Kawabata Yasunari

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Kawabata (1938)
Gedenkstein an Kawabatas Geburtsort

Kawabata Yasunari (jap. 川端 康成, Kawabata Yasunari, * 11. Juni 1899[A. 1] in Ōsaka; † 16. April 1972 in Zushi durch Suizid) war ein japanischer Schriftsteller und der Literaturnobelpreisträger 1968.

Von dem Preisgeld verleiht seit 1974 die Kawabata-Gedenk-Stiftung (川端康成記念会, Kawabata-Yasunari-Kinenkai) den Kawabata-Yasunari-Literaturpreis.

Leben[Bearbeiten]

Kawabata wurde mit zwei Jahren Waise und verlor auch bald seine Großeltern. Als Student an der Universität Tokio gründete er zusammen mit Yokomitsu Riichi das neo-impressionistische Journal Bungei Jidai (Das künstlerische Zeitalter).

Kawabata Yasunari (1932)

Porträt und Ehrungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Kawabatas Erstlingswerk war 1926 Izu no odoriko (Die Tänzerin von Izu). Seine Novelle Yukiguni (Schneeland) erschien 1937; sie erzählt die Geschichte einer Liebesbeziehung zwischen einem Tokioter Geschäftsmann und einer provinziellen Geisha in einer entlegenen Ortschaft. Yukiguni wurde schon kurz nach Veröffentlichung zum Klassiker und etablierte Kawabata als einen der führenden japanischen Schriftsteller. In Senbazuru (Tausend Kraniche) führte er einige Themen aus diesem Werk fort. In Meijin (engl. The Master of Go, übersetzt von Edward G. Seidensticker, keine deutsche Übersetzung) von 1954 beschreibt er die Partie des letzten Hon’inbō Shūsai gegen den jungen Minoru Kitani. Für Yama no oto (Ein Kirschbaum im Winter) erhielt er 1954 den Noma-Literaturpreis.

Romane[Bearbeiten]

  • Die Tänzerin von Izu (伊豆の踊子, izu no odoriko, 1926), übersetzt von Oscar Benl (eine frühere Fassung der Übersetzung erschien 1942 als Die kleine Tänzerin von Izu (Landmann, Berlin)), in: Kawabata Yasunari, Ausgewählte Werke (enthält auch Tausend Kraniche, Schneeland und Kyoto, einmalige Sonderausgabe zu Kawabatas 70. Geburtstag), Carl Hanser Verlag, München 1968, ISBN 3-15-008365-6.
  • Die Rote Bande von Asakusa (浅草紅團, asakusa kurenaidan, 1929/1930), übersetzt von Richmod Bollinger unter Mitarbeit von Yoriko Yamada-Bochynek, Insel Verlag, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-458-16969-5.
  • Schneeland (雪国, yukiguni, 1937/1947), übersetzt von Oscar Benl, Carl Hanser Verlag, München 1957, ISBN 3-89404-431-4, sowie von Tobias Cheung, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-518-22376-3.
  • Tausend Kraniche (千羽鶴, senbazuru, 1949/1951), übersetzt von Sachiko Yatsushiro und durchgesehen von Robert Schinzinger, mit Zeichnungen von Kaii Higashiyama, Carl Hanser Verlag, München 1956, ISBN 3-423-11080-5.
    • als Fischer Taschenbuch: Frankfurt am Main 1959.
  • Ein Kirschbaum im Winter (山の音, yama no oto, 1949/1954), übersetzt von Siegfried Schaarschmidt und Misako Kure, Carl Hanser Verlag, München 1969, ISBN 3-423-11297-2 (Taschenbuchausgabe: Deutscher Taschenbuchverlag (dtv), München 1999 ISBN 3-446-11000-3.)
  • Die schlafenden Schönen (眠れる美女, nemureru bijo, 1960/1961), übersetzt von Siegfried Schaarschmidt, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-518-39685-4.
  • Schönheit und Trauer (美しさと悲しみと, utsukushisa to kanashimi to, 1961/1963), übersetzt von Heinz Haase, Verlag Volk und Welt, Berlin 1987, ISBN 3-423-11245-X.
  • Kyoto oder Die jungen Liebenden in der alten Kaiserstadt (古都, koto, 1962), übersetzt von Walter Donat in Zusammenarbeit mit Yuzuru Kawai, Carl Hanser Verlag, München 1965, ISBN 3-423-12297-8.

Handtellergeschichten, Erzählungen[Bearbeiten]

  • Handtellergeschichten, enthält 33 "Handtellergeschichten" (掌篇小説, shōhen shōsetsu, auch 掌の小説, tenohira no shōsetsu oder tanagokoro no shōsetsu) aus den Jahren 1923 bis 1950, übersetzt von Siegfried Schaarschmidt, Carl Hanser Verlag, München 1990, ISBN 3-446-15260-1.
  • Der Blinde und das Mädchen. Neue Handtellergeschichten, enthält weitere 19 Handtellergeschichten, übersetzt von Siegfried Schaarschmidt (18) und Otto Putz (1), Carl Hanser Verlag, München 1999), ISBN 3-446-19694-3.
  • Tagebuch eines Sechzehnjährigen, enthält 3 Erzählungen (Ihre zweite Ehe (再婚者, saikonsha, 1948/1952), Die Tänzerinnen (舞姫, maihime, 1950/1951), Tagebuch eines Sechzehnjährigen (十六歳の日記, jūrokusai no nikki, 1927; erschien zuerst 1925 unter dem Titel 十七歳の日記, jūnanasai no nikki, 'Tagebuch eines Siebzehnjährigen')) und 2 Handtellergeschichten (Die Geschichte mit dem Strohhut (帽子事件, bōshi jiken, 1926), Vorwinter (冬近し, fuyu chikashi, 1926)), übersetzt von Oscar Benl, Nymphenburger Verlagshandlung, München 1969, ISBN 3-499-11428-3.
  • Träume im Kristall, enthält 5 Erzählungen (Träume im Kristall (水晶幻想, suishō gensō, 1931), Der Schatten der älteren Schwester (夢の姉, yume no ane, 1933), Ein Arm (片腕, kata-ude, 1963/1964), Das Mal auf der Schulter (ほくろの手紙, hokuro no tegami, 1940), Von Vögeln und Tieren (禽獣, kinjū, 1933)), übersetzt von Siegfried Schaarschmidt, Carl Hanser Verlag, München 1973, ISBN 3-518-01383-1.
  • Drei Erzählungen, enthält 3 Erzählungen (Sprachlos (無言, mugon, 1953), Ein Mädchen mit Duft (匂ふ娘, niou musume, 1960), Was ihr Mann nie tat (夫のしない, otto no shinai, 1958)); übersetzt von Barbara Yoshida-Krafft, iudicium Verlag, München 2001, ISBN 3-89129-083-7.
  • Vier Erzählungen, enthält 4 Handtellergeschichten (Mutter (, haha, 1924), Das Haar (, kami, 1924), Der Koreaner (朝鮮人, chōsenjin, 1925), Der Standpunkt des Sohnes (子の立場, ko no tachiba, 1926)); übersetzt von Bettina Post-Kobayashi und Asa-Bettina Wuthenow, in: Hefte für Ostasiatische Literatur, Nr. 54, Mai 2013, S. 79-87, iudicium Verlag, München 2013, ISSN 0933-8721.

Literarische Werke in Sammelausgaben[Bearbeiten]

  • Der erste Schnee auf dem Fuji-Berg (富士の初雪, fuji no hatsuyuki, 1952), übersetzt von Oscar Benl. In: Oscar Benl (Hrsg.): Der Kirschblütenzweig. Japanische Liebesgeschichten aus tausend Jahren. Nymphenburger, München 1965, ISBN 3-485-00422-7.
  • Mond auf dem Wasser (水月, suigetsu, 1953), übersetzt von Annelotte Piper. In: Eine Glocke in Fukagawa. Japan in Erzählungen seiner besten zeitgenössischen Autoren, Auswahl und Redaktion Oscar Benl, Horst Erdmann Verlag, Herrenalb/Schwarzwald 1964
  • Alte Heimat (故郷, kokyō, 1955), übersetzt von Barbara Yamanaka-Hiller. In: Eduard Klopfenstein (Hrsg.): Mondscheintropfen. Japanische Erzählungen 1940–1990, Theseus, Zürich 1993, ISBN 3-85936-061-2.

Essays, sonstige Werke[Bearbeiten]

  • Über das Vorhandensein und die Entdeckung von Schönheit (美の存在と発見, bi no sonzai to hakken, 1969), übersetzt von der Kawabata-Studiengruppe des Ostasiatischen Seminars der Universität Zürich, in: Asiatische Studien, Zeitschrift der Schweizerischen Gesellschaft für Asienkunde, Band 29, Heft 1 (1975), S. 2–38, ISSN 0004-4717
  • Im Schein der Öllampe (行灯, andon, 1964), übersetzt von Barbara Yoshida-Krafft. In: Barbara Yoshida-Krafft (Hrsg.): Blüten im Wind. Essays und Skizzen der japanischen Gegenwart, Edition Erdmann, Tübingen 1981, ISBN 3-88639-506-5.

Veröffentlichungen, die literarische Werke Kawabatas enthalten[Bearbeiten]

  • Cornelius Ouwehand, Einige Bemerkungen über „Handflächen“-Erzählungen von Yasunari Kawabata, in: Asiatische Studien, Zeitschrift der Schweizerischen Gesellschaft für Asienkunde, Band 29, Heft 1 (1975), S. 89–120, ISSN 0004-4717; enthält die Handtellergeschichten Nägel am Morgen (朝の爪, asa no tsume, 1969), Sie, die auf das Feuer zuging (火に行く彼女, hi ni yuku kanojo, 1924) und Gebeine sammeln (骨拾い, kotsu hiroi, 1949) sowie das Prosagedicht Das Moskitonetz (蚊帳, kaya, 1930)
  • Viktoria Eschbach-Szabo, Temporalität im Japanischen, Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1986, ISBN 3-447-02621-9; enthält eine satzgetreue Übersetzung der Handtellergeschichte Zerbrechliches Geschirr (弱き器, yowaki utsuwa, 1924) sowie linguistische Analysen hiervon und von Textstücken aus Tausend Kraniche und Die Tänzerin von Izu
  • Siegfried Schaarschmidt und Michiko Mae (Hrsg.), Japanische Literatur der Gegenwart, Carl Hanser Verlag, München 1990, ISBN 3-446-15929-0; enthält die Skizze Mein Gesicht (私の顔, watakushi no kao, 1929), übersetzt von Siegfried Schaarschmidt

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Barbara Yoshida-Krafft: Kawabata Yasunari – ein Traditionalist?, in: Jubiläumsband 1873-1973, Band 53 der Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens, Tokyo 1973, S. 171–187; bezieht sich u. a. auf Yukiguni, Senbazuru, Yama no oto, Koto, Mizuumi, Andon
  • Mariann Lewinsky: Eine verrückte Seite - Stummfilm und filmische Avantgarde in Japan, Zürcher Filmstudien 2, Chronos Verlag, Zürich 1997, ISBN 3-905311-60-7; enthält u. a. Übersetzungen von Kawabatas Drehbuch zu dem Film Eine verrückte Seite (狂った一頁, Kurutta Ippēji, 1926, Regie Kinugasa Teinosuke), von Tagebucheintragungen zu den Dreharbeiten und von der Handtellergeschichte Der Mann, der nicht lachte (笑はぬ男, warawanu otoko, 1929)
  • Birgit Griesecke: Intime Experimente. Unterwegs in japanischen Schlaflaboren mit Ariyoshi, Tanizaki und Kawabata. (PDF) In: Nachrichten der Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens, Nr. 177-178, Jahrgang 75, Heft 1/2, Hamburg 2005, S. 7–36, ISSN 0016-9080; enthält Anmerkungen zu Die schlafenden Schönen
  • Wiebke Arndt: Der Erzähler in Kawabatas „Mizuumi“. Magister-Arbeit an der Universität Göttingen
  • Jennifer Evelyn Staab: Die Handtellergeschichten Kawabata Yasunaris – Szenen aus Traum und Wirklichkeit, Bachelor-Arbeit an der Universität Heidelberg, Juli 2007; enthält eine Übersetzung der Handtellergeschichte Der Billardtisch (玉臺, tamadai, 1925) und Analysen hiervon und von der Handtellergeschichte Das Geräusch menschlicher Schritte (人間の足音, ningen no ashioto, 1925; dt. von Siegfried Schaarschmidt, 1990)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kawabata Yasunari – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkung[Bearbeiten]

  1. lt. Eintrag im Familienregister wurde er am 14. Juni 1899 geboren
Japanische Namensreihenfolge Japanischer Name: Wie in Japan üblich, steht in diesem Artikel der Familienname vor dem Vornamen. Somit ist Kawabata der Familienname, Yasunari der Vorname.