Zahnstein

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Zahnstein bei einem Menschen
Fortgeschrittener Zahnstein bei einem Menschen

Als Zahnstein (fachsprachlich Konkremente) bezeichnet man feste Auflagerungen auf dem Zahn, die man weder durch Spülen noch durch Zähneputzen entfernen kann. Er besteht aus Apatit (Ca5[F(PO4)3]), Hydroxylapatit (Ca5[OH (PO4)3]), Brushit (Ca[PO3(OH)]·2 H2O), Whitlockit (Ca9(Mg FeII)[PO3(OH)|(PO4)6]), Proteinen und Kohlenhydraten.[1]

Entstehung[Bearbeiten]

Zahnstein entsteht durch Einlagerung von anorganischen Stoffen (vor allem Calcium- und Phosphatverbindungen) aus dem Speichel in die Plaque (weicher Zahnbelag). Die anorganischen Stoffe im Speichel haben eine physiologische Funktion. Sie ermöglichen dem Zahnschmelz in geringen Grenzen eine Regeneration, beispielsweise wenn der Zahn durch den Genuss von säurehaltigen Nahrungsmitteln, wie Zitrusfrüchten, angeätzt worden ist. Der angeätzte Zahnschmelz wird dann remineralisiert. Die Mineralien durchsetzen aber auch die Plaque. Plaque wiederum entsteht nur an Stellen, die nicht ausreichend gereinigt worden sind. Innerhalb weniger Tage wird die Plaque so weit mineralisiert, dass sie durch die übliche tägliche Zahnreinigung nicht mehr zu entfernen ist. Zahnstein ist demnach eine mineralisierte Plaque.[2]

Zahnstein selbst führt nicht zur Parodontitis, sondern die auf der rauen Oberfläche anhaftenden lebenden Plaquebakterien. Wo keine Plaque ist, kann auch kein Zahnstein entstehen. Besonders viel Zahnstein entsteht im Bereich der Ausführungsgänge der Speicheldrüsen (Prädilektionsstellen): auf der Innenseite der Unterkieferschneidezähne und auf der Außenseite der Oberkiefer-Molaren. Dies rührt daher, dass an den Ausführungsgängen die Konzentration der anorganischen Bestandteile des Speichels hoch ist. Die raue Oberfläche des Zahnsteins bildet eine Retentionsfläche für weitere Plaque, die in der Folge ebenfalls mineralisiert wird. Zahnstein entsteht somit schichtweise. Zahnstein kann aber über einen längeren Zeitraum an allen Zähnen entstehen.[2]

Zahnstein, der subgingival, also unterhalb des Zahnfleischsaumes der Wurzeloberfläche aufliegt, hat oft eine dunkelbraungraue Farbe. Solche Auflagerungen werden als subgingivale Konkremente bezeichnet. Die mineralischen Bestandteile des Konkremente entstehen nicht aus den Mineralien des Speichels, sondern aus Bestandteilen des Blutserums und anderen Bestandteilen der Flüssigkeit in der Zahnfleischtasche.[2]

Phasen der Zahnsteinbildung[Bearbeiten]

Die Zahnsteinbildung läuft in vier Phasen ab:[2]

  1. Bildung eines Schmelzoberhäutchens
  2. Mikrobielle Erstbesiedelung durch kugelförmige Bakterien
  3. Verschmelzung der Bakterienkolonien durch kugelförmige und stäbchenförmige Bakterien
  4. Bildung der Mineralisationen der Plaque

Behandlung[Bearbeiten]

Zahnstein kann rein mechanisch mit Handinstrumenten (Scaler, Küretten) oder maschinell z. B. mit Ultraschallgeräten entfernt werden. Ultraschallgeräte lösen über eine hochfrequent schwingende Metallspitze, die mit minimalem Druck über die Zahnoberfläche geführt wird, den Zahnstein ab. Die Vibration der Metallspitze erzeugt Wärme, die mit Wasser abgeführt wird.

Nebenwirkungen[Bearbeiten]

Da einerseits die Schwingung auf den Zahn übertragen wird und diesen (bzw. dessen Nerven) reizt und andererseits das Zahnfleisch mechanisch gereizt werden kann, wird die Zahnsteinentfernung mittels Ultraschall von empfindlicheren Patienten als unangenehm bis schmerzhaft empfunden. Darüber hinaus stören sich viele Patienten an den Begleitgeräuschen, die weit in den hörbaren Bereich hinunterreichen.

Manche Patienten stellen nach einer Zahnsteinentfernung eine Lockerung ihrer Zähne fest, insbesondere der unteren Frontzähne und führen dies auf die Zahnsteinentfernung zurück. Die Zahnlockerung entstand jedoch durch die durch den Zahnstein indirekt verursachte Parodontitis, die dem Patienten bislang nicht auffiel, da die Zähne durch den Zahnstein zusammengehalten wurden. Mit der Zahnsteinentfernung wurde die „Verblockung“ der Zähne aufgelöst. Sollte die Parodontitis nicht weit fortgeschritten sein, festigen sich die Zähne nach relativer kurzer Zeit wieder. Wenn nicht, dann sind weitere Maßnahmen, wie eine Parodontitisbehandlung oder eine Schienung der Zähne notwendig.[3]

Zahnstein übt eine isolierende Funktion auf die Zähne aus. Sie werden empfindlicher, um auch durch den Zahnstein hindurch beispielsweise Kälte- und Wärmereize wahrnehmen zu können. Nach einer Zahnsteinentfernung sind deshalb die Zähne zunächst überempfindlich, da sich die Zähen erst wieder an einen Zustand ohne der „Isolierschicht“ des Zahnsteins gewöhnen müssen.

Historische Bedeutung[Bearbeiten]

Im Rahmen einer Studie konnten größere Mengen Erbsubstanz aus mittelalterlichem Zahnstein eines eintausend Jahre alten Skeletts isoliert und entschlüsselt werden. Es handelt sich dabei um Zahnstein eines Mannes, der im Mittelalter im Kloster Dalheim (Lichtenau) lebte. Dabei konnten wesentliche Teile des Genoms eines Parodontose-Bakteriums rekonstruiert werden, und es wurde erstmals Erbmaterial von Nahrungsbestandteilen gefunden, darunter 40 opportunistische Erreger, Antibiotika-Resistenzgene , es gelang die Genomrekonstruktion des parodontalen Krankheitserregers Tannerella forsythia , 239 Bakterien- und 43 menschlichen Proteine. Die Entdeckung weist den Weg zu einem besseren Verständnis von Zahn- und Zahnfleischerkrankungen und zeigt auf, wie sich die menschliche Mundflora sowie Volkskrankheiten in der menschlichen evolutionären Vergangenheit historisch entwickelt und angepasst hat.[4]

Kostenerstattung durch Krankenkassen[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Seit 2004 erstatten die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Zahnsteinentfernung (laut Bewertungsmaßstab zahnärztlicher Leistungen: Zst, Gebührennummer 107; 16 Punkte; entspricht etwa 14,20 € – Stand 2013), nur einmal je Kalenderjahr. Manche Krankenkassen leisten einen freiwilligen Zuschuss zur Professionellen Zahnreinigung. Private Krankenversicherungen erstatten die Zahnsteinentfernung so oft sie notwendig ist nach der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ), Gebührennummer 4050 bzw. 4055.

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich wird die Entfernung von Zahnstein von den Krankenkassen in der Regel nicht bezahlt.

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz sind zahnärztliche Behandlungen in der Regel vollständig vom Patienten selbst zu bezahlen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dental calculus – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Philip Marsh, Michael V. Martin: Orale Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2003, ISBN 3-13-129731-x, S. 86.
  2. a b c d Klaus-Dieter Hellwege. Die Praxis der zahnmedizinischen Prophylaxe: ein Leitfaden für die Individualprophylaxe, Gruppenprophylaxe und initiale Parodontaltherapie. Georg Thieme Verlag; 2003. ISBN 978-3-13-127186-0. p. 34–.
  3. Rainer Buchmann. Patientengerechte Parodontologie. Georg Thieme Verlag; 24 November 2010. ISBN 978-3-13-162431-4. p. 14–.
  4. Ch. Warinner, J. Matias Rodrigues u. a.: Pathogens and host immunity in the ancient human oral cavity. In: Nature Genetics. 2014, S. , doi:10.1038/ng.2906.
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