Yann Martel

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Yann Martel, 2008

Yann Martel (* 25. Juni 1963 in Salamanca, Spanien) ist ein kanadischer Schriftsteller. Zum Zeitpunkt seiner Geburt hielten sich seine kanadischen Eltern wegen des Doktoratsstudiums seines Vaters in Spanien auf.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn einer Diplomaten- und Schriftstellerfamilie wuchs unter anderem in Alaska, Costa Rica, Frankreich, Mexiko und in den kanadischen Provinzen Ontario und British Columbia auf. Erwachsen unternahm er Reisen in den Iran, die Türkei und Indien. 1981 graduierte er an der Trinity College School in Port Hope, Ontario. Danach studierte er Philosophie an der Trent University in Peterborough und arbeitete während dieser Zeit als Tellerwäscher, Baumpflanzer, Scherenspüler und Wachmann.

Mit 27 Jahren – nach dem Abschluss seines Studiums – entschloss er sich, als Schriftsteller zu arbeiten. Sein erstes Buch The Facts behind the Helsinki Roccamatios (Deutsch: Aller Irrsinn dieses Seins) erschien 1993. In dieser Kurzgeschichtensammlung behandelte er Themen wie Krankheit, Geschichtenerzählen und die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Die Titelgeschichte dieser Kurzgeschichtensammlung wurde 1994 verfilmt. Danach entstand 2004 der Film Manners of Dying.

Im Frühjahr 1996 kam in Kanada sein erster Roman Self (Deutsch: Selbst) heraus. In diesem Buch geht es um sexuelle Identität und Orientierung. Der Erfolg blieb aus: Self verkaufte sich schlecht.

Im Vorwort seines nächsten Romans (Life of Pi; deutsch: Schiffbruch mit Tiger) verarbeitete Martel seine negativen Erfahrungen mit Self:

“In the spring of 1996, my second book, a novel, came out in Canada. It didn't fare well. Reviewers were puzzled, or damned it with faint praise. Then readers ignored it. Despite my best efforts at playing the clown or the trapeze artist, the media circus made no difference. The book did not move. Books lined the shelves of bookstores like kids standing in a row to play baseball or soccer, and mine was the gangly, unathletic kid that no one wanted on their team. It vanished quickly and quietly.”

Mit Life of Pi gelang Martel 2001 der Durchbruch. 2002 erhielt er für dieses Buch den Man Booker Prize for Fiction. Um den Roman zu schreiben, hatte Martel sechs Monate in Indien verbracht. Er hatte Moscheen, Tempel, Kirchen sowie Zoologische Gärten besucht und sich anschließend ein Jahr lang mit religiösen Texten und Erzählungen von Schiffbrüchigen beschäftigt. Nach der Recherche benötigte er für das eigentliche Schreiben des Buches weitere zwei Jahre. Life of Pi ist die episch geschilderte Überlebensgeschichte eines Schiffbrüchigen mit religiösem Hintergrund. Das Buch wurde 2012 vom taiwanesischen Regisseur Ang Lee unter dem Titel Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger verfilmt.

2004 veröffentlichte er die Kurzgeschichtensammlung We ate the children last.

Nach langer Pause erschien 2010 der Roman Beatrice and Virgil, in dem er die Möglichkeiten seiner Generation bedenkt, über den Holocaust zu schreiben. Die Hauptfigur neben dem Ich-Erzähler (einem erfolgreichen Schriftsteller) ist ein Tierpräparator. Das kunstvolle Präparieren von Tieren, das dieser perfekt beherrscht, kontrastiert mit Beschreibungen von sinnlosem und brutalem Abschlachten von Tieren. Diese Beschreibungen findet er einerseits in einer Erzählung von Gustave Flaubert, „Die Legende von Sankt Julian dem Gastfreien“.[1] Andererseits schreibt er selbst ein Theaterstück, dessen Hauptfiguren Beatrice – eine Eselin – und Virgil – ein Brüllaffe – sind. Hier spielt die Beschreibung des Leidens und der Angst der beiden Tiere eine zentrale Rolle. Die Verbindung der Geschichte zum Holocaust ist offensichtlich vorhanden. Durch die Verknüpfung mit den Tiergeschichten entsteht ein neuer Zugang zu dieser Thematik.

Werke[Bearbeiten]

  • 1993 - The Facts behind the Helsinki Roccamatios. A. A Knopf Canada, Toronto, ISBN 0-394-22732-8.
    • 1994: deutsch: Aller Irrsinn dieses Seins. Übersetzt von Peter Kleinhempel. Volk und Welt, Berlin, ISBN 3-353-00994-9.
    • 2005: deutsch: Die Hintergründe zu den Helsinki-Roccamatios. Aus dem Englischen von Manfred Allié. Fischer, Frankfurt am Main, ISBN 3-10-047826-6.
  • 1996 - Self. Faber and Faber (deutsch: Selbst. Übersetzt von Nicole Cyr und Peter Kleinhempel. Volk und Welt, 1997).
  • 2001 - Life of Pi. Canongate Books (deutsch: Schiffbruch mit Tiger, übersetzt von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié. S. Fischer, Frankfurt am Main 2003).
  • 2004 - We ate the children last. Canongate Books.
  • 2010 - Beatrice and Virgil. (deutsch: Ein Hemd des 20. Jahrhunderts. Übersetzt von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié. S. Fischer, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-10-047828-3).

Literaturpreise[Bearbeiten]

  • 1993: Journey Prize (Kanada) - The Facts behind the Helsinki Roccamatios
  • 1994: French Prize - Prix 30 millions d'amis
  • 1996: Books in Canada First Novel Award (Nominierung) - Self
  • 2001: Governor General’s Award for Fiction (Kanada) (Nominierung) - Life of Pi
  • 2001: Hugh Mac Lennan Preis für Belletristik (Kanada) - Life of Pi
  • 2002: Commonwealth Writers Prize - Beste Buch (Eurasische Region) (Nominierung) - Life of Pi
  • 2002: Man Booker Prize für Belletristik - Life of Pi
  • 2003: Boeke Prize (Südafrika) - Life of Pi

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://gutenberg.spiegel.de/buch/6756/3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Yann Martel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien