Yvon Chouinard

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Chouinard am Mt. Hood, Oregon, Ende der 1970er Jahre

Yvon Chouinard (* 1938 in Lisbon in Maine) ist ein US-amerikanischer Pionier des Bigwall-Kletterns vor allem im Yosemite-Nationalpark und Unternehmer für Bergsteigerausrüstung (Gründer von Patagonia), der auch für seine Neuentwicklungen in diesem Bereich bekannt ist.

Leben[Bearbeiten]

Chouinard stammt aus einer franko-kanadischen Familie, die nach Maine gezogen war. Sein in Québec geborener Vater arbeitete in den verschiedensten Handwerken. 1946 zog die Familie nach Burbank, Kalifornien wo Chouinard sich im Tauchen nach Abalone-Muscheln und im Klettern an den Küstenfelsen bei Malibu übte, zunächst um als Mitglied des südkalifornischen Falken-Clubs die Gelege in den Nestern zu beobachten. 1955 fuhr er im eigenen Ford zum Klettern nach Wyoming, im San Fernando Tal (Stoney Point) und am Tahquitz, wurde er von den Wänden des Yosemite-Tals angezogen. Für die Big Walls wurden große Mengen von Sicherungs- und Fortbewegungshaken benötigt. Er begann vor allem aus Kostengründen nach dem High School Abschluss 1956, sich Schmiedewerkzeug zuzulegen, um Kletterutensilien herzustellen, die aus härterem Stahl als die europäischen Felshaken (Pitons) waren. Schon bald verkaufte er diese auch – das Geschäft lief aber anfangs nur schleppend an. Im Winter schmiedete er, im Sommer kletterte er. Chouinard zählt zu den führenden Aktivisten der Bigwall-Kletterszene im Yosemite Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre. 1960 war er an der Zweitbegehung von The Nose am El Capitan beteiligt. Zu seinen Erstbegehungen zählt 1964 die North American Wall am El Capitan im Yosemite Tal mit Royal Robbins (einem Jugendfreund, wie er früh Mitglied der Sierra Clubs), Tom Frost (ein Flugzeugingenieur, der zeitweilig sein Geschäftspartner war), Chuck Pratt, ohne Verwendung von Fixseilen, und die Muir Wall am El Capitan 1965 mit T. M. Herbert. 1961 begann er die Techniken und den Stil der Yosemite-Bigwall-Kletterer (von denen er einer der wortreichsten Fürsprecher war) auch außerhalb in den kanadischen Rockies anzuwenden mit mehreren Erstbegehungen. 1968 eröffnete er in der Drittbegehung des Cerro Fitzroy in Patagonien eine neue Route (California Route) u. a. mit Doug Tompkins (auf dem Weg dorthin surften sie entlang der südamerikanischen Küsten).

Neben Surfen reist Chouinard weltweit zum Fliegenfischen, Kajakfahren, Skifahren und hat auch das Klettern noch nicht aufgegeben (2007).

Er ist seit 1971 mit Malinda Pennoyer verheiratet, die er im Yosemite kennenlernte, wo die damalige Kunststudentin einen Ferienjob hatte, und hat zwei Kinder.

Chouinard als Unternehmer[Bearbeiten]

1970 war Chouinard Equipment die größte Firma für Bergsteigerausrüstung in den USA. Das Hauptprodukt waren Felshaken, die in seinen Augen aber die Kletterrouten verschandelten, daher stellte er 1972 die Produktion ein. Ebenfalls um 1970 erkannte er beim Klettern in Schottland die Vorteile von Rugby-Hemden fürs Klettern und gründete daraufhin die Outdoor-Bekleidunggfirma Patagonia, die 2006 in den USA 1300 Mitarbeiter beschäftigte und deren Umsatz von 20 Millionen Dollar Mitte der 1980er Jahre auf 100 Millionen 1990 und 267 Millionen Dollar 2006 stieg. Dazwischen gab es einen Einbruch durch Gerichtsverfahren (alle aus eher unbedeutenden Vorkommnissen, aber begründet mit nicht ausreichenden Warnhinweisen etwa bei Kletterseilen) gegen seine Bergsteigerausrüstungsfirma, die sie fast an den Rand des Ruins brachten – es gab schließlich ein Buy-out durch die Beschäftigten und eine Neugründung in Salt Lake City.

1 % des Umsatzes von Patagonia stiftet Chouinard Umweltaktivisten – er gründete eigens eine Initiative 1 Percent for the Planet, der sich bis 2006 400 Firmen anschlossen. Selbst ein begeisterter Surfer erlaubt er seinen Beschäftigten ebenfalls eine entsprechende freie Zeiteinteilung. Nach einem Einbruch in der Rezession 1991, die eine langjährige Wachstumsphase von jährlich 30 bis 50 % unterbrach, musste er ein Fünftel seiner Belegschaft entlassen. Nach eigenen Worten bewirkte das eine Rückbesinnung auf ökologische Werte und langsames Wachstum, nach eigenen Worten auch das Ergebnis seines eigentlich genügsamen Lebenswandels als Extremsportler, der zusätzlich die Devise beherzigen sollte, niemals seine Grenze zu übersteigen und vor allem diese Grenzen klar zu erkennen[1]. Aus ökologischen Gründen heraus wechselte die Firma beispielsweise schon 1996 zu biologisch angebauter Baumwolle.

Sozialverantwortung[Bearbeiten]

Die Nichtregierungsorganisation Erklärung von Bern verglich 2010 mittels Umfragen und Internetrecherchen bei 77 Modelabels die Standards der Arbeitsbedingungen in Produktionsländern. Patagonia wurde dabei in die zweitbeste Kategorie "Durchschnittliche" von fünf Kategorien eingestuft.[2]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Interview Outdoor Magazin 2005
  2. http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Hippe-Label--unfaire-Produktion/story/23511741