Zahnwurzel

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Aufbau eines Zahns
(schematischer Längsschnitt)
Oberer Molar (Zahn 16). Es ist gut zu erkennen, dass die Zahnwurzel etwa doppelt so lang ist wie die Zahnkrone.
Die Wurzelkanäle zweier nicht fertig entwickelter, gezogener Weisheitszähne
Variationen der oberen und unteren Weisheitszähne

Eine Zahnwurzel (Latein: Radix dentis) ist der Teil eines Zahnes, der unterhalb der Zahnkrone liegt und den Zahn im Zahnfach des Kiefers befestigt. Der Übergang zwischen Zahnkrone und Zahnwurzel ist der Zahnhals. Die Zahnwurzel ist vom Wurzelzement bedeckt, der von Zementoblasten gebildet wird. Eine Zahnwurzel verjüngt sich normalerweise zur Wurzelspitze hin, ist also konisch. Die Zahnwurzel eines Zahnes ist in etwa doppelt so lang wie die Zahnkrone.

Aufbau einer Zahnwurzel[Bearbeiten]

Die Zahnwurzel besteht überwiegend aus dem Zahnbein (Dentin), welcher an der Oberfläche vom Wurzelzement bedeckt ist. Die Spitze der Zahnwurzel (Apex dentis) besitzt eine Öffnung, das Foramen apicale dentis. Dies ist die Zutrittsöffnung für Blutgefäße und Nervenfasern – zusammen als Zahnpulpa bezeichnet – in die Zahn- oder Pulpahöhle. Deren schmale Ausläufer in die Zahnwurzel werden auch als Wurzelkanäle bezeichnet.

Anzahl der Zahnwurzeln[Bearbeiten]

Die menschlichen Zähne haben unterschiedlich viele Wurzeln. Als Faustregel gilt, je weiter distal ein Zahn in der Zahnreihe steht, desto mehr Wurzeln hat er. Ausnahme: der erste obere Prämolar hat zwei Wurzeln, der zweite obere Prämolar meist jedoch nur eine Wurzel. Zahnwurzeln sind häufig auch teilweise zusammengewachsen, oder einwurzelige Zähne trennen sich zu zwei Wurzelspitzen (häufig bei oberen Eckzähnen). Pro Wurzel findet sich mindestens ein Wurzelkanal. Anomalien kommen in nahezu allen Variationen vor. Deshalb ist es in jedem Falle sinnvoll, vor einer Zahnentfernung ein Röntgenbild zu erstellen, bei einer Wurzelkanalbehandlung sogar unerlässlich.

Bleibende (permanente) Zähne[Bearbeiten]

Normalerweise haben Schneidezähne (Incisivi) und Eckzähne (Canini) eine Wurzel mit einem Wurzelkanal, die kleinen Backenzähne (Praemolaren) ein bis zwei Wurzeln mit ebenso vielen Wurzelkanälen.

Unterschiede hinsichtlich der Anzahl der Wurzeln zwischen Oberkiefer- und Unterkieferzähnen sind insbesondere bei den Molaren festzustellen.

Im Oberkiefer haben die menschlichen Molaren drei Wurzeln. Eine sehr kräftige auf der Gaumenseite (palatinale Wurzel) und zwei kleinere auf der Wangenseite (vestibulär). Von diesen wiederum ist eine Wurzel vorne (mesial) und die andere hinten (distal). Die beiden vestibulären Wurzeln werden korrekt als mesio-vestibuläre Wurzel und als disto-vestibuläre Wurzel bezeichnet. Im Praxisalltag wird aber einfach nur kurz von der distalen, mesialen und palatinalen Wurzel gesprochen. Die mesio-vestibuläre Wurzel hat schon mal zwei Kanäle. Bei den Weisheitszähnen sind häufig sehr starke Abweichungen gegeben, bis hin zu zehn (verkümmerten) Wurzeln mit kaum darstellbaren Wurzelkanälen.

Im Unterkiefer haben die Molaren zwei Wurzeln. Davon liegt eine Wurzel mesial (vorne) und eine Wurzel distal (hinten). Die mesiale Wurzel hat in der Mehrzahl der Fälle zwei Kanäle – ein Kanal liegt vestibulär (auf der Wangenseite) und der andere lingual (auf der Zungenseite). In seltenen Fällen hat ein Molar im Unterkiefer eine zusätzliche Wurzel. Diese kann entweder zur Zunge hin zeigen (Radix entomolaris) oder zur Wange hin zeigen (Radix paramolaris).

Die Wurzeln der Weisheitszähne können wiederum sehr variabel sein, sowohl was die Anzahl als auch die Form (z.B. verkümmert oder mit Widerhaken) betrifft. Das kann bei Zahnextraktionen zu Problemen und bei Wurzelbehandlungen zu unlösbaren Problemen führen.

Die Trennungsstelle der zwei Wurzeln bei den unteren Molaren nennt man Bifurkation (Siehe Röntgenbild der unteren Molaren), die der drei Wurzeln bei oberen Molaren Trifurkation (Siehe Abbildung des Zahnes 16).

Die bleibenden Zähne des menschlichen Gebisses (jeder Zahn in zwei Ansichten)
Tabellarische Darstellung

Die Anzahl der Zahnwurzeln und Wurzelkanäle der bleibenden Zähne sind in der folgenden Tabelle wiedergegeben, wobei Abweichungen möglich sind. Die mesial gelegene Wurzel der unteren Molaren besitzt in der Regel zwei Wurzelkanäle.

Zähne Anzahl der Zahnwurzeln Anzahl der Wurzelkanäle
Oberkiefer
11, 21 1 1
12, 22 1 1
13, 23 1 1
14, 24 2 2
15, 25 1 1 oder 2
16, 26 3 4 oder 3
17, 27 3 3
18, 28 variabel variabel
Unterkiefer
31, 41 1 1
32, 42 1 1
33, 43 1 1
34, 44 1 1
35, 45 1 1
36, 46 2 3
37, 47 2 3
38, 48 variabel variabel

Milchzähne[Bearbeiten]

Auch Milchzähne haben zunächst einmal, wenn sie vollständig ausgewachsen sind, Zahnwurzeln. Die Milchschneidezähne und -eckzähne haben eine Wurzel, die Milchmolaren haben im Unterkiefer zwei und im Oberkiefer drei Wurzeln. Anomalien sind im Milchgebiss sehr selten. Beim Zahnwechsel (6. bis 12. Lebensjahr) mit dem dadurch bedingten normalen Verlust der Milchzähne werden die Milchzahnwurzeln durch die nachdrängenden bleibenden Zähne resorbiert (aufgenommen) und scheinen keine Wurzeln (gehabt) zu haben.

Alle Zähne des menschlichen Gebisses (jeder Zahn in zwei Ansichten).
Die Milchzähne sind weiß dargestellt.
Tabellarische Darstellung

Die Anzahl der Zahnwurzeln und Wurzelkanäle der Milchzähne sind in der folgenden Tabelle wiedergegeben, wobei Abweichungen möglich sind.

Zähne Anzahl der Zahnwurzeln Anzahl der Wurzelkanäle
Oberkiefer
51, 61 1 1
52, 62 1 1
53, 63 1 1
54, 64 3 3
55, 65 3 3
Unterkiefer
71, 81 1 1
72, 82 1 1
73, 83 1 1
74, 84 2 2
75, 85 2 2

Künstliche Zahnwurzeln[Bearbeiten]

Künstliche Zahnwurzeln sind Zahnimplantate, die nach Extraktion von bleibenden Zähnen oder bei Nichtanlage von Zähnen in den Kieferknochen eingepflanzt werden. Auf diese künstliche Zahnwurzel wird eine Zahnkrone aufgesetzt oder daran Zahnersatz (Brücke, Prothese) befestigt.

Hauptartikel: Zahnimplantat

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dentistry – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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