Zeit der Unschuld

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Filmdaten
Deutscher Titel Zeit der Unschuld
Originaltitel The Age of Innocence
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1993
Länge 140 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Martin Scorsese
Drehbuch Jay Cocks
Martin Scorsese
Produktion Barbara De Fina
Musik Elmer Bernstein
Kamera Michael Ballhaus
Schnitt Thelma Schoonmaker
Besetzung

Zeit der Unschuld von Martin Scorsese aus dem Jahr 1993 ist eine Verfilmung des Romans Age of Innocence von Edith Wharton,[1] für den sie 1921 den Pulitzer-Preis erhalten hatte.

Handlung[Bearbeiten]

New York in den 1870ern: Anwalt Newland Archer ist verlobt mit der hübschen, naiven May Welland, einer standesgemäßen Partie. Er beginnt sein geplantes Leben zu hinterfragen, als ihre Cousine, die schöne Gräfin Ellen Olenska, ankommt. Sie hat ihren ausfallend werdenden Ehemann, einen polnischen Grafen, verlassen, was sie in der High-Society zur Außenseiterin macht und ihre Familie einen offenen Skandal fürchten lässt. Archer verliebt sich leidenschaftlich in die unkonventionelle Ellen und beginnt an der New Yorker Gesellschaft und ihrer Moral und ihren Ansichten zu zweifeln. Dementsprechend hadert er mit der Aussicht auf eine leidenschaftslose Ehe mit May und mit seinem Leben in einem erstarrten gesellschaftlichen System. Es fehlt ihm jedoch der Mut, seine Verlobung zu lösen und aus der Gesellschaft auszubrechen. Auch nach seiner Eheschließung mit May hält seine heimliche Liebe zu Ellen Olenska an, woraus sich allerdings nie eine "richtige" Affäre entwickelt. In dem Moment, in dem Archer tatsächlich über einen Ehebruch und ein Verlassen Mays nachdenkt, entzieht sich Ellen ihm: Sie hat noch vor Archer von Mays Schwangerschaft erfahren.

Nach vielen Jahren, nachdem seine Ehefrau May bereits verstorben ist, unternimmt Newland Archer zusammen mit seinem Sohn eine Reise nach Paris, wo Ellen Olenska inzwischen lebt. Obwohl oder vielleicht gerade weil Archer Ellen nicht mehr getroffen hat, seit sie vor Jahren New York endgültig verließ, hat er nicht den Mut zu einem späten Wiedersehen mit ihr.

Entstehung[Bearbeiten]

Der Filmkritiker Jay Cocks machte seinen Jugendfreund Martin Scorsese, der seit langem einen Liebesfilm plante, 1980 auf Whartons Roman "Age of Innocence" aufmerksam. Scorseses Drogensucht, seine stürmische Ehe mit Isabella Rossellini und manische Depressionen ließen eine Auseinandersetzung mit diesem subtilen Material zu dieser Zeit nicht zu, aber am Ende des Jahrzehnts hatte er filmisch großen Erfolg und kam auch privat zur Ruhe. Nach den Arbeiten zu Die letzte Versuchung Christi las er den Roman und arbeitete mit Cocks drei Wochen lang an einem Drehbuch. Während Cocks noch weitere drei Jahre an der Struktur arbeitete, drehte Scorsese seine Filmerfolge Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia und Kap der Angst, bevor beide im Dezember 1991 das Buch für "Age" mit letzten Details ausschmückten. Columbia Pictures stellte $35 Mio. für die Produktion bereit, im März 1992 begannen die Dreharbeiten in New York und endeten im Juni 1992 in Paris. Von Columbia als Oscar-Favorit geplant, musste eine Veröffentlichung im Dezember 1992 wegen des komplizierten Schnitts und der Krankheit von Scorseses Vater verschoben werden. Nach fast zehn Monaten Nachbearbeitung feierte Zeit der Unschuld bei den Filmfestspielen von Venedig 1993 seine Premiere. Als das Meisterwerk seines Regisseurs bejubelt, stand der Film im Dezember 1993 bei den Preisverleihungen gleichwohl in Konkurrenz zu Steven Spielbergs bei Kritik und Publikum gleichsam erfolgreichen Holocaust-Drama Schindlers Liste, das schließlich auch das Gros der zu gewinnenden Auszeichnungen gewinnen sollte, wodurch Columbia der mit Zeit der Unschuld erwartete Preisregen verwehrt blieb.

Kritik[Bearbeiten]

Lexikon des internationalen Films: Ein grandios fotografiertes und inszeniertes Drama um den Konflikt von Sehnsucht und Verantwortung in einer von starren gesellschaftlichen Konventionen und engen Moralvorstellungen geprägten Welt. Schauspielerisch sehr zurückhaltend, offenbart sich das innere Drama der Hauptfiguren über die Zeichen- und Symbolsprache einer auf Äußerlichkeiten reduzierten Umwelt.[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. zu den verschiedenen deutschsprachigen Buchausgaben und -titeln siehe den Namensartikel
  2. Zeit der Unschuld im Lexikon des Internationalen Films