XVI. Armee-Korps (Deutsches Kaiserreich)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das XVI. Armeekorps war ein Großverband der Preußischen Armee. Das Korps wurde am 1. April 1890 errichtet und hatte sein Hauptquartier in der Festung Metz.

Gliederung[Bearbeiten]

1914 (Friedensgliederung) [1][Bearbeiten]

Zugeteilt vom II. Bayerischen Armee-Korps:

Fahnen der Linien-Infanterie-Regimenter[Bearbeiten]

Muster
Muster (Jäger)

Das Mittelfeld der Fahne war von silbernen Lorbeerzweigen umwunden. Über ihm befand sich die Königskrone unter der sich ein silbernes Spruchband, „Pro Gloria et Patria“, befand. Das Mittelfeld selbst zierte der alte friderizianische bewehrte schwarze Adler. In den vier Ecken befanden sich, in Gold oder Silber ausgeführt, die mit Palmenzweigen umwundenen, ebenfalls gekrönten Namenszüge, der zum Zeitpunkt der Verleihung regierenden Könige. Zwischen den Eckmedaillons befanden sich vier Seitenflammen. Diese befanden sich erstmals auf den 1808 verliehenen Fahnen.[2]

Für die große Menge an Linien-Infanterie-Regimentern wurde von Kaiser Wilhelm II. per Ordre vom 18. Dezember 1890 bestimmt, dass die Farbe der Fahnentücher sich nach der der Achselklappen zu richten habe. Hierdurch wurde innerhalb des Korps eine Gleichförmigkeit erzielt. Abweichend von diesen wurde für die Jäger-Bataillone, leichte Infanterie, die grüne Farbe für die Fahnen nach dem Linienmuster bestimmt.

Das XVI. Korps trug gelbe Achselklappen.

Des Weiteren wurden grundlegende Anordnungen über die zukünftige Gestaltung der Fahnen- und Standartentücher erlassen. Die Fahnen waren in Zukunft in Gold oder Silber, je nach Knopffarbe des Truppenteils, bestickt. Die gemalten Tücher hatten nur eine geringe Haltbarkeit bewiesen. Gleichfalls wurde angeordnet, das die Fahnen in deren Abmessungen um 16 cm, ergo deren Fläche auf 126 cm², verringert werden sollten. Der im Mittelfeld befindliche „preußische Kriegsadler“ sollte wieder seine friderizianische Gestalt erhalten. Die Krone, der Schwertknauf und das Blitzbündel des Adlers waren stets in Gold zu halten.

In der Folgezeit wurden vier Arten von Fahnen unterschieden:

  1. Gardefahnen
  2. Garde-Grenadierfahnen
  3. Fahnen für die Grenadier-Regimenter
  4. Fahnen für die neuen Linien-Regimenter

Das Mittelfeld, die vier Eckmedaillons (sie waren von der Knopffarbe durchwirkt) und das Spruchband hatten die Farbe der Achselklappen. Die vier Keile waren weiß mit schwarzen Rändern.[3]

Anlässlich der Jahrhundertfeier erließ der Kaiser den Befehl, er wolle den Fahnen und Standarten, deren Tücher ruhmreich im Felde standen, die Tücher erneuern. In der Folgezeit, d. h. in den nächsten 7 Jahren, fand die feierliche Weihe der neuen Feldzeichen in der Ruhmeshalle des Berliner Zeughauses statt.[4] Sie wurden dann anlässlich der Kaiserparade, die den Kaisermanövern vorausging, den Truppen feierlichst übergeben.[5]

Am 1. August 1914 sollte die deutsche Armee aus 25 Armeekorps bestehen.

Fahnenschmuck[Bearbeiten]

Die Fahnenstangen waren schwarz und maßen mit deren Spitze etwa 3 Meter. In der Spitze befand sich der Namenszug des zur Zeit der Verleihung regierenden Königs. Da die Fahne ein Symbol darstellte, wurden auch ihr, wie dem Offizier und Mann an der Front, Auszeichnungen und Orden verliehen.

So wurden auf Befehl Friedrich Wilhelm III. nach den Befreiungskriegen diejenigen Fahnen, die an der Front gestanden hatten, ein Eisernes Kreuz. An die Stelle des Namenszuges trat die von zwei Lorbeerzweigen umgebene erwähnte Auszeichnung in einer schlank gehaltenen Spitze. Die Füsilier-Bataillone, die ohne Fahne ausgerückt waren, erhielten diese Auszeichnung nicht.

Nach dem Kriege von 1870/71 wurde anlässlich des Einzuges der siegreichen Truppen am 16. Juni 1871 in Berlin angeordnet, dass die Fahnen der am Kriege teilnehmenden Truppenteile, sofern sie noch kein 1813er Kreuz hatten, eines bekamen. Dieses war jedoch nicht von Lorbeerzweigen umgeben, sondern, in einer breiteren Spitze stehend, von einem Lorbeerkranz. Am 11. April 1872 wurde diese Auszeichnung auch jenen Fahnen verliehen, die bestimmungsgemäß ihre Fahnen beim Ausmarsch zurückgelassen hatten[6] Die einzige Fahne, die diese Auszeichnung nicht erhielt, war die des II. Bataillons des 8. Pommerschen Infanterie-Regiments Nr. 61. Bei der Schlacht an der Lisaine wurde sie vor Dijon vom Feinde erobert.

Zu jeder Fahne gehörte ferner, ein 3,7 cm breites Band, welches Banderole genannte wurde. Es trug die Landesfarben schwarz-weiß und lief in zwei gleichfarbigen Quasten aus. Es wurde an der Fahne befestigt, indem man es um die Spitze schlung. Erhielt das Feldzeichen ein Kriegsband, so ersetzte dies die Banderole. Es wurden folgende Fahnenbänder verliehen:

Außer mit Bändern waren die preußischen Feldzeichen auch mit Ringen, Erkennungs- oder Gedenkringe, geziert.

Die Ersteren geben den Besitzer des betreffenden Truppenteils mit schwarzen Buchstaben auf messingnen Ringen an, also z. B. II IR 162 = II. Bataillon Infanterie-Regiment 162. Sie wurden 1837 eingeführt, weil die Fahnen wegen ihres gleichen Aussehens der Tücher nur schwer zu Unterscheiden waren. Unter König Wilhelm wurde neben des Regiments auch die Bataillonsbezeichnung hinzugefügt.

Als Beispiel für einen der Letzteren verbleiben wir bei der o. g. Fahne. Bei den Gefechten in Loigny, seinerzeit noch als Fahne des Füsilier-Bataillons der 76er (III/76), wurde sie beschädigt. Als die Fahne am 23. Mai 1872 dem Kaiser in Berlin vorgestellt wurde, verfügte dieser, das sie neben dem Eisernen Kreuz einen silbernen Gedenkring mit der Gravierung „Loigny (Orleans) 2. Dezember 1870“ erhalten sollte.

Per AKO vom 14. Dezember 1899 wurde an den schwarz-silbernen Bändern der Banderole möglichst nahe der Quasten das Anbringen einer Spange befohlen. Sie sollten ein sichtbares Zeichen für die Einheit des Reiches sein. Sie bestanden aus vergoldeten Metallplatten. Auf der Vorderseite hatten sie den gekrönten Namenszug (WR), auf der Rückseite den Stiftungstag des Truppenteils und das Datum 1. Januar 1900.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Korps wurde am 1. April 1890 errichtet und hatte sein Hauptquartier in der Festung Metz. Es war zu Beginn des Ersten Weltkrieges der VII. Armee-Inspektion unterstellt.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Bruno von Mudra

Zu Kriegsbeginn 1914 war General der Infanterie Bruno von Mudra Kommandierender General des XVI. Korps, als Chefs des Stabes fungierte zunächst Oberst Rudolf von Borries, seit April 1915 Friedrich von Esebeck. Die unterstellte 33. und 34. Division wurde von den Generalleutnants Franz Reitzenstein und von Heinemann geführt.[7]

Zusammen mit dem V. und XIII. Armee-Korps stand das Korps im ersten Treffen der 5. Armee, welche unter dem Oberbefehl des deutschen Kronprinzen durch Luxemburg in Lothringen eindrang. Den linken Armeeflügel bildend, drang das XVI. Korps aus den Raum Diedenhofen bis zum 20. August 1914 an die Linie Ville au Montois – Bezailles – Boismont bis Sancy vor. Die 34. Division war über Serronville auf Joppecourt, die 33. Division von Sancy auf Anderny vorgegangen. Weiter südlich begann der Angriff der 34. Division auf Malavillers, die 67. Brigade unter Oberst Brosius wurde über Sancy auf Bonvillers angesetzt. Die andere Brigade der 34. Division lag derweil noch im Kampf um Mercy-le-Haut. Die Masse der 33. Division wurde nach Nordwesten über Higny-Preutin vorgeführt wurde und dem zurückgehenden französischen 6. Korps bis westlich Xivry Circourt folgte.

Am 23. August wurde der 5. Armee am linken Flügel die nachgezogene 2. Landwehr-Division zur Beobachtung der Festungsfront nordöstlich Verdun nachgeführt. Die 43. und 45. Landwehr-Brigade wurden bei Landres, die 13. und 53. Landwehr-Brigade, sowie die bayrische 9. Landwehr-Brigade auf Briey vorgezogen. Dadurch brauchte die 5. Armee das westlicher liegende XVI. Armee-Korps im Angriff auf Verdun nicht weiter schwächen, General Mudra konnte seinen Angriff auf Nouillon Pont-Spincourt fortsetzen. Vor der Front operierte die 6. Kavallerie-Division über Spincourt auf Damvillers. Der volkstümliche greise Feldmarschall Gottlieb von Haeseler, ein Veteran des Krieges von 1870 bis 1871, erschien während der Kämpfe um Longwy im Hauptquartier seines früheren XVI. Armee-Korps und beobachtete die Operationen bei Damvilliers. Am 24. August rückte die 34. Division von Olliers und Rechicourt weiter auf Nouillon-Spincourt vor. Die 33. Division verfolgte über Domprix und erreichte die Linie Othainufer zwischen Duzy–Domremy. Am 25. August wurde die geschwächte Besatzung der Festung Metz (General Pelkmann) durch die 10. Ersatz-Division unter General der Infanterie Georg von Gayl verstärkt. Die bei Rouvres in Front eingehende 8. bayerische Brigade (General Riedl) der 33. Reserve-Division konnte zwischen Etain-Lanheres französische Gegenangriffe aus der Nordostfront von Verdun abschlagen. Das XVI. Korps setzte die Umklammerung der Nordwestfront Verduns an der Linie Duzey-Haudelaucourt fort. Die 33. Division eroberte Vaudoncourt und Muzeray, nördlich davon drang die 34. Division nach Warpremont vor. Der Angriff der 33. Division über den Othain-Abschnitt musste eingestellt werden, der Südflügel mit dem XVI. Korps und dem vorgeschobenen Gruppe Oven musste auf die Linie Nouillonpont-Rechicourt- Avillers – Landres – Mairy zurückgehen. Der erste deutsche Vorstoß auf Verdun war damit gescheitert.

Die 34. Division ging über Rechicourt zurück und bezog auf den Höhen zwischen Avillers–Landres eine starke Abwehrstellung, auf die auch die 33. Division über Avillers ausweichen musste. Östlich davon ging die Gruppe Oven auf die Linie Landres–Mairy zurück. Nach den Rückzug der 34. Division musste das V. Reserve-Korps ihren linken Flügel nach Muzeray verlängern, gleichzeitig erreichte das VI. Reserve-Korps auf den Höhen südlich des Othainbaches zwischen St. Laurent bis Sorbey noch Geländegewinne. Das XVI. Armee-Korps ging auf die Linie Wiecourt-Avillers - Landres - Mairy zurück. Am 26. August stabilisierte sich die neu erreichte Linie der 5. Armee am Nordrand der Argonnen.[8]

Ab 28. August versuchte die 5. Armee die Maas zu erreichen, Ziel war es den Festungsbereich von Verdun im Norden zu umgehen und von Westen her abzuschnüren. Das XVI. Korps wurde dabei über Damvillers auf Sivry-Consenvoye angesetzt. Links fiel dem V. Reserve-Korps die Beobachtung der Nordfront vor Verdun zu. Rechts erreichte das VI. Reserve-Korps sowie das XIII. Korps parallel nach Westen vorgehend am 30. August die Maas bei Dun. [9] Am 29. August standen die Truppen westlich Dannevoux bis Gercourt. Am 1. September wurde das XVI. Korps über Montfaucon auf Avocourt angesetzt und drang südwärts in den Argonnenwald ein. Am 4. September erreichte das XIII. Korps über Varennes vorgehend den Raum Clermont. Westlicher angesetzt hatte der linke Flügel der 4. Armee mit dem nach vorn gezogenen Höhere Kav.Kdo. Hollen und mit dem VI. Armee-Korps beiderseits der Argonnen über St. Menehould nach Revigny zum Marne-Rhein-Kanal verfolgten. Das XVI. Korps hatte von Aubreville her am Cousance-Abschnitt zu forcieren.[10] Mudras Truppen trafen am 6. September um Bulainville an der Aire wieder auf starken Widerstand der Franzosen, die südlicher stehende 34. Division wurde bei Beauzee, die 33. Division aus der Gegend Heippes-Souilly heftig angegriffen und in die Defensive gedrängt. Nördlicher versuchte das nachfolgende VI. Reserve-Korps zu helfen, wurde aber selbst vor Jubecourt von der Verduner Westfront angegriffen. Am 9. und 10. September versuchte das XIII. Korps, die 12. Reserve-Division und das XVI. Korps die Höhenstellungen bei Sommaisne, bei Serancourt und Heippes zu nehmen. In schweren Kämpfen wurde bis zum Abend des 10. die Linie Rebercourt-Courcelles-Rignaucourt-Souilly erreicht, als infolge der Marneschlacht der Rückzugsbefehl für die 5. Armee einlangte. Bis zum 11. September wurden die Stellungen gehalten, dann erfolgte der Rückzug durch die Enge von Varennes nach Norden. Ende September rang die Truppen des XVI. Korps um die Waldstellungen zwischen Montblainville über Binarville und im Tal der Biesme bei Four de Paris. Um den Besitz der Höhenstellung St.-Hubert-Pavillon folgten schwere Kämpfe mit den im Kleinkrieg gut organisierten Gegner.

Deutsche Stellung in den Argonnen Ende 1914

In der jetzt erstarrenden Front lag links an die 27. Division aufschliessend, die 33. und 34. Division im Argonner-Wald, in östlicher Richtung folgte die unterstellte 2. Landwehr-Division (Gruppe Franke), linker Nachbar wurde das VI. Reserve-Korps. Im Februar 1915 folgten noch größere Kämpfe um La Harazée und das hochgelegene Vauquois, dann wurde es in den Argonnen stiller. Im folgenden Stellungskrieg 1915 lag den Deutschen die französische 3. Armee unter Maurice Sarrail, mit dem V. Korps und dem aus Flandern herangezogenen XXXII. Korps gegenüber.

Am 8. Dezember 1915 wurde die benachbarte württembergische 27. Division durch die 25. Reserve-Division abgelöst und nach Flandern abtransportiert. Der Kleinkrieg wurde weitergeführt, der Minenkrieg gewann erheblich an Bedeutung. Im Dezember 1916 wurde das XVI. Armee-Korps aus den Argonnen herausgezogen und vor Verdun eingesetzt. Ab Februar 1917 kam das Generalkommando wieder in die Argonnen zurück, hatte jetzt aber andere Divisionen unter seinem Kommando.

Kommandierender General[Bearbeiten]

Die Kommandobehörde des Armeekorps war das Generalkommando unter Führung des Kommandierenden Generals.

Dienstgrad Name Datum[11][12]
General der Kavallerie Gottlieb Graf von Haeseler 24. März 1890 bis 17. Mai 1903
General der Infanterie Louis Stoetzer 18. Mai 1903 bis 23. April 1906
General der Infanterie Maximilian von Prittwitz und Gaffron 24. April 1906 bis 28. Februar 1913
General der Infanterie Bruno von Mudra 1. März 1913 bis 28. Oktober 1916
Generalleutnant Adolf Wild von Hohenborn 29. Oktober 1916 bis 2. April 1919
Generalleutnant Theodor Teetzmann 3. April bis 30. September 1919

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kriegsministerium, Geheime Kriegs-Kanzlei (Redaktion): Rangliste der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps für 1914. [...] Nach dem Stande vom 6. Mai 1914. [...], Verlag Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin o.J., S. 98 ff.
  2. Gustaf Lehmenn: Geschichte der Königlich Preußischen Fahnen und Standarten seit dem Jahre 1807.; 1895 Berlin, E.S. Mittler & Sohn
  3. Martin Lezius: Fahnen und Standarten der alten preußischen Armee; Frankh'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1935
  4. Fahnenverleihung: 28. August 1904
  5. Kaiserparade: 4. September 1904
  6. Wie z. B. die Jäger-Bataillone Nr. 1-11
  7. Reichsarchiv: Band I., Berlin 1925, Kriegsgliederungen S.676
  8. Reichsarchiv: Die Grenzschlachten im Westen 1914, E. S. Mittler Verlag, Berlin 1925, S. 322–344
  9. Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, Mittler, Berlin 1923, S. 55
  10. Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, Mittler, Berlin 1923, S.65 f.
  11. Die Armeekorps-Bezirke des Deutschen Reichs 1885/86 - XVI. Armeekorps: Generalkommando in Metz, Deutsche Verwaltungsgeschichte.
  12. XVI.Armeekorps, Deutsche Kriegsgeschichte.