X

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Dieser Artikel behandelt vor allem Herkunft, Darstellung und Aussprache des Buchstabens X. Die verschiedenen Bedeutungen dieses Zeichens finden sich unter X (Begriffsklärung).
Xx

X bzw. x [ʔɪks] ist der 24. Buchstabe des lateinischen Alphabets und ein Konsonant. Lautlich handelt es sich um eine Konsonantenverbindung, nämlich ks. Der Buchstabe X hat in deutschen Texten eine durchschnittliche Häufigkeit von 0,03 %. Er ist damit der 26.-häufigste und zweitseltenste Buchstabe in deutschen Texten.

X ist auch die römische Ziffer mit dem Dezimalwert 10.

Aussprache[Bearbeiten]

„X“ steht im Deutschen immer für die Konsonantenverbindung /ks/, so üblicherweise auch im Niederländischen, Dänischen, Norwegischen und Italienischen.

In anderen Sprachen repräsentiert das Zeichen auch andere Laute:

  • Im Spanischen wird México als [ˈmɛːxɪ.kɔ] ausgesprochen, mit /x/ „ch“ wie im deutschen „ach“ (siehe Landesname „Mexiko“). In anderen spanischen Wörtern steht „x“ für /s/, /ks/ oder selten auch /ʃ/.
  • Im Portugiesischen und Katalanischen wird das „x“ meist als /ʃ/ ausgesprochen (wie deutsch „sch“), in manchen Fällen auch als /z/, /ks/ oder im Portugiesischen auch /s/.
  • Im Maltesischen, Baskischen und Nahuatl steht „x“ für /ʃ/.
  • Im Kurdischen, Tatarischen, Aserbaidschanischen und Usbekischen steht „x“ für /x/.
  • Im Französischen ist „x“ am Wortende stumm (Ausnahmen sind six und dix: /s/), ansonsten steht es für /z/.
  • Im Venetischen steht „x“ für /z/, z. B. im Verb xe, in Nachnamen (Xausa, Xamin) und in Ortsnamen (Xomo, Xon).
  • Im Albanischen steht „x“ für /dz/, der Digraph „xh“ steht für /dʒ/.
  • Im Pinyin repräsentiert das Zeichen „x“ den Laut [ɕ].
  • Im Pirahã repräsentiert „x“ den Glottisschlag.
  • In einigen Bantusprachen (etwa im isiXhosa) repräsentiert „x“ Schnalzlaute.
  • Im Somali steht „x“ für den Laut /ħ/, im Afar für /ɗ/, im Oromo für /tʼ/.

In Kurzwörtern, die aus dem Englischen abgeleitet sind, steht „X“ für das Präfix „ex-“ (Aussprache /ɪks/ oder /ɛks/, zum Beispiel in „Xtreme“ oder „Xtra“), zuweilen auch für „Christ-“ (z. B. „X-mas“ für „Christmas“; vgl. Christusmonogramm), oder, da seine Form an ein Kreuz erinnert, für „cross-“ (zum Beispiel „X-ing“ für „crossing“).

Herkunft[Bearbeiten]

Phönizisches Samech Griechisches Xi Griechisches Chi Etruskisches X Lateinisches X
Phönizisches Samech Griechisches Xi Griechisches Chi Etruskisches X Lateinisches X

Der lateinische Buchstabe X ist wahrscheinlich gleich den im Etruskischen nicht benötigten Zeichen B D O über das in Süditalien (Magna Graecia) heimische Westgriechisch eingewandert. Vorbild für das Zeichen des Buchstabens ist das westgriechische Ksi, welches – im Unterschied zum bis heute bekannten ostgriechischen Ξ – X-förmig aussah.[1] Dass dieses X-Zeichen im Ostgriechischen und zu klassischer Zeit im Hochattischen den Lautwert /kh/ oder /x/ hatte, hat mit dem interdialektischen Lautwechsel von /s/ zu /h/ (vgl. septem – ἑπτά hepta), also ksi – khi – chi zu tun.

Unsere Zeichentradition setzt im Westgriechischen ungefähr 800 v. Chr. an. Anders dagegen die Lauttradition: Im phönizischen Alphabet taucht mit dem Samech oder auch Samek das erste Mal das Ka in der Nähe des Es im Namen des Buchstabens auf, der aber noch den Lautwert [s] hatte.

Über die Herkunft des Zeichens gibt es mehrere Meinungen: Er könnte einen Stützpfeiler symbolisieren oder aber das Gerippe eines Fisches. Deutlich ist, dass das Zeichen Ξ für den ostgriechische Laut bzw. die ostgriechische Konsonantenverbindung Ksi sich davon ableitet. Es steht an derselben Stelle im Alphabet und trägt denselben Zahlenwert, nämlich 60.

Im uns bekannten hochklassischen attischen Alphabet hat das Samech insofern wahrscheinlich zwei Nachkommen: einmal als Chi, das zu Beginn für den Lautwert [ks] stand und dann zum [ch] hin entwickelt wurde. Bei der Schreibung des Chi wurden die waagrechten Balken mit der Zeit weniger stark betont und der Buchstabe bekam seine X-Form. Im Ostgriechischen änderte sich bei einigen Wörtern der Lautwert des Chi bis zur klassischen Antike allerdings zu einem behauchten K [kʰ] – im Neugriechischen wurde daraus der Laut [x]. Der zweite Nachkomme ist dann das Xi, das vorher mit dem nun für das Chi verwendeten X-förmigen Zeichen geschrieben wurde, so dass ein neues Zeichen notwendig wurde. Dazu griff man auf das Samech zurück und führte es als Buchstabe Ξ von neuem ein. Beim Xi wurde mit der Zeit der senkrechte Strich des Samech weggelassen.

Anders als im Osten wurde der X-artige Buchstabe im Westen weiterhin für den Lautwert [ks] verwendet, wenn auch unter dem neuen Namen Xi. Dass wir „iks“ sagen und nicht „ksi“, hat mit Marcus Terentius Varro zu tun. Bis zu seiner Zeit buchstabierte man a, be, ke, de, e, fe, ge, ha, i, ka, le, me, ne, o, pe, qu, re, se, te, v (u), xe. Varro teilte die Laute in mutae (stumme Laute) und semivocales (Halbvokale) und bestimmte in seinem Werk De lingua latina, dass die Halbvokale (l, m, n, f, s, r) mit anlautendem e gesprochen werden sollten, der Rest aber den alten Namen behalten solle. Das lateinische X mit dem Lautwert [ks] wurde wohl wegen des enthaltenen s zu den Semivokalen gerechnet und erhielt demzufolge ein e vorangestellt („eks“). Unter dem späteren Einfluss des i aus dem griechischen Xi („ksi“) wurde der Anlaut dann zu einem i („iks“).

Bedeutungen[Bearbeiten]

Ein gelbes X an einer Hauswand im Wendland als Wahrzeichen der regionalen Anti-Atomkraft-Bewegung

XXX wird als Abkürzung für „kiss kiss kiss“ im Englischen oder zur Kennzeichnung von sexuellen und pornografischen Inhalten (X-Rating) genutzt. „X“ (Kuss) oder „Xx“ (Küsse) sowie ähnliche Buchstabenfolgen werden entsprechend auch als informeller Gruß unter nahestehenden Personen beispielsweise in Kurznachrichten verwendet.

Häufig werden mit „X“ auch besonders geheimnisvolle oder unerforschte Dinge bezeichnet (engl. X-rayRöntgenstrahlung“, X-Faktor, Terra X, Generation X, X-Men). Wahrscheinlich ist das eine Popularisierung der traditionellen mathematischen Verwendung als Zeichen für Unbekanntes. Gebräuchlich ist auch die Abkürzung für „Experimental-“ wie in X-Planes für das US-amerikanische Experimentalflugzeugprogramm, wie überhaupt die Vorsilbe „ex-“ oder das damit beginnende Wort gelegentlich durch ein einzelnes „X“ repräsentiert wird.

Abgeleitet aus dem englischen „cross“ wird es auch im Sinne von trans- verwendet, so „TX“ für Transplantation, Transaktion, aber auch Sender (engl. transmitter).

In Gleichungen mit einer Unbekannten wird diese häufig mit dem Buchstaben x bezeichnet. Dies lässt sich aus dem arabischen ‏شيء‎ / šaiʾ „Sache“ ableiten, das al-Chwarizmi und Omar Chajjam für eine unbekannte Größe verwendet haben und das in altspanischer Umschrift mit x wiedergegeben wurde.[2]

Obwohl es dafür ein eigenes Zeichen × gibt, wird das Zeichen x gelegentlich auch als Malzeichen (Symbol für die Multiplikation) verwendet, insbesondere handschriftlich oder wo der Malpunkt (a·b) nicht zur Verfügung steht. Beispiel: 4 x 100-m-Staffel für 4 × 100-m-Staffel. In naturwissenschaftlichem Kontext sollte diese Verwendung vermieden werden, um Verwechslungen mit der Variablen x zu vermeiden.

Da das Multiplikationszeichen im Italienischen als per ausgesprochen wird, wird das Zeichen x in der informellen geschriebenen Sprache verwendet, um per zu ersetzen. Beispiele: xché statt perché, statt però.

Eine weitere Bedeutung hat das X in der Straight-Edge-Szene. Es wird auch zum Markieren von gewünschten Feldern verwendet (bei Stimmzetteln wird mit einem X das vorgegebene Kästchen angekreuzt, beim Lotto oder ähnlichen Glücksspielen die auszuwählende Zahl). Ferner ist ein gelbes X das Kennzeichen der Atomkraftgegner im Wendland und an zahlreichen Häusern zu finden.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: X – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: x – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: X – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. DTV-Brockhaus-Lexikon, Mannheim und München 1989, Band XX, S. 179
  2. Rida A. M. T. Farouki: Pythagorean-hodograph curves: algebra and geometry inseparable. Springer, 2008. ISBN 3540733973; S. 25
  3. http://castor.de/diskus/sonst/dasx.html