Xella

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Xella International GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 2002 (Umfirmierung)
Sitz Duisburg, Deutschland
Leitung Jan Buck-Emden
(Vorsitzender der Geschäftsführung)
Mitarbeiter 6.900 FTE (2012)
Umsatz 1,3 Mrd. Euro (2012)
Produkte Baustoffe, RohstoffeVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website xella.com
Stand: 14. Mai 2012 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2012

Xella International GmbH ist eine Unternehmensgruppe mit Sitz in Duisburg-Huckingen, die Bau- und Rohstoffe produziert und vertreibt.

Unternehmen[Bearbeiten]

In den drei Geschäftseinheiten Wandbaustoffe, Trockenbau-Systeme und Kalk produziert Xella Porenbeton und Kalksandstein, Gipsfaser-Platten sowie Kalk und Kalkstein. Das Unternehmen ist in mehr als 30 Ländern präsent und hat außerhalb Europas Werke in Russland, China und in Mexiko.

Die Xella-Gruppe hat im Jahr 2012 mit ca. 6.900 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro erzielt.[1]

Eigentümer von Xella ist die luxemburgische Holdinggesellschaft Xella International Holdings S.à.r.l., die seit September 2008 von den beiden Private Equity-Gesellschaften PAI partners (Frankreich) und Goldman Sachs Capital Partners (USA) gemeinsam kontrolliert wird.

Bedeutende Tochtergesellschaften und Beteiligungen[Bearbeiten]

  • 61,5% Bausstoffwerke Rhein-Ruhr
  • 51% Xella KS Werk Griedel
  • 50% KS Baustoffwerke Blatzheim
  • 28% KS-Elementsteinwerk Wendeburg Radmacher GmbH & Co. KG
  • 24,13% Baustoffwerke Münster-Osnabrück GmbH & Co. KG (BMO), die wiederum 67% der Anteile an den KS Werke Westfalen-Lippe hält

Geschichte[Bearbeiten]

Xella entstand als Umfirmierung aus der Haniel Bau-Industrie, die bereits seit den 1940er-Jahren existierte und ab 1948 Kalksandsteine produzierte.[2] Noch unter dem Namen Haniel Bau-Industrie akquirierte die Firma in den Jahren 2000 bis 2002 die Goslarer Fels-, die Hebel- und die Ytong-Werke. 2002 erfolgten erste Schritte in China sowie die Namensänderung in Xella Baustoffe. 2003 präsentierte sich das Unternehmen auf der Münchener Messe BAU unter neuem Namen. Im selben Jahr erfolgte die Trennung von der Beteiligung an der Norddeutschen Naturstein GmbH (NNG) in Flechtingen, die seit 2005 Tochter der Basalt-Actien-Gesellschaft war.

Xella Hauptverwaltung in Duisburg-Huckingen

Xella schloss dann zahlreiche Porenbeton-Werke, ausschließlich ehemalige Hebel-Werke. Mehrere hundert Arbeitsplätze gingen verloren.[3][4]

Seit 2003 unterhält Xella in Ostdeutschland eine eigene Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft mit zwei Standorten – einer in Emstal bei Kloster Lehnin, der andere in Brück bei Bad Belzig. Hier arbeiten Techniker in den drei Fachbereichen Anwendungsforschung/Bauphysik, Verfahrenstechnik und Produkt- und Prozessforschung. 2006 wurde das Unternehmen Halfen (Befestigungstechnik) mit Sitz in Langenfeld veräussert. In den Jahren 2007 und 2008 erfolgte eine weitere internationale Expansion in Osteuropa sowie in China und Russland.

2008 wurde Xella von Haniel an PAI partners und Goldman Sachs Capital Partners verkauft. In den Jahren 2009 und 2010 eröffnete Xella neue Ytong-Werke in Rumänien und China sowie ein Kalkwerk in Russland.

Im April 2011 bezog Xella die neue Firmenzentrale in Duisburg-Huckingen. Am 11. Mai 2012 wurde das Gebäude der Xella Zentrale in Axel-Eriksson-Haus getauft. Axel Eriksson, schwedischer Architekt und Forscher, hatte 1923 den Porenbeton erfunden.[5]

Im März 2012 scheiterte die Übernahme der Aktienmehrheit der dänischen H+H International A/S mit Sitz in Kopenhagen. Das Bundeskartellamt untersagte die Übernahme, da diese die Entstehung einer marktbeherrschenden Stellung von Xella auf dem Markt für Porenbeton- und Leichtbetonsteine auf dem norddeutschen und dem westdeutschen Regionalmarkt erwarten lasse.[6]

Marken[Bearbeiten]

Die Geschäftseinheit Xella Baustoffe umfasst die internationalen Wandbaustoff-Aktivitäten der Marken Ytong und Siporex Porenbeton, Silka Kalksandstein und Hebel Porenbeton für den Wirtschaftsbau. Mit der Geschäftseinheit Trockenbau-Systeme stehen mit Fermacell-Gipsfaser-Platten sowie Fermacell-Estrich-Elementen Systeme für den trockenen Innenausbau von Wänden, Decken und Böden zur Verfügung. Fermacell Aestuver ist eine bekannte Marke im baulichen Brandschutz und bietet zudem eine breite Palette von Produkten für Abschottungen, Brandschutzbeschichtungen und Brandschutzfugen. Die Fels-Werke produzieren und veredeln Kalk und Kalkstein. Die Produkte werden in unterschiedlichen industriellen Anwendungsbereichen für die Produktion von Baustoffen, die Herstellung von Stahl, in der Rauchgas-Entschwefelung und im Umweltschutz eingesetzt.

Sponsoring[Bearbeiten]

Von 2006 bis 2008 war Xella Trikotsponsor des Fußball-Bundesligavereins MSV Duisburg.

Studentenwettbewerb[Bearbeiten]

Mit dem 2004 erstmals ausgelobten Xella-Studentenwettbewerb übernimmt das Unternehmen die 18-jährige Tradition der Hebel-Studentenwettbewerbe und führt sie unter neuem Namen weiter.

Der Xella-Studentenwettbewerb 2013/2014 findet in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Architektur, Stadtplanung und Landschaftsplanung der Universität Kassel statt. Aufgabe ist die Planung eines documenta-Archivs am Karlsplatz im Zentrum von Kassel.

Kritik[Bearbeiten]

Haniel Bau-Industrie (seit 2002 Xella) hat zwischen 1987 und 1996 in drei Werken minderwertige Kalksandsteine produziert und diese bis Anfang 1997 vertrieben. Die Kalksandsteine wurden unter Verwendung eines Kalksubstituts aus Rauchgasentschwefelungsanlagen produziert. Es können Risse oder Verformungen entstehen, wenn die Kalksandsteine permanenter Durchfeuchtung ausgesetzt sind.

In einem Gutachten des Bundesverbandes Kalksandsteinindustrie e.V. aus dem Jahr 1987 wurden Bedenken hinsichtlich der Haltbarkeit der Steine geäußert. Laut Xella bestehe aber keine Gefahr für die Hausbewohner. Sachverständige hätten bestätigt, dass nichts zusammenbrechen werde.[7]

Eine strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen kann laut der Zeitschrift Stern jedoch nicht ausgeschlossen werden.[8] Die vom Stern genannte Zahl von 45.000 Häusern und die Schadenssumme zwischen 2,5 und 4,5 Milliarden Euro will Xella bislang nicht bestätigen. Eine Quantifizierung betroffener Gebäude sei wegen nicht transparenter Vertriebswege nicht möglich. Eventuell seien über Reste auf den Lagerplätzen oder beim Baustoffhändler 1996 oder Anfang 1997 noch betroffene Steine verbaut worden. Die Hochphase sei von 1991 bis 1993 gewesen.[9]

Bislang wurden von Xella 382 Fälle bestätigt, davon seien 160 Häuser von Xella bereits saniert worden. Der wirtschaftliche Schaden, den das Unternehmen Haniel trägt, liege bisher bei 28 Millionen Euro.[10] Für mögliche weitere Schadensleistungen hat die Haniel-Gruppe ihre Rückstellungen auf 63 Millionen Euro aufgestockt.[11] Bei der Mehrzahl der betroffenen Häuser handelt es sich um Reihenhäuser oder Doppelhaushälften. Xella hat am 8. Dezember 2011 eine Übersicht der betroffenen Regionen veröffentlicht. Betroffen sind danach vor allem Duisburg und Umgebung, aber auch Düsseldorf, Moers und Krefeld. Insgesamt reicht der Schadenskorridor von der niederländischen Grenze bis in das Weserbergland.[12]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zahlen und Fakten auf xella.com
  2. Branchenportal raumausstattung.de zur Umfirmierung vom 1. Januar 2005.
  3. Max Freisleder: Abschied mit Verbitterung. In: Merkur-online.de, 15. Oktober 2002.
  4. Hebel-Werk hofft auf Platzecks Hilfe Betrieb soll geschlossen werden. In: Der Tagesspiegel, 7. August 2002.
  5. Xella: Hauptverwaltung heißt nun Axel-Eriksson-Haus baustoffmarkt-online.de. Abgerufen am 14. Mai 2012.
  6. Bundeskartellamt Beschluß B 1 - 30/11 vom 12. März 2012, abgerufen am 30. August 2012.
  7. Die Klagefrist wird ausgesetzt. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 7. Dezember 2011.
  8. Bauskandal: Haniel-Tochter riskierte Schäden, im Stern, 9. Juli 2008.
  9. Die Klagefrist wird ausgesetzt. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 7. Dezember 2011.
  10. Christian Schwerdtfeger: Steinfraß bedroht Hunderte Häuser. In: Rheinische Post vom 9. Dezember 2011, S. A3.
  11. Bröselstein-Fälle belasten die Bilanz von Haniel. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 1. Mai 2012.
  12. Bröselstein Ansprüche sollen nicht verjähren. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 7. Dezember 2011.