Zbigniew Pietrzykowski

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Zbigniew Pietrzykowski (2007)

Zbigniew „Piskorz“ Pietrzykowski (* 4. Oktober 1934 in Bestwinka; † 19. Mai 2014 in Bielsko-Biała) war ein polnischer Boxer. Er gewann eine olympische Silber- und zwei olympische Bronzemedaillen und war vierfacher Europameister der Amateure in drei Gewichtsklassen.

Leben[Bearbeiten]

Zbigniew Pietrzykowski stammte aus einer Lehrerfamilie und kam durch seinen älteren Bruder im Jahre 1950 zum Boxen. Während seiner ganzen Karriere von 1950 bis 1968 gehörte er dem Sportclub BBTS Bielsko-Biała an. Lediglich während seiner Militärzeit boxte er 1955 und 1956 für Legia Warschau. Sein erster Trainer war Ernest Rademacher. Im Laufe seiner Karriere wurde er aber auch von J. Kolonko, Antoni Zygmunt, Pawel Szydlo und in der Nationalmannschaft von Feliks Stamm trainiert.

Zbigniew Pietrzykowski, der ein Technikum in Szopienice besuchte, wurde bereits 1952 in die polnische Nationalmannschaft der Amateurboxer aufgenommen und startete 1953 erstmals bei einer internationalen Meisterschaft der Senioren, der Europameisterschaft in Warschau. Er bezwang dort im Halbmittelgewicht Ivica Pavlic aus Jugoslawien und Neascu Serbu aus Rumänien, ehe er im Halbfinale von dem späteren Europameister Bruce Wells aus England nach Punkten geschlagen wurde. Er gewann damit eine Bronzemedaille.

Zbigniew Pietrzykowski (rechts) kämpft mit dem Ungarn Raduly (1954)

1954 wurde Zbigniew Pietrzykowski durch einen Sieg im Finale über Leszek Leiss erstmals polnischer Meister bei den Senioren im Halbmittelgewicht. Im Laufe seiner langen Karriere gewann er diesen Titel in dieser Gewichtsklasse auch noch 1955 und 1956. 1957 wurde er polnischer Meister im Mittelgewicht und 1959, 1960, 1961, 1962, 1963, 1964 und 1965 im Halbschwergewicht. Zudem wurde er mit BBTS Bielsko-Biała und mit Legia Warschau auch noch dreimal polnischer Mannschaftsmeister. Mit elf Einzeltiteln war er bis zum Jahre 2005 polnischer Rekordhalter.

Im Jahre 1955 startete Zbigniew Pietrzykowski, der ein physisch enorm starker Boxer mit einer hervorragenden Technik und zudem Rechtsausleger war, zum zweitenmal bei einer Europameisterschaft. In Berlin (West) bezwang er dabei im Halbmittelgewicht Hans Rienhardt aus der Bundesrepublik Deutschland, Bernard Foster aus England, Marcel Pigou aus Frankreich und im Finale Karlos Dschanerjan aus der UdSSR jeweils klar nach Punkten und gewann damit seinen ersten Europameistertitel.

In einem Vorbereitungsturnier für die Olympischen Spiele 1956 in Melbourne gelang Zbigniew Pietrzykowski in Warschau ein Sieg über den ungarischen Olympiasieger László Papp. Bei den Olympischen Spielen selbst siegte er im Halbmittelgewicht zunächst über Richard Karpow aus der UdSSR und Boris Nikolow aus Bulgarien klar nach Punkten und traf im Halbfinale erneut auf Laszlo Papp. Laszlo Papp, der fast einen Kopf kleiner war als Zbigniew Pietrzykowski, beherrschte in diesem Kampf seinen polnischen Gegner eindeutig und gewann klar nach Punkten. Zbigniew Pietrzykowski gewann damit die olympische Bronzemedaille.

Im Jahre 1957 startete Zbigniew Pietrzykowski bei der Europameisterschaft in Prag erstmals im Mittelgewicht. Er zwang dabei im Viertelfinale Rudolf Kuchta aus der Tschechoslowakei schon in der 1. Runde zur Aufgabe, besiegte im Halbfinale Paul Nickel aus Schwerin klar nach Punkten und kam im Finale zu einem umstrittenen Punktsieg (3:2 Punktrichterstimmen) über den über sich hinauswachsenden Jugoslawen Dragoslav Jakovljević.

Bei der Europameisterschaft 1959 in Luzern startete Zbigniew Pietrzykowski erneut in einer höheren Gewichtsklasse, dem Halbschwergewicht. Er kam aber auch in dieser Gewichtsklasse problemlos zurecht und besiegte in Luzern Peter Stankow aus Bulgarien nach Punkten, Gilles van der Velden aus den Niederlanden durch KO in der 1. Runde, Lew Senkin aus der Sowjetunion nach Punkten und im Finale Gheorghe Negrea aus Rumänien durch techn. KO in der 2. Runde und gewann damit schon seinen dritten Europameistertitel.

Bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom hoffte Zbigniew Pietrzykowski auf den Olympiasieg. Seine vorherigen Erfolge machten ihn auch zu einem der Mitfavoriten. Dieser Favoritenstellung kam er in Rom auch nach, denn er schlug dort Carl Crawford aus Guyana, Emil Willer aus Deutschland, Petar Spassow aus Bulgarien und Giulio Saraudi aus Italien nach Punkten und traf im Finale auf den neunzehnjährigen US-Amerikaner Cassius Clay. Cassius Clay war bis zu den Olympischen Spielen in Rom in Europa völlig unbekannt, doch hatten ihn seine Siege in Rom zu einem heißen Titelanwärter gemacht. Gegen Zbigniew Pietrzykowski, der dem US-Amerikaner körperlich überlegen war, hatte Cassius Clay in der ersten Runde enorme Schwierigkeiten, die vor allem aus der Tatsache herrührten, dass Pietrzykowski Rechtsausleger war. Im Laufe des Kampfes gewann Clay aber durch seine ausgefeilte Technik und vor allem durch seine Schnelligkeit die Oberhand und siegte einstimmig nach Punkten. Ein Urteil, das von allen Experten als richtig empfunden wurde. Zbigniew Pietrzykowski erhielt deshalb die olympische Silbermedaille.

Im Jahre 1961 fehlte Zbigniew Pietrzykowski verletzungsbedingt bei der Europameisterschaft. 1963 war er in Moskau aber wieder am Start. Er siegte dort über Kiril Pandow aus Bulgarien durch techn. KO in der 2. Runde, bezwang dann Frantisek Polacek aus der Tschechoslowakei nach Punkten und siegte im Endkampf über den aufstrebenden Dan Posniak (Sowjetunion) durch techn. KO in der 3. Runde. Das war sein vierter Europameistertitel.

1964 versuchte dann Zbigniew Pietrzykowski in Tokio zum dritten Mal, Olympiasieger zu werden. Er schaffte es aber wieder nicht, denn er unterlag im Halbfinale dem sowjetischen Sportler Alexei Kiseljew mit 1:4 Richterstimmen nach Punkten. Vorher hatte er gegen Ronald Holmes aus Jamaika und gegen Rafael Gargiulo aus Argentinien gewonnen. Es blieb somit für ihn wieder nur die olympische Bronzemedaille.

Zbigniew Pietrzykowski war im Zeitraum von 1955 bis 1964 einer der besten Boxer der Welt. Doch hatte er das Pech, dass er bei den Olympischen Spielen 1956 in László Papp und 1960 in Cassius Clay, dem späteren Muhammad Ali, auf zwei ganz außergewöhnlich gute Boxer traf. Die Niederlage gegen Alexei Kiseljew im Jahre 1964 kam dagegen überraschend.

Im Laufe seiner Karriere bestritt Zbigniew Pietrzykowski auch noch über 40 Länderkämpfe. Dabei wurde er nur zweimal besiegt. Er gewann dabei alle Kämpfe, die er gegen deutsche Gegner aus Ost und West bestritt. Es waren dies Hans Geserick, Fritz Böttcher, Ulrich Krause, Willi Kopischke, Kurt Stroer, Bruno Wittkowski, Hans-Joachim Brauske, Jürgen Schlegel und Kurt Morwinsky.

Am 10. Februar 1968 bestritt Zbigniew Pietrzykowski seinen letzten Kampf. Er hatte insgesamt 350 Kämpfe bestritten, von denen er 334 gewann. Zweimal boxte er unentschieden, und nur vierzehnmal verließ er den Ring als Verlierer.

Nach seiner aktiven Zeit war Zbigniew Pietrzykowski Trainer bei BBTS Bielsko-Biała, GKS Katowice und Wisla Kraków. Von 1993 bis 1997 war er Abgeordneter des polnischen Parlamentes (Sejm) für die Partei Lech Walesas, die BBWR. Er war außerdem viele Jahre lang Vizepräsident des polnischen Olympischen Komitees.

Internationale Erfolge[Bearbeiten]

Jahr Platz Wettbewerb Gewichtsklasse
1953 3. EM in Warschau Halbmittel hinter Bruce Wells, England und Max Resch, BRD, gemeinsam mit Boris Tischin, UdSSR
1955 1. EM in Berlin (West) Halbmittel vor Karlos Dschanerjan, UdSSR, Marcel Pigou, Frankreich, und Rolf Caroli, DDR
1956 1. Intern. Turnier in Warschau Halbmittel mit technischem KO-Sieg in der 2. Runde im Finale über László Papp, Ungarn
1956 Bronze OS in Melbourne Halbmittel hinter László Papp, Ungarn, und José Torres, USA, gemeinsam mit John McCormack, Großbritannien
1957 1. EM in Prag Mittel vor Dragoslav Jakovljevic, Jugoslawien, Paul Nickel, DDR, und Manfred Schönberg, BRD
1958 1. Intern. Turnier in Lodz Halbschwer mit technischem KO-Sieg in der 3. Runde im Finale über Zdzislaw Jozefowicz, Polen
1959 1. EM in Luzern Halbschwer vor Gheorghe Negrea, Rumänien, Lew Senkin, UdSSR u. Giulio Saraudi, Italien
1960 Silber OS in Rom Halbschwer hinter Cassius Clay, USA, vor Giulio Sauraudi u. Anthony Madigan, Australien
1963 1. EM in Moskau Halbschwer vor Dan Pozniak, UdSSR, Frantisek Polacek, Tschechoslowakei, und Bernard Thebault, Frankreich
1964 Bronze OS in Tokio Halbschwer hinter Cosimo Pinto, Italien, und Alexei Kiseljew, UdSSR, gemeinsam mit Alexander Nikolow, Bulgarien

Polnische Meisterschaften[Bearbeiten]

Jahr Platz Gewichtsklasse Finalergebnis
1953 2. Halbmittel Punktniederlage gegen Leszek Leiss
1954 1. Halbmittel kampflos Sieger über Jerzy Krawczyk
1955 1. Halbmittel Gegner nicht bekannt
1956 1. Halbmittel Gegner nicht bekannt
1957 1. Mittel Gegner nicht bekannt
1959 1. Halbschwer Gegner nicht bekannt
1960 1. Halbschwer Punktsieger über Zdzislaw Jozefowicz
1961 1. Halbschwer Punktsieger über Zdzislaw Jozefowicz
1962 1. Halbschwer Punktsieger über Tadeusz Kubacki
1963 1. Halbschwer Punktsieger über Zdzislaw Jozefowicz
1964 1. Halbschwer Punktsieger über Zdzislaw Jozefowicz
1965 1. Halbschwer kampflos Sieger über Stanisław Dragan

Anm.: 0S = Olympische Spiele, EM = Europameisterschaft, Halbmittelgewicht, bis 71 kg, Mittelgewicht, bis 75 kg u. Halbschwergewicht, bis 81 kg Körpergewicht

Länderkämpfe[Bearbeiten]

  • 1953 in Helsinki, Finnland gegen Polen, Hm, Punktsieger über Pentti Kontula,
  • 1954 in Budapest, Ungarn gegen Polen, Hm, Punktniederlage gegen László Papp,
  • 1954 in Warschau, Polen gegen Belgien, Hm, Abbruch-Sieger 2. Rnde über van Houcke,
  • 1954 in Warschau, Polen gegen DDR, Hm, tech.-KO-Sieger 2. Runde über Hans Geserick,
  • 1954 in Sofia, Bulgarien gegen Polen, Hm, Punktsieger über Wassil Ksotow,
  • 1954 in Sofia, Polen gegen UdSSR, Hm, Punktsieger über Gleb Tolstikow,
  • 1954 in Sofia, Polen gegen Ungarn, Hm, Punktsieger über Istvan Raduly,
  • 1954 in Paris, Frankreich gegen Polen, Hm, tech.-KO-Sieger 2. Runde über Hippolyte Annex,
  • 1954 in Antwerpen, Belgien gegen Polen, Hm, Punktsieger über van de Velde,
  • 1954 in Katowice, Polen gegen Finnland, Hm, Punktsieger über Veijo Alho,
  • 1955 in Warschau, Polen gegen Jugoslawien, Mi, Punktsieger über Nikola Popovic,
  • 1955 in Prag, Tschechoslowakei gegen Polen, Mi, Punktsieger über Bedrich Koutny,
  • 1955 in Helsinki, Finnland gegen Polen, Hm, Punktsieger über Heikki Juntikka,
  • 1956 in Nowa Huta, Polen gegen Ungarn, Hm, Punktsieger über Laszlo Cziszar,
  • 1956 in Warschau, Polen gegen BRD, Hm, Punktsieger über Fritz Böttcher,
  • 1956 in Warschau, Polen gegen England, Hm, Punktsieger über Terry Collins,
  • 1957 in Warschau, Polen gegen Finnland, Punktsieger über Vihtori Matinaho,
  • 1957 in London, England gegen Polen, Mi, KO-Sieger 1. Runde über Sid Parkinson,
  • 1957 in Manchester, England gegen Polen, Mi, Punktsieger über Fred Elderfield,
  • 1958 in Bydgoszcz, Polen gegen Jugoslawien, Hs, Punktsieger über Nikola Popovic,
  • 1958 in Rostock, DDR gegen Polen, Hs, KO-Sieger 1. Runde über Ulrich Krause,
  • 1958 in Wrocław, Polen gegen Ungarn, Hs, tech.-KO-Sieger 1. Runde über Laszlo Czarbajski,
  • 1959 in Essen, BRD gegen Polen, Hs, Punktsieger über Willi Kopischke,
  • 1959 in Zagreb, Jugoslawien gegen Polen, Hs, Punktsieger über Ahmed Boganic,
  • 1959 in Ljubljana, Jugoslawien gegen Polen, Hs, Sieger über Wladimir Sutovic,
  • 1960 in Lodz, Polen gegen BRD,Hs, Punktsieger über Kurt Stroer,
  • 1960 in Gdansk, Polen gegen DDR, Hs, KO-Sieger 1. Runde über Rolf Danielczyk,
  • 1961 in Berlin (Ost), DDR gegen Polen, Hs, Punktsieger über Ulrich Krause,
  • 1961 in Lodz, Polen gegen Schottland, Hs, Punktsieger über Ian Crawford,
  • 1961 in Budapest, Ungarn gegen Polen, Hs, Punktsieger über Ernö Szenasi,
  • 1962 in Warschau, Polen gegen Bulgarien, Hs, Punktsieger über Boris Georgiew,
  • 1962 in Wrocław, Polen gegen DDR, Hs, Punktsieger über Bruno Wittkowski,
  • 1962 in Lodz, Polen gegen Ungarn, Hs, Aufgabe-Sieger 3. Runde über Jozsef Benigni,
  • 1963 in Bukarest, Rumänien gegen Polen, Hs, Disq.-Sieger 3. Runde über Ion Monea,
  • 1963 in Lodz, Polen gegen Rumänien, Hs, KO-Sieger 3. Runde über Stefan Cojan,
  • 1963 in Tokio, Japan gegen Polen, Hs, Punktsieger über Ingarasi,
  • 1963 in Takaoka, Japan gegen Polen, Hs, techn.-KO-Sieger 2. Runde über Tenma,
  • 1963 in Poznan, Polen gegen DDR, Hs, Punktsieger über Hans-Joachim Brauske,
  • 1963 in Schwerin, DDR gegen Polen, Hs, Punktsieger über Jürgen Schlegel,
  • 1963 in Wrocław, Polen gegen BRD, Hs, Punktsieger über Kurt Morwinsky,
  • 1963 in Lodz, Polen gegen UdSSR, Hs, Punktsieger über Dan Pozniak,
  • 1964 in London, England gegen Polen, Hs, Punktsieger über Ian Lawther,
  • 1964 in Westwood, England gegen Polen, Hs, Punktsieger über Ian Lawther,
  • 1965 in Lodz, Polen gegen England, Hs, tech.-KO-Sieger 3. Runde über Ion Lawther,
  • 1966 in Wrocław, Polen gegen Tschechoslowakei, Hs, Punktsieger über Frantisek Polacek

Quellen[Bearbeiten]

  • Fachzeitschrift Box Sport aus den Jahren 1953 bis 1968
  • Box Almanach 1920–1980, Herausgeber Deutscher Amateur-Box-Verband e. V., 1980
  • Website „www.sport-komplett.de“
  • Website „www.amateur-boxing.strefa.pl“
  • Website „www.olimpijski.pl“

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zbigniew Pietrzykowski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien