Załuski-Bibliothek

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Die Załuski-Bibliothek 1752
Das Bibliotheksgebäude um 1800

Die Załuski-Bibliothek (Polnisch Biblioteka Załuskich, Lateinisch: Bibliotheca Zalusciana) war eine polnische Bibliothek. Sie wurde in Warschau von 1736 bis 1747 von den katholischen Bischöfen Józef Andrzej Załuski und seinem Bruder Andrzej Stanisław Załuski in Warschau errichtet und existierte von 1747 bis zu ihrer Auflösung durch die russische Armee 1795. Die Bibliothek war der Öffentlichkeit zugänglich und somit die erste Öffentliche Bibliothek Polens, die größte des Landes und gehörte zu den zu diesen Zeitpunkt größten Bibliotheken weltweit.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gründer der Załuski-Bibliothek, Józef Andrzej Załuski und Andrzej Stanisław Załuski, waren Bücherliebhaber und trugen im Laufe der Zeit die Büchersammlungen vieler anderer, früherer polnischer Bibliophiler, wie etwa Jakub Zadzik, Krzysztof Opaliński, Tomasz Ujejski, Janusz Wiśniowiecki, Jerzy Mniszech und Johann III. Sobieski zusammen. Der Plan zur Gründung einer Bibliothek, die diese Werke enthalten sollte, entstand bereits in den 1730ern und wurde durch die Einrichtung der Załuski-Bibliothek im Warschauer Daniłowicz-Palast 1747 realisiert. Die Bibliothek hatte zwei Stockwerke (ein großer Leseraum befand sich auf der zweiten Etage) und wurde von einem kleinen Turm gekrönt, in dem sich ein astronomisches Observatorium befand.[2]

Die Załuski-Bibliothek wird als erste öffentliche Bibliothek Polens und als eine der größten Bibliotheken ihrer Zeit betrachtet. Bei ihrer Eröffnung beinhaltete die Bibliothek über 200.000 Werke, welche bist Ende der 1780er auf über 400.000 Druckerzeugnisse, Karten und Manuskripte anwuchsen[3] Über diese Werke hinaus gehörten auch eine Kunstsammlung, wissenschaftliche Instrumente sowie Proben von Pflanzen und Tieren zum Bibliotheksbestand.

Die Bibliothek war geöffnet an Dienstagen und Donnerstagen in der Zeit von 7:00 bis 19:00 Uhr. An den Türen hingen Schilder, auf denen die Besucher darum gebeten wurden leise zu sein, vor dem Lesen für die Brüder Załuski zu beten und keine Bücher aus der Bibliothek hinauszunehmen – eine Hausregel, die systematisch gebrochen wurde. Letztlich wendeten sich die Brüder (und Bischöfe) Załuski sogar an Papst Benedikt XIV. und baten diesen um Hilfe bei der Einschränkung des Diebstahls in ihrer Bibliothek, so dass dieser 1752 potentiellen Dieben der Bücher in einer päpstlichen Bulle (vergeblich) mit der Exkommunikation drohte.[4]

Nach dem Tod der Załuski-Brüder übernahm die neugegründete Komisja Edukacji Narodowej (KEN) (Kommission für die nationale Bildung), 1774 die Kontrolle über die Bibliothek. Im Jahr 1794, in der Folgezeit der zweiten polnischen Teilung und des Kościuszko-Aufstands, beschlagnahmten russische Truppen auf Befehl der Zarin Katharina II. den Bestand der Bibliothek und brachten ihn nach St. Petersburg[2][5]. Auf dem Weg dorthin gingen bereits zahlreiche Stücke verloren oder wurden gestohlen oder zerstört.[4] In St. Petersburg wurden der Bestand der Załuski-Bibliothek ein Jahr später ein grundlegender Teil der neugegründeten Imperialen Öffentlichen Bibliothek [2][6]. In späteren Jahren wurde der Bestand der Załuski -Bibliothek auf verschiedene russische Bibliotheken verteilt. 1842 und 1863 kehrten Teile der Sammlung zurück nach Polen [2]. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem polnisch-sowjetischen Krieg wurde ein Teil des historischen Bestandes der Bibliothek – etwa 50.000 Bände – in den 1920er Jahren von der Regierung der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik an den neugegründeten polnischen Staat zurückgegeben.[2][7]

Während der Zeit des Warschauer Aufstandes von 1944 wurden jedoch auch diese verbliebenen Teile durch ein deutsches Brandkommando zerstört. Gerettet werden konnten nur etwa 1800 Manuskripte und 30.000 gedruckte Werke.

Die heutige polnische Nationalbibliothek, die 1928 gegründet wurde, sieht sich selbst als Erbin der Załuski-Bibliothek.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. S.D. Chrostowska: Polish Literary Criticism Circa 1772: A Genre Perspective, abgerufen am 16. Dezember 2009.
  2. a b c d e Maria Witt: The Strange Life of One of the Greatest European Libraries of the Eighteenth Century: the Załuski Collection in Warsaw in FYI France, abgerufen am 17. Dezember 2009.
  3. Encyclopedia of Library and Information Science. Warschau, abgerufen am 17. Dezember 2009.
  4. a b Lech Chmielewski: In the House under the Sign of the Kings. Welcome to Warsaw, abgerufen am 17. Dezember 2009.
  5. Katarzyna Czechowicz: The 260th anniversary of opening the Załuski Library, Auf der Website eduskrypt.pl. 14. August 2007. Abgerufen am 17. Dezember 2009.
  6. Nicholas A. Basbanes: A Splendor of Letters: The Permanence of Books in an Impermanent World, Warschau. ISBN 00-60082-87-9. Abgerufen am 17. Dezember 2009.
  7. Jonathan Rose: The Holocaust and the Book: Destruction and Preservation. Warschau. ISBN 15-58492-53-4. Abgerufen am 17. Dezember 2009.