XING

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit der (geschäftlichen) Kontakt-Plattform XING. Für andere Bedeutungen, siehe Xing.
XING AG
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE000XNG8888
Gründung 2003
Sitz Hamburg, Deutschland
Leitung
Mitarbeiter 519 (14. August 2012)[1]
Umsatz 73,3 Mio. (2012)[2]
Website www.xing.com

XING (bis Ende 2006: openBC; Kurzform für Open Business Club) ist eine Online-Plattform, in der Mitglieder vorrangig ihre beruflichen - aber auch privaten - Kontakte zu anderen Personen verwalten und neue Kontakte finden können. Einzelne Nutzer und Unternehmen können auf der Plattform ein Profil anlegen, Stellen ausschreiben und suchen, sich an Diskussionen in Fachgruppen beteiligen sowie Veranstaltungen organisieren. Betreiber der Plattform ist die XING AG, deren Aktien seit Dezember 2006 an der Börse und seit September 2011 im TecDAX notiert sind.

XING ist eines von verschiedenen webbasierten sozialen Netzwerken. Eine der grundlegenden Kernfunktionen ist das Sichtbarmachen des Kontaktnetzes: Beispielsweise kann ein Benutzer sehen, „über wie viele Ecken“ – also über welche anderen Mitglieder – er jemanden kennt. Dabei wird das sogenannte Kleine-Welt-Phänomen sichtbar. Daneben bietet die Plattform zahlreiche Community-Funktionen wie: Neuigkeiten mit Kontakten teilen und Jobs oder Links empfehlen, Suche nach Personen, Interessengebieten und Themen, Unternehmensseiten, die in den bezahlten Versionen interaktive Funktionen enthalten sowie rund 55.000 Gruppen zu unterschiedlichen Interessengebieten.

Inhaltsverzeichnis

Unternehmen[Bearbeiten]

Kennzahlen
Jahr Umsatz in Mio. € Mitarbeiter
2008 35,3 174
2009 45,1 265
2010 54,3 306
2011 66,2 456
2012 77,3 513

XING wurde 2003 unter dem Namen OpenBC (Open Business Club) durch Lars Hinrichs gegründet und zählte laut Geschäftsbericht Ende des ersten Quartals 2012 über 12 Millionen Benutzer, davon 793.000 mit einer kostenpflichtigen Premium-Mitgliedschaft.[3] 5,51 Millionen Mitglieder stammten am 31. März 2012 aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (D-A-CH), davon 765.000 zahlende Mitglieder. [1]

Die Plattform wird von der Hamburger XING AG betrieben (bis 9. Juli 2007 unter dem Namen OPEN Business Club AG). Im November 2009 gab das Medienhaus Hubert Burda Media bekannt, über sein Tochterunternehmen Burda Digital insgesamt 1.323.041 Aktien von der Cinco Capital GmbH erworben zu haben. Geschäftsführer der Cinco Capital GmbH ist Lars Hinrichs. Burda erwarb damit 25,1% der Aktien von XING und wurde Hauptaktionär.[4][5] Zum 20. März 2012 hielt die Burda Digital GmbH 29,7% der XING-Aktien.[6] Bis Oktober 2012 baute Burda den Anteil auf 39,89 Prozent aus und machte ein Übernahmeangebot für XING.[7] [8] Bis Angebotsende am 7. Dezember 2012 erhöhte sich dadurch der Aktienanteil von Burda auf 59,2 %.[9] Bereits im Februar 2013 wurde der Anteil auf 52,6 % reduziert.[10]

Im Dezember 2010 wurde bekannt, dass XING den Münchner Online-Ticketing-Anbieter amiando zum Gesamtpreis von 10,35 Millionen Euro mit Wirkung zum 1. Januar 2011 gekauft hat.[11] XING-Mitglieder können die amiando-Dienstleistungen für Online-Veranstaltungen nun auch direkt über XING nutzen, also Event-Tickets anbieten und verkaufen. Anfang Januar 2013 gab XING eine Übernahme im E-Recruiting bekannt: Das berufliche Netzwerk kaufte das österreichische Arbeitgeber-Bewertungsportal kununu. Der Kaufpreis belief sich zunächst auf 3,6 Mio. Euro und kann sich bis 2015 - abhängig von der Geschäftsentwicklung von kununu - noch um 5,8 Mio. Euro steigern.[12]

Im Geschäftsjahr 2011 erzielte XING Umsatzerlöse von 66,2 Millionen Euro und lag damit 22 % über dem Umsatz des Geschäftsjahres 2010. Der derzeitige Vorstandsvorsitzende ist Thomas Vollmoeller. Die Aktien werden seit dem 7. Dezember 2006 an der Börse gehandelt,[13] seit September 2011 sind sie im TecDAX gelistet.

Seit 2012 fokussiert sich XING auf den deutschsprachigen Markt. Mittlerweile kommen rund 91 Prozent der Seitenaufrufe aus der D-A-CH-Region.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Angemeldete Benutzer können sowohl berufliche als auch private Daten in ein Profil eintragen. Studium, Ausbildung und beruflicher Werdegang werden ähnlich wie im Lebenslauf in tabellarischer Form dargestellt. Eingescannte Zeugnisse und Referenzen stützen die Eintragungen. Außerdem können Nutzer ein Profilbild, ihre Interessen und individuelle Angaben über sich auf der "Über-mich-Seite" eintragen. Eine Verpflichtung zum vollständigen Ausfüllen des Profils mit allen Feldern besteht jedoch nicht. Anhand dieser Informationen können Kontaktwünsche als Gesuche und Angebote formuliert werden. Zur Kontaktaufnahme ist es notwendig, dass ein Kontaktwunsch von der Gegenseite bestätigt wird. Der Benutzer entscheidet selbst in jedem Fall, wer welche Informationen (z. B. Rufnummer, E-Mail-Adresse oder Geburtsdatum) aus seinem Profil zu sehen bekommt.

Die Mitgliedschaft bedingt eine Registrierung. Die kostenlose (Basis-) Mitgliedschaft hat im Gegensatz zur kostenpflichtigen Premium-Mitgliedschaft eingeschränkte Funktionalitäten. Beispielsweise steht die Suchfunktion nur Premium-Mitgliedern vollständig zur Verfügung.

Die Kündigung der kostenlosen XING-Mitgliedschaft ist nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen jederzeit möglich. Sie ist gegenüber XING zu erklären; dazu kann das Kontaktformular des Supports verwendet werden. Das Konto wird mit allen eingegebenen Daten vollständig gelöscht. Die Kündigung der "Premium-Mitgliedschaft" ist jedoch nur mit 14-tägiger Kündigungsfrist zum Ablauf eines abgeschlossenen Zeitraumes möglich. Auf den neueren Anmeldeformular-Seiten wird deutlich auf dieses Abonnement hingewiesen; Ältere Seiten (2009) verstecken diesen Hinweis ganz klein in den allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Eine Programmierschnittstelle (API) steht außenstehenden Entwicklern und anderen Unternehmen zur Verfügung, um die eigene Funktionalität in XING anbieten oder die eigenen Daten abrufen zu können. Diese Schnittstelle befindet sich seit dem 7. März 2012 in einem halböffentlichen Teststadium (closed beta).[14]. Für mobile Endgeräte wurde eine eigene App entwickelt.[15] XING steht damit als direkter Mitbewerber zu seinen amerikanischen Pendant LinkedIn.

Benutzerfunktionen[Bearbeiten]

Die Benutzerschnittstelle von XING ist mehrsprachig und berücksichtigt in der Suchfunktion Mitglieder mit gemeinsam gesprochenen Sprachen. Zurzeit werden folgende Systemsprachen unterstützt: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Niederländisch, Schwedisch, Finnisch, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch, Polnisch, Ungarisch und Türkisch.

Neben der datenbankorientierten Kontaktpflege bietet XING öffentliche Veranstaltungskalender, die dem Benutzer thematisch und regional aufbereitet dargestellt werden. Darüber hinaus kann die Terminfunktion auch zur Organisation privater Termine genutzt werden.

Das Angebot umfasst außerdem 46.868 Diskussionsforen (Stand: 31. Oktober 2011)[16], die teils öffentlich, teils nur für einen bestimmten Kreis von Benutzern zugänglich sind. Dazu zählen auch geschlossene Benutzergruppen mit erweiterten Funktionen für Organisationen und Firmen.

Ergänzend zum Online-Angebot gibt es zahlreiche Regionalgruppen, die lokale Treffen veranstalten, auf denen persönliche Kontakte geknüpft werden können. So veranstalteten Mitglieder im Jahr 2010 mehr als 180.000 Events.

XING hat aktuell 212 regionale Ambassadoren in 46 Ländern (Stand: 16. Mai 2012), die eine herausgehobene Stellung auf der Plattform einnehmen und als aktive Moderatoren jeweils ihre regionale XING-Gruppe betreuen und regelmäßig offizielle XING-Events in ihrer Region veranstalten. Eine besondere Stellung haben darüber hinaus Xpert Ambassadoren (87 in D-A-CH), die eine branchenspezifische XING-Gruppe moderieren. Diese Personen müssen explizit über Fachwissen verfügen und in ihrem Bereich anerkannt sein. Auch sie veranstalten offizielle XING-Events für ihre Branche.

Jeder angemeldete Benutzer von XING hat auch ein eigenes Postfach. Dieses ist allerdings nur über das XING-Portal zugänglich. Nutzer können auch direkt Funktionen der Instant-Messaging- und VoIP-Software Skype aufrufen.

Seit dem 12. Oktober 2007 bietet XING außerdem (bis März 2009 unter dem Label Marketplace) eine Jobbörse an. Mitglieder der Plattform können dort sowohl selbst Stellenangebote einstellen als auch nach freien Stellen suchen. Dabei setzt XING als eine der ersten deutschen Jobbörsen auf ein Pay-per-Click-Abrechnungsverfahren. Die Kosten von Stellenanzeigen werden nicht nach Pauschalen berechnet, sondern danach, wie häufig sie von anderen Nutzern aufgerufen wurden. Zwischenzeitlich hat XING alternativ auch das branchenübliche Festpreismodell eingeführt.

Die Anmeldung und Nutzung der Grundfunktionen ist kostenlos. Zahlende Mitglieder erhalten unter anderem erweiterte Such- und Statistik-Funktionen; z. B. kann eingesehen werden, welche anderen Mitglieder die eigene Kontaktseite aufgerufen haben und welche der eigenen Kontakte innerhalb der letzten zwei Monate eine Änderung ihrer beruflichen Position vorgenommen haben. Bis zur Überarbeitung der Plattform am 15. September 2010 konnten nur Premium-Mitglieder Nachrichten an andere XING-Mitglieder versenden, während Basis-Mitglieder nur auf Nachrichten antworten konnten. Inzwischen können Basis-Mitglieder innerhalb ihres Kontaktnetzwerkes die Nachrichtenfunktion in vollem Umfang nutzen. Bereits seit April 2010 können Basis-Mitglieder auch eine Statusmeldung auf ihrem Profil anzeigen lassen. Premium-Profile sind werbefrei.

Zielgruppe dieser Plattform sozialer Software sind zum einen berufstätige Personen, die ihr Kontaktnetzwerk (Partner, Kunden, Freunde, Interessenten, Ex-Kollegen, Ex-Kommilitonen usw.) online pflegen. Um Mitglied zu werden, müssen Internetnutzer das 18. Lebensjahr vollendet haben. Eine weitere Zielgruppe sind Unternehmen, die sich mit Hilfe von einem Unternehmensprofil darstellen und ihre Arbeitgebermarke (Employer Branding) pflegen können.

Aussprache des Namens[Bearbeiten]

Die Bezeichnung „XING“ wurde aus Gründen der Internationalisierung gewählt.[17] Der alte Name openBC enthält das englische Kürzel für „vor Christus“, das - so wurde in Foren vermutet - im Englischen für Verwirrung sorgte.[18] Der neue Name XING bedeutet auf Chinesisches funktioniert“, „es klappt“ (chinesisch  xíng[ɕiŋ˧˥]). Im Englischen steht er als Abkürzung für Crossing, also Kreuzung, was als Begegnung von Geschäftskontakten gesehen werden kann.[19] In einem Interview erklärte der openBC-Gründer Lars Hinrichs, die Aussprache nicht vorgeben zu wollen.[20] In offiziellen Firmenvideos wird im Deutschen jedoch die Aussprache ksing gewählt.[21]

Kritik[Bearbeiten]

Datenschützer bemängeln, dass Teilnehmer in Unkenntnis der Schutzeinstellungsmöglichkeiten ihre eigenen Kontaktbeziehungen ungeschützt der breiten Öffentlichkeit preisgeben.[22] Es gibt eine Reihe von Webseiten, die Nutzern Hilfestellungen geben, damit sie die Kontrolle über ihre persönlichen Daten behalten.[23]

Durch die Funktion „Mitglieder, die meine Kontaktseite kürzlich aufgerufen haben“, die nur für Premium-User uneingeschränkt nutzbar ist, wird die eigene Nutzungsweise der Plattform für andere Nutzer bewusst oder unbewusst sichtbar. Auch die Funktion „Neues aus meinem Netzwerk“ hat unter Mitgliedern heftige Diskussionen ausgelöst.[24]

Weitere Kritik gab es Anfang Januar 2008, als bekannt wurde, dass auf den Profilseiten Werbung eingeblendet wird, wenn nicht zahlende Mitglieder diese aufrufen. Über diese Neuerung fühlten sich die zahlenden Mitglieder nur unzureichend informiert. Aufgrund der zahlreichen Kritik wurde zunächst eine Funktion eingebaut, mit der zahlende Mitglieder die Werbung auf ihren Profilen unterbinden können. Kurz darauf wurden die Werbeeinblendungen wieder vollständig abgeschaltet.[25]

Beiträge von Nutzern in Gruppen, deren Sichtbarkeit nicht auf Gruppenmitglieder oder andere XING-Mitglieder beschränkt ist, werden in den Suchmaschinen gelistet, wenn das Mitglied sein Profil für Suchmaschinen und RSS-Feeds freigegeben hat.[26]

XING aggregiert Unternehmensprofile automatisch, wenn mindestens vier Mitarbeiter bei XING angemeldet sind. Dieses ist insofern problematisch, da diese unter anderem über kein Impressum verfügen. Unternehmen können, laut einem Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth,[27] diese löschen lassen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stephan Lamprecht: XING - Networking im Internet. 3. erweiterte Auflage, Heise, Hannover 2008, ISBN 978-3-936931-55-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: XING – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b heise.de News Xing macht trotz Wachstums weniger Gewinn
  2. Geschäftsbericht 2012
  3. Quartalsbericht 2012
  4. Burda wird Hauptaktionär von Xing auf kress.de vom 18. November 2009
  5. XING: Hubert Burda Media neuer Hauptaktionär der XING AG, OnlinePresse.info. 19. November 2009. 
  6. Schürmann, Christof Xing im Visier in: Wirtschaftswoche am 17. März 2012
  7. Bericht auf www.heise.de vom 26. Oktober 2012. Abgerufen am 18. November 2012
  8. Bekanntmachung des Übernahmeangebots von Burda Digital GmbH vom 26. Oktober 2012. Abgerufen am 18. November 2012
  9. Burda News: Anteil an XING AG erhöht. Abgerufen am 12. Dezember 2012
  10. Hubert Burda Media.de/com - NEWSROOM - Mitteilungen - - XING-Aktie: Erfolgreiche Paket-Platzierung, 14. Februar 2013
  11. Kaczmarek, Joel: Amiando gefühlt unter Wert verkauft: XING übernimmt für 10,35 Mio. Euro. 10. Dezember 2010, abgerufen am 10. Dezember 2010.
  12. Xing übernimmt Karriere-Portal in Österreich. 8. Januar 2013, abgerufen am 9. Januar 2013.
  13. boerse.ard.de (7. Dezember 2006): OpenBC-Chef ist zufrieden
  14. http://devblog.xing.com/everything-else/closed-beta-version-of-xing-developer-portal-now-live
  15. App für mobile Endgeräte
  16. XING AG: Gruppen XING. xing.com, abgerufen am 31. Oktober 2011.
  17. Aus openBC wird XING Pressemitteilung vom 25. September 2006, abgerufen am 11. Juni 2012
  18. Anja Tiedge: „Die Vitamin-B-Maschine“ - Artikel in der Süddeutschen Zeitung Online vom 12. Juli 2006
  19. Warum der Name XING? Offizielle Stellungnahme von Lars Hinrichs
  20. Anja Tiedge: Open BC wird XING- Die gewagte Wandlung. manager-magazin.de, 9. Oktober 2006, abgerufen am 26. Mai 2009: „Wir wollen die Aussprache nicht vorgeben.“
  21. XING: Social Networking mit XING. youtube.com, 9. Februar 2010, abgerufen am 1. April 2011.
  22. http://www.sicherheitskultur.at/privacy_soc_networking.htm
  23. http://www.rumohr.de/blog/2007/die-100ige-privatsphaere-im-xing/
  24. http://www.heise.de/newsticker/Neue-Xing-Funktion-weckt-Datenschutzbedenken--/meldung/100149
  25. http://www.werbeblogger.de/2008/01/06/xing-keine-werbung-auf-den-premium-profilseiten/
  26. http://www.xing.com/app/network?op=topic
  27. http://www.heise.de/jobs/meldung/Gericht-Automatisches-Unternehmensprofil-in-Xing-muss-nicht-hingenommen-werden-1243749.html