Zahnradbahn Stuttgart

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Zahnradbahn Stuttgart
Strecke der Zahnradbahn Stuttgart
Streckenlänge: 2,2 km
Spurweite: 1000 mm (Meterspur)
Stromsystem: 750 V =
Maximale Neigung: 200 
Übergang zur Stadtbahn
0,0 Marienplatz 266 m
Filderstraße (ehem. B 14)
Filder-Bhf (heute Depot) 272 m
Liststraße
0,2 Liststraße 295 m
Pfaffenweg
Alte Weinsteige
0,7 Pfaffenweg 353 m
1,0 Wielandshöhe 392 m
Auf dem Haigst
1,3 Haigst 430 m
Kauzenhecke
Neue Weinsteige (B 27)
1,7 Nägelestraße (bergwärts) 473 m
Nägelestraße
1,7 Nägelestraße (talwärts) 473 m
Jahnstraße / Karl-Pfaff-Straße
1,9 Zahnradbahnhof 471 m
Heuglinweg
Epplestraße
2,2 Degerloch 470 m
Übergang zur Stadtbahn
Die Zahnradbahnstrecke im Eröffnungsjahr 1884
Dampf-Zahnradbahn 1897
Zahnradbahn nach Degerloch (auf der Brücke) und Filderbahn 1906
Elektr. Zahnradbahn 1917
Blick aus dem Führerstand
Zacke an der Haltestelle Haigst
In Wuppertal erinnert eine Achse der Stuttgarter Zacke an die gleichartige Barmer Bergbahn

Die Zahnradbahn Stuttgart, im Volksmund auch Zacke genannt, wurde am 23. August 1884 eröffnet und verbindet seither den Stadtbezirk Süd mit dem 1908 eingemeindeten Stadtteil Degerloch. Neben der Zugspitzbahn, der Wendelsteinbahn und der Drachenfelsbahn ist sie eine von nur noch vier betriebenen Zahnradbahnen in Deutschland. Als einzige dient sie dabei nicht touristischen Zwecken sondern dem regulären ÖPNV. Die Stuttgarter Zahnradbahn ist deshalb seit Mai 1959 auch in das Liniennummernsystem der Stuttgarter Straßenbahnen AG integriert. Zunächst als Linie 30, seit der Einführung des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) im Oktober 1978 als Linie 10.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Streckenbeschreibung

Die Strecke beginnt heute auf dem Marienplatz im Stadtbezirk Süd, unmittelbar nach der Abfahrt überquert die Zahnradbahn die Filderstraße und führt auf einer eigenen Trasse bergauf zur Kreuzung Alte Weinsteige / Liststraße. Dort trifft die Strecke auf die alte Trassierung (1884 bis 1936), heute nur noch Betriebsstrecke von und zum Depot (welches in der früheren Talstation untergebracht ist). Ab der Liststraße verläuft die Zahnradbahn größtenteils entlang der Alten Weinsteige, der historischen Hauptstraße auf die Filderebene.

Auf 1,7 km Streckenlänge (ab Marienplatz) werden 207 m Höhenmeter (266 m bis 473 m über NN) erklommen, auf den letzten 500 Metern fällt die Strecke dann wieder um 3 Höhenmeter ab. Die maximale Steigung auf der Strecke beträgt 17,5% (zwischen Liststraße und Pfaffenweg), auf der Betriebsstrecke zum Depot 20,0%. Zwischen den Haltestellen Pfaffenweg und Wielandshöhe (wo sich das Sternerestaurant Wielandshöhe befindet) und dem Haigst hat man einen Panoramablick über die Innenstadt von Stuttgart.

[Bearbeiten] Geschichte

  • 23. August 1884: Eröffnung der ursprünglich 1,93 Kilometer langen Zahnradbahn Stuttgart–Degerloch als erste Strecke der Filderbahn-Gesellschaft (FBG). Die dampfbetriebene Meterspurbahn mit dem System Riggenbach verbindet den Zahnradbahnhof Stuttgart (auch Filder-Bahnhof genannt) mit dem Zahnradbahnhof Degerloch.
  • 1888:Der Zahnradbahnhof Degerloch wird zusätzlich auch zum Endpunkt der meterspurigen Reibungsstrecke nach Hohenheim und damit zum Umsteigebahnhof. Er erhält dazu Abstellgleise und eine Wagenhalle (im Volksmund als Hundehütte bezeichnet).
  • 1902: Elektrifizierung der Zahnradbahn sowie der Reibungsstrecken Degerloch-Hohenheim und Möhringen-Vaihingen, die Inbetriebnahme auf der Zahnradstrecke verzögerte sich allerdings aufgrund technischer Probleme um zwei Jahre.
  • 1903: Verlegung der Ausweiche vom Haigst an die Wielandshöhe.
  • 1904: Aufnahme des elektrischen Betriebs, der Dampfbetrieb wird auf den sonntäglichen Ausflugsverkehr beschränkt.
  • 1920: Übernahme der Filderbahn durch die Stadt Stuttgart, diese überträgt der Stuttgarter Straßenbahnen AG die Betriebsführung.
  • 1921: Endgültige Einstellung des Dampfbetriebes.
  • 1934: Die Filderbahn, damit auch die Zahnradbahn, geht in das Eigentum der Stuttgarter Straßenbahnen AG über.
  • 1936: Verlegung der talseitigen Endhaltestelle vom Zahnradbahnhof Stuttgart zum Marienplatz zur besserer Verknüpfung mit der Straßenbahn.
  • 1965; Ersatz der alten Stahlgitterbrücke (im Volksmund als Türkenbrücke bezeichnet, da sie vom Hersteller, der Maschinenfabrik Esslingen, ursprünglich zur Lieferung in die Türkei bestimmt war) über die Neue Weinsteige durch die heutige Stahlbetonbrücke.
  • 1971: Im Zuge des stadtbahnmäßigen Umgestaltung des Marienplatzes und des U-Haltestellenbaus wird der seitherige zweigleisige Talbahnhof am Marienplatz durch eine eingleisige, halb auf der Brücke gelegene Station oberhalb eines (später verfüllten) Wasserbassins ersetzt.
  • 1977: Im Rahmen der Umgestaltung des Degerlocher Zahnradbahnhofs entfällt die Verbindungsstrecke zur Adhäsionsbahn, die Zahnradbahn wird damit zu einer Inselstrecke im Netz der SSB.
  • 1978: Einstellung des planmäßigen Dreiwagenzugbetriebs.
  • 1979: Mit der Abgabe des Filderbahn-Niederbordwagens 3034 (Baujahr 1897) an die SSB, die ihn noch zwei weitere Jahre auf dem Netz der Straßenbahn als Schotterwagen einsetzen, endet der zuletzt nur noch spärlich in Form von Materialtransporten durchgeführte Güterverkehr auf der Zahnradbahn.
  • 1980: Erneuerung der gesamten Zahnradbahnstrecke für den Einsatz der in Auftrag gegebenen neuen Triebwagen des Typs ZT 4.
  • 1983: Mitnahmemöglichkeit für Fahrräder auf der Bergfahrt in eigens konstruierten Loren als Vorstellwagen.
  • 1984: Feierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen und letztmaliger (musealer) Einsatz eines traditionellen Zahnradbahnzuges, gebildet aus dem bis dahin betriebsfähig vorgehaltenen Triebwagen 104 und dem Vorstellwagen 120.
  • 1994: Streckenverlängerung auf der Bergseite zum Albplatz zur besseren Verknüpfung mit der Stadtbahn.
  • 2002: Eröffnung der neu erbauten Endhaltestelle und der Brücke am komplett umgestalteten Marienplatz (6. Dezember).
  • 2004: Erneuerung des Gleisoberbaus sowie teilweise Verlegung einer neuen, etwas schmaleren Zahnstange.

[Bearbeiten] Fahrzeuge

  • 1883-1885: Lieferung der ersten drei Zahnrad-Dampflokomotiven mit den Namen Stuttgart (Musterlok, bereits zum Bau der Strecke und bis 1921 im Einsatz), Degerloch (1914 zum Verschrotten verkauft) und Filder (1902 zum Verschrotten verkauft) von der Maschinenfabrik Esslingen (ME).
  • 1884: Auslieferung der Vorstellwagen 15-18 (Typ 1 und 2)
  • 1893 / 1900: Auslieferung der offenen Sommerwagen F1-F4 (Typ 3; ab 1922 abgestellt und zerlegt, Radsätze als Reserve aufbewahrt).
  • 1896-1900: Auslieferung der Vorstellwagen A3-A8 (Typ 4), von denen vier unter den SSB-Betriebsnummern 117-120 praktisch bis zur Einführung der Triebwagen des Typs ZT 4 in den 1980er-Jahren im täglichen Einsatz standen. Dafür Abgabe der Vorstellwagen vom Typ 1 und 2 an die Filderbahn.
  • 1898: Erwerb der Dampflokomotiven Alb und Aussicht (Typ "Petropolis", beide 1922 verschrottet) von der ME, die von dieser in ihrer Tochterfirma in Saronno 1892 für Brasilien gebaut, dort aber nicht abgenommen wurden.
  • 1902: Auslieferung der ersten vier elektrischen Triebwagen der 1. Generation von Herbrand & Cie., die sich allerdings mit ihrem einzelnen, talseitigen Motor als zu schwach erwiesen. Der elektrische Planbetrieb konnte so erst 1904 nach Einbau eines zweiten, bergseitigen Motors aufgenommen werden, 1912 folgte schließlich ein fünfter Triebwagen.
  • 1906: Verkauf der seither auf den Filderbahn-Adhäsionsstrecken eingesetzten Vorstellwagen des Typs 1 und 2 an die damals der der "Badischen Local-Eisenbahnen" (B.L.E.A.G) gehörende Härtsfeldbahn (dort zwischen 1908 und 1958 verschrottet).
  • 1918: Für den kriegsbedingt wieder verstärkt durchgeführten Dampfbetrieb wurden zwei zusätzliche Dampflokomotiven gebraucht von der schweizerischen Brünigbahn übernommen (1922 verschrottet).
  • 1926: Lackierung aller Personenfahrzeuge der Zahnrad- und Filderbahn nach dem SSB-Farbschema; zur Unterscheidung von den SSB-eigenen Fahrzeugen behalten die Filderbahnwagen jedoch vorläufig ein „F“ vor ihrer Fahrzeugnummer.
  • 1927: Neuaufbau des Vorstellwagens 116 auf einem alten Fahrgestell von 1896.
  • 1935: Lieferung der ersten neuen, dreiachsigen Triebwagen mit den Betriebsnummern 101 (im Einsatz bis 1982) und 102 (infolge einiger Schäden 1974 verschrottet).
  • 1937: Mit Triebwagen 103 wird das erste Fahrzeug der SSB in Ganzstahlbauweise ausgeliefert (noch heute bei einem Privatsammler vorhanden). Außerdem Umbau von Beiwagen 120 zum Prototypen mit geschlossener bergseitiger Bremserplattform, der Umbau der übrigen Wagen folgte 1952.
  • 1950: Auslieferung der letzten beiden Triebwagen der zweiten Generation, 104 (heute Museumswagen) und 105 (1995 zerlegt).
  • 1954: Der letzte Triebwagen der 1. Generation mit der Nummer 109 wird außer Dienst gestellt.
  • 1956: Überstellung eines Beiwagens der Filderbahn (Nr. 153) an die Zahnradbahn zur Verstärkung des Schülerverkehrs, dieser war allerdings äußerst selten und nur bis 1965 im Einsatz.
  • 1961: Aufbau von zuvor probehalber beim GT4 montierten Einholm-Stromabnehmern zum Vorheizen der Vorstellwagen und zum Enteisen der Fahrleitung auf die Wagen 119 und 120.
  • 1974: Der Wagenkasten des kurz zuvor ausgemusterten Triebwagens 102 wird als Attraktion auf dem Stuttgarter Fastnachtsumzug mitgeführt.
  • 1978: in Folge der Einstellung des planmäßigen Dreiwagenzugbetriebs wird der überzählig gewordene Vorstellwagen 119 an das damalige „Deutsche Straßenbahnmuseum“ (DSM), heute „Hannoversches Straßenbahn-Museum“ (HSM) in Sehnde-Wehmingen abgegeben. Seit März 2009 befindet sich der Wagen bei der Härtsfeld-Museumsbahn (HMB) in Neresheim und soll für den Einsatz auf der Schmalspurstrecke als Personenwagen restauriert werden.
  • 1982: Einführung der modernen Triebwagen ZT 4 im Design der Stadtbahn. Private Eisenbahnsammler übernehmen Triebwagen 103 (noch heute im „Schwäbischen Bauern- und Technikmuseum“ in Seifertshofen vorhanden), Vorstellwagen 116 (nach Zwischenstationen in Aalen und Schönau, wo der Wagen bei diversen Projekten eines ehemaligen Stuttgarter Straßenbahn-Museumsvereins zum Einsatz kommen sollte, meist allerdings ungeschützt unter freiem Himmel abgestellt stand, 1997 an die HMB zur Aufarbeitung übergeben) und Vorstellwagen 120 (nach Scheitern des Museumsbahnprojekts in Aalen 1984 nach Stuttgart zurückgekehrt).
  • 1983: Der o. g. Museumsverein, der seine ursprüngliche Verbindung zu Stuttgart und seine einst guten Kontakte zur SSB längst aufgegeben hatte, erwirbt den Kasten des Triebwagens 101 (1997 in Schönau verschrottet) und den Triebwagen 105 (1995 in Schönau zerlegt, eine Antriebseinheit heute als Leihgabe im Besitz des Vereins Stuttgarter Historische Straßenbahnen), wobei letzterer noch bis Ende 1983 als Betriebsreserve bei der Zahnradbahn verblieb. Am 29. April 1983 bildet er mit Vorstellwagen 118 den letzten planmäßig eingesetzten Zahnradbahnzug der 2. Generation. Mit Vorstellwagen 117 (Baujahr 1896) wird außerdem das älteste und am längsten im Planverkehr eingesetzte Personenfahrzeug der SSB aus dem Betrieb genommen und an einen Privatsammler verkauft.
  • 1989: Ersatz der bisherigen Schwingschiebetüren bei den ZT 4 durch dem DT8 entsprechende Außenschwingtüren.
  • 1992: Verkauf des seit 1983 bei einem Privatsammler in Leinfelden-Echterdingen als Denkmal aufgestellten Vorstellwagens 117 an die Härtsfeld-Museumsbahn (HMB) in Neresheim, die ihn heute als Schmalspur-Personenwagen auf ihrer Museumsstrecke einsetzt.
  • 1995: Taufe des Triebwagen 1003 auf den Namen „Helene“ anlässlich der Feierlichkeiten zum 111-jährigen Bestehen. Der bisher defekt hinterstellte Museumszug aus Triebwagen 104 und Vorstellwagen 120 findet zusammen mit dem ebenfalls museal erhaltenen Vorstellwagen 118 im neueröffneten Straßenbahnmuseum Zuffenhausen eine neue Bleibe, politische Iniatiativen für eine betriebsfähige Wiederaufarbeitung des Zuges blieben seither erfolglos.
  • 2009: Mit der Übergabe von BW 119 befinden sich außer den museal in Stuttgart erhaltenen Wagen 118 und 120 nunmehr alle verbliebenen Zahnradbahn-Vorstellwagen des Typs 4 in der Obhut der HMB e.V. in Neresheim. Während Beiwagen 117 dort unter der Nummer HMB 1 seit 2001 wieder zum Einsatz kommt, ist für die Wagen 116 und 119 aufgrund deren jahrelanger Abstellzeit im Freien zuvor eine grundlegende Aufarbeitung erforderlich.

[Bearbeiten] Literatur

  • 100 Jahre Zahnradbahn Stuttgart–Degerloch (Ulrich Theurer),
  • Neue Zahnradbahn-Triebwagen für Stuttgart – Technische Beschreibung (Dirk v. Harlem)
  • Straßenbahn Magazin, Heft 53, August 1984, Seite 163 ff. Franckh’sche Verlagshandlung Stuttgart, ISSN 0340-7071
  • Straßenbahn in Stuttgart, „Über Berg und Tal mit der SSB“ von Gottfried Bauer ISBN 3-7654-7188-7 GeraMond Verlag München 2003
  • Strassenbahnen um Stuttgart, FBG, CSB, ESS, END, SSF von G. Bauer, U. Theurer, C. Jeanmaire ISBN 3-85649-047-7 Verlag Eisenbahn 1984
  • Über Berg und Tal, 26. Jahrgang, Heft 4, August 1965 - Die neue Zahnradbahnbrücke über die Obere Weinsteige

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Zahnradbahn Stuttgart – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

48.7552333333339.1723472222222Koordinaten: 48° 45′ 19″ N, 9° 10′ 20″ O

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