Yūbari

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Yūbari (Begriffsklärung) aufgeführt.
Yūbari-shi
夕張市
Yūbari
Geographische Lage in Japan
Yūbari (Japan)
Red pog.svg
Region: Hokkaidō
Präfektur: Hokkaidō
Koordinaten: 43° 3′ N, 141° 58′ O43.056730555556141.97388888889Koordinaten: 43° 3′ 24″ N, 141° 58′ 26″ O
Basisdaten
Fläche: 763,20 km²
Einwohner: 9678
(30. Juni 2014)
Bevölkerungsdichte: 13 Einwohner je km²
Gemeindeschlüssel: 01209-2
Symbole
Flagge/Wappen:
Flagge/Wappen von Yūbari
Baum: Kirsche
Blume: Azalee
Rathaus
Adresse: Yūbari City Hall
4-2 Hon-chō
Yūbari-shi
Hokkaidō 068-0492
Webadresse: www.city.yubari.lg.jp
Lage Yūbaris in der Präfektur Hokkaidō
Lage Yūbaris in der Präfektur

Yūbari (jap. 夕張市, -shi) ist eine Stadt in der Unterpräfektur Sorachi auf der Insel Hokkaidō.

Die Stadt ist, neben einer traurigen Berühmtheit als Japans einzige bankrotte Gemeinde, für ihre Yūbari-Honigmelonen bekannt. So kostet die Yūbari King im Allgemeinen 100 bis 1000 €/Stück und ist ein häufiges „Geschenk zur Jahresmitte“ (中元, Chūgen).[1] Auf Versteigungen wurden gar Preise bis 2,5 Millionen Yen erreicht.[2]Angebaut werden die jährlich etwa 3 Millionen Stück auf 280 ha von über 200 Bauern.[1]

Geographie[Bearbeiten]

Yūbari liegt östlich von Sapporo und südlich von Asahikawa.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Entwicklung der Stadt fing in den 1890ern mit dem Start des Kohlebergbaus durch das Unternehmen Hokutan an, so dass die Einwohnerzahl bis 1920 auf 50.000 anstieg und 1960 seinen Höhepunkt mit 116.908 Einwohnern erreichte.[3] Am 1. April 1943 erfolgte die Ernennung zur Shi.

1982 führte ein Grubenunglück im Jahr zuvor zum Konkurs der Hokutan Yūbari Shintankō (北炭夕張新炭鉱) und dem Schließen von deren Zechen. 1990 wurde schließlich die letzte Zeche der Stadt geschlossen und damit deren größter Arbeitgeber, was vor allen zum Wegzug der jungen Bevölkerungsschichten führte.[3] Im März 2007 hatte die Stadt nur noch rund 11.300 Einwohner, 43 % davon über 65 Jahren und weniger als 8 % unter 15 Jahren, beides Negativrekorde in ganz Japan.[4] Die Stadt versuchte dann die Wirtschaft mit dem Tourismus wiederzubeleben, wie dem Kohlegeschichtsdorf (石炭の歴史村, Sekitan no rekishi-mura) mit diversen Museen und Attraktionen, dem Ski-Resort Mount Racey und einem internationalen Filmfestival (ゆうばり国際ファンタスティック映画祭, Yūbari Kokusai Fantasutikku Eiga-sai).[5] All diese Maßnahmen brachten nicht den erhofften Erfolg, so dass die Gemeinde am 20. Juni 2006 entschied den Status als „Gruppe unter finanzieller Sanierung“ (財政再建団体, zaisei saiken dantai) zu erhalten, das verwaltungsrechtliche Äquivalent zum Bankrott. Die Schulden der Gemeinde waren auf 63,2 Milliarden Yen angestiegen, dem 13-fachen des Jahresbudgets, wobei die Jahresbilanz jahrelang durch Kreditaufnahmen als positiv ausgegeben wurde.[6] 2007 wurde dem Antrag durch die Zentralregierung stattgegeben, d.h. ein Insolvenzverfahren eingeleitet, wonach die Stadt praktisch unter Zwangsverwaltung des Ministeriums für Innere Angelegenheiten steht und verpflichtet wurde innerhalb von 18 Jahren 35,3 Milliarden Yen an Schulden abzubauen. Dies soll erreicht werden durch die Reduzierung der Gemeindeangestellten auf 30 %, Lohnverzicht um 30 %, Privatisierung der städtischen Tourismusbetriebe und des Krankenhauses, Schließung von Kultur- und Bildungseinrichtungen (Bibliotheken, Museen, öffentliches Bad, Schulen) und dem Streichen von Zuschüssen (Kindertagesstätten, Seniorentransporte, Abwasserentsorgung).[7][8] Die einzige Stadt die jemals zuvor zur „Gruppe unter finanzieller Sanierung“ erklärt wurde war Akaike (heute: Fukuchi), ebenfalls eine Kohlestadt, im Jahr 1992.[6]

Bis März 2010 konnten 3,1 Milliarden Yen zurückgezahlt werden. Die Prognosen gehen davon aus das 2030 nur noch etwa 6000 Menschen in der Gemeinde leben werden, 50 % davon Senioren.[4]

Verkehr[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Angrenzende Städte und Gemeinden[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Winfried Flüchter: Schrumpfende Städte als Herausforderung: Japan, Hokkaidō und der Fall der Stadt Yūbari. In: Jahrbuch des Deutschen Instituts für Japanstudien. Nr. 20/2008, 2008, S. 69–102 (PDF, 6 MB).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Schrumpfende Städte als Herausforderung. S. 83
  2. In Japan verfallen die Melonenpreise. In: WirtschaftsBlatt. 15. Mai 2009, abgerufen am 5. März 2011.
  3. a b Schrumpfende Städte als Herausforderung. S. 76–77
  4. a b Yubari set on reconstruction. In: The Japan Times Online. 15. März 2010, abgerufen am 5. März 2011 (englisch).
  5. Schrumpfende Städte als Herausforderung. S. 77–78
  6. a b Tomoyo Okabe: Yubari's fiscal rehab just tip of city bankruptcy iceberg. In: The Japan Times Online. 30. Juni 2006, abgerufen am 5. März 2011 (englisch).
  7. Schrumpfende Städte als Herausforderung. S. 81–82
  8. Lichterlöschen in Yubari. In: NZZ Online. 21. April 2007, abgerufen am 5. März 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Yūbari – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien