Wyborg-Petrosawodsker Operation

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Wyborg-Petrosawodsker Operation (russisch Выборгско-Петрозаводская операция) ist die sowjetische Bezeichnung für einen Großangriff der Roten Armee auf die finnische Armee in Karelien im Fortsetzungskrieg, einem Teil des Zweiten Weltkriegs. Die schweren Kämpfe dauerten vom 10. Juni bis zum 9. August 1944. Die sowjetische Operation bestand aus zwei Unteroperationen: der Wyborger Operation auf der Karelischen Landenge und der Swir-Petrosawodsker Operation in Ostkarelien, nördlich des Ladogasees.

Hintergrund[Bearbeiten]

Von Finnland gehaltene Gebiete bei Beginn der sowjetischen Offensive (rot)

Nach dem von der Sowjetunion angezettelten Winterkrieg (1939–1940) schloss sich Finnland 1941 dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion an, um die im Winterkrieg verlorenen Gebiete zurückzuerobern. Bei ihrer Offensive im Sommer 1941 ging die finnische Armee allerdings über die alte Grenze hinaus und nahm auch solche Gebiete ein, die zuvor zur Sowjetunion gehört hatten, vor allem in Ostkarelien. Es folgte ein dreijähriger Stellungskrieg, der durch die sowjetische Offensive im Sommer 1944 beendet wurde.

Truppenstärke[Bearbeiten]

Die Leningrader Front unter Leonid Alexandrowitsch Goworow zusammen mit der Karelischen Front unter Kirill Afanassjewitsch Merezkow bestand aus 41 Divisionen und fünf Brigaden von zusammen etwa 450.000 Mann, 10.000 Geschützen, 800 Panzern, 300 Schiffen und 2.047 Flugzeugen. Ihr gegenüber standen finnische Truppen in einer Stärke von etwa 268.000 Soldaten, 1.930 Geschützen, 110 Panzern und 248 Flugzeugen.

Wyborger Operation (10. Juni – 15. Juli 1944)[Bearbeiten]

Lage der finnischen Verteidigungslinien auf der Karelischen Landenge (1944). Abgesehen von der Einnahme Wyborgs kam der sowjetische Angriff bei der VKT-Linie zum Erliegen.

Die linke Flanke der Roten Armee, bestehend aus der Leningrader Front auf der Karelischen Landenge, setzte sich zusammen aus etwa 260.000 Soldaten, 5.500 Geschützen, 881 Raketenwerfern, 628 Panzern und 700 Flugzeugen. Ihnen gegenüber standen das 3. und das 4. finnische Korps, die zu der operativen Gruppe "Karelische Landenge" vereinigt waren. Sie besaßen eine Stärke von etwa 100.000 Soldaten, 960 Geschützen, 110 Panzern und 200 Flugzeugen. Ihre Verteidigung war bis zu 120 km tief gestaffelt und bestand aus drei Linien. Am 9. Juni 1944 begann die sowjetische Artillerie eine zehnstündige Artillerievorbereitung. Die 21. Armee griff am 10. Juni an, erzielte schnell einen Durchbruch der ersten Verteidigungslinie und überquerte den Fluss Sestra, der bis zum Winterkrieg die sowjetisch-finnische Grenze gebildet hatte. Am 11. Juni griff die 23. Armee an und bis zum 13. Juni hatten sowjetische Truppen die zweite Verteidigungslinie erreicht. Die Finnen beförderten zwei Divisionen und zwei Brigaden aus Ostkarelien und Nordfinnland zur Karelischen Landenge. Auch deutsche Einheiten wurden dorthin verlegt: Eine Infanteriedivision, eine Flugzeugstaffel und ein Sturmgeschütz-Regiment. Trotzdem durchbrach die 21. Armee am 19. Juni die dritte Verteidigungslinie und nahm am 20. Juni Wyborg/Viipuri ein.

Am 21. Juni ordnete die Stawka für die 21. Armee den Vormarsch auf die nach dem Winterkrieg neu gezogene sowjetisch-finnische Grenze und auf den Saimaasee im finnischen Kernland an. In den folgenden Wochen konnten jedoch die Finnen in der Schlacht von Tali-Ihantala den sowjetischen Vormarsch stoppen. Die 21. Armee konnte nur anfangs einige Kilometer vorrücken und musste sich ab dem 15. Juli auf Verteidigungspositionen zurückziehen.

Die unerwartet erfolgreiche Verteidigung der Finnen unter Führung von Karl Lennart Oesch in der Schlacht von Tali-Ihantala wird als Ausgangsbasis für die Rettung Finnlands gewertet.

Swir-Petrosawodsker Operation (21. Juni – 9. August 1944)[Bearbeiten]

Die rechte Flanke der Roten Armee, bestehend aus der Karelischen Front unter Kirill Merezkow, sollte gegen die finnischen Truppen nördlich des Ladogasees, zusammen 11 Divisionen, vorgehen. Die finnische Verteidigung war bis zu 180 km tief und in vier Linien gestaffelt. Schon am ersten Tag erzielten sowjetische Truppen einen Durchbruch, stießen bis zu 6 km vor und überquerten den Fluss Swir. Am nächsten Tag, an dem auch die großangelegte Operation Bagration gestartet wurde, erweiterten sie den Brückenkopf auf 60 km Breite und 12 km Tiefe. Um den Angriff auf Pitkjaranta/Pitkäranta zu unterstützen, wurden sowjetische Marineinfanterieeinheiten abgesetzt. Auch bei Petrosawodsk wurden sie am 28. Juni abgesetzt und am 29. Juni wurde die Stadt durch die Karelische Front erobert. Die sowjetischen Truppen erreichten die Linie KudamagubaKuolismaLoimolaPitkjaranta/Pitkäranta (ungefähr die sowjetisch-finnische Grenze von vor dem Winterkrieg), wurden danach aber von den Finnen am weiteren Vorrücken gehindert, so dass sich die Front zum 10. August stabilisierte.

Verluste und Folgen[Bearbeiten]

Die Rote Armee stieß auf der 280 km breiten Front 110 bis 250 km nach Westen vor, eroberte nördliche Teile des Leningrader Gebiets und große Teile der nach dem Winterkrieg neugegründeten Karelo-Finnischen SSR, darunter auch Gebiete, die vor dem Winterkrieg zu Finnland gehört hatten. Auch die Kontrolle über den strategisch wichtigen Weißmeer-Ostsee-Kanal erlangte die Sowjetunion zurück. Sie verloren insgesamt 96.000 Soldaten (24.000 Tote).

Diese Operation wird aus sowjetischer Sicht als die letzte Etappe der Schlacht um Leningrad und wichtiger Schritt, Finnland aus dem Krieg zu drängen, angesehen.

Aus finnischer Sicht bildete die erfolgreiche Abwehr der Offensive die Grundlage für einen erträglichen Frieden mit der Sowjetunion aus einer nahezu aussichtslosen Situation Finnlands als Verbündeter Deutschlands heraus.

Weblinks[Bearbeiten]