Zürcher Oberland

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Pfäffikersee, Kempten bei Wetzikon und der Bachtel
Blick übers Tösstal (vorne) nach Süden zu den Alpen; links vom Triebwerk liegt Bauma, links unten Oberhofen bei Turbenthal
Bei Turbenthal im Tösstal

Das Zürcher Oberland (schweizerdeutsch Züri-Oberland) bezeichnet das hügelige Hinterland im Südosten des Kantons Zürich und das Tössbergland.

Geografie[Bearbeiten]

Das Zürcher Oberland umfasst die Zürcher Bezirke Uster, Hinwil, Pfäffikon und das Mittlere Tösstal im Bezirk Winterthur. Rund um Greifen- und Pfäffikersee finden sich noch flache und leicht hügelige Gebiete, oft auch von geschützten Moorlandschaften und Drumlins geprägt. Weiter östlich erheben sich dann die Berge des Oberlands mit Bachtel (1115 m ü. M.) in einer ersten Hügelkette und dem Schnebelhorn (1292 m ü. M.) und Hörnli (1133 m ü. M.) in der hinteren Kette auf der Grenze zum Kanton St. Gallen. Von diesen Ausflugspunkten - bei Wanderern und Bikern sehr beliebt - bieten sich weite Rundblicke von den Alpen über den Zürichsee und das Zürcher Unterland bis gegen Bodensee und Säntis.

Zum Oberland zählen die folgenden Gemeinden:
Bäretswil - Bauma - Bubikon - Dürnten - Egg - Fällanden - Fehraltorf - Fischenthal - Gossau ZH - Greifensee - Grüningen - Hinwil - Hittnau - Illnau-Effretikon - Kyburg - Maur - Mönchaltorf - Pfäffikon - Russikon - Rüti ZH - Schlatt (ZH) - Seegräben - Sternenberg - Turbenthal - Uster - Volketswil - Wald - Weisslingen - Wetzikon - Wila - Wildberg und Zell.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

An Sehenswürdigkeiten gibt es die Dampfbahn Zürcher Oberland von Bauma nach Hinwil, das Schloss Kyburg, das Ritterhaus Bubikon, das Dinosauriermuseum in Aathal und den Industrielehrpfad von Uster nach Bauma. Dieser zeugt von einer industriellen Entwicklung, die im Verlauf des 19. Jahrhunderts massgeblich durch die Initiative von Adolf Guyer-Zeller (1839–1899) bestimmt wurde. Die Tösstalbahn wurde im Bestreben, das Dorf Bauma zu einem Welthandelszentrum zu machen, gebaut. Noch heute zeugen die Gleise von Hinwil nach Bauma, die im Sommer an Wochenenden noch in Betrieb sind, von dem regen Interesse dieses Mannes, der es nicht unterliess, weitere Projekte wie die Uerikon-Bauma-Bahn und in späteren Jahren (1893) auch ein Grossprojekt wie die Jungfraubahn zu realisieren.

Das Oberland war Anfang des letzten Jahrhunderts das Ausflugsziel der Stadtzürcher, und die Skilifte von Fischenthal und Steg waren mit der Tösstalbahn leicht zu erreichen. Die Bedeutung dieses nahen Erholungsgebietes ging infolge der grösseren Mobilität verloren. Hingegen bietet sich die Region dank der S-Bahn Zürich als ruhiger Wohnort für Personen an, die in Zürich arbeiten. Uster ist mit der Bahn keine Viertelstunde von Zürich entfernt.

Volkskunde[Bearbeiten]

Die Inschriften an den Vordachpfetten der Häuser der bäuerlichen Oberschicht zeigen die Emanzipation dieser Kreise von der Vorherrschaft der Stadt Zürich im Ancien Régime. Die ersten Inschriften erscheinen Mitte des 17. Jahrhunderts mit dem Aufkommen der Aufklärung. Bezeichnenderweise bricht diese Tradition mit dem Ustertag 1830 (Gleichberechtigung von Stadt und Landschaft) schlagartig ab.

Die Inschriften sind alle gleich aufgebaut: Sie beginnen meist mit einem Segensspruch, woraus man fälschlicherweise auf eine besondere Frömmigkeit der Oberländer geschlossen hat. Bei der Inschrift gibt sich der Bauherr selbstbewusst, indem er seinen Vornamen, Namen und sein politisches Amt (z. B. Amtsrichter, Kirchenpfleger, Leutnant) aufführt. Seltener wird noch seine Frau genannt. Darauf folgen der Zimmerermeister und das genaue Aufrichtedatum des Hauses mit Tag, Monat und Jahr. Den Schluss bildet die Angabe der Teuerung (Preis des Getreides und des Weins als wichtigste Produkte der damaligen Landwirtschaft). Dazu kommen oft noch meteorologische Angaben oder Berichte über besondere Katastrophen wie Dorfbrände oder Unwetter. Diese Inschriften kommen nur im Zürcher Oberland vor; im übrigen Kanton Zürich oder in der Schweiz fehlen sie. Sie bilden eine wichtige Grundlage für Volkskunde, Lokalgeschichte, Familienforschung, Sprachgeschichte, Religion und wirtschaftliche Entwicklung des Zürcher Oberlandes. Gegenwärtig sind es noch 437 Inschriften.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Peter Bärtschi: Der Industrielehrpfad Zürcher Oberland. 128 Seiten, mit 80 Fotos, Objekt- und Situationsskizzen sowie Plänen. ISBN 3-85981-163-0
  • Peter Surbeck: Die Inschriften an Bauernhäusern im Zürcher Oberland, Angrenzende Gebiete (2004) Verlag USTER-Info GmbH ISBN 3-908678-20-X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zürcher Oberland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Zürcher Oberland – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Surbeck: Die Inschriften an Bauernhäusern im Zürcher Oberland, Angrenzende Gebiete (2004) Verlag USTER-Info GmbH ISBN 3-908678-20-X