Wustrow (Mecklenburgische Seenplatte)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Wustrow führt kein Wappen
Wustrow (Mecklenburgische Seenplatte)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wustrow hervorgehoben
53.22555555555612.96972222222264Koordinaten: 53° 14′ N, 12° 58′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Mecklenburgische Seenplatte
Amt: Mecklenburgische Kleinseenplatte
Höhe: 64 m ü. NHN
Fläche: 42,93 km²
Einwohner: 710 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 17 Einwohner je km²
Postleitzahl: 17255
Vorwahlen: 039828, 039832
Kfz-Kennzeichen: MSE, AT, DM, MC, MST, MÜR, NZ, RM, WRN
Gemeindeschlüssel: 13 0 71 167
Adresse der Amtsverwaltung: Rudolf-Breitscheid-
Straße 24 in 17252 Mirow
Bürgermeister: Heiko Kruse
Lage der Gemeinde Wustrow im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte
Brandenburg Landkreis Rostock Landkreis Vorpommern-Rügen Landkreis Vorpommern-Greifswald Landkreis Vorpommern-Greifswald Landkreis Ludwigslust-Parchim Beggerow Borrentin Hohenbollentin Hohenmocker Kentzlin Kletzin Lindenberg (Vorpommern) Meesiger Nossendorf Sarow Schönfeld (bei Demmin) Siedenbrünzow Sommersdorf (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) Utzedel Verchen Warrenzin Datzetal Friedland (Mecklenburg) Friedland (Mecklenburg) Friedland (Mecklenburg) Galenbeck Genzkow Basedow (Mecklenburg) Basedow (Mecklenburg) Duckow Faulenrost Gielow Kummerow (am See) Malchin Neukalen Alt Schwerin Fünfseen Göhren-Lebbin Malchow (Mecklenburg) Nossentiner Hütte Penkow Silz (Mecklenburg) Walow Zislow Mirow Mirow Priepert Peenehagen Wesenberg (Mecklenburg) Wustrow (Mecklenburgische Seenplatte) Blankensee (Mecklenburg) Blumenholz Carpin Godendorf Grünow (Mecklenburg) Hohenzieritz Klein Vielen Kratzeburg Möllenbeck (bei Neustrelitz) Schloen-Dratow Schloen-Dratow Userin Wokuhl-Dabelow Beseritz Blankenhof Brunn (Mecklenburg) Neddemin Neuenkirchen (bei Neubrandenburg) Neverin Sponholz Staven Trollenhagen Woggersin Wulkenzin Zirzow Ankershagen Kuckssee Kuckssee Penzlin Möllenhagen Penzlin Kuckssee Altenhof (Mecklenburg) Bollewick Buchholz (bei Röbel) Bütow Fincken Gotthun Grabow-Below Groß Kelle Kieve Lärz Leizen Ludorf Massow Melz Priborn Rechlin Röbel/Müritz Schwarz (Mecklenburg) Sietow Stuer Vipperow Wredenhagen Zepkow Grabowhöfe Groß Plasten Hohen Wangelin Jabel Kargow Klink Klocksin Moltzow Neu Gaarz Moltzow Torgelow am See Varchentin Grabowhöfe Vollrathsruhe Burg Stargard Burg Stargard Cölpin Groß Nemerow Holldorf Lindetal Pragsdorf Bredenfelde Briggow Grammentin Gülzow (bei Stavenhagen) Ivenack Jürgenstorf Kittendorf Knorrendorf Mölln (Mecklenburg) Ritzerow Rosenow Stavenhagen Zettemin Altenhagen (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) Altentreptow Bartow (Vorpommern) Breesen Breest Burow Gnevkow Golchen Grapzow Grischow Groß Teetzleben Gültz Kriesow Pripsleben Röckwitz Siedenbollentin Tützpatz Werder (bei Altentreptow) Wildberg (Vorpommern) Wolde Groß Miltzow Kublank Mildenitz Neetzka Petersdorf (bei Woldegk) Schönbeck Schönhausen (Mecklenburg) Voigtsdorf Voigtsdorf Woldegk Woldegk Dargun Demmin Feldberger Seenlandschaft Neubrandenburg Neustrelitz Waren (Müritz)Karte
Über dieses Bild

Wustrow ist eine Gemeinde im Süden des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte im Süden Mecklenburg-Vorpommerns. Die Gemeinde wird vom Amt Mecklenburgische Kleinseenplatte, mit Sitz in Mirow, verwaltet. Der Ortsname kommt aus dem Slawischen und bedeutet „umflossener Ort“ bzw. „Ort auf der Insel“, welches sich auf die Lage zwischen Plätlinsee und Klenzsee bezieht.[2]

Geografie[Bearbeiten]

Blick über den Plätlinsee auf Wustrow

Das Gemeindegebiet Wustrows liegt an der Grenze zum Land Brandenburg in einer der seenreichsten Regionen der Mecklenburgischen Seenplatte. Von den zahlreichen Seen in unmittelbarer Nähe Wustrows seien hier nur der Rätzsee, der Gobenowsee, der Krummer Woklowsee, der Labussee, der Kleine Pälitzsee, der Klenzsee, der Plätlinsee und der Peetschsee genannt. Die Seen im südlichen Gemeindebereich (Ortsteil Canow) sind untereinander verbunden und Teil der Müritz-Havel-Wasserstraße. Das gesamte Gebiet ist ein Eldorado für Wassersportfreunde, der Tourismus ist daher auch von größter Bedeutung für das Gebiet. Zwischen den Seen erstrecken sich ausgedehnte Wälder und sanfte Hügel.

Ortsteile[Bearbeiten]

  • Neuwustrow
  • Seewalde
  • Pälitzhof
  • Grünplan

Geschichte[Bearbeiten]

Bei Erdarbeiten und Chausseebau wurden in der näheren und weiteren Umgebung immer wieder Zeugnisse dafür gefunden, dass diese Gegend schon sehr früh bewohnt war. Siedlungen der Germanen ließen sich nachweisen, Funde aus der Eisenzeit ergänzten das Geschichtsbild. Schließlich fanden sich Beweise für die Ansiedlung von Slawen in der Nähe von Niederungen und Seen. Um 1250 siedelten zusätzlich dauerhaft Bauern aus Westfalen, Holstein und Friesland in dieser Gegend. Urkundlich wird Wustrow erstmals am 25. Januar 1349 erwähnt.

Wie viele andere Orte in dieser Gegend litt die Bevölkerung auch hier unter dem Durchzug der kaiserlichen und schwedischen Truppen im Dreißigjährigen Krieg; im Ergebnis war die Anzahl der Wirtschaftsstellen 1664 mehr als halbiert.

Um 1815 werden in den Kirchenbüchern Wustrows noch Berufe erwähnt, die auf die Arbeit in Glashütten hinweisen. In den nahegelegenen Ortsteilen Neu Canow, Grünplan und Canow bestanden bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Glashütten.

Wichtigste Einkommensquelle in diesem Ort blieben aber Landwirtschaft, Forst und Fischfang. 1836 wurde die Wustrower Feldmark neu geordnet und die Hauseigentümer erhielten gleichzeitig Acker in Erbpacht. Da mit der Aufteilung und Neuordnung der Äcker auch eine Zuordnung von Wiesen erfolgen musste, dauerten diese Verhandlungen bereits seit 1827 an. Vorher hatten die Wiesen einer gemeinschaftlichen Bewirtschaftung (Hütung) gedient. 1922 wurde durch das Erbpachtgesetz verfügt, dass aus Zeitpacht eine Erbpacht wurde.

Die Größe der landwirtschaftlichen Nutzfläche je Hof lag im Dorf zwischen 6 und 25 Hektar. Schwierige Bodenverhältnisse, die oftmals getrennt liegenden Flächen und immer wieder wechselnde Eigentumsverhältnisse erschwerten die Bewirtschaftung und verminderten die Einnahmen.

1945 kam es im September auch hier zur Bodenreform, durch die allein in Wustrow rund 178 Hektar enteignet und an 19 Neubauern vergeben wurden. Die Größe dieser landwirtschaftlich nutzbaren Flächen lag zwischen 6 und 11 Hektar je Neubauernstelle.

1953/54 wurden sechs Bauern dieses Ortes und der Besitzer der nahegelegenen Hühnerfarm „republikflüchtig“. Bei einer Einwohnerzahl von rund 300 war dies ein einschneidendes Ereignis. Die verlassenen Höfe wurden vorübergehend durch den neugebildeten Örtlichen Landwirtschaftsbetrieb (ÖLB) bewirtschaftet. Nachdem am 1. Sept. 1955 die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft in Neudrosedow gegründet wurde, wurden diese Aufgaben und das Personal übernommen.

Im März 1960 kam es aufgrund der Parteibeschlüsse zur Bildung von landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG), entweder des Typs I oder des Typs III, die sich voneinander durch die Viehhaltung und damit Nutzung der Ställe unterschieden. Dies führte jedoch nicht automatisch zur Überwindung der Schwierigkeiten, die sich aus der Zersplitterung der Feldmark sowie der sehr rasch wechselnden Bodenverhältnisse ergaben. Versuche, die unterschiedlichen Böden großflächig und gleichartig zu bestellen, führten mehrfach zu erheblichen Ertragsausfällen. Alteingesessene Bauern fühlten sich in ihren Ansichten zu den vorher geübten Bewirtschaftungsformen gestärkt. Den Schwierigkeiten, die sich aus den nach der Zusammenlegung gemeinsam genutzten kleinen Ställe ergaben, wurde mit dem Bau großer Anlagen begegnet, die sich weder an den örtlichen klimatischen Gegebenheiten orientierten noch den hygienischen Ansprüchen immer gerecht wurden (Rinderoffenstall bei Wustrow, große Entenfarm als Nachfolger der Hühnerfarm, Schweinezucht- und Schweinemastställe).

Seit Einführung der Gemeindeordnung 1864 wurden Dorfschulzen ernannt, denen ein Schulzenrat zugeordnet war. Nach 1914 wurde die Bezeichnung Bürgermeister eingeführt. Dies Amt hatten die unterschiedlichsten Bewohner inne, unter anderem ein Schuster, mehrmals Lehrer und auch Bauern. Nach dem 24. September 1946 gab es ein gewähltes Gemeindeparlament, in Wustrow anfangs aus 12 Personen bestehend. In der Folgezeit wurden die Personen als Gemeindevertreter bezeichnet. 1990 fand die erste freie Wahl statt, bei der sich 15 Parteien aufstellen ließen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch Liste der Baudenkmale in Wustrow (Mecklenburgische Seenplatte)

Kirche in Wustrow
Kirche in Drosedow
  • Dorfkirche in Wustrow von 1897 auf einem Hügel nach Plänen von Baumeister Witzeck. Nachfolgebau von einfacheren, baufälligen Holzkirchen. Früher Filialkirche von Wesenberg, 1773 Zuordnung zur Pfarre Strasen, seit einigen Jahren wieder bei Wesenberg.
  • Neugotische Dorfkirche von 1882 in Drosedow aus Backstein mit massiven Dachreiter, in dem sich die Glocke von 1860 befindet.
  • Strasen und Priepert waren Pfarrorte mit einer Kirche. So baute der Forstingenieur Draeseke bis 1784 für Strasen eine Fachwerkkirche mit einem Turm, der 1969 ersatzlos abgebrochen wurde. Die Kirche in Priepert wurde in der jetzigen Form 1719 als Fachwerkkirche erstellt. Diese Kirche steht nach Kriegsschäden jetzt ohne Turm.
  • Pfarr- und Schulhaus: Noch bis in die 1980er Jahre wohnten darin in Wustrow Lehrer. In dem großen Klassenraum wurde hier nach 1955 für den Werkunterricht der Zentralschule Werkbänke, Handwerkszeug und Material bereitgehalten. 1999 wurde eine Heimatstube eröffnet, in der interessante Ausstellungsstücke mit ortstypischen Geschichten verbunden wurden.
  • 2008 wurde in den längere Zeit ungenutzten Räumen der Schule von 1950 die erweiterte Heimatstube eröffnet. Zu sehen sind auch das Arbeitszimmer des 2005 verstorbenen Schriftstellers Helmut Sakowski und die dazugehörige Handbibliothek.
  • Am Ortsausgang nach Pälitzhof, in der Ortsmitte sowie am Ortseingang steht jeweils eine Stele von 1997, die Jugendliche unter Anleitung des Künstlers Wolf Leo zur Erinnerung an einen Todesmarsch von KZ-Häftlingen im April 1945 errichteten.
  • Gutsanlage mit Gutshaus und Park in Drosedow
  • Gutsanlage mit Herrenhaus und Park in Seewalde

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Wesentliche Impulse für die Entwicklung des Ortes ergaben sich aus dem Tourismus und der Landwirtschaft. Wurden einerseits nach 1970 bisher übliche Feldwege, die den Bauern die Bewirtschaftung ihrer Felder erleichterten, im Zuge großangelegter Kultivierungen in Ackerland verwandelt, so erhielten anderseits bisher unbefestigte Landstraßen Bitumendecken. Dadurch wurde es unter anderem möglich, dass der Schülerverkehr mit Bussen erfolgte.

Noch bis um 1958 wurde am nahen Klenzsee auf einer Lichtung das Holz aus den umliegenden Wäldern gesammelt und sortiert, um dann auf dem See zu Flößen verbunden und abtransportiert zu werden.

Die nach 1950 eingerichtete Maschinen-Ausleih-Station (MAS) und später als Maschinen-Traktoren-Station (MTS) bezeichnete Einrichtung am Rande von Wustrow ist aufgelöst. Nur wenige kleinere Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe sind noch vorhanden.

Verkehr[Bearbeiten]

Wustrow liegt an der Bundesstraße 122 zwischen Wesenberg und dem brandenburgischen Rheinsberg. In Richtung Osten besteht Straßenanschluss an die Bundesstraße 96 (zwischen Fürstenberg/Havel und Neustrelitz). Der nächste Bahnhof befindet sich in Wesenberg an der Strecke Mirow – Neustrelitz. Die Anbindung an Wesenberg und Neustrelitz wird unter der Woche mit den Linienbussen der MVVG sichergestellt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gemeinde Wustrow (Hrsg.): Wustrow – ein Kleinod in der Strelitzer Kleinseenplatte. 1998

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wustrow (Mecklenburgische Seenplatte) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2013 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Paul Kühnel: Die slawischen Ortsnamen in Meklenburg in Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. - Bd. 46 (1881), S. 130