Yamauba

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Dieser Artikel behandelt die mythologische Figur Yamauba/Yamamba. Für den gleichnamigen Modetrend siehe Ganguro#Yamamba.
Surimono mit der Darstellung einer Yamauba von Totoya Hokkei, um 1820

Yamauba (jap. 山姥, dt. Berghexe), auch Yamamba, ist eine Yōkai (Monster) der Japanischen Mythologie. Sie wird häufig mit der nicht verwandten Yuki Onna (Schneefrau) verwechselt.

Erscheinung[Bearbeiten]

Die Yamauba sieht wie eine alte, für gewöhnlich hässliche Frau aus. Ihr Haar ist ungepflegt, lang und goldweiß. Ihr häufig roter Kimono ist dreckig und zerrissen. Der Mund soll sich über das gesamte Gesicht erstrecken (Kuchisake-onna) und in einigen Beschreibungen besitzt sie einen zweiten Mund auf ihrem Kopf (Futakuchi-onna). Jedoch kann sie ihr Aussehen verändern und benutzt dies, mit großem Erfolg, um ihre Opfer zu fangen.

Verhalten[Bearbeiten]

Die Yamauba wohnt tief in den Wäldern und Bergen Japans. Verschiedene Gegenden nehmen in Anspruch, dass die Yamauba eine Einheimische sei, z. B. Sabane (佐羽根) bei Miyako, wo sie einst in einer Höhle am Berg Nabekura (鍋倉山, Nabekura-san) gelebt haben soll,[1] die Region Tōhoku und die Ashigara-Berge. In den meisten Geschichten lebt sie in einer Hütte.

Die Yamauba hat es auf Reisende abgesehen, die sich in ihren Wäldern verlaufen haben. Ihre genaue Vorgehensweise variiert von Geschichte zu Geschichte. In einigen verwandelt sie sich in eine schöne Frau oder eine dem Opfer nahestehende Person. In anderen behält sie ihre hexenhafte Form und spielt die hilflose ältere Dame. Sobald sie sich das Vertrauen ihres Opfers erschlichen hat, frisst sie es auf der Stelle. Sie kann ihr Haar beleben bzw. in einigen Erzählungen in Schlangen verwandeln, um ihre Beute in das Maul auf ihrem Kopf zu ziehen. Auch bietet sie dem Verirrten ihre „Hilfe“ an, führt ihn in eine gefährliche Gegend auf dem Berg, wo er zu Tode stürzt und von ihr aufgegessen wird. In wiederum anderen Erzählungen lockt sie das Opfer in ihre Hütte, mästet und isst es.

Zusätzlich zum Töten von Erwachsenen wird ihr auch die Schuld am Verschwinden von Kindern gegeben, und Eltern benutzen sie oft als Kinderschreck.

Weil ihr Verhalten einer weiblichen Oni ähnelt, gehen einige Gelehrte davon aus, dass sie einfach nur ein benanntes Mitglied dieser Gruppe sei. Sie ist aber nicht wie die Oni unbesiegbar. Einige Erzählungen machen sie zu einem Geschöpf der Nacht, das sich bei Tag nicht bewegen kann. In mindestens einer Überlieferung ist ihre einzige Schwäche eine Blume, die ihre Seele enthält. Sobald diese Blume zerstört wird, stirbt auch die Yamauba. Sie wird oft als ziemlich leichtgläubig dargestellt, und Geschichten, in denen sie von ihrem Opfer ausgetrickst wird, sind ziemlich häufig.

Die Yamauba ist in den Zauberkünsten und mit Heiltränken und Giften gewandt. Manchmal tauscht sie dieses Wissen mit Menschen, die ihr dafür ein Ersatzopfer bringen müssen, welches dann von ihr gegessen wird, oder einen ähnlich boshaften Handel eingehen.

Farbholzschnitt von Kitagawa Utamaro: Yamauba, Kintarō säugend, um 1790

Trotz ihrer Raubtiernatur hat die Yamauba auch eine gütige Seite. Zum Beispiel zog sie den Waisen und Helden Kintarō auf, der zum bekannten Krieger Sakata no Kintoki wird. Diese Beziehung bildet die Grundlage für das -Drama Yamauba von Zeami Motokiyo, das sie als liebende Mutter zeigt. Dies beeinflusste mehrere moderne Erzählungen, die sie als matronenhafte Figur oder gar als Verkörperung der Liebe darstellen. Bei anderen Geschichtenerzählern ist sie einfach nur eine einsame Wanderin und Symbolfigur für die Harmonie mit der Natur.

Ursprünge[Bearbeiten]

Einige Gelehrte legen ihren Ursprung während der Edo-Zeit, als eine große Hungersnot Japan heimsuchte und viele Dorfbewohner ihre Alten aus Nahrungsmangel in die Wälder verstießen oder sie gar gegessen haben sollen. Die Yamauba soll damit aus einem psychologischen Bewältigungsmechanismus heraus geboren sein.

Legenden über die Yamauba reichen bis zur Heian-Zeit zurück. Zu dieser Zeit baute ein Dorf namens Sabane die Umgehungsstraße des Nembutsu-Passes (念仏峠, Nembutsu-tōge) um eine Höhle herum, die das Heim dieser Hexe sein sollte.

Die Yamauba-Legende ist in Japan noch sehr lebendig. In den späten 1990ern begannen sich junge Japanerinnen die Haare zu bleichen, sehr stark zu bräunen und weißes Make-up aufzutragen. Auf Grund der Ähnlichkeit zum Aussehen der Berghexen wurde dieser Modetrend Yamamba genannt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.geocities.jp/jinysd02/miyako_gatari.html

Weblinks[Bearbeiten]

  •  Commons: Yamauba – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Yamauba im Japanese Architecture and Art Net Users System (Englisch)