Wust (Wust-Fischbeck)

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52.55027777777812.11531Koordinaten: 52° 33′ 1″ N, 12° 6′ 54″ O

Wust
Wappen von Wust
Höhe: 31 m ü. NN
Fläche: 47,52 km²
Einwohner: 866 (31. Dez. 2008)
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 39524
Vorwahl: 039323

Wust ist ein Ortsteil der Gemeinde Wust-Fischbeck im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt, Deutschland.

Geographie[Bearbeiten]

Wust liegt in einem von zahlreichen Gräben und Bächen durchzogenen sandigen und vornehmlich von Kiefern bestandenen Flachland im sogenannten Kattewinkel zwischen der Elbe, dem Land Schollene und dem Jerichower Land, dem Namensgeber des südlich angrenzenden gleichnamigen Landkreises. Die Städte Stendal und Rathenow sind rund 18 Kilometer von Wust entfernt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die slawische Vorbesiedlung der Gegend von Wust belegt ein slawischer Burgwall, der sich etwa zwei Kilometer nordwestlich der Ortschaft befindet und vermutlich aus dem 9./10. Jahrhundert stammt. Seine Konturen sind auch heute noch in der Landschaft gut sichtbar. Der Durchmesser der Anlage beträgt etwa 90 Meter, und der Wall ist 4 bis 5 Meter hoch.

Ostgruft derer von Katte

1730 verhalf der aus Wust stammende Jugendfreund Friedrichs II. Hans Hermann von Katte dem damaligen Kronprinzen zur Flucht vor der väterlichen Tyrannei. Katte wurde deshalb auf Urteilsspruch des Königs Friedrich Wilhelm I. am 6. November 1730 in Küstrin hingerichtet. Seine Gebeine ruhen in der 1706/07 auf Geheiß seines Vaters Hans Heinrich von Katte errichteten Kattegruft, die sich unmittelbar der romanischen Dorfkirche anschließt. Theodor Fontane besuchte Wust ob dieser lokalen Besonderheit und beschrieb es in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg.

1950 wurde die Gemeinde Melkow eingemeindet und 1952 kam die Gemeinde Wust nach der Auflösung des Landkreises Jerichow II in den neugebildeten Kreis Havelberg. Außerdem wurde 1974 die Gemeinde Sydow mit deren Ortsteil Briest nach Wust eingemeindet.

Bis zum 31. Dezember 2009 war Wust eine selbstständige Gemeinde mit den zugehörigen Ortsteilen Briest, Melkow und Sydow sowie den Wohnplätzen Wust Siedlung und Wusterdamm.

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschlossen die Gemeinderäte der Gemeinden Fischbeck (am 4. Juni 2009) und Wust (am 17. Februar 2009), dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Wust-Fischbeck vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[1]

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der letzte Bürgermeister der Gemeinde war Gerhard Faller-Walzer.

Wappen[Bearbeiten]

Das vom Magdeburger Diplom-Designer Ernst Albrecht Fiedler gestaltete Wappen wurde am 17. September 2007 durch den Landkreis Stendal genehmigt.

Blasonierung: „In Gold ein roter Sparren, belegt mit fünf sechsstrahligen goldenen Sternen, im Winkel des Sparrens eine sitzende schwarze Katze mit aufgerichtetem Schwanz.“[2]

Die Farben der ehemaligen Gemeinde sind abgeleitet von der Farbe des Hauptmotivs und der Tinktur des Schildes: Rot - Gold (Gelb).

Der Sparren steht für den Zusammenschluss, das „gemeinsame Dach“, der fünf Ortsteile – Briest, Melkow, Sydow, Wusterdamm und Wust Siedlung – die durch die Sterne symbolisiert werden. Gleichzeitig erinnert er an die Landschaft des „Kattewinkel“. Die sitzende schwarze Katze, ein „redendes“ Symbol, erinnert an das vormals gebräuchliche (inoffizielle) Wuster Wappen am Schulgebäude; weiterführend auch an das Geschlecht derer von Katte, deren Grablege sich in der Wuster Kirche befindet.

Historisches Wappenbild[Bearbeiten]

Wust führte im ehemaligen Gemeindesiegel schon einmal ein wappenähnliches Siegelbild. Dieses wurde im Zeitraum nach dem Zweiten Weltkrieg ungefähr bis zur Einführung der Bezirke und Kreise in der DDR (1945–1952) benutzt. Eine weitere Quelle ist das Kreisheimatmuseum in Genthin.

Altes Siegel der Gemeinde Wust

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge ist Rot - Gelb (1:1) gestreift (Querformat: Streifen waagerecht verlaufend, Längsformat: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Nachdem der Vorgängerbau im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war, ließ Hans Heinrich von Katte 1726/27 das Herrenhaus als neuen Sitz der Familie von Katte erbauen. Der schlichte zweigeschossige Barockbau mit zwei Seitenflügeln bildet zur Kirche hin eine Art Ehrenhof, in dem Beutekanonen aus der Schlacht von Ramillies aufgestellt waren. Nach der 1945 erfolgten Enteignung wurde das Herrenhaus ab 1948 als Schule genutzt. Es beherbergt heute die Grundschule der Gemeinde Wust und im Sommer die Sommerschule Wust.

Gegenüber liegt die um 1200 einschiffig erbaute romanische Kirche – Anlaufpunkt an der Straße der Romanik. Sie gehörte mit ihrer Mutterkirche Melkow zum Kloster Jerichow, bis 1726 die Familie von Katte das Patronatsrecht erwarb. Nachdem das romanische Westwerk im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war, wurde im 18. Jahrhundert der barocke Fachwerkturm mit Zwiebelhaube aufgesetzt. Die Innenausstattung stammt von 1665. Dazu zählt die in flämischer Ölmalerei auf Holz ausgeführte Kassettendecke und die Emporen mit Engelsportraits sowie der Altar. Ab 1930 begann der Verfall der Kirche, 1970 sollte sie aufgegeben werden, konnte aber 1978-81 von der kleinen Kirchengemeinde und der Bevölkerung gerettet und wiederhergestellt werden.

Kammerkonzert im Kornspeicher

Östlich an die Chorapsis grenzt eine backsteinerne Gruft (mit quadratischer Grundfläche), in der die Gebeine derer von Katte ruhen. Sie wurde 1706/07 erbaut, als die erste Frau Hans Heinrichs von Katte Dorothea Sophie Reichsgräfin von Wartensleben (1684–1707) plötzlich starb und die Turmgruft bereits überfüllt war. Ihr Sarg ist einer von insgesamt zehn, darunter auch der Marmorsarg Hans Heinrichs und der Holzsarg des närrischen Stiefelkatte. Insbesondere wurde dort 1730 Hans Hermann von Katte in einem schlichten Holzsarg beigesetzt.

Auf der Rückseite der Schule, dem Park zugelegen, liegt das 1850 bis 1867 errichtete, viergeschossige Backsteingebäude des Kornspeichers. Dieser bietet insbesondere im Sommer Kunstausstellungen, bildnerischen Workshops und Konzerten Raum. Der schon zuvor bestehende Park wurde 1755 unter Ludolf August von Katte (1709–1776) auf 25 Hektar erweitert und zu einem Barock- und Landschaftspark ausgestaltet. 1945 war der Park verwahrlost und die Statuen überwiegend umgestürzt und zerbrochen. Die erhaltenen Statuen (Mars, Diana, Flora und eine Nymphe) wurden 1951 in den Park von Mosigkau gebracht.

Theater[Bearbeiten]

Die Marionettenbühne in Briest wurde 1981 als Projekt der Konfirmanden des Kirchsprengels Wulkow/Wust und ihrer Katechetin gegründet. Zunächst wurde im Keller des Pfarrhauses in Großwulkow geprobt, und für die Auftritte in Kirchen entstand nach überlieferten Vorlagen eine portable Bühne. 1985 übergab der Gemeindekirchenrat Briest die dortige Dorfkirche der Marionettenbühne zur Erhaltung und Nutzung, woraufhin eine stationäre Bühne eingebaut wurde.

Sonstiges[Bearbeiten]

Nahe der Kirche in Wust steht auf einem hohen Pfahl ein Storchennest, dessen Besucherzahl jährlich auf einer kleinen Tafel dokumentiert wird.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Wust liegt an der Bundesstraße 188 von Stendal nach Rathenow. Von der B 188 zweigt in Wust die Landstraße nach Jerichow ab. Im Nachbarort Schönhausen (Elbe) besteht Bahnanschluss nach Stendal, Rathenow und Berlin. Es verkehren Linienbusse und Rufbusse der Regionalverkehrsbetriebe Westsachsen (RVW) unter dem Markennamen stendalbus.

Bildung[Bearbeiten]

Sommerschule Wust[Bearbeiten]

Seit 1991 findet in Wust jährlich in der Ferienzeit eine Sommerschule für englische Sprache, Literatur, Theater und Musik statt. Studenten aus Großbritannien, Irland und den USA unterrichten in zwei je zweiwöchigen Durchgängen Teilnehmer aller Alter ab zehn Jahren im Gebäude der Grundschule – bei schönem Wetter teilweise auch auf dem Schulhof. Die Kurse sind entsprechend den Vorkenntnissen der englischen Sprache gestaffelt.

Neben dem Unterricht und den Workshops für britische und US-amerikanische Geschichte, Literatur, Kunst, Film und Musik sowie den Kunst-, Musik- und Keramikkursen finden zahlreiche Kulturveranstaltungen statt: Dichterlesungen, Chorsingen, Konzerte, Radtouren und als Abschluss eine zweisprachige Theateraufführung. Außer der Schule, die sich im ehemaligen Herrenhaus befindet, werden insbesondere die zur Tonhalle umfunktionierte Turnhalle, der alte Kornspeicher und die Baracke des Sportplatzes als Veranstaltungsorte genutzt. Einige Veranstaltungen finden auch in den Orten der Umgebung statt. Die Teilnehmer der Kurse zelten vor allem auf dem Sportplatz der Gemeinde, haben aber auch die Möglichkeit, bei Familien im Ort unterzukommen. Die Sommerschule wurde 1991 auf Initiative von Maria von Katte, Harriett Watts und anderen ins Leben gerufen. Langjähriger Schirmherr war Wolfgang Thierse, derzeit ist es Bernhard Schlink. Die Sommerschule ist im Kattewinkel und darüber hinaus zu einer feststehenden saisonalen Institution geworden. Zu den prominenten Gästen gehörten unter anderem Wolfgang Leonhard und Juli Zeh.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jochen Reinecke, Maria v. Katte: WUST. In: Schlösser und Gärten in Sachsen-Anhalt. 1. Auflage. Heft 15, Berlin 1997, DNB 979985021. (2010, ISBN 978-3-941675-20-6 (formal falsche ISBN))
  • GuM – Geschichtskreis und Marionettenbühne im Kirchspiel Wulkow/Wust (Hrsg.): Sechs Backsteindorfkirchen im Elb-Havel-Winkel und ihre Besonderheiten. 5. Auflage. Großwulkow 2008, OCLC 254938426.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wust – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Amtsblatt des Landkreises Nr. 16/2009, S. 172–174. (PDF; 4,5 MB)
  2. Amtsblatt des Landkreis Nr. 20/2007, S. 110. (PDF; 492 kB)