Zülpich

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Zülpich
Zülpich
Deutschlandkarte, Position der Stadt Zülpich hervorgehoben
50.76.65180Koordinaten: 50° 42′ N, 6° 39′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Köln
Kreis: Euskirchen
Höhe: 180 m ü. NHN
Fläche: 101,03 km²
Einwohner: 19.634 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 194 Einwohner je km²
Postleitzahl: 53909
Vorwahlen: 02252
02251
02256
02425Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: EU, SLE
Gemeindeschlüssel: 05 3 66 044
Stadtgliederung: Kernstadt u. 24 Ortschaften
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 21
53909 Zülpich
Webpräsenz: www.zuelpich.de
Bürgermeister: Albert Bergmann (CDU)
Lage der Stadt Zülpich im Kreis Euskirchen
Belgien Rheinland-Pfalz Kreis Düren Rhein-Erft-Kreis Rhein-Sieg-Kreis Städteregion Aachen Bad Münstereifel Blankenheim (Ahr) Dahlem (Nordeifel) Euskirchen Hellenthal Kall Mechernich Nettersheim Schleiden Weilerswist ZülpichKarte
Über dieses Bild
Rathaus von Zülpich
Markt(platz) beim Rathaus in Zülpich

Zülpich ist eine kreisangehörige Stadt des Kreises Euskirchen mit 19.634 Einwohnern, die sich auf die Kernstadt und 24 Orte verteilen. Die „Römerstadt“ Zülpich mit dem lateinischen Namen Tolbiacum[2] existiert seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. Die Schlacht von Zülpich vom Jahre 496 n. Chr. ist ein stehender Begriff in der europäischen Geschichtsschreibung. Zülpich birgt eine Vielzahl historischer Kulturdenkmäler, zu denen auch das einzige deutsche „Museum der Badekultur“ gehört.

Geografie[Bearbeiten]

Zülpich liegt in der Jülich-Zülpicher Börde und ist Teil des Rheinischen Braunkohlereviers (Braunkohleförderung im Tagebau Zülpich von 1953 bis 1967). Dies spiegelt sich noch heute in den beiden Baggerseen wider: dem Wassersportsee Zülpich und dem Naturschutzsee Füssenich.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die folgende Tabelle zeigt die Lage und die Einwohnerzahl der Ortschaften bzw. Stadtteile in der Großgemeinde Zülpich (Stand: 30. Juni 2014).

Ortschaft tendenzielle Haupt-Lagerichtung aus Sicht der Kernstadt Zülpich Einwohner
Bessenich westlich 414
Bürvenich südlich 907
Dürscheven östlich 524
Enzen östlich 589
Eppenich südlich 140
Füssenich westlich 800
Geich westlich 815
Hoven mit dem Hort Floren südlich 1085
Juntersdorf westlich 217
Langendorf südlich 295
Linzenich östlich 375
Lövenich östlich 216
Merzenich südlich 154
Mülheim östlich 400
Nemmenich mit dem Hort Lüssem östlich 714
Niederelvenich östlich 591
Oberelvenich östlich 226
Rövenich nördlich 468
Schwerfen mit dem Hort Virnich östlich 1554
Sinzenich östlich 1248
Ülpenich östlich 1064
Weiler nördlich 458
Wichterich östlich 872
Zülpich (Kernstadt) 5820

Klima[Bearbeiten]

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Zülpich
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 2 4 8 12 16 20 20 22 17 12 6 2 Ø 11,8
Min. Temperatur (°C) -2 -1 2 4 8 10 12 12 9 7 2 -1 Ø 5,2
Niederschlag (mm) 48,2 49,7 44,2 54,6 53,9 54,8 69,6 75,4 55,0 62,7 60,4 52,3 Σ 680,8
T
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Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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48,2
49,7
44,2
54,6
53,9
54,8
69,6
75,4
55,0
62,7
60,4
52,3
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Geschichte[Bearbeiten]

Bei Ausschachtarbeiten im Baugebiet „Seegärten“ wurden im November 2009 Fundstücke zu Tage gefördert, die aus der Jungsteinzeit stammen. Es sind Überreste von Gerätschaften, die Siedler im 4. Jahrtausend vor Christus benutzt haben. Bisher war man davon ausgegangen, dass die „Römerstadt“ auf eine nur 2000-jährige Geschichte zurückblicken könne. Man geht davon aus, dass sich bereits 5500 v. Chr. erstmals Nomaden im Rheinland niederließen, um dort sesshaft zu werden.[3]

Im 1. Jahrhundert v. Chr. bestand Zülpich vermutlich schon als kleine Siedlung. Um die Zeitenwende wurde Zülpich, das römische Tolbiacum, zu einer römischen Kleinstadt (vicus). In der Stadt trafen sich wichtige römische Fernstraßen zu folgenden Städten:

Die Straßenverbindungen von Reims und Trier trafen sich im Bereich des heutigen Stadtteils Hoven und liefen zusammen durch die Siedlung weiter in Richtung Köln. Die Wegstrecke von Xanten könnte, zusammen mit der Straße von Jülich, nach einem schräg am Hang verlaufenden Anstieg auf den Zülpicher Horst ebenfalls am Ortsrand von Hoven zu der Trier/Reims-Kölner Straße gestoßen sein. Die aus Osten von Bonn kommende Straße traf nach Grabungsbefunden im Bereich des heutigen Geriatrischen Zentrums die Köln-Trierer Straße südlich der Brabenderstraße. Viele dieser Straßen sind heute noch im Wegenetz oder der Feldflur erkennbar.

Im 2. Jahrhundert wurde eine römische Thermenanlage erbaut und im 4. Jahrhundert ein Mauerring um die Kernstadt errichtet. 496 wurden bei Zülpich in der Schlacht von Zülpich die Alemannen vom Frankenkönig Chlodwig I. geschlagen. Nach der Schlacht trat Chlodwig zum christlichen Glauben über und begründete das merowingische Frankenreich. Der Zülpicher Königshof war seit der Karolingerzeit auch das Zentrum des Zülpichgaus, der bis ins 11. Jahrhundert zum Herrschaftsgebiet der Ezzonen gehörte.

Das mittelalterliche Zülpich, Zeichnung von 1749

Die Kirche St. Peter findet 848 ihre erste urkundliche Erwähnung. Im Jahr 881 wurde Zülpich während der Raubzüge der Wikinger in den Rheinlanden zerstört. Heinrich I., König des Ostfrankenreichs, eroberte die Stadt im Jahr 925. Nach dieser Schlacht unterwarf sich Herzog Giselbert von Lothringen Heinrich, damit fiel Lotharingen an die Ostfranken.

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden die Stadtrechte erteilt. Zwischen den Jahren 1278 und 1285 wurde die Stadt durch den Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg befestigt. Im Jahre 1288 wurde die Stadt durch den Grafen Walram von Jülich zerstört. Unter kurkölnischer Herrschaft (endgültig seit 1368) wurde die Stadt im Jahre 1395 wieder aufgebaut, die bis heute zu einem großen Teil erhalten ist. Anfang des 15. Jahrhunderts kam es zur Vollendung der Burg, der Stadtmauer und der Toranlagen in ihrer heutigen Erscheinung.

1635 gründeten die Kapuziner in Zülpich eine Ordensniederlassung mit einem Gymnasium, später wurde hieraus ein Krankenhaus. Dieses besteht noch heute als Geriatrisches Zentrum. 1798, in der Franzosenzeit, wurde Zülpich Hauptort eines französischen Kantons, nachdem das Rheinland an Frankreich gefallen war.

1864 erreichte die Bördebahn die Stadt. In den 1930er Jahren entdeckten Archäologen die sehr gut erhaltene römische Thermenanlage.

Am 24. Dezember 1944 wurde Zülpich von den Alliierten bombardiert und große Teile der Kernstadt zerstört.

1952 wurde das neue Rathaus eingeweiht und der Grundstein für den Neuaufbau der Kirche St. Peter gelegt. Von 1953 bis 1967 wurde im Tagebau Zülpich Braunkohle gefördert.

2007 bewarb sich Zülpich um die Ausrichtung der Landesgartenschau 2010 in Nordrhein-Westfalen, die jedoch an die Stadt Hemer vergeben wurde. Mit dem abgewandelten Konzept „Zülpicher Jahrtausendgärten – Von der Römerzeit bis ins 21. Jahrhundert“ bewarb sich Zülpich erneut um die Ausrichtung der Landesgartenschau 2014 und setzte sich gegen den einzigen Mitbewerber Hamm durch.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1969 wurden die ehemaligen Gemeinden Bessenich, Dürscheven, Enzen, Langendorf, Linzenich-Lövenich, Merzenich, Nemmenich, Oberelvenich, Rövenich, Sinzenich, Ülpenich, Weiler in der Ebene und Wichterich in die Stadt Zülpich eingegliedert.[4] Am 1. Januar 1972 kamen Bürvenich, Füssenich und Schwerfen (Ortsteil von Veytal) hinzu.[5]

Politik[Bearbeiten]

Sitzverteilung im Stadtrat
       
Von 32 Sitzen entfallen auf:
Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 49,52 % (2009: 56,77 %)
 %
50
40
30
20
10
0
41,79 %
25,44 %
6,73 %
8,15 %
7,54 %
6,28 %
4,06 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
-3,49 %p
+0,84 %p
-3,93 %p
+2,37 %p
+2,61 %p
+1,67 %p
+0,40 %p
-0,47 %p

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat ist die kommunale Volksvertretung der Stadt Zülpich. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre. Die letzte Wahl fand am 25. Mai 2014 statt[6].

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Offizielle Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Nicht offizielle Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Wappen von Zülpich
Blasonierung:

„In Silber ein durchgehendes geschliffenes schwarzes Balkenkreuz, belegt mit einem Herzschild, darin in Rot zwei schräggekreuzte goldene Schlüssel.“

Beschreibung:

Das schwarze Balkenkreuz in Silber ist das Wappen Kurkölns, zu dem Zülpich seit 1278/1368 bis 1798 gehörte, die goldenen Schlüssel in Rot verweisen auf den Apostel Petrus und sein Patrozinium über die 848 erstmals erwähnte Kirche St. Peter.

Flagge

Beschreibung der Flagge: „In Weiß ein schwarzes Kreuz, belegt mit einem, zwei gekreuzte gelbe Schlüssel, tragenden roten Schild.“[7]

Die Hauptsatzung gibt keine Auskunft über eine Flagge. Laut Auskunft der Gemeindeverwaltung wird aber eine Wappenflagge geführt.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Als Besonderheit kann angesehen werden, dass im Zülpicher Stadtgebiet der geschützte Feldhamster heimisch ist.

Verkehr[Bearbeiten]

Sonderzug im Bf Zülpich - 2007

Der Bahnhof Zülpich wurde 1864 von der Rheinischen-Eisenbahn-Gesellschaft errichtet und hatte neben dem Bahnhof für die Bördebahn auch ab 1908 Anschlüsse der Dürener und Euskirchener Kreisbahnen, denn dort befand sich zwischen 1908 und 1962 der Übergabebahnhof. 1959 stellte die EKB ihren Betrieb in Zülpich ein, 1963 folgte die DKB. Der Personenverkehr wurde zum 27. Mai 1983 mit der Stilllegung der Bördebahn eingestellt.

Nachdem 1962 die Anschlussgleise für die Güteranschließer eingerichtet waren, entfiel die Übergabemöglichkeit für die Dürener und Euskirchener Kreisbahn im Bahnhof Zülpich. Die Übergabeanlagen wurden demontiert bzw. umfunktioniert. Von 1976 bis 1995 wurden die Transporte von der Zülpicher Industriebahn übernommen. Diese verfügte zwischen 1987 und 1995 sogar über zwei eigene Lokomotiven. Ansonsten wurde der Verkehr mit den Loks der Deutschen Bundesbahn durchgeführt. 1995 stellten die Zülpicher Stadtwerke den Betrieb der Industriebahn ein. Von 1996 bis 2002 wurde der Betrieb ausschließlich durch die Bahn AG durchgeführt, danach betrieb die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft (EBM) bis 2006 den Güterverkehr von Zülpich bis Euskirchen. Zusätzlich wird seit 2003 die Papierfabrik Smurfit Kappa Zülpich von der Rurtalbahn GmbH mit Braunkohle beliefert. Dieser Auftrag zur Kohlebelieferung bringt einen Jahresumfang von 38.000 Tonnen Braunkohle auf die Gleise zwischen Düren und Zülpich. Für den Betrieb der Firma Kappa mussten deshalb neue Weichenverbindungen angelegt werden. Es gab noch Industrieanschlüsse zur Zülpicher Brikettfabrik, zur Papierfabrik Sieger (später Zülpich Papier, heute Smurfit Kappa Zülpich Papier), zur Firma Mundt, zu den Zülpicher Steinzeugwerken sowie zu den Firmen Liquipack, Cerestar GmbH (Weizenprodukte) und Albis-Plastic GmbH.

Nach der Einstellung des Personenverkehrs wurde es auch im Bahnhof Zülpich ruhig. Das Bahnhofsgebäude ist neben dem vermieteten Lagerschuppen noch erhalten. Das Stellwerk Zf wurde renoviert und wird seit 2007 von der IG Rurtalbahn genutzt. Es halten seit 2006 wieder am Wochenende Züge der Bürgerbahn vom Bördeexpress am Bahnhof Zülpich, an dem zwischenzeitlich der Bahnsteig erneuert wurde.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

Zülpich wird der Tourismusregion Eifel zugeordnet. Die leicht hügelige Landschaft bietet mit ihren Bachauen, dem Naturschutz- und Wassersportsee gute Freizeitmöglichkeiten für Reiter, Radfahrer und Wanderer. Zülpich ist an eine Reihe von Radwanderwegen angeschlossen. Die 524 km lange Wasserburgen-Route verbindet mehr als 130 Burgen am Rand der Eifel und in der Kölner Bucht. Das 265 km lange Radwegenetz der Tälerroute erschließt touristisch interessante Orte in Nordrhein-Westfalen auf familienfreundlicher Strecke. Die 480 km lange Kaiser-Route verläuft von Aachen nach Paderborn. Sie ist nach Kaiser Karl dem Großen benannt, der in Aachen residierte. Der Routenverlauf orientiert sich an der mutmaßlichen Route, die das kaiserliche Heer in Jahr 775 auf seinem Kreuzzug in das Gebiet der Sachsen nahm.

Landesgartenschau 2014 / Gartenschaupark Zülpich[Bearbeiten]

Römerbastion am Seepark zum Eröffnungstag der Landesgartenschau 2014 am 16. April 2014

Vom 16. April bis zum 12. Oktober 2014 wurde in Zülpich die nordrhein-westfälische Landesgartenschau 2014 ausgerichtet.

Hauptartikel: Gartenschaupark Zülpich

Der Gartenschaupark Zülpich ist nach Beendigung der der Landesgartenschau am 12. Oktober 2014 die Nachfolgelösung für große Teile das ehemaligen Gartenschaugeländes.

Wohnmobilhafen[Bearbeiten]

Nahezu direkt am südlichen Ufer des Wassersportsees Zülpich liegt ein Wohnmobilhafen mit rund 70 Stellplätzen. Im Zuge der Errichtung des Seeparks wurde er um ca. 100 Meter in östlicher Richtung verschoben.[8]

Wassersportsee[Bearbeiten]

Hauptartikel: Wassersportsee Zülpich

Der rund 85 ha große Wassersportsee liegt im Süd-Osten der Stadt und entstand in den 1970er-Jahren durch die Flutung eines ehemaligen Braunkohletagebaus.

Neffelsee[Bearbeiten]

Hauptartikel: Neffelsee

Der Neffelsee ist ein Naturschutzsee, liegt südwestlich von Zülpich, kurz vor der Ortschaft Füssenich, und entstammt ebenfalls einem ehemaligen Braunkohletagebau.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Die Kirche St. Peter[Bearbeiten]

Hauptaltar Kirche St.Peter, Flandrischer Schnitzaltar (um 1500)
Nebenaltar Kirche St.Peter, Flandrischer Schnitzaltar (um 1500)

Die Kirche wurde im Jahre 848 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Im Laufe der Jahre wurde sie verschiedentlich umgebaut und erweitert. Beim alliierten Bombenangriff am 24. Dezember 1944 wurde sie vollständig zerstört. Die Grundsteinlegung zum Wiederaufbau erfolgte im Jahre 1953. Besonders erwähnenswert sind die Antwerpener Schreinaltäre, die neugotischen Beichtstühle und die romanische Krypta, die sich linksseitig vom Altarraum befindet.

Die Landesburg aus dem 14. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die Zülpicher Landesburg aus westlicher Richtung, im Hintergrund die Kirche St. Peter

Die erste Burg an diesem Platz wurde von den Jülicher Pfalzgrafen widerrechtlich errichtet. Vom Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden wurde das Jülicher Schloss abgerissen und an dessen Stelle die heutige Burg Mitte des 14. Jahrhunderts erbaut. Die für das Mittelalter untypische Lage der Burg auf relativ ebenem, lediglich nach Norden abfallenden Gelände erklärt sich daraus, dass die Burg auf den Grundmauern des ehemaligen römischen Kastells und nachfolgender Befestigungsanlagen erbaut wurde. Die Vorgängerburg wurde während der Normanneneinfälle im 9. Jahrhundert zerstört.

Während des Dreißigjährigen Krieges und der Raubkriege Ludwig XIV. erlitt die Burg schwere Beschädigungen. Nach ihrem Wiederaufbau verfiel sie in den folgenden Jahrhunderten. 1741 gelangte sie in Privatbesitz. Ab 1870 beheimatete sie eine Schnapsbrennerei, bis sie 1944 bei Bombenangriffen erneut schwer beschädigt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die mittelalterlichen Außenmauern und die Fabrik im Innenhof wieder aufgebaut.

Ende der 1970er Jahre wurde die Brennerei an die Maywerke verkauft und die Produktion in Zülpich eingestellt, die Burg begann erneut zu verfallen. Erst Anfang des 21. Jh. konnte die Burg an private Investoren verkauft werden. Diese richteten nach Renovierung Privatwohnungen und gewerblich nutzbare Räume ein. Einen Teil belegt seit 2009 der Zülpicher Geschichtsverein mit einer Geschichtswerkstatt. In dieser gibt es für Touristen und Interessierte einen Infopunkt, außerdem führt der Verein am ersten Adventwochenende im Burginneren einen kleinen Weihnachtsmarkt durch.

2013 wurde der Ostturm der Landesburg zu einem Aussichtsturm ausgebaut.

Das Rathaus[Bearbeiten]

Das mittelalterliche Rathaus wurde bis auf den Rathausturm zerstört. Die Grundsteinlegung zum neuen Rathaus fand im Jahre 1950 statt, jedoch nicht an der alten Stelle, sondern links neben dem Postgebäude, mittig auf dem Marktplatz. Die Stadtbediensteten konnten 1952 die Arbeit im neuen Haus aufnehmen. Aber im Laufe der Zeit wurde es zu klein, und so wurde das moderne Rathaus 1982 an das bestehende angebaut.

Der Rathausturm[Bearbeiten]

Der alte Rathausturm

Der spätgotische Turm wurde wahrscheinlich zwischen 1722 und 1725 errichtet. Jeder Ratsherr musste im Jahre 1726 auf eigene Kosten ein Glasfenster „stiften“, wofür er vom Bürgermeister mit 1/4 Wein „entlohnt“ wurde. Seit einigen Jahren befindet sich im Rathausturm ein italienisches Restaurant.

Die Stadtmauer[Bearbeiten]

Zülpich hat eine noch fast komplette Stadtmauer, wie es sie im Rheinland nur noch wenige gibt. Sie umgibt den Stadtkern. Diese mittelalterliche Ringmauer steht zum Teil auf den Resten einer römischen Mauer. Sie wurde im 14. Jh. zusammen mit den vier Stadttoren errichtet. An der Stadtmauer – am Frankengraben – ist ein 1979 in Mechernich-Breitenbenden freigelegtes und danach in Zülpich aufgestelltes Stück[9] der römischen Wasserleitung zu sehen, die aus der Eifel nach Köln führte.

Die Stadttore[Bearbeiten]

Das Kölntor[Bearbeiten]

Im Zuge der Stadtbefestigung Ende des 14. Jahrhunderts wurde das Osttor der Stadt am Ende der gleichnamigen Straße nach Köln als sogenanntes Doppeltor errichtet, das heißt, durch das erste Tor (eckiger Vortorbau mit Zinnen) gelangte man in einen Hof (Zwinger), um durch das zweite, höhere Haupttor (Innentor) in die Stadt zu gelangen. Damit sollte dem Feind das Eindringen erschwert werden. 1886 wurde es vergrößert, der Torbogen wurde höher gelegt. Aber der Verkehr nahm immer mehr zu, und die an das Tor angebaute Stadtmauer musste daraufhin durchbrochen werden. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kölntor mit Panzersperren aus Beton versehen, die heute noch sichtbar sind. Die Kriegsschäden waren hier sehr hoch, und so wurden die Mauern zwischen 1949 und 1953 ausgebessert. Eine ausgiebige Restaurierung wurde von der Karnevalsgesellschaft Blaue Funken vorgenommen. Sie richtete in Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Landeskonservator im Tor eine Wachstube ein.

Das Bachtor[Bearbeiten]

Erbaut wurde es im Jahre 1393, ebenfalls als Doppeltoranlage am Ende der Bachstraße im Norden in Richtung Bergheim und Niederlande. Hier wurde das Vortor, auf einem Stich von 1746 als Zinnenvortor ohne Rundtürme (ähnlich Kölntor) dargestellt, wegen des zunehmenden Verkehrs um 1900 entfernt. Die Stadtmauer reichte bis an das Tor heran. Später wurde sie, wieder wegen des Verkehrs, durchbrochen. Heute läuft die Straßenführung der nach dem Tor benannten Bachstraße (K 82) westlich am Tor vorbei.

Das Weiertor[Bearbeiten]
Innenraum des Weiertors

Das allgemein als „schönstes der Zülpicher Tore“ bezeichnete westliche Stadttor nach Düren wurde ebenfalls Ende des 14. Jh. als Doppeltor erbaut. Bei Bombenangriffen wurde es zum Großteil zerstört. Das eigentliche Haupttor, rechteckiger Torturmbau mit Zinnenkranz ähnlich dem Bachtor, steht nicht mehr, nur der linke runde Vorderturm überstand den Krieg. Der rechte Turm wurde erst im Jahre 1974 wieder aufgebaut.

Das Münstertor[Bearbeiten]

Das Münstertor wurde im Jahre 1357 als erstes der Stadttore am südlichen Ende der gleichnamigen Straße errichtet und führte auf die Landstraße nach Bad Münstereifel. Auf dem Stich von 1746 (Das mittelalterliche Stadtbild Zülpichs auf einer Zeichnung der Frühen Neuzeit) ist das Münstertor mit ähnlichem Vortor wie das Bachtor einschließlich der zwei runden Flankentürme dargestellt. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens musste die Stadtmauer am Tor entfernt werden. Auch das Münstertor wurde im Krieg sehr stark zerstört. Die zinnengekrönten Eckwarte, die es als einziges Tor hatte, wurden erst 1976 wiederhergestellt. Bei Erdarbeiten zum 2012 fertiggestellten Kreisverkehr wurden Fundamente einer Doppeltoranlage gefunden. Damit bestätigte sich die Darstellung auf dem Stich von 1746. Wie das Kölntor beheimatet das Münstertor eine Karnevalsgesellschaft, die Prinzengarde. Problem beim Ausbau zur Wachstube war der Treppenaufgang. Man einigte sich bald auf die Variante einer Stahlkonstruktion neben dem Turm, so wie sie heute sichtbar ist.

Die Martinskirche[Bearbeiten]

Die Martinskirche, heute eine Bürgerbegegnungstätte

Die Kirche befand sich im 12. Jh. an der heutigen Römerallee, nahe dem Friedhof. Der Erzbischof Siegfried von Westerburg ließ sie abreißen und an der heutigen Stelle 1279 wieder aufbauen. Seit der Säkularisierung im Jahre 1802 wurde sie verschiedentlich als Lagerhalle und Wohnstätte genutzt. 1952 brannte die Kirche völlig aus. 1997 wurde der Umbau der Kirche in eine Bürgerbegegnungsstätte abgeschlossen.

Römerthermen[Bearbeiten]

Auf dem Mühlenberg, in unmittelbarer Nähe der Kirche St. Peter, befinden sich römerzeitliche Thermen aus dem 2. Jahrhundert. Sie gelten als besterhaltene Ruinen dieser Art nördlich der Alpen. Sie sind heute in ein Museum der Badekultur integriert.

Haus Spitz[Bearbeiten]

Hauptartikel: Haus Spitz

Haus Spitz ist ein repräsentatives Landhaus mit großem Landschaftspark. Es war das Wohnhaus des Papierfabrikanten Heinrich Xaver Sieger.

Museum der Badekultur[Bearbeiten]

Links das „Museum der Badekultur“, im Hintergrund das alte Museum
Hauptartikel: Museum der Badekultur

Über den römerzeitlichen Thermen am Mühlenberg wurde ab 2004 nach Plänen des Zülpicher Architekten Markus Ernst das Museum für Badekultur erbaut und im September 2008 eröffnet.

Geschichtswerkstatt[Bearbeiten]

Nach der Eingliederung der Räumlichkeiten des ehemaligen Heimatmuseums Zülpich in der alten Probstei am Mühlenberg in das Museum der Badekultur wurde von 2009 bis zum Oktober 2011 der größte Teil des Ausstellungsbestandes des alten Heimatmuseums in die neu geschaffene Geschichtswerkstatt überführt.[10] Die Räumlichkeiten befinden sich in der ebenfalls am Mühlenberg gelegenen kurkölnischen Landesburg. Entgegen möglicherweise auf Ableitungen aus dem Namen Geschichtswerkstatt fußenden Vorstellungen handelt es sich hierbei um ein ganz normales Museum zur Stadtgeschichte Zülpichs und nicht etwa um eine Forschungseinrichtung oder ein Kreativprojekt. Träger des Museums sind die Stadt Zülpich und in ehrenamtlicher Tätigkeit der Zülpicher Geschichtsverein.

Frauenbildungshaus Zülpich[Bearbeiten]

Hauptartikel: Frauenbildungshaus Zülpich

1979 wurde mit dem Frauenbildungshaus Zülpich im Ortsteil Lövenich das deutschlandweit erste ausschließlich der Frauenbildung gewidmete Tagungszentrum eröffnet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Historische Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Hubert Salentin, * 15. Januar 1822 in Zülpich; † 7. Juli 1910 in Düsseldorf, Maler

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Ferdinand von Hompesch zu Bolheim, * 9. November 1744 in Zülpich-Oberelvenich, † 12. Mai 1805 in Montpellier, Großmeister des Malteserordens
  • Ludwig Sieger, * 27. September 1857 in Zülpich; † 15. November 1952 in Vettweiß, General
  • Theodor Weber, * 28. Januar 1836; † 12. Januar 1906 in Bonn, Bischof
  • Thomas Eßer, * 15. Mai 1870 in Schwerfen; † 29. November 1948 in Euskirchen, Herausgeber und Politiker
  • Karl Sieger, * 27. August 1883 in Zülpich; † 23. Juni 1961 in Vettweiß-Gladbach, Landrat
  • Theo Breuer * 30. März 1956 in Bürvenich, Schriftsteller und Herausgeber
  • Kai Meyer, * 23. Juli 1969 in Lübeck, Autor, in Zülpich aufgewachsen, lebt seit 2007 in Lechenich
  • Silke Rottenberg, * 25. Januar 1972 in Euskirchen, ehemalige Fußballnationalspielerin, in Zülpich aufgewachsen
  • Hans Biermann, * 23. November 1954 in Lünen, Mediziner und Verleger, lebt in Zülpich
  • Oliver Krischer, * 26. Juli 1969 in Zülpich, Bundestagsabgeordneter, lebt in Düren

Wissenswertes[Bearbeiten]

  • Nach Zülpich (frz.: Tolbiac) sind in Paris die Straße Rue de Tolbiac, sowie die Brücke Pont de Tolbiac benannt. Zudem gibt es hauptsächlich im Rheinland einige weitere, nach Zülpich benannte Straßen und Plätze, darunter in Köln, Bonn, Düsseldorf und Düren.
  • Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde am Neffelbach auch in Zülpich Weinbau betrieben.
  • In Zülpich gab es einen jüdischen Friedhof, dessen Tote 1958 nach Köln-Ehrenfeld umgebettet wurden.

→Siehe auch Liste der Mühlen am Neffelbach

Literatur[Bearbeiten]

  • „Tolbiacum“ im Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA)
  • Dieter Kastner (Bearb.): Das Schöffenbuch der Stadt Zülpich und die Urkunden des Stadtarchivs. Köln 1996 (mit einem Beitrag zur mittelalterlichen Stadt- und Rechtsgeschichte von Zülpich.), ISBN 3-7927-1591-0
  • Dieter Geuenich, Thomas Grünewald, Reinhold Weitz: (Hrsg.): Chlodwig und die Schlacht bei Zülpich. Geschichte und Mythos 496 - 1996. (Begleitbuch zur Ausstellung in Zülpich 30. August - 26. Oktober 1996), Euskirchen 1996, ISBN 3-9802996-7-8
  • Heribert van der Broek: 2000 Jahre Zülpich. Zülpich 1968
  •  Heinz Firmenich: Zülpich. In: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Hrsg.): Rheinische Kunststätten. Gesellschaft für Buchdruckerei AG, Köln, ISBN 3-88094-184-X.
  • Paul Heusgen: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Zülpich. Siegburg 1958
  • Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Euskirchen. Düsseldorf, Schwann 1900. (mit Beiträgen zu Zülpich und Hoven)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zülpich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 3. September 2014. (Hilfe dazu)
  2. Der Ortsname Tolbiacum ist gallischer Abstammungs *Tolbiākon
  3. Kölner Stadt-Anzeiger: Joachim Sprothen: Unscheinbar, aber höchst kostbar. 24. November 2009
  4.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 88.
  5.  Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.
  6. Stadt Zülpich. Europawahl / Kommunalwahlen 2014. 25. Mai 2014, abgerufen am 30. Oktober 2014.
  7. Hauptsatzung der Stadt Zülpich, § 2. Abgerufen am 3. Januar 2013 (PDF; 144 kB).
  8. Wohnmobilhafen. Stadt Zülpich, abgerufen am 15. Juni 2014.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-Formatwww.eifel.de - Sehenswürdigkeiten: Römische Wasserleitung. Abgerufen am 2. Januar 2010.
  10. Geschichtswerkstatt: Jetzt ist das Herzstück vollendet. Kölnische Rundschau, 12. Oktober 2011, abgerufen am 15. Juni 2014.