Zeitkapsel

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Eine Zeitkapsel ist ein Behälter zur Aufbewahrung von Dingen für eine bestimmte Zeit, der erst nach Ablauf eines bestimmten Zeitintervalls von Personen geöffnet wird oder werden darf, mit dem Zweck, zeittypische Dinge für nachfolgende Generationen zu bewahren und zu dokumentieren.

Der Begriff wurde in den 1930er-Jahren wohl zum ersten Mal benutzt; in den USA existieren aus der Zeit der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert schätzungsweise ca. 30 Zeitkapseln. Dort ist das Verfahren weiter verbreitet als in Europa, wo das erste bekannte entsprechende Behältnis aus dem Jahr 1907 stammt.[1][2]

Variationen[Bearbeiten]

Verschließen einer kupfernen Zeitkapsel durch Weichlöten bei einer Grundsteinlegung
Aus einer Betonstufe; freigelegte Flaschen-Zeitkapsel. Durch Feuchtigkeit zerstörter Inhalt (Papierbrei)

Die typische Zeitkapsel (häufig wird auch von Urne, Kiste, Kapsel, Schatulle, Kassette, Dokumentenhülse, Bulle, „Flaschenpost“ oder allgemein von einem Behälter gesprochen) ist ein Behältnis, das beispielsweise bei einer Grundsteinlegung mit in den Grundstein eines neuen Gebäudes eingemauert wird. Auch in der Kugel von Kirchturmspitzen, dem Kirchturmknopf, werden traditionell Zeitkapseln hinterlegt. Im Gegensatz zu Grundsteinen, die selten geöffnet werden, wird bei der Renovierung von Kirchturmspitzen eine Öffnung und Schaffung meist zu einem Ereignis mit regionaler Bedeutung. Die alten Inhalte werden gerne in der Presse und den Medien präsentiert und deren Geschichte und der damalige Zeitpunkt der Legung dargestellt. Die Neulegung ist ebenso einen Bericht wert. Dabei werden die alten Inhalte mit neuen Dingen ergänzt und im Behälter verschlossen. Diese Inhalte können sein: Münzen und Geldscheine, Zeitungen des Tages, neu verfasste Chroniken und statistische Informationen der Ortschaft oder Stadt.

Es existieren auch andere Varianten der Zeitkapsel, zum Beispiel eine Kapsel, die man an sich selbst schickt und dann in ferner Zukunft öffnet, oder private Zeitkapseln für die Nachkommen. So werden manchmal Zeitkapseln auch nicht oder nicht vorwiegend mit der Intention gestaltet, die Gegenwart zu illustrieren (um sich später in der Zukunft wieder neu an diese dann zur Vergangenheit gewordene Zeit zu erinnern), sondern um Wünsche auszudrücken und Zukunftsvorhersagen zu treffen (beispielsweise wie das eigene Leben in einigen Jahren aussehen könnte). Der besondere Reiz liegt hierbei oft darin, dadurch die Möglichkeit zu haben, später zu sehen, inwiefern diese Prognosen eingetroffen sind und sich bewahrheitet haben – oder eben nicht. Häufig hat dieses gestern noch für realistisch Gehaltene aus der Sicht der heutigen Realität daher auch ein kurioses Element und bietet nicht selten Anlass sich (über sich selbst) zu amüsieren.

Auch Zufallsfunde bzw. Dachbodenfunde sind im weiteren Sinn Zeitkapseln. Diese historisch interessanten Funde sind aber meist unbeabsichtigt entstanden. Sogar ganze Bauwerke werden so genannt.

Archäologische Zeitkapseln reichen von Rattenabfallhaufen über Eisbohrkerne bis hin zum antiken Pompeji.

Charakteristika einer Zeitkapsel tragen auch interstellare Botschaften wie die Pioneer-Plakette oder die Voyager Golden Record, da sie sehr lange unterwegs und deshalb bereits teilweise veraltet sein würden, wenn eine außerirdische Intelligenz auf sie stieße.

Kapsel[Bearbeiten]

Der Behälter bzw. die Kapsel sollte luft- und wasserdicht verschlossen werden können, um den Inhalt über einen langen Zeitraum sicherstellen zu können. Vergleichbar ist dies mit der Flaschenpost. Dringt Feuchtigkeit in die Kapsel, verrotten die Dokumente, Münzen können oxidieren und somit den Sinn der Kapsel zunichtemachen.

Lagerort[Bearbeiten]

Der Lagerort sollte an einer wettergeschützten Stelle liegen, um ein Durchdringen von Feuchtigkeit (Regenwasser, Staunässe) zu vermeiden. Sollte die Kapsel vergraben werden, dann sollte darauf geachtet werden, dass Sie unterhalb der Frostgrenze liegt, da Sie sonst durch die Witterung beschädigt und als Folge davon undicht werden kann.

Beispiele[Bearbeiten]

Im April 2011 wurde anlässlich der Renovierung des Kirchendaches eine Zeitkapsel aus der Turmkugel von der Spitze der Martinskirche in Müllheim im Markgräflerland geöffnet, die im April 1925 gepackt worden war. Die Dokumente darin waren von von einer Art Wachspapier und einer doppelten Ummantelung aus Blei geschützt.[3] Nach Abschluss der Renovation wurde eine neu befüllte Kupfer-Kassette in die Tumkugel verbracht.[4][5]

Im Herbst 2014 wurde in New York eine 100 Jahre alte Zeitkapsel der New York Historical Society[6] in Form einer massiven Bronze-Kiste geöffnet und sogleich eine neue gepackt.[1] Sie war in den 1990er-Jahren durch Zufall wiederentdeckt worden.[7] Ursprünglich war geplant, die Kiste im Jahr 1974 zu öffnen. Allerdings gerieten sowohl der Klub als auch die Zeitkapsel in Vergessenheit und nach dem Fund wurde beschlossen, bis zum Jahr 2014 mit dem Öffnen zu warten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Crypt of Civilization (luftdicht verschlossener Raum mit Gegenständen aus den 1900-1950er Jahren)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zeitkapseln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Zeitkapsel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Friederike Frantz: badische-zeitung.de: In New York wurde eine Zeitkapsel von 1914 geöffnet. Badische Zeitung, 11. Oktober 2014
  2. Solveig Grothe: spiegel.de: Spektakuläre Zeitkapseln - Bier für das 82. Jahrhundert. Spiegel Online, 24. November 2011
  3. Gabriele Babeck-Reinsch, Volker Münch: badische-zeitung.de: Alte Dokumente in Turmkugel der Kirche entdeckt. Badische Zeitung, 26. April 2011
  4. Gabriele Babeck-Reinsch: badische-zeitung.de: Die Kugel kommt wieder nach oben. Badische Zeitung, 1. Juni 2011
  5. Gabriele Babeck-Reinsch: badische-zeitung.de: EINTÜTEN. Badische Zeitung, 3. Juni 2011
  6. newyorkhistoryblog.org
  7. spiegel.de: Zeitkapsel in New York nach 100 Jahren geöffnet. Der Spiegel, 10. Oktober 2014