Yoshinori Ōsumi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Yoshinori Ōsumi (jap. 大隅 良典, Ōsumi Yoshinori; * 9. Februar 1945 in Fukuoka, Japan) ist ein japanischer Zellbiologe. Er ist bekannt für Forschungen und Entdeckungen zur Autophagozytose (Autophagie).

Leben[Bearbeiten]

Ōsumis Vater war Professor an der Universität Kyūshū und Ingenieur. Ōsumi erhielt 1967 den Bachelor Abschluss an der Universität Tokio und wurde dort 1974 bei Kazutomi Imahori promoviert. Während des Studiums wechselte er von der Chemie zur damals im Aufbruch befindlichen Molekularbiologie. Bis 1977 war er als Post-Doktorand an der Rockefeller University bei Gerald Edelman, wo seine Beschäftigung mit Weizenzellen begann (DNA Duplizierung), und danach forschte er an der Universität Tokio (bei Yasuhiro Anraku), an der er 1986 Dozent (Lecturer) und 1988 Assistenzprofessor (Associate Professor) wurde. Zu der Zeit befasste er sich schon mit Membrantransport in Vakuolen in der Zelle, die Teil des Systems der Autophagie sind. 1996 ging er als Professor an das National Institute for Basic Biology in Okazaki. Außerdem war er 2004 bis 2009 Professor an der Graduate University for Advanced Studies in Hayama. 2009 emeritierte er und war danach Professor am Tokyo Institute of Technology.

Werk[Bearbeiten]

Er klärte die molekularen Mechanismen von Autophagie am Beispiel von Weizenzellen, später auch bei Säugerzellen, die sich durch Abbau körpereigener Proteine auf gewandelte Umweltbedingungen einstellen. Dabei identifizierte er mit seiner Gruppe die beteiligten Enzyme, deren Regulierung je nach Stoffwechselzustand und den Mechanismus der Bildung von Autophagosomen. In der Weizenzelle bilden sich bei Stickstoffmangel Autophagosomen (Membrane, die die abzubauenden Proteine umschließen und an Vakuolen oder Lysosomen abgeben), es bilden sich Vesikel in den Vakuolen und Vakuolen fusionieren. Ōsumi untersuchte verschiedene genetische Varianten von Weizenzellen, denen für diese Prozesse des Zellabbaus wichtige Proteinasen in den Vakuolen fehlten. 1991 fand seine Gruppe einen ersten Autophagie-defekten Mutanten (apg 1-1, später ATG 1 genannt) und später fanden sie 13 weitere (ATG). Mit der bald darauf erfolgten Entschlüsselung des Erbguts der Weizenzelle konnten die entsprechenden Gene geklont werden. ATG 1 entsprach einer Proteinkinase, die anderen hatten kompliziertere Funktionen und entsprachen regulatorischen Ubiquitin-ähnlichen Enzymen.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

2005 erhielt er den Fujihara Award, 2006 den Preis der Japan Academy, 2008 den Asahi-Preis und 2012 den Kyoto-Preis. Seit 2013 zählt ihn Thomson Reuters aufgrund der Zahl seiner Zitationen zu den Favoriten auf einen Nobelpreis (Thomson Reuters Citation Laureates).[1]

Schriften[Bearbeiten]

  • mit Tsukada: Isolation and characterization of autophagy-defective mutants of Saccharomyces cerevisiae. In: FEBS Letters, Band 333, 1993, S. 169–174, Abstract
  • mit K. Takeshige, M. Baba, S. Tsuboi, T. Noda: Autophagy in yeast demonstrated with proteinase-deficient mutants and conditions for its induction. In: Journal of Cell Biology, Band 119, 1992, S. 301–311, Abstract
  • mit Takeshige, M. Baba, N. Baba: Ultrastructural analysis of the autophagic process in yeast: detection of autophagosomes and their characterization. In: Journal of Cell Biology, Band 124, 1994, S. 903–913, Abstract
  • mit Noboru Mizushima u. a.: A protein conjugation system essential for autophagy. In: Nature, Band 395, 1998, S. 395, Abstract
  • mit Kabeya u. a.: LC3, a mammalian homologue of yeast Apg8p, is localized in autophagosome membranes after processing. In: EMBO Journal, Band 19, 2000, S. 5270–5278, PMC 305793 (freier Volltext)
  • mit K. Suzuki u. a.: The Pre-Autophagosomal Structure Organized by Concerted Functions of APG Genes Is Essential for Autophagosome Formation. In: EMBO Journal, Band 20, 2001, S. 5971–5981
  • mit Mizushima, Yoshimori: Autophagosome formation in mammalian cells. In: Cell Struct. Funct., Band 27, 2002, S. 421–429, PMID 12576635
  • mit Nakatogawa, Ichimura: Atg8, a Ubiquitin-like Protein Required for Autophagosome Formation, Mediates Membrane Tethering and Hemifusion. In: Cell, Band 130, 2007, S. 165–178.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 2013 Predictions bei Thomson Reuters (sciencewatch.com); abgerufen am 25. September 2013