Wurmlingen (Landkreis Tuttlingen)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wurmlingen
Wurmlingen (Landkreis Tuttlingen)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wurmlingen hervorgehoben
48.0033333333338.7763888888889665Koordinaten: 48° 0′ N, 8° 47′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Tuttlingen
Höhe: 665 m ü. NHN
Fläche: 15,43 km²
Einwohner: 3787 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 245 Einwohner je km²
Postleitzahl: 78573
Vorwahl: 07461
Kfz-Kennzeichen: TUT
Gemeindeschlüssel: 08 3 27 054
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Obere Hauptstraße 4
78573 Wurmlingen
Webpräsenz: www.wurmlingen.de
Bürgermeister: Klaus Schellenberg (CDU)
Lage der Gemeinde Wurmlingen im Landkreis Tuttlingen
Landkreis Konstanz Landkreis Rottweil Landkreis Sigmaringen Schwarzwald-Baar-Kreis Zollernalbkreis Aldingen Balgheim Bärenthal Böttingen Bubsheim Buchheim Deilingen Denkingen Dürbheim Durchhausen Egesheim Emmingen-Liptingen Fridingen an der Donau Frittlingen Geisingen Gosheim Gunningen Hausen ob Verena Immendingen Irndorf Königsheim Kolbingen Mahlstetten Mühlheim an der Donau Neuhausen ob Eck Reichenbach am Heuberg Renquishausen Rietheim-Weilheim Seitingen-Oberflacht Spaichingen Talheim (Landkreis Tuttlingen) Trossingen Tuttlingen Wehingen Wurmlingen (Landkreis Tuttlingen)Karte
Über dieses Bild

Wurmlingen ist eine Gemeinde im Landkreis Tuttlingen in Baden-Württemberg. Zur Gemeinde Wurmlingen gehören außer dem gleichnamigen Dorf keine weiteren Ortschaften.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Blick auf den Ortskern Wurmlingens von Westen

Die Gemeinde Wurmlingen liegt nahe der Mündung des Faulenbachs in die Elta in einem weiten Talkessel der westlichen Schwäbischen Alb unmittelbar am 48. Grad nördlicher Breite. Die Gemarkungsfläche umfasst neben Teilen des Faulenbach- und Eltatals, die sich auf einer Höhe von ca. 650 m ü. NHN befinden, auch Anteile an der Hochfläche der Schwäbischen Alb (ca. 850 bis 890 m ü. NHN).

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Gemeinde grenzt im Norden an Rietheim-Weilheim, im Osten und Süden an die Kreisstadt Tuttlingen und im Westen an Seitingen-Oberflacht. Die Wurmlinger Gemarkung berührt zudem die Gemarkungen von vier Nachbargemeinden (Tuttlingen, Mühlheim an der Donau, Dürbheim und Rietheim-Weilheim) an einem einzigen Punkt im Ursental.

Geschichte[Bearbeiten]

Römerzeit: Gutshof und römisches Bad[Bearbeiten]

Römisches Bad (Schutzhaus)

In Wurmlingen befinden sich die Reste eines römischen Gutshofes sowie eines Römischen Bades. Zur Zeit der Völkerwanderung verwendeten die Alamannen dieses Bad in Verbindung mit einem Holzhaus, eine der seltenen gezielten Nutzungen römischer Einrichtungen durch die Germanen. Die Reste des Badgebäudes sind unter einem Schutzhaus erhalten.

Mittelalter: Alamannische Besiedlung und Ortsgründung[Bearbeiten]

In einem alamannischen Gräberfeld im Bereich des heutigen Bahnhaltepunktes Wurmlingen Mitte wurde 1929 (beim damaligen zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke) das Speerblatt von Wurmlingen geborgen. Urkundlich erwähnt wurde Wurmlingen erstmals am 30. März 797 in einer Schenkungsurkunde des Klosters St. Gallen als "Wurmeringa".[2] Der Name geht auf den Eigennamen Wurmhari oder Wurmheri zurück (vgl. -ingen). Auf der Gemarkung stand die Burg Wurmlingen.

Ein geschichtlicher Zusammenhang zu Wurmlingen bei Rottenburg war lange nicht nachzuweisen.[3] Eine Urkunde deutet aber auf eine Verbindung hin: Die Brüder Albert, Friederich und Heinrich von Wurmlingen, genannt die Hohin, Herren von Wurmlingen und Ministerialen der Grafen von Zollern, verkauften am 7. Dezember 1252 ihren Weinberg im Pfaffenberg (Kapellenberg) zu Wurmlingen bei Rottenburg mit Zustimmung ihres Herrn, des Grafen Friedrich von Zollern, an das Frauenkloster Kirchberg.[4]

Frühe Neuzeit: Herrschaft Konzenberg[Bearbeiten]

Schloss von 1602, heute Schule

Während der Frühen Neuzeit war Wurmlingen zentraler Ort des Herrschaft Konzenberg (vgl. Burg Konzenberg), welches im Besitz des Domkapitels des Bistums Konstanz war und neben Wurmlingen noch einige benachbarte Dörfer umfasste. Diese Jahrhunderte währende Zugehörigkeit zum Domkapitel prägt bis heute das Ortsbild mit seinem Schloss und der klassizistischen Sankt-Gallus-Kirche neben den einfachen alten, längst als reine Wohnhäuser genutzten Bauernhäusern. 1803 fiel Wurmlingen mit Konzenberg an Baden, 1806 dann an Württemberg, mit der Verwaltung durch das Oberamt Tuttlingen.

Neuzeit[Bearbeiten]

St.-Gallus-Kirche von 1784

Der bäuerliche Charakter blieb bis zur Wende zum 20. Jahrhundert erhalten. Durch das starke Wachstum der Leder verarbeitenden und medizintechnischen Industrie im nahen Tuttlingen seit der Fertigstellung der Bahnstrecke Stuttgart–Tuttlingen–Singen fanden viele Einwohner dort eine Arbeitsstelle. Nennenswerte Industrie entwickelte sich in Wurmlingen selbst erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs meist aus klein-handwerklichen Wurzeln (Graphische, Papier verarbeitende Industrie, Medizintechnik, KFZ-Zulieferer).

In der Zeit der baden-württembergischen Gebietsreform Anfang der 1970er Jahre blieb Wurmlingen trotz Bestrebungen Tuttlingens, Wurmlingen einzugemeinden, selbstständig. Die günstige Lage am Rand der prosperierenden Industriestadt Tuttlingen und das Wachstum der ansässigen Industriebetriebe ermöglichte der Gemeinde Wurmlingen fortan eine gedeihliche Entwicklung bei minimaler Pro-Kopf-Verschuldung. Seit 2002 ist die Gemeinde schuldenfrei.

Ereignisse in der jüngeren Geschichte[Bearbeiten]

Am 27. Juli 1934 stürzte ein Passagierflugzeug (Curtiss AT-32C Condor CH-170) der Swissair in ein Waldstück (Rußberg) östlich des Dorfes. Das Flugzeug befand sich auf dem Weg von Zürich nach Berlin. Unter den zwölf tödlich Verunglückten war die erste Stewardess Europas, Nelly Diener. Dieser Absturz war einer der ersten Abstürze einer Passagiermaschine in Europa (vgl. Liste von Luftfahrtkatastrophen bis 1950).

Politik[Bearbeiten]

Wurmlingen gehört der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft der Stadt Tuttlingen an.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Dem Gemeinderat gehören nach der Kommunalwahl vom 13. Juni 2004 neben dem Bürgermeister als Vorsitzenden 14 Mitglieder an.

CDU 9 Sitze
SPD 5 Sitze

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Das Wappen und die Flagge wurden am 27. Juli 1967 durch das Innenministerium verliehen.

Blasonierung: „In Gold ein nach links gekehrter stehender feuerspeiender schwarzer Lindwurm.“

Bereits in den 1930 gebrauchten Dienstsiegeln der Gemeinde ist der Lindwurm als Siegelbild, allerdings ohne Schild, enthalten. Als „redendes“ Bild für den Ortsnamen bot er sich auch für ein regelrechtes Gemeindewappen an, dessen Farben auf Vorschlag der Archivdirektion Stuttgart im Jahre 1935 von der Gemeinde festgelegt wurden. Die schwarz-goldene Tingierung dürfte ihr Vorbild in den württembergischen Farben haben. Wurmlingen, bis 1802 zur konstanzischen Herrschaft Konzenberg gehörig, war 1806 durch Tausch von Baden an Württemberg gekommen.

Die Flagge ist Schwarz - Gelb.[5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Kommune ist dem Tourismusverband „Donaubergland“ angeschlossen. Wurmlingen liegt an der Römerstraße Neckar-Alb-Aare.

Bauwerke[Bearbeiten]

Ruine der Burg Konzenberg
Mittelalterliches Haus „Hohbiehl“
  • Römisches Bad (Reste unter einem Schutzhaus)
  • Ruine Konzenberg, 2 Kilometer südwestlich des Ortes
  • Das älteste noch genutzte Gebäude ist der sogenannte Hohbiehl (erbaut etwa 1300) mit seinen charakteristischen Staffelgiebeln.
  • Das ehemalige Schloss (erbaut 1600–1602) beherbergt heute einen Teil der Grund- und Nachbarschafts-Hauptschule (Konzenbergschule).
  • Die sogenannte alte Vogtei (ursprünglich erbaut um 1500, 1985 abgetragen und originalgetreu rekonstruiert) wird als Vereinshaus genutzt. Im Dachgeschoss befindet sich ein bäuerliches Museum.
  • Katholische St.-Gallus-Kirche, erbaut 1782–1784 unter dem Fürstenbergischen Baumeister und Hofkammerrat Franz Joseph Salzmann im klassizistischen Stil.

Fastnacht[Bearbeiten]

In der Wurmlinger Fasnet spielen drei Figuren eine wichtige Rolle: Hansele, Fuchs und Krattenweible. Diese entstanden in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, z. T. nach historischen Vorbildern: Das Hansele ist ein Weißnarr, der Fuchs ein „Blätzlenarr“, der die Farben grün, gelb, blau und rot trägt. Die größte Gruppe der Wurmlinger Narren bilden die Krattenweible.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ringzug im Bahnhof Wurmlingen Nord

Neben vier Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern gibt es eine große Zahl kleiner Betriebe. Regional bekannt ist die 1782 gegründete Hirsch-Brauerei Honer.

Insgesamt verfügt die Gemeinde über 1200 Arbeitsplätze. Dennoch wird die Zahl der Einpendler (880) von der der Auspendler (1050) deutlich übertroffen.

Verkehr[Bearbeiten]

Wurmlingen liegt an der Bundesstraße 14 sowie an der Gäubahn. Es halten die Züge des Ringzuges, die Wurmlingen werktags stündlich mit Tuttlingen, Immendingen, Leipferdingen sowie mit Spaichingen und Rottweil verbinden. Wurmlingen ist durch die Linie 8 ebenfalls an den Stadtverkehr Tuttlingen angeschlossen und in den Verkehrsverbund TUTicket eingegliedert. Der Bahnhof Tuttlingen liegt rund drei Kilometer vom Wurmlinger Ortszentrum entfernt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die mit der Gemeinde in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • Franz Egger (1882 bis 1945), katholischer Pfarrer, Gegner des Nationalsozialismus, verbrachte sein letztes Lebensjahr in Wurmlingen.
  • Hans Volle (* 1939), ehemaliger Landrat des Kreises Tuttlingen, wohnt in Wurmlingen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Beschreibung_des_Oberamts_Tuttlingen/Kapitel_B_23.
  3. Vgl. Uhlands Schriften 8, 334 ff.
  4. zitiert nach leo-bw.de Landeskunde entdecken leobw.
  5. Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg Band 3 Regierungsbezirk Freiburg Seite 127 aus dem Jahre 1989 ISBN 3-8062-0803-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wurmlingen (bei Tuttlingen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Wurmlingen – in der Beschreibung des Oberamts Tuttlingen von 1879