Yersiniose

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Klassifikation nach ICD-10
A28.2 Extraintestinale Yersiniose
A04.6 Enteritis durch Yersinia enterocolitica
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Unter der Sammelbezeichnung Yersiniose werden die durch Yersinien, d. h. Bakterien der Gattung Yersinia, verursachten Krankheitsbilder zusammengefasst, davon ausgenommen ist jedoch die von Yersinia pestis ausgelöste Pest. Sie können weltweit bei Menschen und Tieren auftreten.

Bestimmte Serotypen von Yersinia enterocolitica verursachen beim Menschen eine fieberhafte Darmentzündung (Enterocolitis oder Enteritis). Häufig treten als Spätfolgen einer solchen enteralen Yersiniose die Reitersche Krankheit, die persistente Ileitis (Pseudocrohn) oder ein ausgedehntes Erythema nodosum auf. Yersinia enterocolitica kann manchmal auch eine Pyomyositis hervorrufen.

Yersinia pseudotuberculosis verursacht bei Nagetieren, Hasenartigen, Hundeartigen und Vögeln eine Erkrankung mit tuberkuloseähnlichen Symptomen. Die Infektion beim Menschen führt zu Dünndarmerkrankungen mit Befall der Lymphknoten. Vor allem Kinder und Jugendlichen entwickeln, wie auch durch Yersinia enterocolitica hervorgerufen, eine mesenteriale Lymphadenitis (Morbus Maßhoff, Maßhoff-Lymphadenitis) mit einer akuten terminalen Ileitis (sog. Pseudoappendizitis).

Yersiniosen werden hauptsächlich durch den Verzehr von rohen oder nicht ausreichend gegarten Schweinefleischerzeugnissen bzw. durch andere mit diesen Bakterien kontaminierte Lebensmittel verursacht. Eine weitere Infektionsquelle können Haustiere sein, damit zählt die Yersiniose auch zu den Zoonosen.

In Deutschland sind Darminfektionen des Menschen mit Yersinia enterocolitica meldepflichtig, wogegen andere Erkrankungen durch Yersinia enterocolitica und Infektionen mit Yersinia pseudotuberculosis nicht der Meldepflicht unterliegen. Die akuten Yersiniosen sind die dritthäufigsten der gemeldeten, bakteriell verursachten Magen-Darm-Erkrankungen in Deutschland und Europa. Im Jahr 2006 wurden in Deutschland noch 5.162 Erkrankungsfälle gemeldet,[1] 2013 waren es 2.590 Neuerkrankungen, die Inzidenz beträgt etwa 3,2 pro 100.000 Einwohner. Besonders häufig sind Kinder bis zum Alter von drei Jahren betroffen, da deren Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Geografisch tritt die Erkrankung vor allem in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt auf.[2] Der Nachweis erfolgt durch eine mikrobielle Untersuchung der Stuhlprobe. Zur Therapie werden Antibiotika (Tetrazykline, Gyrasehemmer) eingesetzt.

Im schweizerischen Tierseuchengesetz zählt die Yersiniose zur Liste der zu überwachenden Seuchenerkrankungen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2007 des RKI
  2. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2013 des RKI
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