere Buslinien des Großraum-Verkehrs Hannover bedienen in Wunstorf etwa 100 Haltestellen. Die meisten dieser Linien sind am Bahnhof mit dem Bahnverkehr verknüpft.

Der Fliegerhorst Wunstorf dient fast ausschließlich militärischen Zwecken; Sportfliegerei [14] findet nur in beschränktem Umfang statt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Ohlendorf (†): Geschichte der Stadt Wunstorf. Im Auftrage der Stadtverwaltung zu Wunstorf [posthum] unter Mitarbeit von Armin Mandel und Kurt Schmidt-Clausen hrsg. von Wilhelm Hartmann. Wunstorf 1957
  • Edfried Bühler et al.: Heimatchronik des Kreises Neustadt am Rübenberge (Heimatchroniken der Städte und Kreise des Bundesgebietes, Band 44), Köln 1974
  • Oskar Karpa: Die Kunstdenkmale des Kreises Neustadt am Rübenberge (Die Kunstdenkmale Niedersachsens). 2 Bände, München/Berlin 1958
  • Stadt Wunstorf 1100 Jahre Wunstorf Jahrbuch 1971
  • Konrad Maier: Landkreis Hannover. Kunst und Kultur beiderseits der Leine (Deutsche Lande – Deutsche Kunst). München/Berlin 1981
  • E. Holodynski, Armin Mandel: neue Heimat Wunstorf – Ein Bericht über die Notzeit Ende 1944 und die ersten Nachkriegsjahre in Wunstorf, Wunstorf 1981
  • Carolin Krumm: Region Hannover. Nördlicher und östlicher Teil (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen, Band 13.2, Region Hannover, Teil 2). Hameln 2005
  • Klaus Fesche: Geschichte Wunstorfs. Die Stadt, der Flecken und die Dörfer, Springe 2010
  • Eberhard Kaus: A. Wunstorf (Grafen von); B. Wunstorf (Grafschaft). In: Werner Paravicini (Hrsg.): Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Grafen und Herren (= Residenzenforschung 15.4), bearbeibet von J.Hirschbiegel, A.P.Orlowska und J.Wettlaufer. Thorbecke, Ostfildern 2012, S. 1735–1739
  • Heiner Wittrock: Landeskrankenhaus Wunstorf - von der Korrektionsanstalt zum modernen Fachkrankenhaus (1880-2005). Selbstverlag, Wunstorf 2005.
  • Siegfried Neuenhausen: Graben nach verschütteter Kreativität. Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (Hrsg.), Braunschweig 1992, ISBN 3-88895-006-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wunstorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. Zum Inhalt der Urkunde vgl. Regesta Imperii I n.1489 (auch online).
  3. Jan Brinkmann: Unter der Knute von Rivalen, Artikel auf Land&Forst.de (abgerufen am 3. Juni 2011).
  4. Paul Siedentopf (Haupt-Schriftleitung): Bankhaus Adolph Meyer, in: Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover im Jahr 1927, Leipzig: Jubiläums-Verlag Walter Gerlach, 1927, S. 152
  5. Hans Joachim Ritzau: Eisenbahn-Katastrophen in Deutschland. Splitter deutscher Geschichte. Bd.1: Landsberg-Pürgen 1979, S. 93.
  6. a b c d e  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 198.
  7. s. E. Holodynski, Armin Mandel, S.17
  8. http://www.wahl.hannit.de/index.php?site=right/ergebnis&wahl=775&gebiet=21&typ=3&stimme=1
  9. http://www.wahl.hannit.de/index.php?site=right/ergebnis&wahl=645&gebiet=21&typ=3&stimme=1
  10. „Die Patenschaft(en) wurde(n) … zur Bekräftigung des für alle Zeiten gültigen und unabdingbaren Anspruchs auf die deutschen Gebiete des Ostens übernommen.“, Patenschafts-Urkunde vom 19. Juni 1960, in E. Holodynski, S. 75
  11. Schließung Standort Wunstorf Hannoversche Allgemeine Zeitung 3. März 2014
  12. Vergleiche Rolf-Axel Eberhardt: Gewerbe & Wirtschaft, Unterseite auf wunstorf.de, zuletzt abgerufen am 3. Januar 2013
  13. Anmerkung: Die in über 100 Jahren gewachsene Asbest-Abfallhalde soll versiegelt oder zur Endlagerung abtransportiert werden. Der Streit über die Gefährlichkeit der Transporte hat die Gerichte erreicht. Marlene Weiss 7000 Laster voll Problemmüll in Süddeutsche Zeitung, 27. April 2012, S. 6 (PDF)
  14. [1] Aeroclub Steinhuder Meer e.V.
  15. Felix Pütter: Emil Kraft – eine biographische Skizze in Wunstorfer Stadtspiegel, Juli 2010 / Nr. 80