Zahnbehandlungsphobie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Klassifikation nach ICD-10
F40.2 Spezifische (isolierte) Phobien
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Die Zahnbehandlungsphobie, auch Dentalphobie, Dentophobie, Oralphobie oder Odontophobie genannt, ist eine spezifische Phobie. Die übersteigerte Angst führt fast immer zu einer jahrelangen Vermeidung zahnärztlicher Behandlungen und wird von der nicht krankhaften Zahnbehandlungsangst unterschieden.

Ursachen[Bearbeiten]

Häufige aber nicht alleinige Ursache der Zahnbehandlungsphobie sind negative Erfahrungen. Die erlernten Ängste können sich gegen bestimmte Aspekte der Zahnbehandlung richten, zum Beispiel eine Spritzenangst.[1]

Prävalenz[Bearbeiten]

Groß angelegte Studien über die Häufigkeit der auch sozialmedizinisch bedeutsamen Störung fehlen. Schätzungen zufolge sollen etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung westlicher Staaten betroffen sein. Zum Verhältnis von „spezifischer Phobie“ und „einfacher Angst“: Kvale et al. berichteten 2002 über 70 aufeinanderfolgende Patienten am Center for Odontophobia der Universität Bergen in Norwegen, von denen 33 (47 %) die Diagnosekriterien für eine Odontophobie erfüllten, 24 (33 %) nur schwerwiegende Ängste aufwiesen, während der Rest Mehrfachdiagnosen nach DSM-IV erhielt.[2]

Vorbeugung und Therapie[Bearbeiten]

Phobie als Behandlungserschwernis lässt schon bei der Praxiseinrichtung Wert auf eine entsprechende, angstmindernde Atmosphäre legen. Für die Diagnostik der Angst gibt es standardisierte Fragebögen, die in Praxen mit diesem Behandlungsschwerpunkt zum Einsatz kommen. Dort werden die Patienten nach einem wissenschaftlich fundierten Therapieplan behandelt. Z. B.: Beruhigungsmittel, Anästhesie bzw. bei entsprechender Befähigung/Ausbildung auch hypnotische Verfahren kommen zum Einsatz, ebenso ein spezielles Anti-Angst-Training (AAT) zur Behandlung der Phobie. Letztendlich kann die Angst als psychische Erkrankung nur durch psychotherapeutische Therapieansätze gebessert oder geheilt werden. Durch eine Behandlung in Vollnarkose kann keine Phobie geheilt werden, eine Sanierung aller Zähne ist oft nicht möglich, da z. B. parodontal geschädigte Zähne oder Wurzelschädigungen in mehreren Sitzungen therapiert werden müssen.

Da nur bei wenigen Betroffenen eine Vollnarkose erforderlich ist, kann den Patienten grundsätzlich durch Psychotherapie gut geholfen werden. Es gibt je nach Therapierichtung verschiedene Konzepte für Zahnärzte (Jöhren/Macher/Mehrstedt). Eine spezielle Schulung der Zahnärzte führen die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) und das Institut für psychosomatische Zahnmedizin durch.

Kostenübernahme[Bearbeiten]

Da die GKV-Spitzenverband die Zahnbehandlungsphobie als psychische Krankheit anerkennt (ICD-10 GM 2006 F40.2), übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Psychotherapie bei einem zur Kassenversorgung zugelassenen Psychotherapeuten oder Vertragsarzt. Zahnärzte dürfen und können keine psychotherapeutischen Leistungen zu Lasten der Krankenkassen erbringen. In Deutschland sind nur zwei Zahnärzte auf Grund ihres Doppelstudiums auch ärztlich-psychotherapeutisch tätig, zur Leistungserbringung befähigt und zur Abrechnung gegenüber den Krankenkassen berechtigt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Christian Kossak, Gisela Zehner: Hypnose beim Kinder-Zahnarzt. Verhaltensführung und Kommunikation. Mit 14 Tabellen (mit Online-Video). Springer, Berlin 2011, ISBN 978-3-642-17737-8.
  • Dominik Groß, Karin Groß: Der Umgang mit zahnärztlichen Angstpatienten aus ethischer Sicht. ZWR - Das Deutsche Zahnärzteblatt 121/6 (2012), S. 202–209

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Wissenschaftliche Stellungnahme der DGZMK (PDF; 235 kB)
  2. G. Kvale, M. Raadal, M. Vika, B. H. Johnsen, E. Skaret, H. Vatnelid, I. Oiama: Treatment of dental anxiety disorders. Outcome related to DSM-IV diagnoses. In: European journal of oral sciences. Band 110, Nummer 2, April 2002, S. 69–74, ISSN 0909-8836. PMID 12013565.
Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!