Zahnfleisch
Das Zahnfleisch (lat. Gingiva) ist ein Teil der Mundschleimhaut. Es ist Teil der mastikatorische Mukosa, die den Alveolarkamm bedeckt und die Zähne zervikal umgibt. Die Gingiva umschließt als epitheliale Manschette (Saumepithel) den Zahnhals und dichtet damit die Eintrittsstelle des Zahnes in den Kieferknochen gegenüber der Mundhöhle ab.[1] Sie ist der epitheliale Bestandteil des Zahnhalteapparates. Apikal geht die Gingiva in die lose Alveolarmukosa über, von der sie sich durch die mukogingivale Grenze (linea girlandiformis) angrenzt. Der Gaumen und der Oberkiefer-Alveolarfortsatz sind mit mastikatorischer Schleimhaut überzogen.
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Freie und befestigte Gingiva [Bearbeiten]
Die Gingiva unterteilt man in freie und befestigte Gingiva. Die freie Gingiva umfasst auch die interdentalen Zahnfleischpapillen, sie reicht vom Gingivalrand bis apikal zur „freien gingivalen Furche“, die etwa in der Höhe der Schmelz–Zement-Grenze liegt. Die befestigte Gingiva („attached Gingiva“) ist koronal durch die freie Gingivafurche bzw. durch eine Linie durch die Schmelz–Zement-Grenze begrenzt. Sie ist apikal durch die mukogingivale Grenze (markiert den Übergang in die Alveolarmucosa) begrenzt. Die befestigte Gingiva ist durch bindegewebige Fasern fest mit dem darunterliegenden Alveolarknochen und Zement verbunden.[2]
Histologie [Bearbeiten]
Das Epithel der (mastikatorischen) freien Gingiva, teilt man ein in
- das orale Epithel, das zur Mundhöhle hin gerichtet ist,
- das orale Sulkusepithel, das zum Zahn hin gerichtet ist, aber noch keinen Zahnkontakt aufweist, und
- das Saumepithel, das den Kontakt zw. Gingiva und Zahn herstellt.
Die befestigte Gingiva teilt man ein in
- das Stratum basale (germinativum)
- das Stratum spinosum
- das Stratum granulosum
- das Stratum corneum (orthokeratinisiert, wenn jedoch der Zellkern vorhanden ist - parakeratinisiert)
Das Zahnfleisch besteht histologisch aus einem mehrschichtigen Plattenepithel, das nur wenige Hornschichten aufweist.[2] Da eine Unterhaut (Subkutis) fehlt, ist das Zahnfleisch nicht verschiebbar. Zahnfleisch kann nicht nachgebildet werden.
Die Furche zwischen Zahn und Zahnfleisch heißt Sulcus gingivae („Zahnfleischfurche“). Bei gesunden parodontalen Verhältnissen beträgt die Sondierungstiefe beim Menschen ungefähr 2 mm. Das dieser Furche zugewandte Epithel ist das innere Saumepithel. Dieses wird in das frei am Zahn gleitende Sulkusepithel und das durch Hemidesmosomen mit dem Wurzelzement verbundene Haftepithel unterteilt.
Das dreiecksförmige Zahnfleisch zwischen den Zähnen wird als „Interdentalpapille“ (Papilla interdentalis), die Grenzlinie zwischen dem Zahnfleisch und der verschieblichen dunkelroten Mundschleimhaut als Mukogingivallinie oder mukogingivale Grenze bezeichnet.
Zahnfleischerkrankungen [Bearbeiten]
Eine regelmäßige Reinigung des Sulcus von bakteriellen Belägen und Speiseresten ist notwendig, um einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis) vorzubeugen, die sich schnell unbemerkt zu einer Parodontitis entwickeln kann. Beim Zähneputzen selbst kommt es dabei häufig zu einer vorübergehenden Bakteriämie, gleich welche Methode der Zahnreinigung verwendet wird. [3]
Erweiterungen und/oder Vertiefungen der Zahnfleischfurche werden als Zahnfleischtasche bezeichnet, wobei Zahnfleischtaschen mit einer Tiefe von 3,5 mm und mehr als Zeichen einer Erkrankung angesehen werden können. Die metrische Tiefe selbst, bei der ein Behandlungsbedarf für eine Taschenbehandlung vorliegt, ist individuell unterschiedlich und wird durch den dort vorliegenden Entzündungsgrad ( Blutung) maßgeblich bestimmt. Bei etwa 5 mm Taschentiefe wechselt, da die Sauerstoffzufuhr dort nicht mehr gewährleistet ist, das mikrobielle Keimspektrum. Anaerobier dominieren. Bei entzündlichen Zahnfleischtaschen weicht auch der darunterliegende Knochen in der Regel zurück. Dann ist der gesamte Zahnhalteapparat in den Krankheitsprozess involviert und es ist eine Parodontitis entstanden. Man spricht dabei von echten Zahnfleischtaschen. Besteht kein Knochenabbau und dennoch eine Zahnfleischtasche (z.B. durch Größenzunahme des Zahnfleisches bei der Einnahme bestimmter Medikamente) spricht man von Pseudotaschen. Die Behandlung wird im Rahmen einer Systematischen Behandlung von Parodontopathien von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Siehe auch [Bearbeiten]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Steininger u.a., Mikroskopische Anatomie (PDF; 83 kB), Thieme Verlag, 2010, ISBN 3-13-147141-7
- ↑ a b DGParo, P. Eickholz, B. Dannewitz, Anatomie des Parodonts (PDF; 556 kB), Parodontologie Quintessenzverlag, 2012, 23 (4), S. 415-420
- ↑ Prevention of Infective Endocarditis. Guidelines From the American Heart Association. A Guideline...
