Zbraslav

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Zbraslav (Begriffsklärung) aufgeführt.
Zbraslav
Wappen
Zbraslav (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Hlavní město Praha
Gemeinde: Praha
Fläche: 984,86 ha
Geographische Lage: 49° 58′ N, 14° 23′ O49.967514.386666666667207Koordinaten: 49° 58′ 3″ N, 14° 23′ 12″ O
Höhe: 207 m n.m.
Einwohner: 7.448 (1. März 2001)
Postleitzahl: 156 00
Kfz-Kennzeichen: A
Verkehr
Straße: Praha - Mníšek pod Brdy
Bahnanschluss: Dobříš–Praha-Modřany
Struktur
Status: Stadtteil
Ortsteile: 2
Verwaltung
Bürgermeister: Zuzana Vejvodová (Stand: 2015)
Adresse: Zbraslavské náměstí 464
156 00 Praha 5-Zbraslav
Website: www.mc-zbraslav.cz
Schloss Zbraslav, das ehemalige Zisterzienserkloster Aula Regia, Juni 2006

Zbraslav (deutsch Königsaal) ist ein Stadtteil von Prag. Er liegt ca. zehn km südlich vom Prager Stadtzentrum linksseitig der Moldau und gehört zum 5. Stadtbezirk und dem Verwaltungsbezirk Prag 16.

Geographie[Bearbeiten]

Zbraslav befindet sich in den nordöstlichen Ausläufern der Hřebeny (Brdykamm) über dem Moldautal. Nördlich des Ortes mündet der Lipanský potok (früher die Berounka), östlich der Břežanský potok in die Moldau. Östlich erhebt sich der Čihadlo (385 m n.m.), südöstlich die Hradiště, im Südwesten der Cukrák (411 m n.m.) sowie westlich der St. Gallus-Berg.

Nachbarorte sind Lahovice im Norden, Komořany und Cholupice im Nordosten, Nouzov, Závist und Točná im Osten, Lhota und Zálepy im Südosten, Záběhlice im Süden, Žabovřesky im Südwesten, Peluněk und Buda im Westen sowie Radotín im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Zbraslav wurde erstmals 1115 als Besitz des Klosters Kladruby erwähnt. Nachdem der Ort in den Besitz der böhmischen Krone gelangt war, ließ sich König Ottokar II. im Jahre 1268 an der Mündung der Miesa in die Moldau einen Jagdhof errichten. Sein Nachfolger Wenzel II. gründete am 20. April 1292 das Kloster Aula Regia, das vom Zisterzienserorden in Waldsassen und dessen Tochterkloster Sedletz besiedelt wurde.

Die 1297 errichtete Basilika des Klosters wurde zur Grablege der Herrscherfamilie der Přemysliden, in der die Könige Wenzel II., Wenzel III. und Wenzel IV. beigesetzt wurden. Die Gebeine der letzten Přemyslidenkönige wurden 1991 in die Jacobusbasilika überführt.

Eine der bedeutendsten spätmittelalterlichen Geschichtsquellen Böhmens, die Königsaaler Chronik (Chronicon Aulae regiae), wurde im Kloster Aula Regia von Abt Otto von Thüringen (Abt 1312–1314) begonnen und vom wohl bekanntesten Abt des Klosters, Peter von Zittau, weitergeführt. Das Kloster war ein bedeutendes Zentrum der Bildung und des Humanismus in Böhmen und dem gesamten Heiligen Römischen Reich. Das Kloster wurde zweimal, 1420 von den Hussiten und 1639 von den Schweden schwer verwüstet. Vor 1653 wurde Königsaal zum Städtchen erhoben.

Kaiser Joseph II. hob das Kloster im Jahre 1785 auf. 1787 nahm die k.k. Privilegirte Zucker-Raffinerie zu Königsaal bey Prag in den Klostergebäuden ihren Betrieb auf. 1825 kam das Städtchen in den Besitz des Fürstenhauses zu Oettingen-Wallerstein. Beim Hochwasser von 1829 wurde der 1799 entstandene neue Nebenarm der Miesa zwischen Radotín und Modřany zum Hauptarm das Flusses ausgespült. Der Besitzer der Herrschaft Königsaal, Friedrich Kraft zu Oettingen-Wallerstein, ließ im selben Jahre zur Vermeidung weiterer Durchbrüche und Überschwemmungen das neue Hauptflussbett mit staatlicher Unterstützung kanalisieren, so dass bei Königsaal nur noch ein Nebenarm in die Moldau floss.

Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften zur Königsaal zum Sitz eines Gerichtsbezirkes im Berauner Kreis. Ab 1868 gehört das Städtchen zum Bezirk Smichow. Das alte Flussbett der Miesa zwischen Buda, Peluněk, Žabovřesky und Zbraslav wurde beim Hochwasser von 1872 gänzlich abgeworfen, es entstand der Lipanský potok.[1]

Unter dem nächsten Besitzer der Herrschaft, Cyril Bartoň-Dobenín, erfolgte eine Restaurierung und ein Umbau der Klosteranlagen zu einem Schloss. 1924 erfolgte die Eingemeindung von Žabovřesky und Záběhlice, zugleich wurden auch die Kataster vereinigt. Im Jahre 1967 wurde Zbraslav zur Stadt erhoben. 1974 erfolgte die Eingemeindung nach Prag als Ortsteil. Die Ortsteile Zbraslav und Lahovice wurden 1990 zum Stadtteil Praha-Zbraslav zusammengeschlossen. Im Jahre 1991 hatte der Ortsteil Zbraslav 7151 Einwohner, zehn Jahre später 7448 Einwohner in 1305 Wohnhäusern.

Ortsgliederung[Bearbeiten]

Der Stadtteil Praha-Zbraslav gliedert sich in die Ortsteile[2] und Katastralbezirke[3]Lahovice und Zbraslav. Grundsiedlungseinheiten sind Baně (Banie), Krňák, Lahovice (Lahowitz), Lahovičky (Klein Lahowitz), Lahovičky-soutok, Nad lomem, Peluněk (Pelunek), Strnady, U vysílače, Závist, Zbraslav-Záběhlice (Sabiehlitz) und Žabovřesky (Zawobresk).[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Schloss Zbraslav, bis 2009 waren darin Teile der Sammlungen der Prager Nationalgalerie untergebracht. Heute ist nur noch der südliche Teil des Schlossparks öffentlch zugänglich.
  • Kirche St. Gallus auf dem Gallusberg
  • Naturdenkmal Krňák am Altarm der Berounka
  • Fernsehturm Cukrák

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zbraslav – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien