Zabibah und der König

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Zabibah und der König (arabisch ‏زبيبة والملك‎, DMG Zabība wa-l-Malik) ist ein Roman von Saddam Hussein. Er erschien zunächst anonym im Jahr 2000 im Irak[1] und spielt in der Zeit Babyloniens 700–600 v. Chr. nahe Tikrit.

Interpretation der Romanfiguren durch das MEF[Bearbeiten]

Die Figuren des Romans ordnete das Middle East Forum 2002 aktuellen Ereignissen allegorisch zu:

  • 'Arab – Hauptfigur; ein einsamer, unglücklicher König; Charakter Saddam Husseins
  • Zabibah – arme Frau in unglücklicher Ehe, von 'Arab begehrt; das Volk des Irak
  • Zabibahs Ehemann – grausam und namenlos; die USA
  • Hezkel – Emir und Gegenspieler 'Arabs. Zabibah lebt in der Nähe seines Palastes; repräsentiert Israel
  • Shamil – weiterer Feind von 'Arab; steht für Händler und Juden
  • Nuri Chalabi – ein Feudalherrscher und Gegenspieler von 'Arab. Steht für Ahmad Tschalabi

Zusammenfassung[Bearbeiten]

Liebesgeschichte zwischen einem mächtigen Herrscher und dem schönen, einfachen Mädchen Zabibah. Sie wird von ihrem kaltherzigen Mann vergewaltigt. Die Vergewaltigung geschieht laut MEF allegorisch im Zweiten Golfkrieg 1991 durch die USA.

Vertrieb[Bearbeiten]

Zabibah und der König war im Irak vor dem Krieg 2003 ein Bestseller und verkaufte sich 1 Million Mal. Die Einnahmen wurden, laut Bucheinband, für Hilfszwecke gespendet. Es wurde als Musical aufgeführt und als 20-teilige Fernsehserie verfilmt. 2004 erschien das Buch auf Englisch. Die Übersetzerin Doris Kilias, die auch die Werke Nagib Machfus ins Deutsche überträgt, reklamierte die Unprofessionalität des Verlags, da sie weder Korrekturfahnen noch einen regelrechten Vertrag erhalten habe. Somit ergaben sich erhebliche Kürzungen und Hinzudichtungen durch den Verlag, der offensichtlich das Werk Husseins weniger antisemitisch und antifeministisch gestalten wollte.[2]

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Saddam Hussein: Zabibah und der König. Eine Liebesgeschichte. Aus dem Arabischen von Doris Kilias. Thomas Bauer Verlag, Bad Wiessee 2004, ISBN 978-3936440560

Rezension[Bearbeiten]

Das Werk wurde von Teilen der internationalen Kritik als talentlos und durchschaubar tendenziöse Propaganda beurteilt. Auch die deutschsprachige Fachkritik kommt überwiegend zu einem negativen Urteil: Stil, Konzeption und Geschichte ließen jegliches Talent vermissen und die freizügige Editionsweise des Verlags machten das Ganze nur noch schlechter:

Angela Schader las als Rezensentin für die Neue Zürcher Zeitung eine Geschichte, „die sich großherzig über die Fragen von Plausibilität, Dynamik und Schlüssigkeit hinwegsetzt“, keine Literatur, sondern eine „auf keinem Realitätssinn gegründete und mit ihren eigenen Thesen nicht zu Rande kommende Fabel“, die sich „am Schluss in plapperndes Chaos auflöst“.[3] Cosima Lutz befand für Die Welt das erzählerische Konzept Husseins als zu simpel, um wirklich eine politische Diskussion anregen zu können: „Allegorie hin oder her, Husseins Kampf um Aufmerksamkeit funktioniert wie ein umgekehrter Porno: reden, reden, reden, Sex, reden, reden, reden. (...) Husseins allegorischer Schleier ist zu durchsichtig, um den großen politischen Disput zu erregen, den sich der Verlag wünscht. Gehirnwäsche oder tiefere psychopathologische Erkenntnis sind ebenfalls nicht zu befürchten“.[4] In der satirischen Kurzkritik resignierte Die Zeit: „Zehntausendmal wurde Saddams Roman verkauft, und dies in einer Zeit, da gute Bücher guter Menschen auf den Regalen verstauben“.[5]

„Mit seichten Dialogen und beinahe unfassbarer Plattheit versucht Saddam Hussein in »Zabibha und der König« den Souveränitätsanspruch seiner Schreckensherrschaft und das System der irakischen Ba’ath-Partei zu rechtfertigen. »Gewiss, Majestät. Das Volk braucht Strenge, damit die Guten beschützt werden und die, die schwach und verführbar sind, das Gesetz fürchten«, lässt er Zabibah sagen. Letztlich ist dieses Buch nichts anderes als ein ins Deutsche übersetztes Propagandamittel des ehemaligen Diktators“.[6]

Rezeption[Bearbeiten]

Sacha Baron Cohens Kinofilm Der Diktator wurde mit der Behauptung, er sei eine Verfilmung des Romans, beworben. Tatsächlich stellt diese Behauptung einen Werbegag dar, da es in der schwarzen Komödie vielmehr um eine Filmsatire geht.[7][8]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ofra Bengio: Saddam Husayn's Novel of Fear, 9 Middle East Quarterly 1, 2002.
  2. Ariel Magnus: Der weichgespülte Diktator. In: TAZ. 14. Juni 2004, aufgerufen am 2. November 2011.
  3. Rezensionszusammenfassung zu „Zabibah und der König“ auf perlentaucher.de. 8. April 2004. Aufgerufen am 2. November 2011.
  4. Cosima Lutz: Dichter und Henker: Saddam Husseins Roman "Zabibah und der König". In: Die Welt, 21. April 2004. Aufgerufen am 2. November 2011.
  5. Das Letzte. In: Die Zeit, 17. Juni 2004. Aufgerufen am 2. November 2011.
  6. Heinz Erdmann: Der Tyrann und die Liebe. In: Jungle World Nr. 20, 5. Mai 2004. Aufgerufen am 2. November 2011.
  7. Film: Harte Satire: Sacha Baron Cohens „Der Diktator“ In: Focus. 14. Mai. 2012. Abgerufen am 18. Mai 2012.
  8. Sandra Zistl: Filmkritik: „Der Diktator“: Verfassungslehre mit Sacha Baron Cohen. In: Focus. 17. Mai 2012. Abgerufen am 18. Mai 2012.