Zahi Hawass

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Zahi Hawass (2009)

Zahi A. Hawass (arabisch ‏زاهى حواس‎ Zāhī Ḥawāss) (* 28. Mai 1947 in Damiette) ist ein ägyptischer Ägyptologe. Er war Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung (Supreme Council of Antiquities, SCA) und gilt als einer der einflussreichsten, aber auch umstrittensten Ägyptologen der Gegenwart. Am 31. Januar 2011 wurde er von Husni Mubarak zum Minister für Altertumsgüter ernannt, am 3. März wurde er bei einer Regierungsumbildung nicht mehr berücksichtigt,[1] am 30. März 2011 jedoch erneut ernannt[2] und am 17. Juli desselben Jahres abermals entlassen.[3]

Leben und Werk[Bearbeiten]

Studium[Bearbeiten]

Zahi Hawass ursprüngliches Berufsziel war Rechtsanwalt. Er entschied sich jedoch anders und studierte griechische und römische Archäologie in Alexandria, wo er 1967 mit einem Bachelor abschloss. Sein Diplom in Ägyptologie erhielt er 1980 an der Universität Kairo. Mit Hilfe eines Fulbright-Stipendiums studierte er an der University of Pennsylvania in Philadelphia (USA) weiter Ägyptologie und syrisch-palästinensische Archäologie. Hier wurde er 1987 auch promoviert.

Tätigkeit als Archäologe und Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung[Bearbeiten]

Ab 1988 unterrichtete er ägyptische Archäologie, Geschichte und Kultur, meist an der American University in Cairo und an der University of California in Los Angeles. 1998 ernannte man ihn zum Unterstaatssekretär für die Baudenkmäler in Gizeh. 2002 wurde er Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung. Neben seinen zahlreichen Projekten in der praktischen Archäologie schreibt Zahi Hawass auch Skripte für Dokumentationsfilme, die sich mit der Ägyptologie und ägyptischen Studien befassen. Oft tritt er dabei auch als Sprecher oder Kommentator in den Filmen auf.

Zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung ist Hawass derzeit unter anderem der Grabungsdirektor für folgende Projekte:

Darüber hinaus ist er auch Direktor der Sphinx-Restaurierung, Manager des Gizeh-Plateaus und der Grabungsstätten in Memphis. In den letzten Jahren beschäftigte sich Hawass unter anderem auch intensiv mit dem Pharao Tutanchamun. Zur Bestimmung seiner Todesursache ließ er am 6. Januar 2005 dessen Mumie computertomografisch untersuchen und anschließend die Ergebnisse veröffentlichen.[4]

Tätigkeit seit der Revolution in Ägypten 2011[Bearbeiten]

Am 31. Januar 2011 (nach Hawass’ eigenen Angaben am 30. Januar[5]) wurde Hawass zum ägyptischen Minister für Altertumsgüter ernannt, nachdem zuvor die gesamte Regierung vom ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak entlassen worden war.[1]

Offenbar wurde Hawass bei der Regierungsumbildung vom 3. März 2011 nicht mehr berücksichtigt.[1] Er selbst gab seinen Rücktritt am 6. März bekannt. Als Gründe nannte er, dass nach der Revolution in Ägypten 2011 die Armee nicht mehr in der Lage sei, die Altertümer zu beschützen, und er somit nicht mehr für deren Sicherheit garantieren könne, sowie eine Verleumdung seiner Person durch zwei Mitarbeiter in der ägyptischen Altertümerverwaltung und einen Professor der Universität Kairo.[6][7] Im Vorfeld kam es allerdings auch zu Protesten, bei denen Mitarbeiter der Antikenverwaltung und junge ägyptische Ägyptologen neben besseren Gehältern den Rücktritt von Hawass forderten.[8] Es wurde ihm vorgeworfen, dass er dem alten Regime unter Mubarak zu nahe gestanden und dessen System maßgeblich unterstützt habe.[9] Hawass wies die Vorwürfe gegen seine Person zurück: Die Demonstranten forderten lediglich bessere Gehälter.[6][10]

Am 30. März 2011 wurde er erneut zum Minister für Altertumsgüter ernannt, einen Tag, nachdem die UNESCO am 29. März 2011 eine bessere Bewachung der ägyptischen Altertümer moniert hatte.[2]

Im April 2011 wurde er wegen Missachtung eines älteren Gerichtsurteils zu einem Jahr Haft und der Zahlung von 10.000 ägyptischen Pfund verurteilt.[11] Er kündigte dagegen Berufung an, weshalb er mangels Rechtskraft des Urteils jedoch im Amt belassen wurde.[12] Ursache des Rechtsstreites war ein Pachtvertrag mit dem Betreiber des Buchladens im Ägyptischen Museum. Zahi Hawass kündigte den Vertrag und schrieb ihn neu aus, worauf der Betreiber klagte und vor Gericht Recht bekam, dies allerdings erst, als bereits ein neuer Pächter den Zuschlag bekommen hatte.[13] Nach Mitteilung von Zahi Hawass erließ die Regierung am 18. April 2011 ein Dekret, welches das Gerichtsverfahren stoppte. Es legte fest, dass er keine Gefängnisstrafe absitzen musste und weiterhin im Amt des Ministers für Altertumsgüter verblieb.[14]

Am 17. Juli 2011 verlor Hawass endgültig seinen Ministerposten. Er wolle zukünftig nur noch in der Wissenschaft tätig sein, hieß es.[3]

Resonanz von Hawass’ Arbeit[Bearbeiten]

Die Ägyptologie verdankt Hawass insgesamt eine höhere Beachtung von Seiten der internationalen Medien und der Weltöffentlichkeit. Für die Zukunft plante er 14 neue Museen, darunter das Große Ägyptische Museum in Gizeh, das allein eine halbe Milliarde US-$ kosten soll. Das Ägyptische Museum in Kairo wurde dank seiner Initiative renoviert. Hawass führte auch eine Bezahlung der heimischen Grabungsinspektoren durch die ausländischen Archäologen ein sowie eine Publikation ihrer wissenschaftlichen Berichte auf Arabisch.

In Europa und den USA wurde Hawass vor allem durch seine Rückgabeforderung von altägyptischen Altertümern wahrgenommen. Hawass forderte, dass etwa Stücke wie der Stein von Rosette oder die Büste der Nofretete an Ägypten ausgehändigt werden; diese Forderungen hatten jedoch nie offiziellen Charakter.[15]

Kritik[Bearbeiten]

Von Fachkollegen wird die Arbeit von Zahi Hawass ambivalent beurteilt. Zwar wird seine fachliche Qualität hoch geschätzt und sein Einsatz zur Popularisierung der Ägyptologie gewürdigt, aber auch kritisiert, dass Hawass' Öffentlichkeitsarbeit zu einer nach Aufmerksamkeit heischenden Sensationsmache geworden sei. Besonders in der Kritik stand die Live-Übertragung der Erforschung des Belüftungsganges in der Cheops-Pyramide am 17. September 2002[16] und die gleichzeitige Öffnung eines Grabes. Hier wurde nicht nur die Übertragung kritisiert, sondern auch die Wissenschaftlichkeit der Arbeit. So wurde unter anderem von Dietrich Wildung, dem ehemaligen Direktor des Ägyptischen Museums in Berlin, angezweifelt,[17] dass es sich wirklich um eine Live-Übertragung bei der Sarkophagöffnung gehandelt habe,[18] und bemängelt, dass Hawass die Ergebnisse zu positiv dargestellt habe.

Des Weiteren machte Hawass am 11. Februar 2009 umstrittene Äußerungen im ägyptischen Fernsehen, wonach die Juden planmäßig die Welt beherrschen sowie Wirtschaft und Medien kontrollieren würden. Seiner Meinung nach verdankten sie diese Stärke ihrer eigenen Geschlossenheit, während die arabische Welt hingegen uneins sei.[19]

Ehrungen[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

Deutsch

  • Das Tal der goldenen Mumien. Die neueste und großartigste Entdeckung unserer Tage. Scherz, Bern/ München/ Wien 2000, ISBN 3-502-15300-0.
  • Bilder der Unsterblichkeit. Die Totenbücher aus den Königsgräbern in Theben. von Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-3650-0.[20]
  • Götterwelt und Pharaonenreich. White-Star-Verlag, Wiesbaden 2006, ISBN 3-939128-40-6.
  • Die verbotenen Gräber in Theben. mit Fotografien von Sandro Vannini, von Zabern, Mainz 2009, ISBN 978-3-8053-4077-9.
  • Die Pyramiden. (Bildband) White-Star-Verlag, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3867-26184-5.

Englisch

  • als Herausgeber: Bibliotheca Alexandrina. The Archaeology Museum. The Supreme Council of Antiquities, Zamalek 2002, ISBN 977-305-326-1.
  • als Herausgeber: The Treasures of the Pyramids. White Star Editions, Vercelli 2003, ISBN 88-8095-233-1.
  • als Herausgeber: Die Schätze der Pyramiden. deutsche Erstausgabe, Weltbild, Augsburg 2004, ISBN 3-8289-0809-8.
  • The Secrets of the Sphinx. Restoration Past and Present. The American University in Cairo Press, Kairo/ New York 1998, ISBN 977-424-492-3.
  • Silent Images. Women in Pharaonic Egypt. Harry N. Abrams, New York 2000, ISBN 0-8109-4478-2.
  • Valley of the Golden Mummies. The Greatest Egyptian Discovery Since Tutankhamun. New edition. Virgin Books, London 2000, ISBN 1-85227-849-8.
  • The Mysteries of Abu Simbel. Ramesses II and the Temples of the Rising Sun. The American University in Cairo Press, Cairo/ New York 2001, ISBN 977-424-623-3.
  • mit David Fromkin, Milton Viorst: Cradle & Crucible. History and Faith in the Middle East. National Geographic Society, Washington DC 2002, ISBN 0-7922-6597-1.
  • Secret from the Sand: My Search for Egypt's Past. Harry N. Abrams, New York 2003, ISBN 0-8109-4542-8.
  • Egyptology at the Dawn of the Twenty-First Century. Vol. 1–3. The American University in Cairo Press, Cairo/ New York 2003, ISBN 977-424-674-8, ISBN 977-424-714-0, ISBN 977-424-715-9.
  • The Golden Age of Tutankhamun. Divine Might and Splendor in the New Kingdom. The American University in Cairo Press, Cairo/ New York 2004, ISBN 977-424-836-8.
  • Curse of the Pharaohs. My Adventures with Mummies. National Geographic Society, Washington DC 2004, ISBN 0-7922-6665-X.
  • Hidden Treasures of Ancient Egypt. Unearthing the Masterpieces of the Egyptian History. National Geographic Society, Washington DC 2004, ISBN 0-7922-6319-7.
  • Discovering Tutankhamun. From Howard Carter to DNA. The American University Press, Cairo 2013, ISBN 978-977-416-637-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zahi Hawass – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Revolution in Ägypten: Zahi Hawass ist nicht mehr Ägyptens Chef-Archäologe. In: Welt Online. 7. März 2011, abgerufen am 19. April 2011.
  2. a b Zahi Hawass ist zurück auf dem Ministersessel. In: Der Standard. 30. März 2011, abgerufen am 19. April 2011.
  3. a b Ägyptens Chef-Archäologe aus dem Amt gekegelt. Spiegel Online, www.spiegel.de, 18. Juli 2011. Abgerufen am 19. Juli 2011.
  4. Vollständige, offizielle Presseverlautbarung der CT-Untersuchung (englisch).
  5. Zahi Hawass: Press Release. Supreme Council of Antiquities, 30. Januar 2011, abgerufen am 19. April 2011 (PDF; 148 kB, englisch).
  6. a b Why Dr Hawass Resigned. auf: drhawass.com
  7. Zahi Hawass nimmt seinen Hut. Spiegel Online, 4. März 2011.
  8. Antiquities ministry employees protest against pay. auf: Ahram online. 10. Februar 2011.
  9. Mubarak bekam auch Zinsen von Tutanchamun. auf: Welt Online. 8. Februar 2011.
  10. Ägyptens Antikenchef Hawass: "Ich würde diesen Job liebend gerne hinschmeißen". auf: Spiegel Online. 21. Februar 2011.
  11. Gericht verurteilt Zahi Hawass zu einem Jahr Haft. auf: Spiegel Online. 17. April 2011.
  12. Verurteilter Hawass darf vorerst im Amt bleiben. auf: Spiegel Online. 18. April 2011.
  13. Fluch der Pharaonen: Ägyptens Chefarchäologe Hawass zu Zwangsarbeit verurteilt. auf: sueddeutsche.de, 19. April 2011.
  14. Decision in the Court Case Against Me. 18. April 2011.
  15. z.B. Martin Gehlen: Nofretete. Streit um die schönste Frau der Welt. In: Zeit Online. 17. Dezember 2009.
  16. „Die Nacht der Pyramiden“, ZDF, 6. Februar 2006.
  17. „Roboter findet kleinen Raum in Cheops-Pyramide“, Netzeitung, 17. September 2002.
  18. „Livespektakel im Pharaonengrab“, ZDF, 6. Februar 2006.
  19. Renowned Egyptologist Dr. Zahi Hawass, On Egyptian TV: 'The Jews Went to America and Took Control of its Economy… They Have a Plan… They Control the Entire World', Memri, 11. März 2010.
  20. Rezension der SZ.