XVII. Armeekorps (Wehrmacht)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das XVII. Armeekorps war ein Großverband der deutschen Wehrmacht, welchem neben Korpstruppen mehrere Divisionen unterstellt waren, das im Polenfeldzug, im Westfeldzug sowie im Krieg gegen die Sowjetunion eingesetzt wurde.

Aufstellung und Einsätze[Bearbeiten]

Das XVII. Armeekorps wurde am 1. April 1938 nach dem Anschluss Österreichs in Wien aufgestellt.

Bei Kriegsbeginn im September 1939 wurde das Korps unter Führung des General der Infanterie Werner Kienitz der 14. Armee (Generaloberst Wilhelm List) mit der unterstellten 44. und 45. Infanterie-Division in Südpolen zugeteilt. Das Korps ging aus dem Raum Teschen gemeinsam mit dem VIII. Armeekorps nördlich der Weichsel über Pless auf Krakau vor. Es beteiligte sich danach am Angriff des XVIII. Armeekorps (General Eugen Beyer) auf Lemberg, der den Feldzug abschloss. Zwischen 11. bis 13. November 1939 erfolgte die Verlegung des Generalkommandos nach Frankreich und ab Januar 1940 dessen Unterstellung als Reserve im Abschnitt der 2. Armee. Während der zweiten Phase des Westfeldzuges stand das XVII. Armeekorps im Juni 1940 im Verband der 12. Armee und wurde beim Angriff über die Aisne eingesetzt.

Beim Angriff auf die Sowjetunion ab 22. Juni 1941 bildete das Korps mit der unterstellten 56. und 62. Infanterie-Division den nördlichen Flügel der 6. Armee (Generaloberst von Walter von Reichenau) und ging über den westlichen Bug bei Ljuboml auf Kowel vor. Nach dem Vorgehen auf Sarny wurde Mitte Juli der Slutsch, ein südlicher Seitenarm des Pripjet erreicht. Anfang August erfolgte zusammen mit dem LI. Armeekorps (General der Infanterie Hans Wolfgang Reinhard) der Vorstoß über Bjelka auf Korosten. Für den Angriff auf die Nordfront von Kiew wurde das XVII. Armeekorps zum Teterew-Abschnitt umgruppiert und erhielt neben der 296. und 298. auch die 44. Infanterie-Division neu unterstellt.[1] Im Zusammenwirken mit dem südlicher angesetzten XXIX. Armeekorps (General der Infanterie Obstfelder) und anderen Truppenteilen wurde Kiew bis 20. September 1941 erobert und westlich Pirjatin starke Sowjetverbände eingeschlossen. Bei Jahresende stand das Korps mit der unterstellten 79. und 294. Infanterie-Division am Donez-Abschnitt zwischen Murom bis Belgorod in Defensivstellung.

Seit 23. Januar 1942 war General der Infanterie Karl-Adolf Hollidt Kommandierender General des XVII. Armeekorps. Ab dem 12. Mai 1942 leistete das Korps während der deutschen Gegenoffensive bei Charkow die Abwehr gegen die bei Woltschansk nach Westen durchgebrochenen 38. Sowjetarmee unter General Moskalenko und nahm im Juli 1942 an der deutschen Sommer-Offensive „Fall Blau" teil. Nach dem Vormarsch zum Don etablierte sich das Korps als linker Flügel der 6. Armee (Generaloberst Paulus) zwischen Kasanskaja und Jelanskaja und stützte die westlicher am Don eingeschobene rumänische 3. Armee (Generaloberst Dumitrescu). Während des sowjetischen Durchbruches am 19. November 1942 über den Don bei Serafimowitsch entgingen die dem Korps unterstellte 298. und 79. Infanterie-Division der feindlichen Einschließung im Kessel von Stalingrad. Von Dezember 1942 bis April 1943 wurde der Stab des Korps auch als Gruppe Hollidt (später Armeeabteilung Hollidt) bezeichnet und führte mit der unterstellten 62., 294. und 302. Infanterie-Division Abwehrkämpfe am Tschir und Rückzugskämpfe zum Donez. Nach weiteren Abwehrschlachten am Mius-Abschnitt wurde im März 1943 aus dem Stab der Armeeabteilung Hollidt die neue 6. Armee gebildet. Nach dem Rückzug zum Dnepr rang das XVII. Korps im September 1943 unter Führung des General der Artillerie Erich Brandenberger zusammen mit dem XXXX. Panzerkorps (General Sigfrid Henrici) im Brückenkopf von Saporoshje.

Zur Jahreswende 1943 bis zum Februar 1944 kämpfte das Korps mit der unterstellten 79., 306. und 294. Infanteriedivision unter Führung des General der Gebirgstruppen Hans Kreysing zusammen mit dem IV. Armeekorps (General der Infanterie Mieth) im Dnepr-Brückenkopf von Nikopol. Im April und Mai 1944, während der verlustreichen Rückzugskämpfe durch Bessarabien, stand das Korps vorübergehend im Verband der rumänischen 4. Armee, das Generalkommando wurde im Juni 1944 herausgezogen und in die Bukowina verlegt und dort der 8. Armee (Generaloberst Wöhler) unterstellt. Im Raum RadautzKimpolung übernahm das XVII. Armeekorps danach mit der 8. Jäger-Division und der 3. Gebirgs-Division die Sicherung der Karpatenpässe östlich Maramaros Sziget (Satu Mare).[2] Nach der neuerlichen Vernichtung der deutschen 6. Armee im Raum Jassy war das Halten des Raumes Vatra Dornei nicht mehr möglich. Das XVII. Armeekorps musste sich im Oktober 1944 über Szathmar Nemeti durch Nordungarn auf die Linie Csap–Tokaj zurückkämpfen. Im November sicherte das Korps den Theiss-Abschnitt bei Tokaj und Miskolc. Am 28. Dezember 1944 übernahm General der Pioniere Otto Tiemann die Führung des Korps, das der ungarischen 1. Armee (Generaloberst Miklos) unterstellt wurde. Im Februar 1945 wurde das XVII. Armee-Korps aus den Karpaten nach Schlesien verlegt um im Verband der 17. Armee (General der Infanterie Friedrich Schulz) an der Linie Strehlen–Schweidnitz das Eulengebirge zu decken. Im Mai 1945 wurde die Reste das Korps im Raum Gitschin von den Sowjets eingekesselt und gingen in Kriegsgefangenschaft.

Unterstellungen[Bearbeiten]

Kommandierende Generale[Bearbeiten]

Zeitweise unterstellte Einheiten (nicht vollständig)[Bearbeiten]

Direkt unterstellte Korpseinheiten[Bearbeiten]

Direkt unterstellte taktisch selbstständige Einheiten[Bearbeiten]

(Zu unterschiedlichen Zeiten, nie mehr als drei Divisionen gleichzeitig)

Literatur[Bearbeiten]

  •  Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 4. Die Landstreitkräfte 15–30. 2. Auflage. Biblio-Verlag, Osnabrück 1976, ISBN 3-7648-1083-1.
  • Werner Haupt: Kiew – Die größte Kesselschlacht der Geschichte. Podzun Verlag, 1964
  • P. Klatt: die 3. Geb.div. Podzun Verlag 1958, S. 277–296, Kartenanhang Lage vom 8. August 1944
  • Percy E. Schramm: Kriegstagebuch des OKW -1940 bis 1945 - Eine Dokumentation - Weltbild-Verlag, Studienausgabe broschiert in 8 Bänden

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Werner Haupt: Kiew – Die größte Kesselschlacht der Geschichte. Podzun Verlag, 1964. S. 38 und 39
  2. P. Klatt: die 3. Geb.div. Podzun Verlag 1958, S. 277–296, Kartenanhang Lage vom 8. August 1944