Zeit der Liebe, Zeit des Abschieds

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Zeit der Liebe, Zeit des Abschieds
Originaltitel Dodsworth
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1936
Länge 101 Minuten
Stab
Regie William Wyler
Drehbuch Sidney Howard
Produktion Samuel Goldwyn
Musik Alfred Newman
Kamera Rudolph Maté
Schnitt Daniel Mandell
Besetzung

Zeit der Liebe, Zeit des Abschieds (Originaltitel: Dodsworth) ist ein US-amerikanischer Spielfilm mit Walter Huston und Ruth Chatterton unter der Regie von William Wyler aus dem Jahr 1936. Der Film entstand nach dem Roman Sam Dodsworth (Originaltitel: Dodsworth) von Sinclair Lewis.

Handlung[Bearbeiten]

Sam Dodsworth ist der Vorstandsvorsitzende des US-amerikanischen Automobilherstellers Revelation Motor Company. Seine Ehefrau Fran fühlt sich alt und überredet ihren Mann, mit ihr auf eine längere Reise nach Europa zu gehen. Das Paar überquert auf dem Luxusliner Queen Mary dem Atlantik. Schon auf der Überfahrt blüht Fran auf und beginnt sich für andere Männer zu interessieren, während Sam auf dem Schiff die junge Witwe Edith Cortright kennenlernt. Die Ehe der Dodsworths steht kurz vor dem Ende. Fran hat sich in einen europäischen Adeligen verliebt und verlangt die Scheidung. Als jedoch die ersehnte Hochzeit mit dem Adeligen platzt, kehrt sie zu Sam zurück. Gemeinsam wollen sie wieder zurück nach Amerika fahren. Bereits auf dem Schiff erkennt Sam jedoch, dass die Ehe tatsächlich keine Zukunft mehr hat. In letzter Sekunde verlässt er das Schiff und entscheidet sich für ein gemeinsames Leben mit Edith Cortright.

Hintergrund[Bearbeiten]

Sinclair Lewis war bereits ein anerkannter Schriftsteller, als er 1929 seinen Roman Dodsworth veröffentlichte. Das Buch steht in der Tradition von Henry James und wirft einen besorgten Blick auf die Zustände innerhalb der amerikanischen Gesellschaft. Bereits drei Monate nach der Veröffentlichung waren über 85.000 Exemplare verkauft. 1930 erhielt Sinclair Lewis als erster Amerikaner den Nobelpreis für Literatur zugesprochen.

Sidney Howard erwarb 1932 die Filmrechte an dem Soff, veräußerte sie jedoch weiter an den Produzenten Samuel Goldwyn. Beide hatten mit Arrowsmith bereits erfolgreich einen Stoff von Sinclair Lewis auf die Leinwand gebracht. Die Geschichte um einen idealistischen Arzt zeigte Ronald Colman und Helen Hayes in den Hauptrollen und erwies sich als sehr erfolgreich bei Publikum und Presse.

Goldwyn zögerte jedoch, da er die Geschichte um ein Ehepaar reiferen Alters für nicht kommerziell genug hielt. Erst einige Jahre später, nachdem eine Theaterproduktion des Stoffs sich als sehr erfolgreich erwiesen hatte, ging Dodsworth schließlich vor die Kameras.

Die Besetzung erwies sich teilweise als schwierig. Walter Huston, dessen Karriere schon 1909 begonnen hatte, war fast 50 und damit der ideale Kandidat für den Titelhelden, den er mit Erfolg bereits auf der Bühne gespielt hatte. Maria Ouspenskaya war ebenfalls in der Bühnenadaption zu sehen. Schwieriger wurde die Besetzung der Rolle der Fran. Zunächst sollte Fay Bainter, Hustons Bühnenpartnerin, den Part übernehmen. Dann entschied sich Goldwyn jedoch für Ruth Chatterton, deren Filmkarriere 1928 in den letzten Tagen des Stummfilms begann. Der Tonfilm machte aus Chatterton den höchstbezahlten Star von Paramount Pictures, ehe schlechte Drehbücher und ein übereilter Wechsel zu Warner Brothers ihre Karriere bereits 1932/1933 de facto wieder beendete. Goldwyn musste die Schauspielerin, die seit einigen Jahren keine Angebote mehr erhielt, trotzdem mehr oder weniger zwingen, eine Frau von über 40 zu spielen. Chatterton wies insoweit bemerkenswerte Parallelen zu Fran Dodsworth auf, als sie ebenfalls nicht wahrhaben wollte, dass ihre Schönheit und Jugend bereits seit langer Zeit passé waren.

Mary Astor hatte ebenfalls bereits bessere Tage gesehen, als sie die Rolle der wohlerzogenen und kultivierten Edith angeboten bekam. Anfang der 1920er war Astor ein gefragter Star, doch allmählich nahm die Bedeutung ihrer Rollen ab, und sie machte mehr Schlagzeilen durch ihr turbulentes Privatleben und wechselnde Liebhaber als durch professionelle Erfolge. Kurz vor Beendigung der Dreharbeiten war Astor in einen der größten Skandale der 1930er verstrickt, als ihr damaliger Ehemann ihr Tagebuch in den laufenden Scheidungsprozess einbrachte und Teile daraus in der Presse veröffentlicht wurden. Darin beschrieb Astor im Detail ihre Affäre mit dem bekannten Bühnenautor George S. Kaufmann.

Die Regie sollte zunächst Gregory La Cava übernehmen, ehe sich Goldwyn für seinen eigenen Vertragsregisseur William Wyler entschied, der erst kurz vorher mit der Adaption von Lillian Hellmans Stück The Children's Hour einen großen Erfolg hatte. Wyler und Huston kannten sich bereits seit den Dreharbeiten zu A House Divided, einer nur vage kaschierten Version von Desire Under the Elms mit Helen Chandler aus dem Jahr 1931. Beide arbeiteten eng bei der Abfassung des Drehbuchs zusammen und sorgten einvernehmlich dafür, dass der Charakter der Fran weicher und weniger materialistisch gezeichnet wurde.

Rezeption und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film wurde einer der größten kommerziellen Erfolge des Jahres und von den Kritikern einhellig gelobt. Die New York Times führte Dodsworth in ihrer Liste der 10 besten Filme des Jahres.

Bei den Oscars erhielt Dodsworth Nominierungen in den Kategorien:

  • Bester Film
  • Bester Hauptdarsteller - Walter Huston
  • Beste Nebendarstellerin – Maria Ouspenskaya
  • Beste Regie
  • Bestes Drehbuch
  • Beste Tonaufnahme
  • Beste Szenenbild - Gewonnen

Walter Huston gewann für seine Darstellung den New York Film Critics Circle Award als Bester Darsteller.

1990 wurde Dodsworth in die National Film Registry aufgenommen.

Kritiken[Bearbeiten]

„Die Verfilmung des Romans von Sinclair Lewis, die den Ruf und Ruhm ihres Regisseurs begründete.“

Lexikon des internationalen Films[1]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zeit der Liebe, Zeit des Abschieds im Lexikon des Internationalen Films