Yuki-onna

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Yuki Onna in Sawaki Sūshis Hyakkai Zukan (1737)
Yuki Onna in Toriyama Sekiens Gazu Hyakki Yakō (1776)

Yuki-onna oder Yuki Onna (japanisch 雪女, zu deutsch „Schneefrau(en)“) ist ein fiktives Wesen der japanischen Mythologie und wird zur Gruppe der Yōkai gezählt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die japanische Folklore beschreibt die Yuki-onna als zierliche, hochgewachsene Frau oder als zierliches Mädchen. Sie trägt knielanges, schneeweißes (seltener pechschwarzes) Haar und einen ebenso weißen, eleganten Kimono. Ihr Wesen wird zwiespältig beschrieben: So soll sie vor aufkommenden Schneestürmen warnen, aber manchmal auch verirrte Bergwanderer ins Schneegestöber locken, wo die Opfer dann jämmerlich erfrieren. Auch wird ihr nachgesagt, dass sie kleine Kinder davor warne, nachts allein draußen zu spielen. Tut ein Kind dies dennoch, wird es von der Schneefrau entführt.

Überlieferung[Bearbeiten]

Eine frühe Legende um die Schneefrau stammt aus dem Werk Sōgi Shokoku Monogatari (宗祇諸国物語; zu dt. „Wundersame Geschichten vom Lande“) um 1690, Edo-Zeit. Der Autor berichtet von einer Begegnung mit der Schneefrau am Rande eines Bambushains. Er beschreibt sie als um die zwanzig Jahre alt mit einer so blassen Hautfarbe, dass die Dame fast transparent schien. Ihre Körpermaße sollen 10 (ca. 3,30 m) betragen haben.

Eine weitere Geschichte um die Yuki-onna stammt aus der Region Oguni in der Präfektur Yamagata. Laut der lokalen Anekdote war die Schneefrau einst eine Mondprinzessin, die sich furchtbar langweilte und unbedingt wissen wollte, wie es auf der Erde zuging. Also ließ sie sich eines Winters von den Schneeflocken zur Erde hinabtragen - und saß fest. Sie hatte vergessen, eine Rückkehrmöglichkeit einzuplanen und vorzubereiten.

Eine dritte Sage erzählt von einem eifrigen Diener namens Minokichi und seinem Meister, welche in ein Schneegestöber geraten und in einer Berghütte Unterschlupf suchen. Während sie schlafen, erscheint die Schneefrau und tötet den Meister mit ihrem eiskalten Atem. Dem Diener droht sie mit dem Tode, sollte er irgendjemandem von dem Vorfall erzählen. Dann verschwindet sie. Im darauffolgenden Winter trifft der Diener in seinem Heimatdorf auf eine unglaublich schöne, junge Frau namens Yūki. Beide heiraten und sie gebiert ihm zehn schöne Kinder mit ungewöhnlich heller Haut. Eines Abends erzählt Minokichi seiner Frau, dass sie ihn an die Schneefrau erinnere, die er vor Jahren traf. Daraufhin wird Yūki wütend, verwandelt sich in die Schneefrau und wirft ihm vor, sein Versprechen gebrochen zu haben. Sie ließe ihn nur wegen der Kinder am Leben, sollte ihnen aber etwas zustoßen, würde er es bitter bereuen. Dann verschwindet die Yuki-onna.

Yuki-onna in der modernen Subkultur[Bearbeiten]

Die Schneefrau wird unter Anderem in dem Film Kwaidan – Ghost stories von Regisseur Masaki Kobayashi aus dem Jahre 1964 thematisiert. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman Kwaidan: Stories and Studies of Strange Things von Lafcadio Hearn aus dem Jahr 1904.

Literatur[Bearbeiten]

  • Carol Mack: A Field Guide to Demons, Vampires, Fallen Angels - And Other Subversive Spirits. Skyhorse Publications, New York 2011, ISBN 9781611451009
  • Michaela Haustein: Mythologien der Welt: Japan, Ainu, Korea. ePubli, Berlin 2011, ISBN 3844214070
  • Lafcadio Hearn (Autor), Oscar Lewis (Herausg.): Kwaidan: Ghost Stories and Strange Tales of Old Japan. Dover Publications, New York 2006 (Neuauflage), ISBN 0486450945
  • Bartłomiej Paszylk: The Pleasure and Pain of Cult Horror Films: An Historical Survey. McFarland, Jefferson, N.C. 2009, ISBN 0786436956.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Yuki-onna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Yuki-onna beim Obakemono Projekt (Englisch)