Yahya Jammeh

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Yahya (Abdul-Aziz Jemus Junkung) Jammeh (2003)

Yahya (Abdul-Aziz Jemus Junkung) Jammeh, früher Yahya Alphonse Jemus Jebulai Jammeh (* 25. Mai 1965 in Kanilai in der West Coast Region, Gambia) ist seit 1994 Staatspräsident des westafrikanischen Staates Gambia.

Leben[Bearbeiten]

Jammehs Eltern sind aus Senegal emigriert und zogen in den grenznahen gambischen Ort Kanilai. Er selbst gehört der Ethnie der Diola (Schreibvariante: Jola) an.

Jammeh brach im April 1984 seine weiterführende Ausbildung ab, um der Gambia National Gendarmerie (GNG) beizutreten, einer Militär-/Polizeieinheit und dem Vorläufer der späteren Gambia National Army (GNA). In dieser Funktion wurde er unter anderem in Georgia, USA ausgebildet. Ab Dezember 1989 war Jammeh Mitglied der Leibgarde von Präsident Dawda Jawara. Er nahm auch am gambischen Friedenstruppenkontingent teil, das nach Liberia geschickt wurde, und genoss weitere Ausbildung in der Türkei und den Vereinigten Staaten.

Am 22. Juli 1994 führte Jammeh als Leutnant der Militärpolizei einen Putsch an, der mit dem Sturz Jawaras endete. Die Militärjunta, die sich Armed Forces Provisional Ruling Council (AFPRC) nannte, wurde von Jammeh zwei Jahre, bis zu den Präsidentschaftswahlen 1996 geführt. Bei dieser Wahl ging er siegreich hervor und führte die Regierungsgeschäfte als Staatspräsident von Gambia fort. Zuvor am 8. September 1996 trat Jammeh im Rang eines Obersten aus der Armee aus. Er galt bei Amtsantritt als jüngstes Staatsoberhaupt der Welt.

Im Dezember 1998 heiratete er nach einer Scheidung von Tuti Faal Jammeh die Marokkanerin Zineb Jammeh . Aus der Ehe stammen zwei Kinder, eine Tochter (* 2000)und ein Sohn (* 2007). [1][2][3][4] Yahya Jammeh heiratete im Oktober 2010 eine weitere Frau, Alima Sallah.[5][6]

Nach Wiedereinführung der Todesstrafe nach islamischem Recht (Schari’a) wurde das kleine Land zunehmend isoliert, bis Jammeh durch die Förderung von Umweltschutz und Tourismus Gambia wieder zu Ansehen verhalf. Er ließ in Gambias Hauptstadt Banjul zum Gedenken an den Putsch einen gewaltigen Triumphbogen errichten, den Arch 22, und ließ eine palastartige Villa in seinem Geburtsort im Süden des Landes bauen. Neben verschiedenen Korruptionsskandalen wurde Jammeh auch durch seinen exzessiven Lebensstil und die ständige Verlängerung seiner Amtszeit bekannt.

Präsident George W. Bush trifft sich 2003 mit den Staatspräsidenten der westafrikanischen Demokratien. (Jammeh 2. von links)

Im Jahre 1999 verlieh ihm die kanadische Universität Saint Mary's in Halifax den Ehrendoktor in Zivilrecht für seine Verdienste um Wohlstand, Frieden und Harmonie.[7]

Im November 2011 wurde Jammeh für eine vierte Amtszeit wiedergewählt. Er erhielt nach Angaben der Wahlkommission 72 % der Stimmen, die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft hatte im Vorfeld aber die Präsidentschaftswahlen als „nicht frei, fair und transparent“ kritisiert und die Entsendung von Wahlbeobachtern abgelehnt.[8]

Kontroversen[Bearbeiten]

Jammeh sorgte während seiner Amtszeit wegen fragwürdiger Entscheidungen immer wieder für Schlagzeilen. 2003 behauptete er, Mitglieder der Opposition hätten an einer Straßenkreuzung den Kadaver eines Löwen und eine Kalebasse mit Palmwein vergraben. Er warf ihnen vor, so die gambische Wirtschaft zerstören zu wollen. Den Chef des Geheimdienstes entließ er, weil dieser die Dienste eines senegalesischen Zauberers in Anspruch genommen hatte.

Anfang Februar 2007 geriet Jammeh vor allem bei Medizinern und AIDS-Experten in die Kritik, als er verlauten ließ, er könne Aids und Asthma mittels Handauflegen heilen. Die Heilungszeit betrage lediglich drei Tage. Zwar habe er diese Fähigkeiten schon früher bei sich beobachtet, sei jedoch erst seit kurzem autorisiert, sie auch anzuwenden. Von wem, dürfe er nicht verraten.[9] Er bot den ca. 20.000 HIV-positiven Gambiern an, sie kostenlos zu behandeln, Voraussetzung einer solchen Therapie sei jedoch, antivirale Medikamente gegen Aids sofort abzusetzen.[10] Jammeh ist weiterhin davon überzeugt, über hellseherische Kräfte zu verfügen. Eine Vertreterin der Vereinten Nationen wurde wegen der Anmerkung, es gebe keinen Beweis für die vorgeblichen Wunderheilungen, und die vorgeblich Geheilten trügen weiter das Virus in sich und könnten es verbreiten, des Landes verwiesen. Die regierungsnahe Zeitung The Observer erklärte ihre Äußerungen für „verantwortungslos“.

Jammeh kündigte ferner an, neben Aids und Asthma auch Diabetes kostenlos und binnen fünf Minuten heilen zu wollen.[11] Als Reaktion auf den Vorwurf einiger gambischer Parlamentarier, er sei geistig nicht gesund, erklärte Jammeh, er könne nur durch einen Blick in die Augen einer Person deren genauen Todeszeitpunkt vorhersagen.[12]

2008 forderte er alle Homosexuellen dazu auf, Gambia innerhalb von 24 Stunden zu verlassen. Er drohte außerdem, alle Lesben und Schwulen, die er im Land entdecke, zu köpfen. Auch kündigte er an, er würde die Gesetzgebung in Bezug auf Homosexualität verschärfen lassen, und diese würde noch strikter als im Iran werden. [13]

2013 bezeichnete Jammeh Homosexuelle vor der UN-Vollversammlung als eine der drei größten Bedrohungen für die menschliche Existenz. [14]

Ebenso führte 2013 die Regierung von Yahya Jammeh die Vier-Tage-Woche für Beamte ein, die freie Zeit solle genutzt werden zum "Beten und Ausruhen" sowie für "soziale Aktivitäten und Landwirtschaft".[15]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Yahya Jammeh – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]
  2. [2]
  3. [3]
  4. [4][5][6]
  5. [7]
  6. [8]
  7. http://www.smu.ca/newsreleases/1999/gambiacit.html, am 12. Dezember 2013 nicht mehr zugänglich; auch die St. Mary's University in Halifax hat inzwischen alle Hinweise auf Yahya Jammeh von ihren Webseiten gelöscht.
  8. Neue Zürcher Zeitung: Gambias Staatschef Jammeh gewinnt Präsidentschaftswahl, 25. November 2011.
  9. Johannes Dieterich: Zweimal die Woche will der Präsident Aids-Kranke heilen. In: Frankfurter Rundschau, 5. Februar 2007, S.1
  10. SPON, Idiotensichere Methode
  11. http://www.statehouse.gm/pres-announce-diabetescure_030407.htm
  12. Der Spiegel 10/2007, Seiten 172 und 173.
  13. http://www.gambianow.com/news/News/Gambia-News-President-Jammeh-Gives-Ultimatum-for-Homosexuals-to-.html Stand: 24. April 2012
  14. http://www.independent.co.uk/news/world/africa/gambia-gays-are-biggest-threat-to-world-president-yahya-jammeh-tells-un-8845077.html Stand: 27. September 2013
  15. [9]