Yves Rocard

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Yves-André Rocard (* 22. Mai 1903 in Vannes; † 16. März 1992 in Paris) war ein französischer Physiker, der an der Entwicklung der französischen Atombombe maßgeblich beteiligt war.

Leben[Bearbeiten]

Als Sohn eines im Ersten Weltkrieg gefallenen Berufsoffiziers wuchs Rocard in bescheidenen Verhältnissen auf. Im Studium auf Stipendien angewiesen, wurde er 1922 zur École normale supérieure (ENS) zugelassen, 1927 zum Doktorat der Mathematik, 1928 zu dem der Physik. Bei einem Hersteller von Radioröhren tätig, erfand er unter anderem die indirekt geheizete Kathode. Zurück im universitären Bereich erhielt er 1939 einen Ruf an die Sorbonne und übernahm das Physik-Laboratorium der Ecole Normale Superieure (ENS) bis 1939.

Im Zweiten Weltkrieg schloss er sich der Résistance an, wurde nach England geflogen und von Charles de Gaulle zum Forschungsdirektor seiner Marine ernannt. In dieser Funktion interessierten ihn erstmals - als Störungsquelle für Radars - die Radio-Emissionen der Sonne. Als die alliierten Armeen 1945 in Deutschland einmarschierten, vereinnahmte er deutsche Spezialisten in der französischen Besatzungszone, kam aber zu spät nach Hechingen, wohin sich die deutschen Kernforscher des Uranprojekts, darunter Otto Hahn, Werner Heisenberg und Carl Friedrich von Weizsäcker, gerettet hatten. Diese waren von Samuel Abraham Goudsmit und Boris Pash im Rahmen der Alsos-Mission bereits auf Farm Hall in England interniert worden. Rocard schätzte den militärischen deutschen Ionosphären-Vorhersage-Dienst, gründete einen entsprechenden Dienst der französischen Marine und verpflichtete Karl Rawer als dessen wissenschaftlichen Direktor (1946-1956).

Auch um den als politisch unzuverlässig eingeschätzten Frédéric Joliot-Curie dort auszuschalten, wurde Rocard 1947 zum leitenden Wissenschaftler des militärischen Teils der französischen Kernforschung ernannt und nahm an der Entwicklung der französischen Atom- und Wasserstoff-Bombe teil.

Er gründete das radioastronomische Observatorium Nançay. Sein Laboratorium entwickelte für das CEA in Orsay dessen ersten linearen Teilchenbeschleuniger. Später interessierte sich Rocard für unerklärte Naturphänomene wie Wünschelrute oder Orientierung der Zugvögel. Obwohl er rationale Erklärungen suchte, geriet er damit in Konflikt mit der mächtigen Union rationaliste.

Yves Rocard ist der Vater des französischen Premierministers von 1988 bis 1991 Michel Rocard (* 1930).

Werke[Bearbeiten]

  • L'hydrodynamique et la théorie cinétique des gaz. Paris: Gauthier-Villars, 1932.
  • Diffusion de la lumière et visibilité, projecteurs, feux, instruments d'observation. Paris, 1935.
  • Propagation et absorption du son. Paris: Hermann, 1935.
  • La stabilité de route des locomotives. Paris: Hermann, 1935.
  • Les phénomènes d'auto-oscillation dans les installations hydrauliques. Paris: Hermann, 1937.
  • Théorie des oscillateurs. Paris, 1941.
  • Dynamique générale des vibrations. Paris: Masson, 1951.
  • Le signal du sourcier. Dunod 1962.
  • Électricité. Paris: Masson, 1966.
  • Thermodynamique. Paris: Masson, 1967
  • L'instabilité en mécanique; automobiles, avions, ponts suspendus. Paris: Masson, 1954.
  • Mémoires sans concessions. Paris: Grasset, 1988.
  • La science et les sourciers; baguettes, pendules, biomagnétisme. Paris: (Dunod 1989, ISBN 2-10002996-7)
  • La stabilité de route des locomotives. Mit Julien, M. Paris: Hermann, 1935.
  • Les Sourciers (Que sais-je, n° 1939, ISBN 2-13043539-4).
  • La diffusion moléculaire de la lumière. Mit Jean Cabannes. PUF, 1931.