Zacharias Longuelune
Zacharias Longuelune (* 1669 in Paris; † 30. November 1748 in Dresden) war ein französischer Architekt und Architekturzeichner. Sein Werk ist dem klassizistischen Barock zuzuordnen.
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Leben [Bearbeiten]
Über seine Geburt ist nichts bekannt. Das Geburtsjahr 1669 oder 1670 ergibt sich aus de Angabe, dass er mit 79 Jahren starb. Der Geburtsort wird aufgrund der Tatsache vermutet, dass seine überlebenden Schwestern in Paris wohnten. Zacharias Longuelune war wahrscheinlich katholisch.
Er erhielt zunächst eine Ausbildung als Maler und studierte anschließend die Baukunst in Paris "bei dem berühmten le Pautre", was vermutlich Antoine Lepautre (1621-1691) war. Auf Veranlassung Jean de Bodt, mit dem er befreundet war, kam er nach Berlin in preußische Dienste, wo er seit November 1704 eine Besoldung als "Ingenieur und Designeur" erhielt. 1710 trat Longuelune auf Anordnung Friedrichs I. eine Studienreise nach Italien an, wurde aber durch dessen Nachfolger Friedrich Wilhelm I. 1713 entlassen, während der noch in Rom weilte. Er verlängerte seinen Italienaufen auf eigene Kosten. Im Januar 1715 war er wieder in Berlin.
Im September 1715 erhielt er in Warschau eine Zahlung von Kurfürst Friedrich August I. für gelieferte Zeichnungen. Der Zeitpunkt seiner Festanstellung am Dresdener Hof ist unbekannt. Seit Januar 1718 erhielt er eine monatliche "Pension." Zwischen 1725 und 1728 wurde er zum Oberlandbaumeister ernannt. In den 1720er Jahren verdrängte er Matthäus Daniel Pöppelmann als für das Baugeschehen maßgeblichen Hofarchitekten. Nach dem Tod des Königs ging sein Einfluss zugunsten Johann Christoph Knöffels zurück. Er wirkte nun hauptsächlich als Lehrer an der Kadettenschule des Ingenieurkorps. Er starb wohlhabend und unverehelicht.
Werk [Bearbeiten]
Im Auftrag des Kurfürsten von Sachsen und ab 1697 Königs von Polen August II. arbeiteten beide Architekten ab 1728 am Königlichen Bauamt in der Warschauer Residenz und vermutlich gemeinsam an den Entwürfen für das Sächsische Palais, das als Teil zur sogenannten Sächsischen Achse gehörte. Zudem wird ihm in Warschau der Entwurf eines nicht mehr erhaltenen Salons im ebenfalls zur Achse gehörenden Sächsischen Gartens zugeschrieben.
Zacharias Longuelune ist weniger als eigenständiger Architekt bekannt, sondern vielmehr durch seine Architekturzeichnungen, die unter anderem im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden und der SLUB Dresden aufbewahrt werden. Zudem blieb er als Mitarbeiter bekannter Architekten in Erinnerung, wie unter anderem Pöppelmann und de Bodt, an deren Gebäuden er für die Bauplanung und -leitung verantwortlich war. Obwohl nur wenige seiner eigenen Entwürfe realisiert wurden, nahm er Einfluss auf das Dresdner Stadtbild, indem er im Geist des französischen klassizistischen Barock die Fassadengliederung mit Lisenen und Pilastern einführte. Durch seine spätere Lehrtätigkeit gab er diesen Baustil an die nachfolgende Dresdner Architektengeneration weiter. Einer seiner Schüler war Friedrich August Krubsacius.
Werkauswahl [Bearbeiten]
- 1699 Beteiligung am Bau des Berliner Zeughauses
- 1713 (vermutlich) Beteiligung am Bau des Sächsischen Palais, Warschau
- ab 1719 Mitarbeit an der Ausstattung des Grünen Gewölbes und des Porzellanzimmers im Dresdner Residenzschloss
- 1719 Venustempel, Großer Garten (Dresden)
- 1719 Pläne für die Festlichkeiten zur Hochzeit des Kurprinzen August (III.) mit Maria Josepha von Österreich im August 1719
- 1719-1732 Beteiligung an Schloss und Park Großsedlitz
- ab 1726 Entwürfe und Bauleitung Schloss Moritzburg (Stein-, Billard-, Speise- und Monströsensaal)
- um 1723 Entwurf für die untere Orangerie Großsedlitz
- ab 1720 Beteiligung an der Schlossanlage Pillnitz, 1720/21 am Bau des Wasserpalais, 1725 große Freitreppe am Wasserpalais an der Elbseite
- um 1722 Pläne für die Neugestaltung des Schönen Tors (Goldenes Tor), Dresden (nicht ausgeführt)
- 1725 Entwürfe für das Dresdner Zeughaus (am Standort des heutigen Albertinums)
- nach 1727 Pläne für das Elbtor in Dresden
- ab 1727 Entwürfe für Schloss Übigau, heute in einem Stadtteil von Dresden gelegen
- 1729-1741 Entwürfe für Raumdekorationen und Mitarbeit am Japanischen Palais, Dresden
- 1730 Sockel für ein Brückenkruzifix auf der Augustusbrücke, Dresden (Ausführung: Johann Christian Kirchner; nach Longuelunes Entwürfen nicht vollendet)
- 1730 Entwürfe für die katholische Hofkirche (Kathedrale St. Trinitatis), Dresden
- 1730 Blockhaus – „Neustädter Wache“ - nach dem Entwurf Longuelunes sind Teile nicht verwirklicht worden. 1749 weiter ausgebaut.
- 1734 erster Entwurf für das Palais Brühl-Marcolini, Dresden
- 1736 Sockel des Denkmals Goldener Reiter für August den Starken, Dresden
- 1737 zwei Wasserhäuser an der Hauptstraße zu Dresden (1895 abgebrochen)
- um 1740 Entwurf der Weichselfront des Schlossprojektes in Warschau
- 1741 Entwurf (vermutlich von Longuelune) für den Neptunbrunnen am Palais Brühl-Marcolini, Dresden. Ausgeführt von Lorenzo Mattielli
Literatur [Bearbeiten]
- Zacharias Longuelune. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 23, E. A. Seemann, Leipzig 1929, S. 359
- Franz, Heinrich Gerhard: Zacharias Longuelune und die Baukunst des 18. Jahrhunderts in Dresden. Deutscher Verein für Kunstwissenschaft e. V., Berlin 1953
Weblinks [Bearbeiten]
- Entwurfszeichnungen von Zacharias Longuelune bei der Deutschen Fotothek
- Zacharias Longuelune im Stadtwiki Dresden
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Longuelune, Zacharias |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Architekt und Architekturzeichner |
| GEBURTSDATUM | 1669 |
| GEBURTSORT | Paris |
| STERBEDATUM | 30. November 1748 |
| STERBEORT | Dresden |