Yukteswar Giri

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Jnanavatar Swami Yukteswar Giri, ~1920.

Sri Yukteswar Giri (Bengalisch যুক্তেশ্বর গিরী, Yukteśbar Girī; * 10. Mai 1855 in Serampore, Westbengalen; † 9. März 1936 in Puri, Indien; bürgerlicher Name: Priya Nath Karar) war ein bekannter Yogi und Guru. Yukteswar war Mitglied des Giri-Zweiges des hinduistischen Advaita-Ordens Dashanami Sampradaya. [1]

Leben[Bearbeiten]

Priyanath („liebender Herr“) stammte aus einer wohlhabenden Familie. Seine Eltern hießen Kshetranath und Kadambini Devi. Er hatte ein Medizinstudium abgeschlossen und verfügte darüber hinaus über profunde Kenntnisse der Schriften und der Astrologie. Von 1861 bis 1885 war er Angestellter, der in verschiedenste Orte Indiens gesandt wurde. Nach dem Tod seines Vaters verheiratete sich der jetzt sehr wohlhabende Erbe auf Wunsch der Mutter und wurde Vater von zwei Söhnen und drei Töchtern.[2]

Sein spirituelles Bemühen hatte ihn bereits vor dieser Zeit zu Lahiri Mahasaya geführt, von dem er in den Kriya Yoga eingeweiht worden war. Sein Haus in Serampore, einem Außenbezirk von Kalkutta machte er zum Ashram, der unter der Bezeichnung Priyadham (Wohnung der Liebe) bekannt wurde.[3] Dort diskutierte er mit seinen Schülern vor allem die Bhagavad Gita. Unter anderen wurde auch Yogananda von ihm trainiert. Weitere bedeutende Schüler waren Swami Satyananda Giri Matital Thakur und Hariharananda.

Nach dem frühen Tod seiner Frau und der Verheiratung seiner letzten Tochter lebte Priyanath zölibatär und versorgte seine Mutter. Als Swami sah Priyanath sich erst nach einer Begegnung mit Mahavatar Babaji anlässlich der Kumbha Mela in Allahabad, im Monat Magha (Februar/März) 1884.[4] Ab diesem Zeitpunkt wurde er Priyanath Swami oder Kararswami genannt. Erst weit später wurde er Sannyasin und erhielt den Namen Swami Shri Yukteshwar: „Der immer mit Gott und seiner göttlichen Herrlichkeit verschmolzen und vereinigt ist“.[5]

Yukteswars zweiter Ashram ist der Karar Ashram in Puri, den er am 22. März 1903, dem als spirituell besonders günstig angesehenen Datum des Frühlingsäquinoktiums, gegründet hatte. Dort starb er 1936.[6] Im Zuge von Erbschaftsstreitigkeiten wurde das ursprüngliche Haus in Serampore aufgegeben.[7]

Den Karar Ashram vermachte Yukteswar seinen Nachfolgern: Zunächst wurde er von Yogananda geleitet (22. März 1936 – 7. März 1952), nach dessen Abreise in den Westen von Swami Satyananda (bis zu dessen Tod am 2. August 1971), danach von Yukteswars jüngstem persönlichen Schüler Hariharananda bis 22. März 1983 weitergeführt. Da Hariharananda sich der Weiterverbreitung des Kriya Yoga besonders im Westen zuwandte, übernahm zu diesem Zeitpunkt Swami Yogeswarananda Giri. Ein Begehren auf Zuerkennung der Präsidentschaft des Ashrams, das Hariharanandas Linienhalter Prajnanananda 2002 eingebracht hatte, wurde 2006 gerichtlich abgewiesen.[8][9]

Literarische Arbeiten[Bearbeiten]

Da Yukteswar sein Leben primär der direkten Ausbildung seiner Schüler gewidmet hat, hat er wenige schriftliche Werke hinterlassen.[10] 1894 verfasste er in Sanskrit Kaivalya Darshan (Die Heilige Wissenschaft), die zu seinen Lebzeiten unter dem Titel The Holy Science auch auf Englisch erschien. Nach eigener Aussage schrieb er das Buch im Auftrag des mythologischen Mahavatar Babaji. Der Anfang des Buches befasst sich mit den vier Zeitaltern, den sogenannten „Yugas“, um eine Grundlage für die darauffolgenden Kapitel zu schaffen, in denen Yukteswar sich mit dem geistigen Entwicklungspotential des Menschen auseinandersetzt. Er beschreibt dabei auch – seiner Auffassung nach – „Irrtümer der modernen Wissenschaft“, etwa indem er anhand anatomischer Beispiele darstellt, dass der Mensch von seiner Gebiss- und Verdauungsstruktur her ein Früchteesser wie der Affe sei und kein Allesfresser wie das Schwein oder der Bär.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jnanavatar Swami Yukteswar Giri: Die Heilige Wissenschaft. Barth, Weilheim 1949 und spätere, ISBN 3-502-62670-7; Neuausgabe 2000, ISBN 0-87612-057-5
  • Paramahamsa Prajnanananda: Swami Shriyukteshwar, Incarnation of Wisdom, Prajnana Mission 1999, ISBN 3-90166523-4 (Englisch)

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Ein er seiner Lieblingsschüler, Yogananda, gab ihm das Attribut „Jnana-Avatar“ oder „Inkarnation der Weisheit“ was auch Yogananandas Nachfolger beibehielten: Jnanavatar Swami Sriyukteswar Giri (in verschiedenen Schreibweisen).
  2. Prajnanananda: Die Kriya Yoga Meister p. 14
  3. Hinweis auf die Einstellung des Meisters zum Privatleben gibt sein Umgang mit dem Tod einer der Töchter: Während einer der Vorlesungen wurde deren Leichnam aus einem Nebenraum abgeholt. Auf die Frage seiner Schüler, warum er nicht deshalb abbreche, antwortete er: „Diese tun ihre Arbeit, lasst uns die unsere fortsetzen.“
  4. Prajnanananda: Swami Shriyukteswar, Incarnation of Wisdom, zitiert in: Kriya Yoga Journal 2013, pp. 7ff (Englisch); Babaji habe habe Priyanath zu dessen Verwunderung mit Swami angeredet und auf dessen Einwand, er sei kein geweihter Mönch, erwidert: „Ich sage was ich sehe […]“. Bei diesem Gespräch habe Babaji auch den Auftrag erteilt ein Buch über die Metaphysik von Ost und West zu verfassen.
  5. Prajnanananda: Die Kriya Yoga Meister, pp. 29ff
  6. Im Verständnis der Yogis gibt es keinen Tod: Ein hochentwickeltes Wesen wie Yukteswar gehe bewusst in den Zustand des Mahasamadhi über, aus dem es sich jederzeit materialisieren könne um körperlich zu erscheinen, oder inkarnieren, um als lebender Mensch dem spirituellen Fortschritt der Menschheit zu dienen.
  7. Die Yogoda Satsanga Society errichtete später in unmittelbarer Nähe einen Tempel.
  8. http://wikimapia.org/15434209/Karar-Ashram
  9. S. Gerichtsbescheid, 2006. (PDF; 9 kB)
  10. Prajnanananda berichtet in Anlehnung an Yogananda von Kommentaren zu den ersten 9 Kapiteln der Bhagavad Gita die als Nachträge zu Vorlesungen entstanden, und von einem früh entstandenen Kommentar Yukteswars zur Bibel, auf Französisch, dessen Manuskript er einem christlichen Priester zur Durchsicht überlassen habe, woraufhin es „nie mehr auffindbar“ gewesen sei. Paramahamsa Prajnanananda: Swami Shriyukteswar, Incarnation of Wisdom, zitiert in: Kriya Yoga Journal 2013, pp. 11f (Englisch).

Weblinks[Bearbeiten]