Złotów

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Złotów
Wappen von Złotów
Złotów (Polen)
Złotów
Złotów
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Landkreis: Złotów
Fläche: 11,58 km²
Geographische Lage: 53° 22′ N, 17° 2′ O53.36666666666717.033333333333Koordinaten: 53° 22′ 0″ N, 17° 2′ 0″ O
Höhe: 110 m n.p.m
Einwohner: 18.593
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 77-400
Telefonvorwahl: (+48) 67
Kfz-Kennzeichen: PZL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 188: PiłaDebrznoCzłuchów
DW 189: Jastrowie–Więcbork
Schienenweg: PKP-Linie 203: Kostrzyn nad Odrą–Tczew
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Einwohner: 18.593
(31. Dez. 2013)[1]
Gemeindenummer (GUS): 3031011
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Stanisław Wełniak
Adresse: al. Piasta 1
77-400 Złotów
Webpräsenz: www.zlotow.eu

Złotów ['zwɔtuf] (deutsch Flatow) ist eine Stadt in der Wojewodschaft Großpolen in Polen. In der Stadt hat die sie umgebende Gmina Złotów ihren Sitz.

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt im Norden der Woiwodschaft Großpolen, umgeben von mehreren Seen, am linken Ufer des Flusses Głomia. Die Woiwodschaftshauptstadt Posen (Poznań) ist etwa 110 Kilometer entfernt.

Geschichte[Bearbeiten]

Ehemalige evangelische Kirche (links), entworfen von Karl Friedrich Schinkel.

Ein Burgwall am Ufer des Babbensee war um 700 n. Chr. Sitz eines pomeranischen Stammeshäuptlings. Das Land gehörte den Herzögen von Pommerellen aus dem Haus der Samboriden, bis dieses Herzogshaus 1294 ausstarb. Später herrschte der Deutsche Orden, der sich aber wegen des Flatower Lands ständig mit den Polen im Streit befand. 1370 wurde Flatow als Stadt mit Magdeburger Stadtrecht erwähnt, befand sich aber unter polnischer Herrschaft. Kurzzeitig überließ der polnische König Kasimir III. seinem Enkel, dem Pommernherzog Kasimir IV., um 1375 die Stadt zum Lehen.

1532 erhielt Flatow, das inzwischen stadtherrschaftliche Mediatstadt geworden war, Marktrecht. 1619 wurde mit einer von Jan Potulicki unterzeichneten Urkunde die katholische Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt gegründet. Sie erhielt unter anderem neuen Hufen Land und 3.000 Gulden. Die turmlose Kirche wurde allerdings erst 1660 durch ihren Stadtherren Andreas Grundinski erbaut. Eine evangelische Kirche bestand schon seit der Reformation, sie wurde während des Dreißigjährigen Krieges zerstört, aber 1652 wieder aufgebaut. Im Polnisch-Schwedischen Krieg wurde 1657 die Flatower Burg von den Schweden angriffen. Durch den Beschuss wurden auch Teile der Stadt, unter anderem das Rathaus zerstört. Nachdem 1688 die Familie Grudzinski ausgestorben war, übernahmen die Dzialynscys die Stadtherrschaft.

Während der Jahre 1709 und 1711 wurde auch Flatow von der Pest heimgesucht. Der Seuche fielen 1650 Einwohner zum Opfer. Zur Versöhnung mit dem zürnenden Gott wurde auf dem Friedhof eine dem heiligen Rochus geweihte Kapelle errichtet. Während des Nordischen Krieges marschierten russische Truppen in den Jahren 1717 und 1718 durch die Stadt. 1734 wurde die Stadt im Laufe des Polnischen Thronfolgekriegs durch russische Truppen zerstört.

Durch die Erste Polnische Teilung kam Flatow 1772 zu Preußen und wurde dem Netzedistrikt zugeordnet. Die Stadt hatte sich inzwischen zu einem wirtschaftsstarken Brauerei- und Tuchmacherzentrum entwickelt, wobei der Handel vollständig in jüdischer Hand lag. 1788 wechselte erneut die Stadtherrschaft, nachdem sie Johann von Farenfeld erworben hatte. Dieser verkaufte die Stadt bereits zehn Jahre später an Johann Karl von Gerhardt.

1803 gab es den letzten großen Stadtbrand, dem im 17. und 18. Jahrhundert bereits mehrere ähnliche Katastrophen vorangegangen waren. Durch die Einführung einer neuen preußischen Territorialverwaltung wurde Flatow 1818 Kreisstadt des Kreises Flatow und lag nun in der Provinz Westpreußen. 1820 erwarb das preußische Königshaus die Stadt für 800.000 Taler mit der Festlegung, dass der jeweils älteste Verwandte des Königs die Eigentumsrechte ausübt. Auf Veranlassung des Königs Friedrich Wilhelm III. erhielt Peter Joseph Lenné den Auftrag, die Stadtanlagen zu gestalten, und Carl Friedrich Schinkel wurde beauftragt, den Entwurf für eine neue evangelische Kirche zu erstellen. Ab 1871 entwickelte sich Flatow zu einem Eisenbahnknotenpunkt. Zu der sich daraufhin entwickelnden Industrie gehörte auch die 1881 von Franz Welsch gegründete Bierbrauerei, die sich zu einer der größten in Westpreußen entwickelte. 1907 wurde ihr der Titel „Königlicher Hoflieferant“ verliehen. 1912 entstand mit dem Wasserturm ein heute noch vorhandenes Wahrzeichen der Stadt.

Als eine Folge des Versailler Vertrages mussten 1919 zwei Fünftel des Kreises Flatow an Polen abgegeben werden, die Stadt Flatow verblieb aber trotz heftiger Proteste der polnischen Minderheit bei Deutschland. Sie wurde in die neu geschaffene Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen eingegliedert. Als diese 1938 wieder aufgelöst wurde, kam Flatow zu der Provinz Pommern. Am 21. Juni 1924 bestätigte das Reichsgericht die Eigentumsrechte des preußischen Prinzen Friedrich Leopold an Flatow und fällte damit eine wichtige Grundsatzentscheidung zu den Entschädigungsansprüchen des deutschen Adels in der Weimarer Republik.

Der Zweite Weltkrieg endete 1945 für Flatow nach polnischen Quellen mit der Einnahme durch ein polnisches Infanterieregiment der Sowjetarmee. Dabei wurde die Stadt zu einem Drittel, hauptsächlich im Zentrum, zerstört. Im Juni 1945 hatte bereits die polnische Verwaltung ihre Arbeit aufgenommen und der Stadt den neuen Namen Złotów gegeben. Zu einer ihrer ersten Aktivitäten zählte die Eröffnung neuer polnischsprachiger Schulen. Die noch verbliebenen deutschen Einwohner wurden 1946 ausgewiesen oder mussten die polnische Staatsangehörigkeit annehmen. Polnische Bürger zogen in die Stadt. 1975 verlor die Stadt ihren Status einer Kreisstadt, den sie erst 1999 zurückerhielt. 1977 nahm das Werk „METALPLAST“ seinen Betrieb auf, das sich zu einem der wichtigsten Industriestandorte der Region entwickelte. 2003 begann die Altstadtsanierung, mit der die wichtigsten Straßenzüge ihren ursprünglichen Charakter zurückbekamen.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

Jahr Anzahl
1783 1,597, davon etwa 600 Protestanten, 300 Katholiken and 714 Juden[2]
1805 1.764, davon 1.058 Christen und 705 Juden[3]
1849 2.841[4]
1853 2.772, davon 2.163 Christen und 609 Juden[3]
1875 3.510[5]
1880 3.921[5]
1890 3.852, davon 2.082 Protestanten, 1.368 Katholiken und 402 Juden[5]
1925 5.939, davon 3.555 Protestanten, 2.105 Katholiken und 211 Juden (800 Polen)[6]
1933 7.112[5]
1939 7.496[5]
2012 18.754

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Heimatmuseum in Złotów
Das örtliche Rathaus

Verkehr[Bearbeiten]

Die Wojewodschaftsstraße DW188 führt zu den Städten Człuchów (Schlochau) im Norden und Piła (Schneidemühl) im Süden.

Vom örtlichen Busbahnhof fahren Fernbusse nach Bydgoszcz (Bromberg), Warschau über Toruń und Koszalin über Szczecinek (Neustettin). Im Nahverkehr werden Wałcz (Deutsch Krone), Debrzno (Preußisch Friedland), Jastrowie, Chojnice (Konitz), Człuchów und Piła regelmäßig bedient.

Złotów liegt an der Strecke der Preußischen Ostbahn von Berlin über Malbork (Marienburg) nach Kaliningrad. Auf dieser Bahnlinie verkehren heute von Chojnice nach Piła und auch weiter nach Krzyż Wielkopolski (Kreuz) Regionalzüge der Przewozy Regionalne.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • F. W. F. Schmitt: Der Kreis Flatow. In seinen gesammten Beziehungen dargestellt. Lambeck, Thorn 1867.
  • Otto Goerke: Geographie, Statistik und Geschichte des Kreises Flatow, 1899
  • Ernst Bohn: Geschichte des Kirchenkreises Flatow in Westpreußen, 1902
  • Otto Goerke: Der Kreis Flatow. In geographischer, naturkundlicher und geschichtlicher Beziehung. Kreisausschuß, Thorn 1918 (2. Auflage: Heimatkreisausschuss für den Kreis Flatow, Gifhorn 1981 (Enthält zusätzlich: Manfred Vollack: Das Flatower Land in der Zeit von 1918 bis 1945.)).
  • Heimatbuch für den Kreis Flatow, Grenzmark Posen-Westpreußen, Provinz Pommern. 1971
  • Wojciech Wrzesiński (Hrsg.): Ziemia Złotowska. Morskie, Gdańsk 1969.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Złotów – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 14. Juni 2014.
  2. Johann Friedrich Goldbeck: Vollständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II, Marienwerder 1789, S. 99-100, Nr. 4).
  3. a b F. W. F. Schmitt: Topographie des Flatower Kreises. In: Preußische Provinzialblätter, Andere Folge, Band VII, Königsberg 1855, S. 116.
  4. Amtsblatt für den Regierungsbezirk Marienwerder. Band 43, Nr. 23 vom 8. Juni 1853, S. 135.
  5. a b c d e http://www.verwaltungsgeschichte.de/flatow.html
  6. Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Stadt Flatow im ehemaligen Kreis Flatow in Pommern (2011)