Yamaha XJ 900

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Yamaha XJ900 31A

Die Yamaha XJ 900 ist ein Motorradmodell des japanischen Motorradherstellers Yamaha.

Es kam 1983 auf den Markt und bildete als hubraumgrößtes Modell seinerzeit den oberen Abschluss der erfolgreichen XJ-Baureihe. Auch sie baute direkt auf der Technik der Yamaha XJ 650 auf und wurde ebenso zunächst als Sportler angepriesen. Sie erwarb sich auf Grund ihrer hohen Zuverlässigkeit und der guten Alltagstauglichkeit einen Ruf als hervorragendes Tourenmotorrad mit sportlichem Touch.

Wie viele andere Maschinen auch, hat dieses Motorrad natürlich ebenfalls diverse kleinere Schwachstellen. Hier sind u. a der Rahmenunterzug auf der Seite des Seitenständers zu nennen, in den durch im Schwingenlagerbereich angebrachte Entlüftungsbohrungen Feuchtigkeit eindringt. Über die Jahre hinweg rostet dann der Rahmenunterzug an seiner tiefsten Stelle von innen nach außen durch, was nicht selten zu gebrochenen Seitenständeraufnahmen führt. Ähnliches trifft auf die eigentlich zu schwach dimensionierten Schweißnähte der Hauptständerlagerung zu. Hiervon betroffene Motorräder erkennt man häufig daran, dass das Hinterrad den Boden berührt, obwohl die Maschine auf dem Hauptständer steht. Hierfür können allerdings auch verschlissene Hauptständerbolzen ursächlich sein, die bei Yamaha inzwischen nicht mehr lieferbar und daher selbst anzufertigen sind.

Die Ersatzteilversorgung ist fast nur noch über den Gebrauchtteilemarkt gewährleistet, originale Neuteile sind zunehmend seltener zu bekommen. Im Zubehörhandel lässt die Teileversorgung seit kurzem ebenfalls merklich nach. Ausnahmen bei den verwertbaren Gebrauchtteilen bilden z. B. die Gabelstandrohre, die konstruktionsbedingt keinen Schutz gegen Steinschläge haben und deshalb häufig an den Gabeldichtringen undicht werden. Handelsübliche Gabelprotektoren können nicht verwendet werden, da der werksseitige Gabelstabilisator keine Montage zulässt. Entsprechend selten sind verwertbare Gebrauchtgabeln zu bekommen. Neue Gabelstandrohre werden aktuell nur noch von einem einzigen Anbieter angeboten, weshalb die Preise entsprechend hoch sind. Hier sollte man sich auf jeden Fall vor dem Kauf einer solchen Maschine entsprechenden Rat einholen.

Gleiches gilt inzwischen für die Auspuffanlage. Waren bis vor kurzem Zubehöranlagen, angesichts des teilweise nur halb so hohen Preisniveaus zum Original, eine gute Alternative, haben auch hier fast alle Hersteller quasi über Nacht die Produktion eingestellt. Neue Original-Schalldämpfer von Yamaha sind nicht mehr lieferbar, weswegen gute Gebrauchtdämpfer inzwischen preislich nahe am Neupreis von Yamaha rangieren. Kommt hier noch ein defekter Sammler dazu, führt dies nicht selten zum wirtschaftlichen Totalschaden. Dies trifft besonders die Besitzer der Typvariante 4BB, für die seinerzeit bereits verschärfte Abgas- und Geräuschemissionswerte galten. Für diese Maschinen ist die Auswahl an gebrauchten Schalldämpfern extrem begrenzt, da nicht alle ehemals lieferbaren Zubehöranlagen auch eine Betriebserlaubnis für die Typvariante 4BB besaßen. Insbesondere Auspuffanlagen des Herstellers Sito scheiden hier komplett aus.

Nicht selten werden von dubiosen Internet-Teilehändlern gebrauchte original Yamaha-Auspuffanlagen der Modelle 31A bis 58L, auch als für die 4BB passend angeboten. Diese Aussage ist jedoch falsch! Das "böse Erwachen" kommt dann bei einem Unfall (die Betriebserlaubnis ist damit erloschen, es besteht kein Versicherungsschutz) oder aber bei der nächsten Hauptuntersuchung, wo einem der Prüfer damit die Plakette verweigert. Die Original-Yamaha-Auspuffanlage der 4BB hat eine Teilenummer eingraviert, die immer mit dem Kürzel 32F- beginnen muss. Stehen auf den Schalldämpfern die Teilenummern 31A-14711 bzw. 31A-14721, dürfen diese Schalldämpfer im Bereich der StVZO (und damit in Deutschland) nicht an einer 4BB gefahren werden. Gebrauchtkäufer sollten daher unbedingt auf intakte, nicht durchgerostete und zum Fahrzeugtyp passende Auspuffanlagen (Sammler + Endschalldämpfer), sowie auf intakte Gabelstandrohre, ohne Steinschläge oder Rostpickel achten!

Für die Typvariante 4BB gibt es jedoch eine legale Möglichkeit der Maschine zu mehr Leistung zu verhelfen, ohne dass dabei die Betriebserlaubnis erlischt. Das Fachmagazin Motorrad hat in seiner Ausgabe 22/2004 diverse Zubehörauspuffanlagen getestet. Hierbei kam heraus das mit Ausnahme der getesteten 4 in 1 Auspuffanlagen, die generell zu Leistungseinbußen führten, fast alle Zubehörendschalldämpfer einen Leistungsgewinn an der 4BB mit sich brachten. Die original Endschalldämpfer der 4BB (mit den eingravierten Kürzeln 32F-) sind gegenüber den Schalldämpfern der Modelle 58L und 31A gedrosselt, weswegen die 4BB (i. V. m. mit weiteren ansaugseitigen Änderungen) 6 PS weniger Leistung und ein geringeres Drehmoment hat als ihre Vorgängermodelle. Bei den Zubehördämpfern ist diese Drosselung entfallen und sie erhielten trotzdem eine ABE auch für die 4BB-Modelle, was aus den in der Zeitschrift Motorrad abgedruckten Test auf dem Leistungsprüfstand eindeutig hervorgeht. Es macht hier also durchaus Sinn zu einem Zubehörschalldämpfer anstelle des Originals zu greifen, zumal zwei Hersteller die Produktion inzwischen wieder aufgenommen haben. An dieser Stelle noch ein Tipp: Der Besuch auf den eigenen Internetseiten der Händler, die auch auf den Auktionsplattformen die Auspuffanlagen anbieten, hilft oft zusätzlich Geld zu sparen.

Gelegentlich neigen die Ölkühler an den Anschlüssen zu Haarrissen im Flansch. Plötzlicher Ölaustritt entlang der Zu- und/oder Ablaufleitung ist die Folge. Gebrauchte Ölkühler sind häufig schon vorgeschädigt. Montiert man sie an den Schlauchverbindungen zu fest, reißen sie bei der nächsten Erwärmung ebenfalls. Neuteile sind im Original nicht mehr lieferbar, weswegen man hier einen Umbau in Erwägung ziehen sollte. Ortsansässige Kühlerbauer geben hier gerne Auskunft, was im Einzelnen machbar ist.

Um sich einen realistischen Überblick über die neuralgischen Punkte der XJ900 zu machen, sollten potentielle Käufer sich daher vorab in den zahlreichen Internetforen zu diesem Motorrad informieren. Hier wird häufig umfangreich Hilfestellung zur "Do it yourself"-Reparatur" geboten. Auch ist dringend anzuraten, sich vor dem Ersatzteilkauf auf diversen Auktionsplattformen über den Preis der gesuchten Teile bei Yamaha selbst zu erkundigen. Einige Auktionshaus-Teilehändler nutzen bereits die Gunst der Stunde und arbeiten mit z. T. dem vierfachen Preisniveau des Originalpreises. Dies geschieht nicht selten vor dem Hintergrund der Ersatzteilknappheit. Stichprobenkäufe seitens diverser XJ-Fahrer haben allerdings ergeben, dass vereinzelte Ersatzteile über Yamaha selbst noch lieferbar sind. Die dort erfragten Preise waren z. T. erheblich günstiger als die Angebote der Auktionshaushändler. Es macht also in jedem Fall Sinn sich vor dem Kauf mit Yamaha selbst in Verbindung zu setzen.

Eine weitere Möglichkeit zu vertretbaren Preisen Gebrauchtteile zu erwerben sind die foreneigenen Märkte, wo Forenmitglieder Ersatzteilgesuche aber auch Ersatzteilangebote platzieren können. Bei diesen Foren handelt es sich um unabhängige Interessengemeinschaften, die es fast für jedes Motorradmodell im Internet gibt. Sie bestehen überwiegend aus den Fahrern dieser Motorräder und sind deshalb die bereits erwähnten, idealen Ansprechpartner bei Problemen und Problemlösungen rund um das eigene Motorrad.

Inzwischen werden ganze Maschinen aus Einzelteilen zusammengebaut und zum dreifachen des durchschnittlichen Marktpreises angeboten. Dies betrifft insbesondere die eher seltene und unverkleidete N-Version der XJ900. Hier ist äußerste Vorsicht geboten, da ein zusammengebautes Kraftfahrzeug nur dann von einem Sachverständigen mit hohem Wert taxiert wird, wenn ausnahmslos alle verwendeten Teile aus dieser Zeit- und Serie stammen. Bei einem aus Einzelteilen zusammengebauten Motorrad ist dies jedoch selten der Fall, zumal die Rahmennummer und Motornummer ebenfalls identisch sein sollten. Generell sind derartige Preisausreisser kritisch zu hinterfragen, war doch die XJ900F/N ein Massenprodukt, das auch heute noch vielfach als Gebrauchtmotorrad gehandelt wird.

Es gab die XJ900 zunächst in zwei Varianten

  • mit Lenkerverkleidung und Bugspoiler, als "F",
  • und als naked Bike ohne Verkleidung, als "N".

Die ursprünglich an der Vorderradgabel befestigte Lenkerverkleidung der "F" verursachte anfangs Fahrwerksprobleme und wurde auf Garantie mit Halterungen zur Befestigung am Rahmen nachgerüstet, später aber durch eine Halbschalenverkleidung ersetzt.

Technische Daten XJ 900 F XJ 900 N/F XJ 900 F XJ 900 S Diversion
Typ 31A 58L 4BB 4KM
Baujahr 1983 - 1984 1985 - 1990, 1985/86 auch als N 1991 - 1994 1994 - 2003
Bauart 4-Zyl.-4Takt, Reihe, YICS 4-Zyl.-4Takt, Reihe, YICS 4-Zyl.-4Takt, Reihe, YICS 4-Zyl.-4Takt, Reihe
Hubraum (cm³) 847 891 891 892
Nennleistung 71 kW (97 PS) bei 9000/min 72 kW (98 PS) bei 9000/min 68 kW (92 PS) bei 9000/min 66 kW (90 PS) bei 8250/min
Max. Drehmoment (Nm) 80 Nm/8,2 mkp bei 7500/min 81 Nm/8,3 mkp bei 7000/min 75,5 Nm/7,6 mkp bei 7000/min 84 Nm/8,6 mkp bei 7000/min
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 220 221, 215(N) 215 209
Getriebe, Übertragung 5 Gang, Kardan 5 Gang, Kardan 5 Gang, Kardan 5 Gang, Kardan
Tankinhalt (Liter) 22 Normalbenzin 22 Normalbenzin 22 Normalbenzin 24 Normalbenzin
Länge (mm) 2215 2215 2215 2230
Gesamtbreite (mm) 735 735 735 735
Sitzhöhe (mm) 790 790 790 790
Mindestbodenfreiheit (mm) 145 145 145
Wendekreisradius (mm) 2900 2900 2900
Radstand (mm) 1480 1480 1480 1505
Gewicht (kg) mit Betriebsstoffen 248 248, 242 ohne Verkl. 242 276
Zul. Gesamtgewicht (kg) 436 436 436 470
Quellenangaben orig. Yamaha BDA/Handbuch orig. Yamaha BDA/Handbuch orig. Yamaha BDA/Handbuch