Zähne zeigen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Rezeption und Rezensionen fehlen --Laibwächter (Diskussion) 11:34, 13. Dez. 2012 (CET)

Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst, aber kopiere bitte keine fremden Texte in diesen Artikel.

Zähne zeigen ist das Romandebüt der britischen Schriftstellerin Zadie Smith. Der Roman erschien im Jahr 2000 in Großbritannien unter dem Titel White Teeth und wurde im selben Jahr ins Deutsche übersetzt.

Inhalt[Bearbeiten]

Zähne zeigen erzählt die Geschichten dreier Familien unterschiedlicher Herkunft, die im Londoner Stadtteil Willesden leben. Dabei wird durch die unterschiedlichen Perspektiven der ethnisch vielfältigen Charaktere eine Bandbreite an gesellschaftlichen Themen und geschichtlichen Ereignissen verhandelt. Unterbrochen werden diese Perspektiven durch die Kommentare einer auktorialen Erzählinstanz, die sich durch einen humorvoll-ironischen bis ernsthaften Ton auszeichnen.

Die Handlung des Romans setzt am Neujahrsmorgen des Jahres 1975 mit der Schilderung eines missglückten Selbstmordversuchs des Engländers Archibald Jones ein. Nach einer gescheiterten Ehe beginnt an diesem Tag ein neues Leben für den einfältigen Mittvierziger, als er auf einer ausklingenden Silvesterparty die um Jahre jüngere Clara Bowden kennenlernt und kurz darauf heiratet. Clara ist die Tochter jamaikanischer Einwanderer und bricht durch die Heirat mit Archie aus dem Einflussbereich ihrer Mutter Hortense, einer passionierten Zeugin Jehovas, aus.

Zur gleichen Zeit zieht Archibalds Freund Samad Iqbal mit seiner ebenfalls um Jahre jüngeren Frau Alsana von Bangladesch nach England. Die ungewöhnliche Freundschaft zwischen Archie und Samad bringt beide Ehepaare, die ihre jeweils neue Bleibe im Nordwesten Londons beziehen, zusammen. Archie und Samad verbindet die Erinnerung an die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs, die sie als junge Soldaten der britischen Armee weit ab vom eigentlichen Kriegsgeschehen erlebten und dabei nicht einmal das Kriegsende mitbekamen. In einer Rückblende in das Jahr 1945 wird geschildert, wie Archie und Samad als einzige Überlebende ihrer Truppe und ohne Funkkontakt einen berüchtigten französischen Arzt der deutschen Nationalsozialisten in ihre Gewalt bringen. Die beiden fahren mit ihrer Geisel aus dem Dorf, um ihn hinzurichten. Samad und Archie sind betrunken, Samad hat zudem Morphium genommen und so überredet er Archie, den Nazi zu erschießen.

Der Haupthandlungsstrang im London der siebziger Jahre wird vorangetrieben, als beide Familien gleichzeitig Nachwuchs erwarten. 1975 werden Irie Jones und die Zwillinge Magid und Millat Iqbal geboren und gehen in den Folgejahren gemeinsam zur Gesamtschule in Willesden. Auch wenn die Kinder während einer Schulaktion zum Erntedankfest mit dem beängstigenden Rassismus eines alten Kriegsveteranen konfrontiert werden, überwiegt in dem Roman dennoch die wohlwollende Schilderung einer in dem Londonder Stadtteil alltäglich gewordenen ethnischen Vielfalt und Hybridität.

Nach einer kurzen Affäre Samads mit der Musiklehrerin seiner Söhne, Poppy Burt-Jones, und einer sich anschließenden Identitätskrise, heckt Samad gemeinsam mit Archie einen Plan aus. Er zieht in Erwägung, Magid und Millat zur Erziehung nach Bangladesch zu schicken, um sie vor den Übeln des Werteverfalls in der westlichen Gesellschaft zu schützen. Da jedoch das Geld nur für den Flug für einen Sohn reicht, lässt Samad nach langer Entscheidungsfindung in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Magid zu Verwandten ausfliegen, ohne vorher Alsana in die Pläne eingeweiht zu haben, die in Folge nur noch das Nötigste mit Samad redet.

Während der strebsame, intelligente Magid aus der Ferne beredte Briefe schickt, bereitet der rebellische Mädchenheld Millat den Iqbals Sorgen. Als Jugendlicher schließt sich Millat einer fundamentalistisch geprägten muslimischen Gruppierung an und nimmt zum Entsetzen seiner Eltern unter anderem an den Buchverbrennungen von Salman Rushdies Roman Die Satanischen Verse im nordenglischen Bradford teil.

Irie ist heimlich in den draufgängerischen Millat verliebt, der sie jedoch lediglich als eine gute Freundin behandelt. Irie leidet während der Pubertät unter ihrer ethnisch hybriden Identität, da sie sich in dem traditionell ‚weiß‘ dominierten England fremd fühlt. Sie unternimmt verschiedene Versuche, um sich äußerlich anzupassen, beispielsweise durch eine Haarglättung, die jedoch mit einem kompletten Haarausfall endet.

Um dem jeweiligen häuslichen Chaos zu entkommen, treffen sich die beiden alternden Herren Archie und Samad regelmäßig in ihrer Stammkneipe O'Connell's Pool House. Dort tauschen die beiden Kriegsveteranen ihre Erinnerungen über den Krieg aus, die ihre jüngeren Ehefrauen und Kinder nicht interessiert. Zudem hat Samad in diesem Umfeld die Möglichkeit, mit Archie über sein Lieblingsthema zu sprechen: Samad ist angeblich der Urgroßenkel des Sepoy Mangal Pandey, der 1857 Auslöser des Indischen Aufstands war und damit für Samad ein Held ist. Durch die Thematisierung dieses historischen Ereignisses werden die Unterschiede in der nationalen Geschichtsschreibung durch Archie und Samad diskutiert, da in der britischen Version der Ereignisse Mangal Pandey in die britischen Geschichtsbücher als benebelter Fanatiker, der es nicht einmal schaffte, sich selbst zu richten, einging.

Im Zuge des Handlungsverlaufs, in dem die Schulzeit Iries und Millats erzählt wird, kommt eine weitere Familie mit ins Spiel. Als Irie und Millat haschischrauchend auf dem Schulhof erwischt werden, wird auch der eigentlich unbeteiligte Joshua Chalfen in die Tat einbezogen. Da der Schulleiter bemerkt, dass der strebsame Überflieger Joshua durch die Aktion eher versucht, sich in die ‚coole‘ Clique von Irie und Millat einzubringen, verhängt er eine in seinen Augen didaktisch wertvolle Strafe für die drei Jugendlichen: Irie und Millat sollen regelmäßig nach der Schule bei der intellektuellen Akademikerfamilie Chalfen gemeinsam mit Joshua ihre Hausaufgaben erledigen und für Klassenarbeiten lernen.

Die Mittelschichtfamilie Chalfen wird im Roman äußerst humorvoll dargestellt. Marcus Chalfen ist ein renommierter jüdischer Wissenschaftler und Genforscher. Seine Frau Joyce ist passionierte Gärtnerin und hat sich dank des gesicherten Einkommens durch Marcus' Forschung neben dem Verfassen eines alternativ geprägten Gärtnerhandbuchs um die Erziehung ihrer vier Söhne gekümmert.

Joyce ist, zum Unmut von Joshua und Irie, von dem charismatischen und bockigen Millat eingenommen. Sie macht es sich zur Aufgabe, den Jungen zu erziehen, während Irie fasziniert von der Intellektualität und Offenheit der Familie ist. Die weiße Mittelschichtfamilie erscheint für Irie als Idealtyp einer (nur scheinbar) lupenreinen englischen Identität, von der sie am liebsten ein Teil werden würde. Irie verbringt zunehmend ihre Freizeit bei den Chalfens und unterstützt Marcus bei seiner Buchhaltung, um sich ein Taschengeld zu verdienen.

Irie fühlt sich ausgeschlossen, als Marcus eine intensive Brieffreundschaft mit Magid beginnt. Der in im fernen Bangladesch lebende Magid wird zunehmend zu einem Schüler von Marcus, der wiederum von der Intelligenz und Reife Magids beeindruckt ist. Marcus setzt es sich zum Ziel, den verlorenen Sohn zurück nach England zu holen, um mit ihm zusammenzuarbeiten. Als Marcus tatsächlich den Flug für Magid bezahlt und dieser ankommt, ist Samad entsetzt: Der Sohn, den er zur guten Erziehung nach Bangladesch geschickt hat, hat sich in der Zwischenzeit zum Abbild eines traditionellen englischen Gentleman entwickelt, der eine Sprache spricht wie die britische Königin, weiße Anzüge trägt und Schweinefleisch isst. Aufgrund Magids Verhaltens weigert sich der nun verstärkt in der fundamentalistischen Gruppierung aktive Millat, seinen Bruder zu treffen, sodass Magid bei den Chalfens unterkommt.

Clara und Alsana werden zunehmend eifersüchtig auf Joyce, da sie nach eigenem Empfinden ihnen ihre Kinder wegzunehmen droht. Auch Joshua hat sich nach Abschluss der Schule von seiner Familie abgekapselt und ist in einer Tierschutzvereinigung aktiv, um gegen die Tierversuche seines Vaters zu rebellieren. Irie ist aufgrund eines Streits mit ihren Eltern über die Möglichkeit einer einjährigen Reise vor Beginn ihrer Ausbildung zu Hause ausgezogen und wohnt bei ihrer Großmutter Hortense. Dort lernt sie unter anderem Ryan Topps kennen, der vor Archie mit ihrer Mutter Clara ein Paar war. Während des Aufenthalts bei Hortense arbeitet Irie ihre eigene jamaikanische Familiengeschichte mütterlicherseits auf. Eine von den Familien und Irie arrangierte Aussprache zwischen Magid und Millat endet im Streit. In einem Gefühlschaos durch aufgestaute Verzweiflung und sexuelle Abstinenz schläft Irie in kurzen Abständen zuerst mit Millat und dann mit Magid.

Im weiteren Handlungsverlauf wird das Finale des Romans vorbereitet, bei dem alle Hauptfiguren an einem Ort in der Mitte London zusammentreffen. Für den Silvesterabend 1992 hat Marcus mit Magid die öffentliche Präsentation seiner sogenannten ‚FutureMouse‘ geplant, bei der auch Marcus' Mentor, ein alter französischer Genforscher namens Dr. Perret, teilnehmen soll. Die Maus ist von Marcus genetisch so programmiert worden, dass sie exakt sieben Jahre lebt und damit zur Jahrtausendwende sterben soll.

Die Familien Jones und Iqbal sind als Gäste eingeladen, aber auch weitere Beteiligte machen sich auf den Weg zu dem Veranstaltungsort in der Nähe des Trafalgar Square, mit dem Ziel, die umstrittene Präsentation zu boykottieren: Joshua plant eine Aktion mit der Tierschutzvereinigung, Hortense Bowden und Ryan Topps möchten gegen den Eingriff Marcus Chalfens in Gottes Schöpfung protestieren und die fundamentalistischen Gruppierung, zu der Millat gehört, plant eine Störung der Vorstellung. Während die anderen Mitglieder der Gruppierung das Verlesen einer Sure aus dem Koran anstreben, hat Millat insgeheim größere Pläne: Er hat sich einen Revolver besorgt, um seine fundamentalistische Ideologie, die jedoch stark auf Vorstellungen aus amerikanischen Hollywood- und Mafiafilmen beruht, mit Waffengewalt durchzusetzen.

Kurz vor Beginn der Veranstaltung geht Samad kurz nach draußen, um Hortense und die anderen Protestanten um etwas Ruhe zu bitten. Als er zurück in den Saal kommt, geschehen mehrere Dinge gleichzeitig: Millat zieht seine Waffe und richtet sie auf Dr. Perret, den Samad in diesem Moment als den Arzt wiedererkennt, den Archie 1945 hätte hinrichten sollen. Archie wirft sich in die Flugbahn des abgefeuerten Projektils, wird dabei verletzt und rettet so Dr. Perret ein zweites Mal das Leben. In dem Trubel entkommt die genmanipulierte FutureMouse.

Der letzte Absatz des Romans entwirft einen Ausblick auf ein mögliches Ende der Erzählung. Irie und Joshua sind mittlerweile ein Paar und reisen mit Iries Tochter, deren Vaterschaft ungeklärt bleibt, durch Jamaika.

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Zadie Smith, Zähne zeigen. 2000 München: Droemer. Übersetzung von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. 642 S. ISBN 3-426-19546-1.

Verfilmung[Bearbeiten]

2002 strahlte Channel 4 eine Verfilmung des Buches als vierteilige TV-Serie mit dem Titel White Teeth aus.[1] Regie führte Julian Jarrold, die Hauptrollen spielten Om Puri als Samad und Phil Davis als Archie.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. White Teeth sparkles on TV news.bbc.co.uk. Abgerufen am 12. Dezember 2012.